Ein frölicher Ostergesang

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Johann Rist: Ein frölicher Ostergesang (1637)

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Lasset uns den Herren preisen,
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O ihr Christen, überall,
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Kommet, daß wir Dank erweisen
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Unserm Gott mit süßem Schall.
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Es ist frei von Todesbanden
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Simson, der vom Himmel kam,
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Und der Löw aus Juda Stamm,
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Christus Jesus, ist erstanden;
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Nun ist hin der lange Streit.
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Christus selbst hat überwunden
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Des ergrimmten Todes Macht;
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Der in Tüchern lag gebunden,
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Hat die Schlang' itz ümgebracht;
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Satans Reich ist ganz verheret,
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Christus hat es nach der Ruh'
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Ausgetilget, und dazu
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Belial sein Schloß zerstöret,
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Daß wir haben frei Geleit.
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Warest du nicht nur gestorben,
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Sondern auch ins Grab gelegt?
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Ei, du bliebest unverdorben:
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Da sich nur der Fels erregt',
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Held, da bist du wiederkommen,
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Hast das Leben und die Macht
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Aus der schwarzen Gruft gebracht
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Und des Todes Raub genommen,
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Schenkst uns nun die Seligkeit.
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Tod, wo sind nun deine Waffen,
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Hölle, wo ist dein Triumph?
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Satan konte gar nichts schaffen,
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Seine Pfeile wurden stumpf:
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Christus ist sein Gift gewesen,
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Ja der Höllen Seuch und Pest,
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Welt und Sünde, ligen fest
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Und wir Menschen sind genesen
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Nur durch seinen tapfren Streit.
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Gott der heilet unsre Plagen,
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Wenn wir nirgend Hülfe sehn,
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Lässet uns nach dreien Tagen
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Lebend wiedrüm auferstehn;
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Darüm muß ich dankbar werden,
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Und mein' Ehr' ist Freuden vol
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Weil der Herr nicht sehen sol
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Die Verwesung in der Erden,
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Noch der Hölen Einsamkeit.
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Er ist aus der Angst gerissen
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Und mit Ehren angethan.
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Wer ist, der sein Leben wissen
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Und die Läng' ausreden kan?
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Christus ist der Eckstein worden;
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Gott, das ist von dir geschehn,
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Wie wir itzt für Augen sehn:
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Wir sind aus der Sünder Orden
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Hingerissen durch den Streit.
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Hast du schon vom Bach' am Wege
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Angenommen einen Trank
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Und erlitten tausend Schläge,
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Warest kränker noch als krank:
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Ei, so hast du doch erhoben
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Dein verklärtes Angesicht,
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Stirbest nun und nimmer nicht.
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Ja, wir werden ewig loben
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Dich, Herr Jesu, nach dem Streit.
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Herr, dieß sind recht edle Früchte,
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Die dein' Auferstehung gibt,
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Daß wir treten für Gerichte,
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Ganz in deine Gunst verliebt.
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Herr, dieß sind die schöne Gaben,
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Gnad' und Leben, Freud und Sieg,
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Trost und Friede nach dem Krieg',
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O, die sollen kräftig laben
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Leib und Seel' in allem Leid.
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Weil nach diesem Fried ich dürfte,
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Wie nach Wasser, Tag und Nacht,
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Den du großer Kriegesfürste
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Durch den Kampf hast wiederbracht:
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Ei, so theil' itzt aus die Beute,
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Wie der starke Simson that,
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Als er überwunden hat,
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Laß dich rühmen alle Leute,
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Daß geendigt sei der Streit.
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Gib, Herr Jesu, deine Gnade,
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Daß wir stets mit Reuen sehn,
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Was uns armen Sündern schade,
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Daß wir, dir gleich, auferstehn.
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Brich herfür in unsern Herzen,
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Ueberwinde Sünde, Tod,
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Teufel, Welt und Höllennot;
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Dämpf' in uns Angst, Pein und Schmerzen
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Samt der Seelen Traurigkeit.
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Meinen Leib wird man vergraben,
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Aber gleichwol ewig nicht,
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Bald werd ich das Leben haben,
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Wenn das letzte Weltgericht
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Alle Gräber wird entdecken
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Und der Engel Feldgeschrei
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Zeiget, was vorhanden sei;
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Dann wird mich mein Gott aufwecken
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Und beschließen all mein Leid.
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Denn so werden meine Glieder,
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Die itz Staub und Asche sein,
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Unverweslich leben wieder
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Und erlangen solchen Schein,
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Dessen gleichen auf der Erden
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Nimmermehr zu finden ist.
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Ja, mein Leib, Herr Jesu Christ,
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Sol dem deinen ähnlich werden,
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Voller Pracht und Herlichkeit.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Rist
(16071667)

* 08.03.1607 in Hamburg, † 31.08.1667 in Wedel

männlich, geb. Rist

deutscher Dichter und lutherischer Prediger

(Aus: Wikidata.org)

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