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Wann Maro, der Poet, das Lob der großen Helden,
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Der Helden, die bei uns hoch steigen, sollte melden
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Und möchte denn die Kron der theuren Prinzen sehn,
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Die aus Uranien komt, hoch an der Spitzen stehn
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Der weitbeschreiten Leut', er würde wahrlich sagen:
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Ihn hat der Himmel selbst in seiner Schoß getragen,
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Das Glück hat ihn gesäugt und an der Brust ernährt,
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Eh' er dem Vaterland' aus Gnaden ist beschert.
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Schau an den hohen Witz, die weltberühmten Thaten,
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Die Thaten, da ihm Krieg' und Siege durch geraten,
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Die Thaten, wann er gleich durch seine Feinde dringt,
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Und hie den einen Sieg, den andren dort erringt.
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Ihm folgen seine Leut', ein jeder ist geflissen,
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Die rechte Kriegeskunst durch diesen Held zu wissen,
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Und mühet sich, zu thun so viel er kan und mag,
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Denn ein nicht fauler Geist jagt stets der Ehre nach.
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Prinz Heinrich war bedacht, den
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Dadurch die große Macht von Spanien zu zähmen;
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Indem er aber hie ist emsig Tag und Nacht,
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Da gibt er auch zugleich auf andre Sachen Acht.
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Er merkte, wie dem Feind aus
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Geld, Rüstung, Proviant; auch hatt' er wahrgenommen
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Wie der Croaten Volk, das ärgste Volk der Welt,
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Sich hatten diese Stadt zum Winkel gleich bestellt.
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Damit ihr großer Raub, den sie vorlängst gestolen,
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In Wesel sicher wär' und läge gleich verholen;
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Für Hollands Kriegesmacht, Prinz Heinrich wußt' es wol,
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Befiehlt darauf, was der
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Nur der von Diden wird zu diesem Werk erwählet;
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Fürwahr ein solcher Held, dem es an Witz nicht fehlet,
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Auch nicht an Tapferkeit, der samlet in der Still
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Ein Völklein, das mit List den Wesel fangen wil.
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Es war in dieser Stadt ein Bürger, klug von Sinnen,
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Des trotzigen Marans, weil nach der Spanier Lust
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Die arme Bürgerschaft viel Drangsal leiden must';
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Und dieser Mann fuhr fort, noch andre zu erregen:
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Sein Bruder ließ sich erst, der
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Und einer noch dazu, der vielen zwar bekant,
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Und, wie die Fama sagt,
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Die drei die wurden eins, sie kamen oft zusammen
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Und schlossen, diese Sach' in unsres Gottes Namen
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Mit Lust zu greifen an; und wie sie sich bedacht,
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Da haben sie das Werk den Staaten kund gemacht.
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Hierauf begunte man, sich schleunigst zu verfassen,
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Die Spanier hinaus, die Staaten einzulassen,
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Wozu sehr dienlich war, daß gleich zur selben Zeit
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Ein neu erbautes Werk gab gute Glegenheit
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An einer Seiten, da ein Theil des Walles offen
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Und ohne Bollwerk lag; sie hatten recht getroffen
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Das Glück, die Zeit, den Ort, auch wußten sie zuletzt,
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Wie tief vor dieser Kluft der Graben ward geschätzt.
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Der Mülder hatt' ihm auch zwei Hammer lassen machen,
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Zu brechen das Staket. Zuletzt nach diesen Sachen,
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Da alles war bestellt, verließen sie ihr Haus
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Und giengen listiglich zu dreien Thoren aus.
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Der Anschlag blieb geheim; das hat der wol vernommen,
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Der gegen Abend ist zuletzt heraus gekommen.
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So giengs nach allem Wunsch. Als nun auf einem Plan
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Die drei versamelt stehn, da bricht die Nacht heran.
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Sie fallen auf die Knie und reichen ihre Hände
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Dem Allerhöchsten zu; sie bitten, daß er sende
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Vom Himmel in ihr Herz Mut, Klugheit und Verstand
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Und streite selbst vor sie und vor ihr Vaterland.
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Hiemit so ward es Nacht; die Welt lag in der Stille,
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Der Himmel stand verdeckt mit einer schwarzen Hülle,
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Der Mond lief ohne Glanz, die Wolke ohne Licht,
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Was nötig war zu sehn, das sahe man jetzt nicht.
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Als nun nach Mitternacht der Hahnenschall die Zeiten,
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Und was bald folgen wolt', jetzt anfieng auszubreiten,
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Auch Venus ihren Lauf hin nach dem Morgen nahm,
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Da war die rechte Zeit, daß der von Diden kam.
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Er kam ohn' alle Furcht sehr klüglich angezogen,
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Und als ein weiser Held hatt' er zuvor erwogen,
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Was nütz- und schädlich war. Sein Völklein stand bereit,
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Den Graben durchzugehn mit großer Mannlichkeit.
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Sie warfen schnell das Loos, wer sich zum ersten wagen,
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Doch auch den ersten Preis von hinnen solte tragen;
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Und wie dieß nach Gebrauch des Krieges war vollbracht,
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Da nahm ein jeder sich und seine Schanz in Acht.
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Sie fielen mutig an, das Bollwerk zu ersteigen,
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Da gleich zum selben mal kein Feind sich that' erzeigen.
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Die Mülders alle beid und denn ihr dritter Mann,
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Doch Peter mitten ein, die giengen vornen an.
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Der Mülder war bewehrt mit seinem großen Hammer,
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Der seines gleichen kaum hatt' in Vulkanus Kammer,
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Damit zerbrach er schnell Staketen, Holz und Pfahl;
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Er machte Raum und Platz den Andren allzumal.
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Bald kommen die heran, so Röhr' und Lanzen führen,
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Die dringen kühnlich durch, wie Helden wil gebühren;.
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Die Stadt komt aus dem Schlaf, die Stadt wird aufgeweckt
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Und wer sich wehren wil, mit Schlägen zugedeckt.
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Es wird der starke Feind, noch eh' es recht wil tagen,
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Fast mitten in der Stadt zum dritten mal geschlagen;
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Da wird manch kühner Held fast auf den Tod verletzt,
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Bis daß die Gassen und die Pforten sind besetzt.
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Der Mülder läuft in Eil mit seinen Spießgesellen
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Der nächsten Schmitten zu, was mehr noch zu bestellen;
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(doch war der Schmidt sein Freund), drum komt er ihm ins Haus
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Und nimt nach seiner Lust die stärksten Hammer aus.
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Er und die bei ihm sein, die eilen nach der Pforten,
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Die Bräunisch wird genant, damit an allen Orten
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Ihr Volk hereinher dring' und ja bald Meister sei,
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Drum schlagen sie das Schloß an diesem Thor' entzwei.
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Die Brücke wird gefällt, die Ketten abgetrennet,
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Die Reuter kommen all in vollem Lauf gerennet,
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Sie reiten sporenstrichs die Gassen auf und ab
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Und helfen da dem Feind, eh' ers begehrt, ins Grab.
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Hierauf komt alles Volk zum Thoren eingedrungen,
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Nachdem nunmehr die Stadt fast gänzlich war bezwungen.
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Dieß Volk hat zum Beschluß die Reuter, so die Wacht
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Bei Stücken, Kraut und Lot gehalten, abgemacht.
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Den half ihr Küraß nit, in welchen sie sonst prangen
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Und große Striche thun, auch ward der Rest gefangen,
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Mehr noch denn tausend Mann, samt dem was sie gehabt;
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Der Gubernator selbst,
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Die Spanier wurden schier bei hundert aufgerieben,
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Der Ueberwinder sind kaum fünf mal zwo geblieben.
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Hierauf ergaben sich den Siegern nach Begehr
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Die Schanzen williglich ohn' alle Gegenwehr.
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So ward die feste Stadt durch List in wenig Stunden
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Erobert und in ihr ein großer Schatz gefunden;
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Da ward Graf Heinrichs Gold gehoben aus dem Staub,
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Das ungerechte Gut, dieß alles ward genommen,
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So meist gestolen war, an Fremde wiedrum kommen.
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Wer raubet, wird beraubt, das sagt ein solcher Mann,
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Der selbst die Wahrheit ist und niemals liegen kan.
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Man fand an Barschaft fünfmal hunderttausend Kronen,
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Damit des Königs Volk aufs ehest abzulonen;
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Doch war der Rat zu jung, zu wankelbar das Glück,
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Ducaten lagen hie noch vierzigtausend Stück;
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Auch kriegte man viel Blei, Spieß', Harnisch, Pulver, Waffen,
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Das alles Herr Lozan ins Lager solte schaffen;
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Das hatte man versehn, Prinz Heinrich kams zu Nütz,
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Voraus die großen Stück, als siebenzig Geschütz;
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Hie stunden, wie man sagt, viel Hundert starker Wagen
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Vol Kleider, Speis' und Kraut, das auch nach wenig Tagen
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Dem Volke solte zur Erquickung sein gesant;
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Doch der von Diden hat dieß Schicken abgewant.
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Die Bürgerschaft ist zwar mit Plündern noch verschonet,
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Doch die zur selben Zeit aus Brabant hie gewonet,
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Die gab man alle preis, viel Kleinod' auch zumal,
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Und zwei und zwanzig Faß vol spanischer Real,
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Fünf Tönnlein noch dazu vol neuer Pistoletten;
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Die konte da kein Feind, wie stark er war, erretten,
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Zwar gestern war es ihr, heut' ist es andrer Leut
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Und wird den Siegern nun geteilet aus zur Beut.
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Ein solcher großer Sieg, ein solches Ueberwinden,
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Ein solcher Schatz und Raub, desgleichen kaum zu finden
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In vielen Städten war, solch ein gute Nacht
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Hat Diesen große Freud' und Jennen Leid gebracht.
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Der Haag ist voller Lust, ganz Amsterdam thut springen,
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Auch Harlem, Leyden, Delft und Mittelburg, die singen
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Den Helden solch ein Lied, das Phoebus selbst behagt,
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Den Helden, die sich vor ihr Vaterland gewagt.
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Sie preisen diese That, sie jauchzen Gott mit Händen,
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Der einzig, wo er wil, den Sieg weiß hin zu wenden,
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Der, wann es ihm gefällt, die Feinde macht zum Spott.
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O billig ehren sie den Herren Zebaoth!
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Was sagt der theure Prinz, der große Stadtbezwinger,
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Der Jäger von dem Busch, der Freiheit Wiederbringer,
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Der immer ohne Ruh', der alle Tag zu Pferd,
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Was sagt er, als er nun den stolzen Sieg erfährt?
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Gott lobet er zuerst, hernach die kühnen Kinder,
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Die ihren Dienst gethan, die Bürger auch nit minder,
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Die sich, ihr Vaterland, Gewissen, Gut und Ehr'
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Erlöset von dem Zwang und vielen Bürden mehr.
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Bald gab er drauf Befehl, die Stücke loszuschießen,
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Und solts Herr Grobendonck gleich noch so sehr verdrießen,
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Hie war kein Pulver nicht, hie war kein Blei zu theur;
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Der Musquetierer Volk gab allzumalen Feur.
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Die Lanzen wurden auch mit dürrem Stroh umwunden,
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Das brante lichterloh, so daß in wenig Stunden
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Das Lager, wie es schien, in Flammen war gesteckt,
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Das draußen Freud' und Lust und drinnen Leid erweckt.
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Der Himmel selbst war froh, samt so viel tausend Frommen,
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Die noch auf Erden sein, die Spanier ausgenommen,
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Insonderheit Lozan, den solch ein Glück berührt,
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Daß er nach Arenheim gefänglich ward geführt.
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Wie der und Galleron nun losgelassen waren
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Und drauf ganz sorgenlos hin auf ihr Antorff fahren,
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Da schlug man ihnen schnell zum Lohn die Häubter ab;
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Gefangen sein war gut, und frei zu gehn ihr Grab.
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Das heißt, dem Tröpfeln, das von Dächern fällt, entgehen,
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Dagegen auf der Saat im Schnee und Regen stehen.
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So spielt das blinde Glück, so gehts in aller Welt,
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Der Eine fleugt empor, indem der Andre fällt.
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Nun dieses ist vorbei, der Wesel ist gefangen,
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Der Busch wär' spanisch noch, wann dieser wär' entgangen.
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Prinz Heinrich und Herr Gent die leben ohne Not,
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Lozan und Galleron die ligen beide tot.