Kaum gläub' ich, daß auf dieser Erd'

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Johann Rist: Kaum gläub' ich, daß auf dieser Erd' Titel entspricht 1. Vers(1637)

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Kaum gläub' ich, daß auf dieser Erd'
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Ein höher Lob gegeben werd'
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An allem Ort' und Enden,
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Als denen, die mit Hand und Mund
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Des Himmels Gaben machen kund,
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Ja Lehr' und Tugend senden
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In manches Herz, das dieser Zeit
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Sich sondert von der Eitelkeit.
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Poeten mein' ich, werter Freund,
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Poeten, welchen niemand feind
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Als Leute, die nichts wißen;
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Die nur sind Schlaven dieser Welt,
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Ja Tag und Nacht das bloße Geld
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Zu samlen sind geflißen.
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Bei solchem Stank und Lasterschaum
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Hat selten ein Poete Raum.
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Ein edler Geist, der höher zielt,
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Ein Geist, der Feur und Himmel fühlt,
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Ist inniglich gewogen
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Der hochgelahrten Tichter Schar,
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Von welchen nimmermehr fürwahr
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Ein Frommer wird betrogen;
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Da samlet sich zu ieder Frist
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Was hungrig nach der Weisheit ist.
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Wenn lobet Gott ein reiner Mund,
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Wer ehret ihn aus Herzengrund?
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Ich mein', es thun Poeten.
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Wer rühmet Gottes Wunderthat,
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Im Fall er ihn erlöset hat
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Aus großer Angst und Nöten?
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Wer singet Gott ein Liedelein?
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Ich sage, daß es Tichter sein.
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Wer wüste von den Helden doch
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Ein einzigs Wort zu sagen noch,
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Welch' Ilium bezwungen,
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Wenn der Poeten Haubt und Licht,
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Homerus, ihre Thaten nicht
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Der Nachwelt vorgesungen?
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Ein hochbegabter Tichter schreibt
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Ein Werk, das nach dem Tode bleibt.
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Poeten können Herz und Sinn
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Durch ihre Kunst zum Trauren hin,
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Wenn sie nur wollen, bringen;
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Sie können wiedrum schweres Leid
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Verkehren bald in lauter Freud'
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Und solches durch ihr Singen.
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Was Menschen Augen je gesehn,
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Muß ihnen schnell zu Dienste stehn.
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Dafern nur ein Poete wil,
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So steht der Himmel nimmer stil,
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Die Sterne müssen tanzen;
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Es springen auch die Stein' herfür,
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Da hüpfen Wälder, Berg' und Thier',
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Es zittern Wäll' und Schanzen;
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Ja, was die schwarze Nacht bedeckt,
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Wird durch Poeten aufgeweckt.
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Herr Klaius, tretet doch herbei,
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Durchleset dieß und saget frei,
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Ob ich die Wahrheit schreibe?
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Das weiß ich, daß kein Biedermann,
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Was ich hier singe, strafen kan,
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Wenn ich nur kühnlich bleibe
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Bei dem allein, was Ihr gemacht,
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Worüber Erd' und Himmel lacht.
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Ihr, werter Tichter, und der Held,
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Herr Harstorff, den die große Welt
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Vor tausend andre preiset,
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Ihr beide singet dergestalt,
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Daß Ihr, was ich geschrieben, bald
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Mit Hand und Mund' erweiset;
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Drum seid Ihr, Lichter dieser Zeit,
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Gesichert vor der Sterblichkeit.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Rist
(16071667)

* 08.03.1607 in Hamburg, † 31.08.1667 in Wedel

männlich, geb. Rist

deutscher Dichter und lutherischer Prediger

(Aus: Wikidata.org)

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