Festlied am Tage der Offenbarung Christi

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Johann Rist: Festlied am Tage der Offenbarung Christi (1637)

1
Werde licht, du Stadt der Heiden,
2
Und du, Salem, werde licht,
3
Schaue, welch' ein Glanz mit Freuden
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Ueber deinem Haubt anbricht!
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Gott hat derer nicht vergessen,
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Welch' im Finstern sind gesessen.
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Dunkelheit die muste weichen,
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Als dieß Licht kam in die Welt,
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Dem kein anders ist zu gleichen,
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Welches alle Ding' erhält;
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Die nach diesem Glanze sehen,
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Dürfen nicht im Finstern gehen.
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Ach, wie waren wir verblendet,
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Ehe noch dieß Licht brach an!
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Ja, da hatte sich gewendet
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Schier vom Himmel jedermann,
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Unser' Augen und Geberden
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Klebten blößlich an der Erden.
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Irdisch waren die Gedanken,
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Torheit hielt uns ganz verstrickt;
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Satan macht' uns schändlich wanken,
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Wahre Tugend lag verrückt;
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Fleisch und Welt hat uns betrogen
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Und vom Himmel abgezogen.
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Finsternis fand sich auf Erden,
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Finster war es in der Lehr';
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Alles wolte finster werden
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So, daß auch des Höchsten Ehr'
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Und der Wahrheit unterdessen
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In dem Finstern ward vergessen.
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Gottes Rat war uns verborgen,
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Seine Gnade schien uns nicht,
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Klein' und Große musten sorgen,
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Jedem fehlt es an dem Licht,
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Das zum rechten Himmelsleben
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Seinen Glanz uns solte geben;
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Aber, wie herfür gegangen
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Ist der Aufgang aus der Höh',
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Haben wir das Licht empfangen,
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Welches so viel Angst und Weh'
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Aus der Welt hinweg getrieben,
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Daß nichts Dunkles übrig blieben.
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Jesu, reines Licht der Seelen,
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Du vertreibst die Finsternis,
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Welch' in dieser Sündenhölen
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Unsern Tritt macht ungewis;
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Jesu, deine Lieb' und Segen
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Leuchten uns auf unsern Wegen.
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Nun, du wollest hie verbleiben,
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Liebster Jesu, Tag und Nacht,
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Alles Finstre zu vertreiben,
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Das uns so viel Schreckens macht;
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Laß uns nicht im Dunklen waten
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Noch ins Höllenmeer geraten.
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Liebster Jesu, laß uns leuchten
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Dein erfreulichs Angesicht,
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Laß uns deine Gunst befeuchten,
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Wenn das Kreuzfeur auf uns sticht;
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Laß uns ja wie Christen handlen
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Und in deinem Lichte wandlen.
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Schenk' uns, Herr, daß Licht der Gnaden,
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Das ein Licht des Lebens ist,
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Ohne welches leicht in Schaden
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Fallen kan ein frommer Christ;
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Laß uns dieses Licht erfreuen,
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Wenn wir »Aus der Tiefe« schreien.
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Dieses Licht läßt uns nicht wanken
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In der rechten Glaubensbahn;
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Ewig, Herr, wil ich dir danken,
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Daß du hast so wol gethan
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Und uns diesen Schatz geschenket,
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Der zu deinem Reich' uns lenket.
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Gib, Herr Jesu, Kraft und Stärke,
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Daß wir dir zur jeden Zeit
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Durch beliebte Glaubenswerke
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Folgen in Gerechtigkeit
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Und hernach im Freudenleben
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Heller als die Sterne schweben.
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Dein' Erscheinung müß' erfüllen
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Mein Gemüt in aller Not;
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Dein' Erscheinung müsse stillen
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Meine Seel' auch gar im Tod';
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Herr, in Freuden und im Weinen
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Müsse mir dein Licht erscheinen!
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Jesu, laß mich endlich gehen
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Freudig aus der bösen Welt,
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Dein so helles Licht zu sehen,
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Das mir dort schon ist bestellt,
89
Wo wir sollen unter Kronen
90
In der schönsten Klarheit wohnen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Rist
(16071667)

* 08.03.1607 in Hamburg, † 31.08.1667 in Wedel

männlich, geb. Rist

deutscher Dichter und lutherischer Prediger

(Aus: Wikidata.org)

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