Himmelfahrts-Gesang

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Johann Rist: Himmelfahrts-Gesang (1637)

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Du Lebensfürst, Herr Jesu Christ,
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Der du bist aufgenommen
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Gen Himmel, da dein Vater ist
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Und die Gemein der Frommen,
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Wie sol ich deinen großen Sieg,
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Den du durch einen schweren Krieg
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Erworben hast, recht preisen
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Und dir gnug Ehr' erweisen?
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Du hast die Höll und Sündennot
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Ganz ritterlich bezwungen,
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Du hast den Teufel, Welt und Tod
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Durch deinen Tod verdrungen,
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Du hast gesieget weit und breit!
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Wie werd' ich solche Herlichkeit,
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O Herr, in diesem Leben
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Gnug würdiglich erheben?
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Du hast dich zu der rechten Hand
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Des Vaters hingesetzet,
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Der alles dir hat zugewandt,
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Nachdem du, kaum verletzet,
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Die starken Feind' hast ümgebracht,
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Triumph und Sieg daraus gemacht,
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Ja gar auf deinen Wagen
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Sehr herlich Schau getragen.
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Nun liget alles unter dir,
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Dich selbst nur ausgenommen,
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Es müssen Engel für und für,
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Dir aufzuwarten, kommen;
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Die Fürsten stehen auf der Bahn
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Und sind dir willig unterthan,
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Luft, Wasser, Feur und Erden
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Muß dir zu Dienste werden.
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Du starker Herscher fährest auf
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Mit Jauchzen und Lobsagen
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Und gleich mit dir in vollem Lauf
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Auch mehr denn tausend Wagen.
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Du fährest auf mit Lobgesang,
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Es schallet der Posaunen Klang;
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Mein Gott, für allen Dingen
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Wil ich dir auch lobsingen.
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Du bist gefahren in die Höh,
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Hinführend die gefangen,
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Welch' uns mit Thränen, Ach und Weh
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Genetzet oft die Wangen;
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Drüm preisen wir mit süßem Schall,
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O starker Gott, dich überall,
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Wir, die wir so viel Gaben
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Hierdurch empfangen haben.
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Du bist das Häubt in der Gemein',
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Und wir sind deine Glieder,
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Du wirst der Glieder Schutz ja sein,
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Wir dienen dir hinwieder.
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Du stärkest uns mit Trost und Licht;
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Wann uns für Angst das Herz zerbricht,
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Dann kanst du Kraft und Leben,
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Ja, Fried' und Freude geben.
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Du salbest uns mit deinem Geist
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Und gibst getreue Hirten,
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Die Lehrer, welch' uns allermeist
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Mit Himmelsbrot bewirten.
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Du Hoherpriester zeigest an,
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Daß deine Faust uns retten kan,
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Ja, von der Höllen Rachen
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Uns frei und ledig machen.
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Du hast durch deine Himmelfahrt
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Die Straßen uns bereitet;
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Du hast den Weg uns offenbart,
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Der uns zum Vater leitet,
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Und weil denn du, Herr Jesu Christ,
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Nun stets in deiner Wonne bist,
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So werden ja die Frommen
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Dahin zu dir auch kommen.
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Ist unser Haubt im Himmelreich,
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Als die Apostel schreiben,
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So werden wir, den Engeln gleich,
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Auch nicht heraußen bleiben;
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Du wirst uns, deine Gliederlein,
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Mein Gott, nicht lassen von dir sein,
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Die doch so fest vertrauen,
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Dein' Herrlichkeit zu schauen.
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Herr Jesu, zieh' uns für und für,
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Daß wir mit den Gemütern
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Nur oben wohnen stets bei dir
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In deinen Himmelsgütern;
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Laß unsern Sitz und Wandel sein,
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Wo Fried und Wahrheit gehn herein,
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Laß uns in deinem Wesen,
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Das himlisch ist, genesen.
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Hilf, daß wir suchen unsern Platz
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Nicht hier in diesem Leben,
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Besondern dort, wo du den Platz
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Wirst Gottes Kindern geben.
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Ach, laß uns streben fest und wol
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Nach dem, das künftig werden sol,
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So können wir ergründen,
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Wo dein Gezelt zu finden.
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Zieh uns dir nach, so laufen wir,
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Gib uns des Glaubens Flügel;
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Hilf, daß wir fliehen weit von hier
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Auf Israelis Hügel.
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Mein Gott, wann fahr ich doch dahin,
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Woselbst ich ewig frölich bin,
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Wann werd' ich für dir stehen,
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Dein Angesicht zu sehen?
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Wenn sol ich hin ins Paradies
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Zu dir, Herr Jesu, kommen?
107
Wann kost' ich doch das Engelsüß,
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Wann werd' ich aufgenommen?
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Mein Heiland, komm und nim mich an,
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Auf daß ich frölich jauchzen kan
111
Und klopfen in die Hände:
112
Gelobt sei Gott ohn' Ende!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Rist
(16071667)

* 08.03.1607 in Hamburg, † 31.08.1667 in Wedel

männlich, geb. Rist

deutscher Dichter und lutherischer Prediger

(Aus: Wikidata.org)

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