Das vierdte Buch

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Martin Opitz: Das vierdte Buch (1618)

1
Nun wil ich kürtzlich auch von andern Mitteln schreiben,
2
Die uns der Sorgen Last vermögen abzutreiben,
3
Biß meine Rede sich zum letzten Troste kehrt,
4
Zum letzten an der Zahl und ersten an dem Werth.
5
Ich weiß nicht, wie wir doch sind von Natur geneiget,
6
Daß jederman von uns sich leydlicher erzeiget,
7
So er Gesellen hat, die gleiche Noth und Pein
8
Empfinden, als wie er, und mit ihm traurig seyn.
9
Man läßt viel sparsamer die schwären Thränen fliessen,
10
Wann andere so wol ihr Theil darzu vergiessen.
11
Bloß auß Vergleichung kömpt den Leuten aller Harm;
12
Thu nur die Reichen weg, so bleibet niemand arm.
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Wann einer gar allein im weiten Meere fähret
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Und ihm der Rachen wird von Winden umbgekehret,
15
So klagt er trefflich sehr; zerschlägt die wilde See
16
Ein wolbesetztes Schiff und mächtige Gallee,
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Daß hier ein Stücke Mast, da Banck, da Ruderstangen,
18
Da Brett von allen wird mit Hauffen auffgefangen
19
Zu schwimmen an den Port, so wird der doch erfreut,
20
So andre mehr mit ihm sieht auff der Flut zerstreut.
21
Wir haben gleichfalls auch in diesen wüsten Wellen
22
Und See der tieffen Noth mehr als zuviel Gesellen,
23
Wo dieses auch das Leyd uns lindern sol und kan.
24
Schaut weit und breit herumb, seht alle Winckel an,
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Wo ist der tolle Mars nicht leyder außgelassen?
26
Ist gantz Europa durch nicht Krieg und Kriegsverfassen?
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Ist inner dem Revier der gantzen Christenheit,
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Und ausser ihr darzu, nicht ein gemeiner Streit?
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Ist einer unter uns dann besser, als der ander?
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Und wer wil zollfrey seyn? Wir leyden miteinander,
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Es geht uns sämptlich an. Wer nun an dieser That
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Und Auffruhr unter uns am minsten Ursach hat,
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Der ist am besten dran und kan gedultig leyden,
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Was weder der, noch der, noch jener nicht vermeyden.
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Der hat den Krieg jetzund, der hat ihn jetzt gehabt,
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Hier kömpt er erst hernach, da ist er vorgetrabt.
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Nun die Gewonheit auch kan viel bey allen Sachen;
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So pflegt ein Weydemann die gantze Nacht zu wachen,
39
Fängt Schloß und Regen auff und hat sich angewehnt,
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Daß er viel Stunden sich nach keinem Bissen sehnt
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Und allen Durst verträgt, steigt auff den hohen Spitzen
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Und Klippen umb und umb, der Sonnen-Glantz mag hitzen,
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So sehr er immer wil. Nichts ist so leicht und gut,
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Das nicht beschwerlich sey dem, der es erstlich thut.
45
Ein Mensch, der offters wird mit Prügeln übergangen
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Wird endlich schlägefaul. Nur muthig angefangen,
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Die Zeit bringt Linderung, verjaget Furcht und Grauß
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Und härtet unsern Leib zu allen Streichen auß
49
Und auch den Sinn darzu. Was dann uns widerfähret,
50
Was Unglück, Creutz und Noth uns immermehr beschweret,
51
So haben wir Gedult und sagen ohne Scheu,
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Diß wusten wir zuvor, es ist bey uns nicht neu.
53
Was unvorsehens kömpt, das pfleget mehr zu kräncken;
54
Drumb sol ein jeglicher bey gutem Glücke dencken
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Mit was für Tapfferkeit er wolle widerstehn,
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Wann ihm was Widriges zu Handen möchte gehn.
57
Ein weiser Mann sagt nicht: Ich hätt' es nie vermeynet,
58
Es kömpt mir fembde für; was andern Leuten scheinet
59
Gar wunderseltzam seyn, das sieht er an und lacht,
60
Dieweil er zuvorhin schon längst darauff gedacht.
61
Noch hab' ich nie gesagt, wie die Gelehrten können
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Durch ihrer Bücher Rath erfrischen ihre Sinnen
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Fällt etwas Böses für. Die edle Wissenschafft
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Schmückt auß das gute Glück und gibt im Unglück Krafft;
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Sie zeigt den rechten Weg, beständig außzuhalten
66
Und läßt in keiner Noth die Hertzen nicht erkalten.
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Sie führt den, der sie liebt, weit von deß Volckes Schar,
68
Das an der Erden klebt, und läßt ihn in Gefahr
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Nicht weich und zaghafft seyn, nicht zweiffelhafftig leben
70
Und wie der meiste Theil in stäten Furchten schweben.
71
Wen diese Wärterin erzeucht in ihrer Schoß,
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Der ist zu aller Zeit von allen Sorgen loß,
73
Läßt eytel, eytel seyn und wieget alle Dinge,
74
Umb die wir so sehr thun, für nichtig und geringe,
75
Reißt auß, fleugt durch die Welt, betrachtet umb unnd an,
76
Was irrgend ist und war und künfftig werden kan;
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Steigt auch biß in die Lufft, begierig zu erwegen,
78
Woher der kalte Schnee, das Eiß, der süsse Regen,
79
Der Plitz, deß Donners Schall, der traurige Comet,
80
Thaumantis Tochter Schweiff, so wol gemahlt, entsteht;
81
Kömpt höher dann hinauff und lehrt den Himmel kennen
82
Und einen jeden Stern mit seinem Namen nennen;
83
Tritt, wo der weisse Beer und sein Bootes stehn,
84
Die niemals in die See mit ihrem Wagen gehn.
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Besieht das Bild, so kniet, bey Ariadne Cronen,
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Die Bacchus hingesetzt, kan bey der Leyer wohnen,
87
Die vormals Wild und Wald beweget und berührt,
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Jetzt deß Gestirnes Schar mit ihren Hörnern ziert,
89
Sucht bey dem Monden nach, wie doch deß Meeres Wellen,
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Durch seinen Lauff regiert, sich hoch und nider stellen;
91
Sie fliehen täglich weg, verlassen ihren Rand
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Und kommen widerumb auch täglich an das Land;
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Folgt auch der Sonnen nach und wird mit ihr gerissen
94
Umb dieses grosse Rund, sieht unter seinen Füssen
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Der Erden Eytelkeit, so hoch als Phaeton,
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Und bleibt doch unversehrt, kömpt weiser noch darvon;
97
Ja diese gantze Welt vermag ihn nicht zu fassen,
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Ist noch nicht weit genug; sie wird von ihm verlassen,
99
Und er schwingt sich hinauff, von heisser Flammen voll,
100
Sieht Gott so weit ein Mensch ihn sehen kan und soll;
101
Der Weißheit tieffer Grund der wird von ihm erstiegen;
102
Was Thales hat bedacht, Pythagoras geschwiegen,
103
Und Socrates gesagt und die gelehrte Welt
104
Durch himmlischen Verstand auff das Papier gestelt,
105
Das suchet er herfür und läßt es mit ihm schwätzen,
106
Bedenckt bey sich, was gut und ehrlich sey zu schätzen,
107
Was recht und unrecht sey, wie jedermann allhier
108
Mit Leuten umb sol gehn und leben nach Gebühr.
109
Das kan die göttliche Philosophy uns weisen.
110
O wol dem, der sich läßt an ihrer Tafel speisen,
111
Ihr Himmelbrod geneußt, trinckt ihren süssen Wein
112
Und schläfft an ihrer Brust, der lernt zufrieden seyn,
113
Was Unfall ihn betrifft! Wornach die Welt gelüstet,
114
Das stellt er unter sich, ist allzeit außgerüstet
115
Die Widerwertigkeit mit Ehren zu bestehn,
116
Kan rittermässig auch dem Tod' entgegen gehn.
117
Dich brachte Bias weg auß seinem Vatterlande,
118
O Mutter der Vernunfft, da alles von dem Brande
119
Sonst auffgieng in der Lufft. Du hast sehr viel erfreut
120
Im Elend', in Gefahr und höchster Dürfftigkeit.
121
Dir danck' ich es allein, du Meisterin der Tugend,
122
Mit welcher ich bißher in dieser meiner Jugend
123
Und fast von Wiegen an getreuen Rath gehabt
124
Und allzeit meinen Geist erquicket und gelabt,
125
Dir danck' ich es allein, dir ist es zuzuschreiben,
126
Daß ich noch biß hieher beständig können bleiben,
127
Da dieser schwäre Krieg nicht wenig mich vexiert
128
Und durch so manche Noth weit über Mehr geführt,
129
Beraubet aller Freund' und aller derer Sachen,
130
Die uns zu Leydenszeit das Leben leichter machen,
131
Getrieben und verjagt, schier ohne Gelt und Pfand,
132
In diß jetzt durch den Frost und Schnee bedeckte Land,
133
Da niemand weder mich noch mein Studieren kennet.
134
Nun, daß ich, ob mich gleich viel Trübsal angerennet,
135
Viel Kümmernüß beschwert unnd auch noch jetzt kein Ziel
136
Zu meiner Linderung sich sehen lassen wil,
137
Doch nie erlegen bin, und wil auch nicht erliegen,
138
Das messe ich dir zu; es mag mich auch bekriegen
139
Lufft, Wellen, Wind und See, Haß, Unruh, Noth und Pein,
140
So wirstu allzeit doch mein freyer Hafen seyn.
141
Nun wider auff den Weg. Ists dann so wol beschaffen,
142
Daß wir uns weiter nicht vermögen auffzuraffen,
143
Und ist es allbereit so weit mit uns gethan,
144
Daß uns durchauß nicht mehr gerathen werden kan?
145
O nein! wann sonsten gantz kein Trost wer überblieben,
146
So muß die Hoffnung her, die Hoffnung lernt uns lieben,
147
Was sonst verdrießlich ist; die Hoffnung baut das Feld,
148
Die Hoffnung gibt es an, daß man den Vögeln stellt,
149
Die Hoffnung wirfft das Garn und Angel in die Flüsse,
150
Die Hoffnung unterhelt auch den, dem beyde Füsse
151
An Ketten sind gelegt, wie schlechte Lust und Ruh
152
Er in dem Stocke hat, doch fingt er noch darzu.
153
Das Glück fleucht offters zwar von einer guten Sache,
154
Die Hoffnung nimmermehr; man spotte gleich und lache
155
Deß Armen, wie man wil (diß ist der alte Lauff)
156
So richtet doch ihr Trost ihn allzeit wider auff.
157
Ey solle sie dann uns in diesen Läufften fehlen?
158
Wir sind ja, Gott sey Lob, noch nicht so gar zu zehlen
159
Für gantz erlegtes Volck, es ist für diese Pest
160
Ja Artzney bey der Hand, die uns nicht sincken läßt.
161
Wie, wann der starcke Löw im Felde wird beschlossen
162
Von Jägern, oder auch in seinen Leib geschossen,
163
Dann rührt er erst den Schwantz, die Ursach seiner Macht,
164
Ist stärcker als zuvor ergrimmet und erwacht,
165
Sein heisser Rachen schäumt, die Augen sind voll Flammen,
166
Die Mähne steht empor, sein Muth kömpt gantz zusammen;
167
Wie sehr man ihn bescheust, wie sehr man zu ihm sticht
168
Von allen Seiten her, so gibt er doch sich nicht.
169
So lasset uns auch thun; wir sind ja teutsch geboren,
170
Ein Volck, das nimmermehr sein Hertze hat verloren,
171
Daß vor der Zeit so viel den Kürtzern hat gejagt,
172
Das nach der Römer Macht zum minsten nicht gefragt,
173
Von dem viel Keyser auch den Frieden musten käuffen,
174
Das noch auff diesen Tag ihr keiner an darff greiffen,
175
Als wann es ohngefähr fällt in sein eygnes Haar,
176
Wie Carlen vor der Zeit dem Fünfften wissend war.
177
Dann, ob schon dieser Held mit allen denen Sachen,
178
Die einen Obristen und guten Kriegsmann machen
179
Genug versehen war, ob schon der Spanier Krafft
180
Und Welschen bey ihm stund, doch hätt' er nichts geschafft,
181
Wann er die Hertzen nicht hätt' unter sich verbittert
182
Und diesen starcken Baum durch Zwanck und Neyd gesplittert:
183
Wiewol der gantze Krieg, umb den so manche Nacht
184
Und Tag verschwendet ward, ihm nicht viel eingebracht.
185
Es bleibet nur gewiß, ihr wird nicht angesieget
186
Der Teutschen Nation, wann daß sie friedlich krieget
187
Und bey einander helt. Wie übel thun dann die,
188
So ihrer Feinde Heer mit grossem Fleiß' und Müh
189
Auch an den blossen Leib deß Vatterlandes hetzen?
190
O, laßt die Mißgunst doch uns jetzt beyseite setzen,
191
Räumt ja der Heucheley so grossen Platz nicht eyn
192
Und traut dem Schmieren nicht, wie süsse pflegt zu seyn
193
Deß Stellers Lockelied den Vogel auffzufangen,
194
So gar nichts Uebels denckt? Kan nur der Wolff erlangen,
195
Daß ihm der Riede wird zum ersten weggethan,
196
Gewißlich muß das Schaf hernachmals auch daran.
197
O flieht deß Neides Gifft, reicht doch die treuen Hände
198
Einander brüderlich und steht, als veste Wände,
199
Die kein Gewitter fällt, so wird in kurtzer Zeit
200
Der stoltze Feind, nächst Gott, durch unser' Einigkeit
201
Zurücke müssen stehn! Ey, laßt anjetzt erscheinen,
202
Daß ihr's vor diesem nicht habt pflegen falsch zu meynen
203
Wie euer Nachbar noch in gutem Wesen stund;
204
Im Unglück wird geprüfft deß Hertzens tieffer Grund.
205
Ich meyn', es ist auch fast der Rede werth zu nennen,
206
Bißweilen mißlich stehn, auff daß man kan erkennen,
207
Wie treu ein jeder sey. Die Schwalbe macht ihr Hauß
208
Im Sommer zu uns her, fleugt aber wider auß,
209
So bald der Winter kömpt; so sind auch falsche Leute.
210
Wann gutes Wetter ist, sucht jederman die Beute,
211
Sind alle Worte Gold; ergreifft ein Unfall dich,
212
Kömpt Kummer, Creutz und Noth, so gehn fie hinter sich.
213
Diß heißt nicht seinen Gott von gantzer Seelen lieben,
214
Den Nechsten als sich selbst, wie Christus vorgeschrieben,
215
Diß heißt nicht Brüder seyn; die wahre Freundschafft steht,
216
Spricht nicht die Schenckel an, Gott gebe, wie es geht.
217
Sie tringet sich nicht ein, was Gutes zu geniessen,
218
Wird weder durch Gefahr noch Furchte weggerissen,
219
Sie ist, wie guter Wein, je länger dieser liegt,
220
Je lieblicher er wird, je bessern Schmack er kriegt.
221
Kein grössers Uebel ist, als wann ein Mann in Schaden
222
Auff gute Freunde traut, die doch ihn lassen baden,
223
Und machen sich darvon. Diß thut die Liebe nicht,
224
Sie bleibet, wer sie war, gleich wie der Sonnen Liecht
225
Durch alle Nebel scheint; sie ist der Alten Jugend,
226
Der Krancken Linderung, der Ungelehrten Tugend,
227
Der Reichen Gnad' unnd Gunst, der Armen Gut und Gelt,
228
Das Wasser ist uns nicht so nützlich in der Welt.
229
Ach! seyt mit diesem Schmuck und Kleinod auch gezieret,
230
Ihr, die ihr gleich wie wir den Christen-Namen führet
231
Und Brüder mit uns seyt; springt doch dem Nächsten bey,
232
So bleibet er jetzund und ihr inkünfftig frey.
233
Nun ihr deßgleichen auch, ihr ehrlichen Soldaten,
234
In denen Liebe steckt zu ritterlichen Thaten,
235
Laßt jetzt, laßt jetzt doch sehn den rechten teutschen Muth
236
Und schlagt mit Freuden drein; der Feinde rothes Blut
237
Steht besser über Kleyd und Reuterrock gemahlet,
238
Als köstlichs Posament, das theuer wird bezahlet
239
Durch abgeraubtes Geld. Ein schöner Grabestein
240
Der bringt der Leichen nichts, ist nur ein blosser Schein;
241
Das Feld, das blancke Feld, in dem viel Helden liegen,
242
So vor ihr Vatterland und Freyheit wollen kriegen,
243
Steht Männern besser an. Was ist doch nur der Tod?
244
(daß ich von ihm nun red') ein stiller Port der Noth,
245
An dem der Kummer ruht und gibet sich zu Rande,
246
Ein Thor, durch das der Geist kömpt auß deß Leibe Bande,
247
Der Ewigkeit Beginn, der schnöden Welt Beschluß,
248
Ein Weg, den in gemein' ein jeder tretten muß,
249
Er sey auch, wer er wil. Hierauff nun laßt uns dencken,
250
Wann dieser herbe Streit wil unser Hertze kränken,
251
Hier wird das Ende seyn. Drumb fliehe niemand nicht
252
Vor dem, das alle Pein und alles Creutze bricht.
253
Du trinckest Gifft in dich und wunderliche Sachen,
254
So wider die Natur, den Leib gesund zu machen,
255
Was scheustu dann den Tod, durch den du jederzeit
256
Hernachmals für Artzney und Kranckheit bist befreyt?
257
Was zuckestu doch viel? Sol Gott von deinetwegen
258
Die Ordnung dieser Welt jetzt auff die Seite legen?
259
Das Leben muß dir seyn, wie wann du einen Gast
260
Und guten werthen Freund in deinem Hause hast,
261
Da thustu, was er wil; geliebet ihm zu bleiben,
262
So kanstu ihn auch nicht mit Ehren von dir treiben;
263
Gedenckt er dann hinweg, so stellstu ihm es frey,
264
Du reissest ihm darumb den Mantel nicht entzwey.
265
Es hat uns die Natur nur einen Weg zu leben,
266
Zu sterben aber viel und mancherley gegeben:
267
Der fällt und bricht den Halß, der beugt dem Tode für,
268
Und bringt sich selber umb, den frißt ein wildes Thier.
269
Der muß die Fisch' im Meer, und der die Vögel speisen,
270
Der pfleget so von hier, der anders wegzureysen;
271
Es stirbt ein jederman, so auff der Erden wohnt,
272
Wol aber stirbet der, so seiner selbst nicht schont
273
Und diese Welt verläßt vor Gott und gute Sache:
274
Wie bitter man ihm auch die letzte Stunde mache,
275
Ist doch ihm nicht also. Wer Kriegestod erkiest,
276
Der hat den schönsten Tod, der auff der Erden ist.
277
Wer fragt dann viel darnach, kein Grab und Grufft zu kriegen?
278
Vermeynen wir, man kan im Sarche weicher liegen,
279
Als unter freyer Lufft? Wen geht es auch was an,
280
Daß er zu Hause nicht verschorren werden kan?
281
Es ist ja gleich so weit hier und an jenem Orte,
282
Biß an deß Himmels Thor und Acherontens Pforte.
283
Was weynt ihr Mütter viel, umb daß euch durch den Streit
284
Die Söhne sind erlegt in ihrer jungen Zeit?
285
Es pfleget so mit uns wie Aepffeln zuzugehen,
286
Viel reist man jung noch weg, viel, so zu lange stehen,
287
Die fallen selber ab, ein jeder hat sein Ziel,
288
Zu welcher Stunden ihn der Gärtner haben wil.
289
Wiewol sagt jenes Weib, nach dem sie hat vernommen,
290
Daß in der Schlacht ihr Sohn sey umb das Leben kommen:
291
Ich, als ich ihn geborn, so wust' ich wol den Lauff,
292
Er müste sterblich seyn, drumb zoh' ich ihn auch auff,
293
Und da ich ihm gebott' auff Troja hin zu reysen,
294
Sein werthes Griechenland zu schützen mit dem Eysen,
295
Verstund ich, daß ich ihm in Kampf und Kriegesnoth
296
Befiehle fortzuziehn, nicht in ein Gastgebott.
297
Was wollen wir auch viel der Jugend Tod beklagen?
298
Der Leib beschwert uns nur, mit dem wir uns hier tragen,
299
Jetzt thut das Häupt uns weh, jetzt ligt es umb die Brust,
300
Jetzt haben wir zu Tranck und Speise keine Lust;
301
Bald hat man zu viel Blut, bald fallen scharpffe Flüsse,
302
Bald kocht der Magen nicht, bald schwellen uns die Füsse,
303
Bald sticht es hier, bald da, wie sehr man seiner schont,
304
So geht es dem, der nicht auff seinen Gütern wohnt.
305
Diß Wirtshauß ist uns nur auff kurtze Zeit geliehen,
306
Drumb sol man stündlich auch geschickt seyn außzuziehen,
307
Gleich wie ein fertigs Schiff, das an dem Ufer steht
308
Und wartet einig nur, wann guter Wind angeht.
309
Was ist doch für Gewinn, wie viel man Jahre zehlet?
310
Ein Alter ist gewiß nur mit sich selbst gequälet,
311
Muß augenblicklich sehn, ob sein Termin nicht kömpt
312
Und ob der bleiche Tod ihn auß dem Hauffen nimpt.
313
Je weiser einer ist, je williger er gehet
314
Den Steg, den alle gehn, er weiß wol und verstehet
315
Es müsse nur so seyn, er weiß, daß nach der Zeit
316
Ein anders Leben sey dort in der Ewigkeit.
317
Wie, wann man etwan uns durch einen schwartzen Wohren
318
Sehr schöne Gaben schickt, so hat auch Gott erkohren
319
Den ungestalten Tod, den schickt er auff uns zu
320
Nach vieler Müh und Angst mit stäter Lust und Ruh,
321
So allen Frommen wird. Wer den vermeynt zu tödten
322
Der seinem Schöpffer traut in allen seinen Nöthen
323
Und auff den Himmel denckt, der schaffet gleich so viel,
324
Als der, so einen Fisch im Zorn ersäuffen wil
325
Und schmeist ihn in den Fluß. Wie wol wird doch diß Leben,
326
Der Schauplatz aller Noth, für jenes hingegeben?
327
Gewißlich hätten nur die Kinder den Verstand,
328
Ihr Weynen würde bald in Lachen umbgewand.
329
Wann sie auff diese Welt von Mutterleibe kommen,
330
Dieweil sie auß dem Schleim' und Finsternüß genommen
331
Die schöne Sonne sehn, so geht es mit uns auch;
332
Wir lassen durch den Tod den schwartzen Dampff und Rauch
333
Der schnöden Eytelkeit, und kommen an die Sonne,
334
Die nimmer untergeht, das Liecht der stäten Wonne.
335
Was trauren wir dann viel, daß der und jener stirbt
336
Und kömpt der Sorgen ab? Wer sagt, Metall verdirbt
337
Im Fall es in ein Bild wird künstlich umbgegossen?
338
Und gleichfalls, die wir nur von Leim und Schleim entsprossen,
339
Wann wir den schwachen Lauff der Sterblichkeit erfüllt,
340
Verwandelt auch der Tod in Gottes Ebenbildt
341
Und macht uns wider neu. O wol, o wol doch denen,
342
Die vor ihr Land und Gott sich auffzuopffern sehnen
343
Und scheuen nicht das Schwerd! Laß hin der Römer Pracht,
344
Ihr Graß, ihr Eichenlaub und was sie mehr gemacht
345
Von Kräntzen vieler Art, sie mögen triumphieren
346
Mit ihrer güldnen Cron'; uns Christen wird noch zieren
347
Der Krantz, so nicht verwelckt, den keine Lufft verletzt,
348
Der Krantz der Ewigkeit, der wird uns auffgesetzt
349
Auff jenen grossen Tag, wann der uns wird erwecken,
350
Für dessen Antlitz hier diß alles muß erschrecken,
351
Für dem man sonst erschrickt. Wer diesen Trost recht faßt,
352
Hat mitten in der Pein und Marter Ruh und Rast,
353
Läßt dieses Leben stehn, streckt willig beyde Hände
354
Nach seinem Stündlein auß und eylet auff sein Ende,
355
Wann Gott nur wincket, zu, ist lustig und erfreut,
356
Wo daß er sehen kan Fug und Gelegenheit
357
Von hinnen weg zu ziehn und diese Welt zu lassen,
358
Da nichts als Creutz und Noth als Zorn, Neid, Mord und Hassen
359
In vollem Schwange gehn, da diese gantze Zeit
360
Nichts ist, als Kümmernüß, als steter Kampf und Streit.
361
Der Tod bringt Stillestand; das Grab wird nicht beschossen,
362
Verstört und umbgekehrt; ists einmal zugeschlossen,
363
So nützt der Cörper nicht, wird keines Feindes Raub,
364
(die Würmer nehm ich auß) ist Asche, Koth unnd Staub,
365
Die Seel' ist frey und loß. Die hier sich wol gehalten
366
In dieser Sterblichkeit, gehn droben mit den Alten
367
Berühmten Helden umb, sehn von der hohen Lufft,
368
Wie jederman allhier läufft, trabet, denckt und hofft
369
Auff unbeständigs Thun; die aber in dem Bande
370
Deß Leibes sich befleckt mit Lästern, Sünd' und Schande,
371
Und Ueppigkeit geliebt, und wider Recht gekriegt,
372
Die müssen durch das Thor, da Plutons Wächter ligt,
373
Der schwartze Cerberus mit seinen dreyen Rachen
374
Und Schlangen umb den Halß, nach dem sie Charons Nachen
375
Hat über See geführt und ohne Tagesschein
376
In stäter Finsternüß und dicken Wäldern seyn,
377
Biß daß die himmlische Trompette wird erschallen,
378
Für der die Sonne fliehn, die Felsen werden fallen,
379
Der Himmel furchtsam seyn, der Erden tieffer Grund
380
Zerbersten mit Gewalt biß an Cocytus Schlund,
381
Da sämptlich alles Fleisch wird auß den Gräbern steigen,
382
Sich für der Urtheilbanck deß Richters zu erzeigen,
383
Der nicht betrogen wird, den weder Gelt noch Gunst,
384
Wie hier bey uns geschieht, noch Zungendrescher Kunst,
385
Ja kein Erbarmen auch die Augen wird verblenden.
386
Was Schrecken, Furcht und Angst wird seyn an allen Enden!
387
Zur rechten Hand der Schuld und Laster grosse Zahl,
388
Zur Lincken die Gespenst und Geister allzumal,
389
Zun Füssen der Morast und Feuersee der Höllen,
390
Zun Häupten Christus selbst den letzten Spruch zu fällen,
391
Hier deß Gewissens Qual und da der Erden Glut,
392
Dem Frommen werden auch entfallen Hertz und Muth.
393
Was wird der Böse thun? Unmöglich ists zu weichen,
394
Unleydlich zu gestehn. Ein König wird verbleichen,
395
Der Grausamkeit geliebt, wird nackend, arm und bloß
396
Ohn alles Zepter gehn in Acherontens Schloß,
397
Von gar viel andern zwar, als wol bey uns umbringet.
398
Der Bluthund, der sich hier zu Krieg und Streiten tringet,
399
Der Hertze, Geist, und Sinn an Meuterey ergetzt,
400
Wird einen ärgern Feind sehn auff sich angehetzt,
401
Als er gewesen ist, der stündlich ihn wird jagen,
402
Der augenblicklich ihn wird ängsten, martern, plagen
403
Mit unerhörter Pein. Was der Verdampten Schaar
404
Am meisten in der Welt allhier behäglich war,
405
Wird einem jeglichen, nach dem ers fürgenommen,
406
Dort in den heissen Pful' auch pflegen einzukommen,
407
Ihn quälen Tag und Nacht; die Geizigen ihr Gut,
408
Die Hurer Liebesbrunst, Tyrannen Rach und Blut;
409
Den diß und jenen das. Wie nun diß große Leyden
410
Nicht außzusprechen ist, so seynd die Himmelsfreuden,
411
So allen Seligen noch werden zuerkandt,
412
Auch über englische Gedancken und Verstandt.
413
Was umb und umb wird seyn, wird alles Frieden heissen;
414
Da wird sich keiner nicht umb Land und Leute reissen,
415
Da wird kein Ketzer seyn, kein Kampff, kein Zanck und Streit,
416
Kein Mord, kein Stättebrand, kein Weh und Hertzeleid.
417
Dahin, dahin gedenckt in diesen schwären Kriegen,
418
In dieser bösen Zeit, in diesen letzten Zügen
419
Der nunmehr krancken Welt; dahin, dahin gedenckt,
420
So läßt die Todesfurcht euch frey und ungekränckt.
421
Wie theuer pflegt man doch die Müntzen einzukauffen
422
Von langen Jahren her? Wie würde man doch lauffen,
423
Wann Cesar oder sonst ein hochberühmbter Held
424
Jetzt käme widerumb zu uns her auff die Welt?
425
Wer wolte nicht von uns auch mehr als hundert Meilen
426
Und hundert noch darzu ohn alles Säumnüß eylen,
427
Nur Abraham zu sehn? Wem ist der Tod nun schwer,
428
Zu reysen an den Ort, da alles Himmel-Heer,
429
Da alle Heiligen versamlet, frölich leben,
430
Da umb das hohe Hauß die schönen Geister schweben,
431
Die Gott zu Dienern hat, ja mehr, da umb und an
432
Gott selber sichtiglich beschauet werden kan,
433
Der unbegreifflich ist, in keinen Ort zu bringen,
434
An allen Orten doch, der war für allen Dingen,
435
Unendlich unbekant, von keinem je erkiest,
436
In dem, auß dem, durch den ist alles, was da ist,
437
Keusch, ewig, gut, gerecht, frey, loß, in nichts beschlossen,
438
Der Vatter von sich selbst, der Sohn auß ihm entsprossen,
439
Der heilige Geist auch von allen Beyden her,
440
Die Drey allein ein Gott, mehr ist vor mich zu schwer.
441
Was niemand suchen sol, begehret nicht zu finden,
442
Und steiget nicht zu hoch, es möchte sonst verschwinden
443
Diß, was ihr suchen solt. Wer Gottes Heimlichkeit
444
Vermessentlich erforscht, der sägelt gar zu weit,
445
Und schifft in einer See, durch die er nicht kan kommen,
446
Muß wider auff den Weg, den er zuvor genommen,
447
Kömpt unverrichtet heim. Diß, was uns selig macht,
448
Wird durch die Schrifft genug in Augenschein gebracht
449
Und deutlich außgelegt. Drumb hier, weil meine Sinnen,
450
Und diese schwache Hand nicht höher steigen können,
451
Hier wil ich bleiben stehn; das höchste Gut allein,
452
So vor mein Anfang war, sol jetzt mein Ende seyn.
453
Für dich, Herr, kommen wir, dein armes Volck, getretten,
454
Mit eyffrigem Gemüth' und feurigen Gebetten,
455
Du, du, bist unser Hort, du starcker Capitain,
456
Für dem die Könige der Erden Asche seyn
457
Und minder noch, als Staub! Wir kommen und erscheinen
458
Für deiner Majestät, du hast die Noth der deinen
459
Von allen Zeiten her genädig abgekürtzt
460
Und ihrer Feinde Macht bestritten und gestürtzt.
461
Durch dich hat Abraham vier Könige geschlagen
462
Und Loth zurück gebracht, durch dich ward Roß unnd Wagen,
463
Die grosse Reuterey, deß Pharaones Heer
464
Und Pharao darzu geworffen in das Meer:
465
Durch dich stund Josue für seinen Feinden allen,
466
Auff die du Hagel auch vom Himmel hiessest fallen:
467
Die Sonne muste selbst um seinet willen stehn
468
Und einen gantzen Tag zu langsam untergehn.
469
Für deiner Stärcke kam der Midjaniter Hauffen
470
Mit greßlichem Geschrey und Furchtsamkeit gelauffen,
471
Fiel durch sein eygnes Schwerd; durch dich griff Jonathan
472
Mit einem Knechte nur ein gantzes Lager an:
473
Du hast den Schleuderstein auff Goliath gewendet,
474
Als David ihn erschlug, die Syrier verblendet,
475
Daß Eliseus nicht kam unter ihre Macht,
476
Dem stoltzen Sanherib erwürget in der Nacht
477
Sein kühnes Kriegesheer: du grosser Ueberwinder,
478
Nim auch dich unser an! Ach, siehe deine Kinder
479
Und kleiner Hauffen kömpt, fällt nider und begehrt,
480
Du wollest doch nit mehr der Feinde scharffes Schwert,
481
Die gantz uns willens sind zu dämpffen, lassen wetzen.
482
Du Zuflucht Israel, laß doch dem wilden Metzen
483
Nach solcher Angst und Noth, nach dieser langen Pein
484
Und schweren Kriegeslast ein mal ein Ende seyn,
485
Nim deine Ruhte weg. Wir armen Niniviten
486
Bekennen und gestehn, wir haben überschritten
487
Das Ziel von dir gesetzt; so viel deß Meeres Rand
488
Bestritten durch den Ost, hat kleine Körner Sand,
489
So manche Missethat beschwert uns das Gewissen.
490
Wo sollen wir doch hin, wann daß wir nicht geniessen
491
Der grossen Gütigkeit, die mitten in der Glut
492
Deß Eyffers deinen Grimm gantz freundlich, milde, gut
493
Und wolgeneiget macht? Wo sollen doch wir Armen,
494
Wo sollen wir hinauß? Dich vätterlich erbarmen
495
Ist ja dein eygnes Thun. Ach, Vatter, laß doch nicht
496
Der Kirchen schwaches Schiff, da jetzund knackt unnd bricht
497
In dieser wilden See, in diesen wüsten Wellen,
498
Bestritten von der Macht und Grausamkeit der Höllen!
499
Laß uns nicht länger seyn der Götzendiener Spott,
500
So ruffen ohne Scheu: Wo ist der Ketzer Gott?
501
Du aber, lieber Herr, du pflegest nicht zu schlaffen,
502
Dein Auge schlummert nicht; du bist bey deinen Schafen,
503
Auch mitten in der Noth; du grosser Friedefürst,
504
Wie sehr du über Sünd' und Laster zornig wirst,
505
So währt dein Grimm doch nicht; so weit die blaue Decke
506
Der Wolcken über uns sich streckt von einer Ecke
507
Biß zu der andern hin, so weit wird auch die Schuld
508
Deß Menschens, der dich liebt, mit Sanfftmuth unnd Gedult
509
Von dir hinweg gethan; du wilst uns nur probieren
510
Auff diesem Musterplatz, und auff den Fechtplan führen,
511
Zu zeigen, daß in uns gar keine Heucheley,
512
Kein Murren wider dich noch Ungehorsam sey.
513
Du wilst uns eyffriger hinfüro beten lehren
514
Und wahre Busse thun, du wilst die Andacht mehren,
515
So noch zu Friedenszeit und ausser der Gefahr
516
Durch Sicherheit und Stoltz in uns erkaltet war.
517
Nun, Vatter, schicke doch uns deinen Geist hernieder,
518
Den Geist der Besserung, erwärme diese Glieder
519
Sonst böse von Natur, mit seiner Weißheit Brunst;
520
Ohn ihn ist unser Thun und Wille gantz umbsonst,
521
Ohn ihn vermag man nichts. Laß unsre Sinnen fegen
522
Durch seiner Liebe Glut, auff daß wir von uns legen
523
Das alte Sündentuch, ziehn an das reine Kleyd
524
Der Unschuld, Gottesfrucht und neuen Frömmigkeit.
525
Und da wir ja forthin noch länger müssen tragen
526
Die Bürde deines Zorns, so laß uns nicht verzagen,
527
Gib uns den Muth, der Noth und Tod verachten kan,
528
Bind' uns mit deiner Hand starck an den Himmel an,
529
Auff daß wir nicht vergehn, gib uns in diesem Schmertzen
530
Ein freudiges Gemüth und königliche Hertzen,
531
Damit wir wider Grimm, Gewalt und Ueberlast
532
Mit kräfftiger Gedult und Hoffnung seyn gefaßt.
533
Schenck uns deß Glaubens Helm, den Sinn, der allzeit wache
534
Für dich, für unser Land und für gerechte Sache;
535
Laß uns der Tyranney frisch unter Augen gehn,
536
Und, also lange wir den Athem haben, stehn.
537
Ein Mensch, der dir vertraut, der dir sich hat ergeben,
538
Was kan er weniger verlieren, als sein Leben?
539
Den Trostspruch wirff uns zu, wann wir im Streiten sind
540
Und Geist und Blut zugleich uns auß dem Leibe rinnt.
541
Sey du der Obriste, verschaffe kund zu werden,
542
Daß keine Tapfferkeit, daß keine Krafft der Erden
543
Dir widerstehen mag, daß keine Kunst noch List
544
Dem Volcke schaden kan, wo du zugegen bist.
545
Hilff doch den bösen Rath derjenigen vernichten,
546
Die alle Müh und Witz nur einig darauff richten,
547
Wie unsrer Sachen Recht durch einen falschen Schein
548
Der gantzen weiten Welt verhasset möge seyn.
549
Laß ja die Obrigkeit zu keiner Zeit sich lencken
550
Von deiner Zuversicht; ihr Wollen und Gedencken
551
Steht gantz in deiner Hand, von dir kömpt Fried und Krieg,
552
Von dir, du Schirm und Schild der Frommen, kömpt der Sieg.
553
Gib gleichfals auch den Sinn den andern Potentaten
554
Die unsers Glaubens sind, daß sie auch helffen rathen
555
Und treulich Beystand thun, daß sie auch keinen Fleiß
556
Nicht lassen ungespart für deinem Ruhm und Preiß.
557
Zwar nicht, daß dir, o Gott, unmüglich sey zu siegen,
558
Wie starck der Feind auch ist, wann sie nicht helffen kriegen
559
Und streiten, sondern nur, daß von uns allesampt
560
Recht werde fortgepflantzt der Christen wahres Ampt,
561
Daß keiner unter uns sey künfftig außzuschliessen
562
Von denen, die ihr Blut gantz ritterlich vergiessen
563
Vor dich und vor das Recht, unnd die sich durch das Schwerdt,
564
Wie Teutschen angehört, biß auff den Tod gewehrt.
565
Diß thu, o höchster Gott, umb deines Sohnes willen,
566
Deß Mittlers dieser Welt, der deinen Zorn zu stillen
567
Vor uns gelitten hat das letzte Theil der Zeit,
568
Jetzt lebet und regiert mit dir in Ewigkeit.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Martin Opitz
(15971639)

* 23.12.1597 in Bolesławiec, † 20.08.1639 in Danzig

männlich, geb. Opitz

natürliche Todesursache | Pest

deutscher Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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