Lob des Hoflebens

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Johann Rist: Lob des Hoflebens (1637)

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Himmel, dir sei Lob gesungen,
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Daß ich der bin, der ich bin,
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Auch annoch fein ungezwungen
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Leben kan nach meinem Sinn.
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Hoher Dinge Lieb und Lust
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Herschen nicht in meiner Brust.
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Neulich als ich angesehen
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Großer Leute Stand und Pracht,
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Wust ich kaum wie mir geschehen,
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Denn ich hätt' es kaum gedacht,
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Daß so große Schlaverei
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Bei der Fürsten Höfen sei.
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Heißet das in Freud und Ehren
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Seine Jahre bringen zu?
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Gott, wie läßt man sich bethören!
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Ist doch weder Rast noch Ruh'
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An den Höfen, wo man sich
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Plagen muß so jämmerlich.
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Wann der Hofeman wil essen,
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Muß er erstlich auf die Jagd,
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Da der Mahlzeit wird vergessen
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Und nur an das Wild gedacht.
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Ach, da murren Magn und Mund,
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Hungrig ist man als ein Hund.
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Wann der Hofemann wil schlafen,
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Muß er für der Tafel stehn;
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Hat er Nötigs gleich zu schaffen,
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Muß er doch nach Hofe gehn;
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Bittet ihn ein Freund zu sich,
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Spricht der Fürst: »Ich fodre dich.«
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Wann der Hofemann wil schreiben
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Was sein eignes Werk betrifft,
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Ruft der Junker: »Laßt das bleiben!
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Man wird heut' ein' ander Schrift
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In Pokalen setzen auf.
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Bruder, scher herauf und sauf!«
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Ei, du feines Hofeleben!
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Solt ein Mensch, der witzig ist,
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Dir den höchsten Preis nicht geben,
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Da du doch so jämrich bist!
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Ei, daß solchem Ungemach
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Edle Seelen laufen nach!
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Recht das heißt zu Hofe laufen
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Und zu Hof' ein Jäger sein,
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Tag und Nacht zu Hofe saufen
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Den geschmierten Schwefelwein;
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Wachen, hoffen, höhnisch sehen,
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Das heißt recht zu Hofe gehen.
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O, wie selig ist zu schätzen,
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Der in seinem Hüttelein
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Auf gut schäfrisch sich ergetzen
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Und sein eigner Herr kan sein,
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Essen da, was Gott beschert,
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Werden nie durch Zank beschwert.
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Himmel, dir sei Lob gesungen,
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Daß ich der bin, der ich bin,
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Auch annoch fein ungezwungen
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Leben kan nach meinem Sinn.
59
Aller Höfe Glanz und Pracht
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Sing' und sag' ich gute Nacht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Rist
(16071667)

* 08.03.1607 in Hamburg, † 31.08.1667 in Wedel

männlich, geb. Rist

deutscher Dichter und lutherischer Prediger

(Aus: Wikidata.org)

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