Daphnis der Lärchenfänger

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Johann Rist: Daphnis der Lärchenfänger (1637)

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Als Daphnis einst spazieren gieng
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Und ohngefähr zwo Lerchen fieng,
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Gedacht er an die Galatheen,
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Sprach: »Allerliebstes Täubelein,
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Ach, daß du möchtest bei mir sein,
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Du möchtest drei Gefangner sehen.
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Ein halbe Stund' ist kaum vorbei,
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Da waren diese Vöglein frei,
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Die nunmehr in dem Netze hangen;
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Auch ist es wahrlich nicht so lang',
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Als ich noch lebte sonder Zwang
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Und bin doch itzt so stark gefangen.
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Was hilft michs denn, daß ich so oft
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Bezwing' ein Vöglein unverhofft
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Und bin doch selber fast verstricket
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Durch Galathe; was nützt es mir,
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Daß ich so manches schnelles Thier
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Hab' aus den Lüften weggerücket?
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Sol das noch rechte Freiheit sein,
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Indem so manches Vögelein
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Sich selber zum Gefangnen machet
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Und beut sich mir zu dienen an,
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Alsdenn mich die bezwingen kan,
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Die meiner Schmerzen höhnisch lachet.
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Ach nein, ihr Lerchen, ob ich zwar
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Euch könt' erwürgen ganz und gar,
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So wil ich doch aus Liebe schonen,
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Ich wil euch nicht mit Ach und Weh,
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Als mir zu thun pflegt Galathe,
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Für unverfälschte Treue lohnen.
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Dafür solt ihr bei Tag und Nacht.
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Wenn Daphnis hält die Thränenwacht,
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Der Galatheen Lob ausbreiten
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Und zeigen allen Hirten an,
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Weil Daphnis nicht mehr leben kan,
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Sie sollen ihm sein Grab bereiten.
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Wolan, ihr allerliebsten Thier,
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Ich bin gefangen mehr als ihr
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Und kan die Freiheit nicht erwerben;
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Dennoch so sag' ich in der Stil'
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Und schwer' euch, daß ich redlich wil
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Der Galatheen Diener sterben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Rist
(16071667)

* 08.03.1607 in Hamburg, † 31.08.1667 in Wedel

männlich, geb. Rist

deutscher Dichter und lutherischer Prediger

(Aus: Wikidata.org)

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