An eine sehr schöne Blume im Frühling

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Johann Rist: An eine sehr schöne Blume im Frühling (1637)

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Daß der Himmel dich schön geschmücket,
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Daß die Sonne dein Kleid gesticket,
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Daß du prangest für Gold und Seiden,
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Muß mein' Adelwitz itz zwar leiden.
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Daß die Bienen dich oftmals küssen,
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Daß die Kranken dich preisen müssen
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Und ihr' Aerzte dich heilsam nennen,
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Muß mein' Adelwitz zwar bekennen.
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Doch in allen denselben Sachen
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Kan ihr' Herlichkeit dich verlachen,
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Denn man findet nicht ihres gleichen,
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Was geschaffen ist, muß ihr weichen.
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Deine Kleider vergehen schleunig,
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Deine Farben die nützen weinig,
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Deine Kräfte sind zum Verderben,
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Vielmals helfen sie gar zum Sterben.
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Was hilft Lieblichkeit, wo kein Sprechen?
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Was sind Blumen, die leicht zerbrechen?
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Was ist Kleiderpracht sonder Singen?
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Dieß kan keinem das Herz bezwingen.
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Nein, mein' Adelwitz kan bewegen,
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Daß sich grimmige Löwen legen,
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Anzuhören die süße Weisen,
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Da sie Daphnis mit pflegt zu preisen.
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Was am Himmel ist schön zu finden,
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Was die Blumen kan überwinden,
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Was der Nachtigal Kunst nicht weichet,
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Was der Perlen Gestalt sich gleichet,
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Was mit Freudigkeit ist begabet,
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Was durch Tugend das Herz erlabet,
31
Was den Schönsten den Preis benommen,
32
Das macht Adelwitz vollenkommen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Rist
(16071667)

* 08.03.1607 in Hamburg, † 31.08.1667 in Wedel

männlich, geb. Rist

deutscher Dichter und lutherischer Prediger

(Aus: Wikidata.org)

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