Trost-Reimen an H. Hieronymum Snitker

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Johann Rist: Trost-Reimen an H. Hieronymum Snitker (1637)

1
Herr, wenn es müglich wär', itz völlig zu vertreiben
2
die Schmerzen, die so gar eur Vaterherz zerreiben,
3
daß kaum mit Worten ist zu zählen eure Pein,
4
so wolt' ich euch mit Hand und Mund zu Diensten sein:
5
Ich aber, der ich selbst, und zwar vor wenig Jahren,
6
was diese Schmerzen sind, mit Schmerzen hab' erfahren,
7
verdecke gleich die Not und wil zu dieser Frist
8
nur kürzlich zeichnen an das, was euch tröstlich ist.
9
Ihr wisset, werter Freund, daß alles, was wir sehen,
10
nachdem es seine Zeit gestanden, muß vergehen;
11
das eine lebt und schwebt, das andre fällt und bricht;
12
die schöne Sonne selbst bleibt ja beständig nicht.
13
Der Sommer ist dahin, die bunten Blumen sterben;
14
wir sehen Kräuter, Bäum' und alles Laub verderben,
15
ja, was so frölich stund für einer kurzen Weil',
16
erliget itz vom Reif' und zwar in großer Eil.
17
Inmittelst weiß man doch, daß, was itzund verschwindet,
18
zur schönen Frühlingszeit sich alles wiedrum findet
19
und gleich aufs neue lebt. Dieß treibt den Ackersmann,
20
daß er so große Müh' im Herbst ertragen kan.
21
Da wirft er seine Saat ins feuchte Land mit Freuden,
22
er glaubet, wenn die Kält' im Lenzen nun muß scheiden,
23
so wachs' und grün' alsdenn sein Körnlein frisch daher;
24
dieß schaffet, daß ihm gar kein Arbeit fällt zu schwer:
25
So wird des Menschen Leib, wenn ihn der Tod abmeiet,
26
gleich wie das liebe Korn, in Schwachheit ausgestreuet
27
und stehet auf in Kraft, in Ehr' und Herlichkeit,
28
wenn Christus unser Herr zur allerletsten Zeit
29
Sein prächtigs »Stehet auf, die ihr vergraben liget«
30
läßt schallen durch die Luft und fein zusammen füget
31
den Geist und seinen Leib, der schon so manches Jahr
32
im tiefen Schoß der Erd' als Staub vergraben war...

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Johann Rist
(16071667)

* 08.03.1607 in Hamburg, † 31.08.1667 in Wedel

männlich, geb. Rist

deutscher Dichter und lutherischer Prediger

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.