Das dritte Buch

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Martin Opitz: Das dritte Buch (1618)

1
Ob wol der Tugend Trost, von dem wir jetzt gehöret,
2
Ein männliches Gemüth' auff alle Fälle lehret
3
Behertzt und freudig seyn in dieser letzten Zeit,
4
Da nichts, als Elend ist, als Krieg und schwerer Streit,
5
Doch ist diß nicht genug; wir müssen ferner wissen,
6
Wie eine gute Sach und heiliges Gewissen
7
Das Leyd und Kümmernüß deß Hertzens wenden kan,
8
Was Uebel und Gewalt uns auch wird angethan.
9
Ist etwas auff der Welt bequem und gut zu nennen,
10
Nach dem man frü und spat sol trachten, lauffen, rennen,
11
Und das den Herren sol ersuchen Groß und Klein,
12
So wird es wol gewiß der edle Friede seyn.
13
Wo er sein Lager hat wird Gottesfurcht geübet,
14
Gerechtigkeit erbaut, Scham, Erbarkeit geliebet,
15
Die Künste fort gepflantzt, die Güter nehmen zu,
16
Land, Statt, Mensch, Vieh und Feld geneust der süssen Ruh.
17
Erwacht der strenge Mars, da bleibt nichts unversehret,
18
Gar kein Gesetze gilt, kein Recht wird mehr gehöret,
19
Weil Waffen und Gewehr zu viel Getümmel macht;
20
Die Frömmigkeit reißt auß, die Zucht gibt gute Nacht.
21
Was können aber doch die armen Künste machen,
22
Was kan Apollo thun bey solchem wilden Krachen?
23
Tringt auch der Musen Thon und lieblicher Gesang
24
Durch solches Feldgeschrey unnd durch der Paucken Klang?
25
Die starcke Schwefelglut, der Schall von den Geschützen,
26
Von denen Jupiter auch könte lernen plitzen,
27
Macht, daß die Vögel sich begeben in die Flucht,
28
Daß Fisch und Wild entrinnt unnd neue Wohnung sucht.
29
Es kehrt sich alles umb, muß über Hauffen fallen,
30
Und was am schlimmsten noch ist unter diesem allen,
31
Der fühlet offtermals am meisten in der That,
32
Der an dem Wesen selbst am minsten Theiles hat.
33
Tisiphone wird loß, kömpt an den Tag gegangen,
34
Gefärbt mit Pech und Rauch, umbkrönt mit schwartzen Schlangen,
35
Läßt ihren Acheron, den brennenden Morast,
36
Hat Zwytracht, Gramschafft, Neid, Haß, Zanck und Mord gefast
37
Und wirfft sie auff den Plan; es rotten sich zuhauffen
38
Auch manche, die zuvor dem Hencker kaum entlauffen.
39
Wer Güter, Hauß und Hof verschlemmt, verpraßt, verzehrt,
40
Wer nirgend sicher ist, wen grosse Schuld beschwert,
41
Wer keine böse That für sich zu viel seyn schätzet,
42
Wer an deß Landes Fall Hertz, Augen, Sinn ergetzet,
43
Wem alles gleiche gilt, ob der, ob jener siegt,
44
(dann fromme Völcker man so leichte nimmer kriegt)
45
Der kömpt und trägt sich fail; und diese sollen finden,
46
Was vor verloren ist, die sollen überwinden,
47
Die legt man in die Statt, die legt man auff das Feld,
48
Die werden als ein Bild der Tugend fürgestelt.
49
So folgt gemeiniglich ein grosser Krieg dem kleinen,
50
Und was noch weiter ist, es bleibt nicht bey dem einen,
51
Es schiessen mehr hernach; so ist das tieffe Meer,
52
Bald kömpt allhier ein Fluß, bald da ein andrer her.
53
Diß alles und noch mehr ist starck uns zu bewegen,
54
Daß niemand unbedacht sol Kampff und Streit erregen.
55
Gar leichtlich kan das Schwerd auß seiner Scheyden seyn,
56
Es steckt sich aber nicht so leichtlich wider eyn.
57
Ein christlicher Herr weiß, daß der, auff den er trauet,
58
Hoch auß den Wolcken her auff alle Menschen schauet,
59
Und daß er endlich ihm, der keinem Unrecht thut,
60
Sol geben Rechenschafft für jeden Tropffen Blut.
61
Er schaffet was er kan die Zwytracht zu vermeyden,
62
Er wil an seinem Recht' auch lieber Unrecht leyden,
63
Eh als durch ihn der Krieg, der Streit, der Mord, der Brand,
64
Diß Jammer sol entstehn nur umb ein Stücke Land.
65
Der König herrschet recht, regiert am allerbesten,
66
Erweitert wol sein Reich, der nach deß Himmels Vesten,
67
Nach Gottes schönen Statt bestellt sein Regiment,
68
Da nichts, als stäte Ruh, als Huld und Freundschafft brennt.
69
Der Wille, den der Fürst der Fürsten uns verschrieben,
70
Sein letztes Testament, das heist: Einander lieben,
71
Heist Fried und Einigkeit; diß ist der letzte Zoll,
72
Das Loß, durch welches man die Kirche kennen soll.
73
Ein hohes Hertze läßt den Krieg sich nicht erschrecken,
74
Erfordert es die Noth, pflegt doch ihn nicht zu wecken,
75
Im Fall er immermehr verhütet werden kan;
76
Ein wildes grimmes Thier läufft alle Menschen an.
77
Dergleichen Obristen zwar hat es wol gegeben,
78
Die nichts so sehr gesucht, als Auffruhr zu erheben,
79
Umb das man von der Kunst und grossen Dapfferkeit,
80
Mit welchen sie begabt, nur sage weit und breit.
81
Ein schändlicher Gebrauch! Ist auch ein Artzt zu loben,
82
Der wündschet, daß die Pest doch solte grausam toben,
83
Daß überall von ihm die Sage möchte gehn,
84
Der Mann könn' auff die Cur sich sonders wol verstehn?
85
Wer wolte den Patron nicht in der See erträncken,
86
Der sich, wann Sturmwind kömpt, mit Fleisse dürffte lencken
87
Auff Stein und Klippen zu, zu kriegen das Geschrey,
88
Wie sehr bescheyden er im Schiffregieren sey?
89
Wil aber sonsten ja kein Rath und Weg ersprissen,
90
Wil unser Nachbar gar von keinem Frieden wissen,
91
Wird uns das harte Joch und Dienstbarkeit zu schwer,
92
So sucht man billich dann das Schwerd unnd Faust-Recht her.
93
Diß hat ja die Natur die Bestien gelehret,
94
Nicht uns nur die Vernunfft, wann eines wird versehret,
95
So thut es, was es kan. Kein Würmlein ist so schwach,
96
Es gibet der Gewalt nicht, als bezwungen, nach.
97
Was kan nun besser seyn, dann für die Freyheit streiten
98
Und die Religion, wann die von allen Seiten
99
Gepreßt wird und verdruckt, wann die kömpt in Gefahr,
100
Wer sol nicht willig stehn für Herd und für Altar?
101
Der Zweck ist recht und gut; vom Teuffel ist er kommen,
102
Der auch dem Teuffel selbst (wie offtmals wird vernommen)
103
Umb seinen guten Sold getreulich dienen wil.
104
O weg, dergleichen Sinn, o weg das böse Ziel!
105
Ein solches Lästermaul ligt dort und hier darnider.
106
Wer Gottes wegen kriegt, für den kriegt auch Gott wider,
107
Dem reicht er seine Hand, dem springt er treulich bey,
108
Zu Trutze dieser Welt und aller Tyranney.
109
Was hat man jener Zeit in Franckreich doch gewunnen,
110
Wie hin durch gantz Pariß die neuen Hochzeitbrunnen
111
Gequollen sind durch Blut, durch Christenblut, gemacht,
112
Wie auch der Bräutigam fast selbst ward umbgebracht?
113
Was ward für Wüterey und Toben nicht getrieben?
114
Der streitbare Colin ward erstlich auffgerieben,
115
Auff Erden fortgeschleppt, ins Wasser eingesenckt,
116
Mit Feuer halb verbrandt, in Lüfften auffgehenckt.
117
Die andern folgten nach; da wolte nichts erschiessen,
118
Wie sehr man sich verkroch, es worden fortgerissen
119
Hoch, Nidrig, Reich und Arm; ein Mann, ein blosser Mann
120
Hat, wie er sich gerühmt, Vierhundert abgethan.
121
Ich meyne, daß man sey den Alten nachgegangen,
122
Busiris nämlich hat die Gäste so empfangen,
123
Und Diomedes auch, der gute milde Mann,
124
Nam frembde Leut' also mit seinen Rossen an.
125
Nun diß war in Pariß; was anderswo geschehen,
126
Ist über Menschen-That; kein Bitten, Seufftzen, Flehen,
127
Kein Klagen ward erhört; man übte solche Pein,
128
Daß auch der Hencker sol darvor erschrocken seyn.
129
Kein Hugenottenhauß, kein Winckel ward vergessen,
130
Der armen Leute Fleisch von Hunden auffgefressen,
131
Theils auch der faisten Schmeer von Aertzten auffgekaufft,
132
Der Rhodan selber stund, der sonst so strenge laufft.
133
Der Leichen grosse Zahl ist häuffig fürgeschossen,
134
Und hat ihn zugestopfft, so, daß er nicht geflossen,
135
Biß endlich noch das Blut, das auß den Cörpern trat,
136
Da Wasser auffgeschwelt und fortgeführet hat,
137
Und als das todte Heer so starck nach Tours geschwommen,
138
Hat fast die gantze Statt die Flucht von dar genommen,
139
Alarm, Alarm gerufft. Zu Arles tranck man nicht,
140
Dieweil an diesen Fluß sonst Wasser dar gebricht.
141
O Schande dieser Zeit! Wer hat vor Zeit und Jahren
142
Auch in der Heydenschafft dergleichen doch erfahren?
143
Noch ward auch Gelt gemüntzt unnd gar darauff gepregt:
144
Die wahre Gottesfurcht hat Billigkeit erregt.
145
O schöne Gottesfurcht durch Menschenblut besprenget!
146
O schöne Billigkeit, da alles wird vermenget,
147
Da nichts nicht als Betrug, als Falschheit wird gehört,
148
Da der Natur Gesetz' auch selber ward versehrt!
149
Was halff der Meuchelmord? Die Kirch' ist doch verblieben,
150
Grünt mehr jetzt da, als sonst, und sie sind auffgeschrieben
151
In Gottes rechte Hand, der wird auff jenen Tag,
152
Da niemand aussen bleibt, da nichts sich bergen mag,
153
Sie zieren allesampt mit einer Ehren-Cronen,
154
Die nicht verloren wird, wird reichlich sie belohnen,
155
Die theuren Märtyrer; sie werden nach der Zeit
156
Für allen herrlich seyn dort in der Ewigkeit.
157
Nun was sich nach der That mit Carlen zugetragen,
158
Wiewol er drauff geruht, beliebt mir nicht zu sagen.
159
Es bleibet einmal wahr: Gewalt und Tyranney
160
Sind auch noch auff der Welt nicht ihrer Straffe frey.
161
Sie tragen für und für den Hencker in dem Hertzen,
162
Der beißt und naget sie, der lescht die Marterkertzen
163
Nicht auß zu Tag und Nacht, er streckt sie ohne Ruh,
164
Da hilfft kein Seytenspiel und kein Orlandus zu.
165
Sie müssen hier noch sehn die höllischen Göttinnen,
166
Die machen ihnen warm, die geisseln ihre Sinnen;
167
Diß ist Ixions Stein, der allzeit sich bewegt,
168
Der Gast, den Tityus auff seiner Leber trägt.
169
Der Leib wird offte zwar mit Kranckheit übergangen
170
Durch einen leichten Fall, kan aber Hülff' empfangen;
171
In böser Leute Sinn scheußt Gott den harten Pfeil,
172
Der gar zu tieff verletzt, an dem man nicht wird heyl.
173
Die Träume bey der Nacht, das Schüttern in dem Schlaffe,
174
Das hin und wider sehn ist schon ein Schmack der Strafe
175
Die nochmals kommen sol, wo Rhadamantus wohnt
176
Und allen, wie gehört, mit Pech und Schwefel lohnt.
177
Wie schreibt Tiberius, wie muß er selbst bekennen,
178
Er pflege Tag für Tag mit grosser Qual zu brennen?
179
Wie still und sicher auch die Ziegen-Insel war,
180
So ließ ihn doch nicht frey die Furchte für Gefahr,
181
Und nicht umbsonst; sein Geist ward schändlich auffgegeben,
182
So pflegt es zuzugehn mit der Tyrannen Leben.
183
Nicht viel ziehn so hinab biß an Cocytus Schlund
184
Und sehen ohne Blut den schwartzen Hellenhund.
185
O wol hergegen dem, der wider sein Gewissen
186
Nichts denckt, nichts redt, nichts thut! Er kan der Ruh geniessen,
187
Wann alles mißlich ist; er triumphiert und steht,
188
Was Unrecht und Beschwer ihm unterhanden geht.
189
Wer frisch ist und gesund kan ruhig ligen bleiben,
190
Biß sich der helle Tag tringt durch die Fensterscheiben,
191
Auff einer harten Banck; ligt einer an der Gicht,
192
Er schläfft gewißlich auch in weichen Betten nicht.
193
So hat ein schlimmer Mensch auch gar zu guten Zeiten,
194
Genugsam mit sich selbst zu fechten und zu streiten.
195
Thut einer, was er sol und ist ihm wol bewust,
196
Er bleibt in aller Noth und Trübsal bey der Lust,
197
Wird nimmer umbgestürtzt, ist allezeit derselbe,
198
Und fiele schon herab das himmlische Gewölbe,
199
Daß alle Winckel hier gantz würden umbgestört,
200
So stünde doch sein Sinn getrost und unversehrt.
201
Drumb, sind wir schon jetzund beträngt an allen Enden,
202
So kan die Unschuld doch uns allen Kummer wenden,
203
Dieweil wir ja das Schwerd genommen in die Hand,
204
Durch Notturfft angereitzt, für Gott und unser Land.
205
Diß, diß ist unser Zweck; wer umb Gewinn sonst krieget,
206
Bringt wenig Ehre weg, wie trefflich er auch sieget.
207
Wann (wie es mißlich steht) der Feind den Platz behelt,
208
So läßt er seinen Leib nur umb das schnöde Gelt.
209
Es ist ein schöner Spott, für gute Sachen sterben;
210
Diß ligt uns nunmehr ob, diß, diß hat zu erwerben,
211
Wer sonsten unter uns durch Krieg, durch Blut, durch Streit
212
Erlangen wil den Ruhm und Lob der Dapfferkeit.
213
Jetzt steht die Freyheit selbst wie gleichsam auf der Spitzen,
214
Die schreyt uns sehnlich zu, die müssen wir beschützen;
215
Es mag das Ende nun verlauffen, wie es kan,
216
So bleibt die Sache gut, umb die es ist gethan.
217
Wann die Religion wird feindlich angetastet,
218
Da ist es nicht mehr Zeit, daß jemand ruht und rastet.
219
Viel lieber mit der Faust wie Christen sich gewehrt,
220
Als daß sie selbst durch List und Zwang wird umbgekehrt.
221
Es thut zwar nicht sehr wol, sich feindlich lassen jagen,
222
Verlieren Haab und Gut, doch die Gewissen plagen,
223
Das tringt viel weiter noch, als nur durch Marck und Bein,
224
Sie wollen nicht beträngt, nicht überladen seyn.
225
Der Leib ist unterthan, der Geist ist nicht zu zwingen,
226
Geht ledig, frey und loß, pflegt sicher sich zu schwingen,
227
So weit es ihm gefällt, verläßt sein enges Hauß,
228
Fleugt dieses grosse Rund auch augenblicklich auß.
229
Die güldne Freyheit nun läßt kein Mann eher fahren,
230
Als seine Seele selbst; dieselbe zu verwahren,
231
Derselben Schutz zu thun, ist allzeit gut und rechte;
232
Wer sie verdrücken läßt, wird billich auch ein Knecht.
233
Wer kan sein Vatterland dann wüste sehen stehen,
234
Daß er nicht tausendmal muß einen Tag vergehen?
235
Die Gunst, die jederman zu ihm von Hertzen trägt,
236
Wird selbst durch die Natur von Kindheit an erregt.
237
Wie weit wir von ihm seyn, wie wol es umb uns stehet,
238
Wie glücklich es uns auch bey frembden Leuten gehet,
239
Brennt seine Liebe doch in uns bey Tag und Nacht
240
Und kömpt uns ewiglich nicht gäntzlich auß der Acht.
241
Das liebe Vatterland hat erstlich uns erzeugt
242
Und auff die Welt gebracht, hat erstlich uns gesäuget.
243
Von dieser Mutter kömpt uns alles Gut und Nutz,
244
Drumb sucht sie widerumb bey uns auch billig Schutz,
245
Und ist derselbe Mann verständig und bescheyden,
246
Der lieber für sie wil, als mit ihr, Schaden leyden.
247
Die uns das Leben gibt, erfordert es die Noth,
248
Für die gehn billich wir hergegen in den Todt.
249
Ich wil mich lieber ja von wegen ihr ergeben,
250
Zu sterben als ein Mann, als hier in Schanden leben.
251
Ich lasse nimmermehr mit besserm Lobe hin,
252
Das, was ich der Natur doch sonsten schuldig bin.
253
Dergleichen Krieg pflegt Gott und Menschen gut zu heissen,
254
Und pfleget selten auch zum ärgsten außzureissen;
255
Ob erstlich zwar der Lauff was mißlich gehen wil,
256
So kömpt doch erstlich Gott, und thut das Widerspiel.
257
Wer wundert sich doch nicht, der Niderland betrachtet,
258
Der Spanschen Hoffart Zaum? Wie war es so verachtet?
259
Noch hat der kleine Platz so viel, nächst Gott, gethan,
260
Was warlich die Vernunfft gar übel fassen kan.
261
Philippus war nun Herr, wo Phebus auffzustehen,
262
Das grosse Liecht der Welt, und nider pflegt zu gehen;
263
Er hatte mehrentheils fast unter seine Macht
264
Der Amphitrite Strom und grosses Reich gebracht;
265
Noch risse Holand loß. Die Marter, Pein und Plagen
266
Der grimmen Tyranney war länger nicht zu tragen;
267
Das sehr beträngte Volck ward endlich auffgehetzt,
268
Nach dem sein Blut genug das gantze Land genetzt
269
Und Alba solchen Grimm und Wüterey begangen,
270
Dergleichen nie gehört; die Ritterschafft gefangen,
271
Den edlen Helden Horn sampt Egmund weggerafft,
272
Die Stätte leer gemacht, die Leute fortgeschafft,
273
In Wald und Wüsterey Mann, Weib und Kind vertrieben,
274
Gejaget auff die See. Jedoch sind sie geblieben;
275
So wenig haben sich der grossen Macht erwehrt,
276
Und ihren harten Dienst in Freyheit umbgekehrt.
277
Durch alles dieses Blut, durch so viel tausend Cronen
278
Auß Peru her geholt, durch hundert Millionen,
279
Und hundert noch darzu, kam Spanien so weit,
280
Daß jetzund Niderland der Herrschafft ist befreyt,
281
Das werthe Niderland; sie haben zugenommen
282
Durch solchen Zwang und Trang, sind in die Schlösser kommen
283
Verborgen in ein Schiff mit Wasen zugedeckt,
284
Gleich wie Ulüsses sich in Trojens Pferd versteckt.
285
Ist je deß Feindes Heer zu starck auff sie gezogen,
286
So haben sie ihn doch mit Kriegekunst betrogen,
287
Sich sicher eingeschantzt und Wälle fürgemacht,
288
Darhinter seinen Zorn und Wüten außgelacht,
289
Er schlug sein Lager auff, die Stätte wegzubringen;
290
Vergebens und umbsonst, sie waren nicht zu zwingen,
291
Wie sehr man sie auch trieb. Er faste Leyden an,
292
Ließ keinen ein noch auß, verrante Weg und Bahn,
293
Von aussen zu stritt' er, der Hunger war darinnen,
294
Doch er vermochte nicht die Mauren zu gewinnen;
295
Der Hunger zwang den Leib, die Hertzen blieben stehn.
296
Man sahe groß und klein wie blosse Schatten gehn;
297
Das Kind nach an der Brust (wer denckt doch ohn Erbarmen,
298
An solche grosse Qual!) fiel auß der Mutter Armen,
299
Die Mutter auff das Kind, und blieben beyde tod,
300
Noch hielten sie doch auß auch sonder Speis' unnd Brod,
301
Und blieben hungrig starck, biß daß die wüsten Wellen
302
Und Thetis selber kam, sich für sie darzustellen.
303
Da gieng Baldeus weg, sein Hauffen gab die Flucht
304
Und hat den nassen Ort bißher nicht mehr besucht.
305
Jetzt wohnt Apollo da mit seinen Pierinnen,
306
Die wunderschöne Statt hat alle hohe Sinnen,
307
Hat alle Wissenschafft in ihren Kreiß gebracht
308
Und an deß Krieges Statt der Künste Sitz gemacht.
309
Ostende, wo bleibt diß? Das hat der Feind gewonnen,
310
Wo das gewonnen heißt mit so viel Geldes-Tonnen,
311
Durch so viel Schweiß und Blut da haben angesiegt,
312
Da nichts nicht, als ein Heer verfaulter Körper ligt,
313
Da Sand erobert wird. Ach, also Lob erwischen,
314
So triumphieren, heißt mit güldnen Netzen fischen;
315
Und war das minste doch, das hier der Spanier that;
316
Die Kälte legte sich im Winter für die Statt,
317
Im Sommer kam die Pest. Nach dreyen gantzen Jahren
318
Da giengen sie darvon, die noch bey Leben waren,
319
Die andern hielten auß. Was also sich ergab,
320
Das war ein Todenfeld und stinckicht Leichengrab.
321
So thun sie Widerstand, das Volck zu Stahl und Eisen
322
Von Wiegen an gewehnt, sie dürffen auch wol reysen,
323
Biß an die Gades hin, wie Hemskerck hat gethan,
324
Der unbewegte Held; der unverzagte Mann
325
Schlug nicht, wie Hercules, an eben diesem Orte
326
Den grossen König tod, er kam fast an die Pforte
327
Bey der die Sonne schläfft, umbschloß das weite Meer
328
Mit Feuer und Metall und schlug da grosse Heer,
329
Biß daß man ihm den Fuß vom Leibe weggeschossen,
330
Noch stund sein strenger Sinn, sein Leben ward beschlossen,
331
Der Sieg noch lange nicht; die Seinen stritten fort
332
Und donnerten mit Plitz und Hagel umb den Port:
333
Die See ward heiß darvon, die Menschen auff den Lande
334
Vergiengen halb vor Furcht' und sturben halb vor Schande;
335
Sie stackten Fahnen auß, doch leyder allzuspat,
336
Der traurig' Admiral fand gar zu schlechten Rath.
337
Hier sahe nun der Feind auß diesem grossen Wercke,
338
Da ward er recht gewahr, daß Tod und Höllenstärcke,
339
Daß Phlegethon auch nicht dem Sinne Wage helt,
340
Der vor sein Land und Recht sich zu der Wehre stelt.
341
So pflegt das edle Volck die Feyheit zu beschützen,
342
Geboren umb die Flut und umb die rauen Pfützen,
343
Gehärtet durch den Wind, daß niemals wird bewegt,
344
Das, wann es nöthig ist, die Häuser mit sich trägt.
345
O Feind (so sagen sie) nimb alles, wo wir leben,
346
Wir wollen sonder Scheu uns in die See begeben,
347
Wir wollen sonder Scheu, wo jetzt die Schiffe gehn,
348
Dir bloß zu Hohne nur, befreyt und sicher stehn.
349
So weit der Himmel reicht und da die Wolcken treiben,
350
Ist eben, wo man wohnt, ist, wo wir können bleiben
351
Und unser Weib und Kind, gar weit von deiner Hand.
352
Wo du nicht bist, allda ist unser Vatterland.
353
Ach, Teutschland, folge nach, laß doch nicht weiter kommen,
354
Die, so durch falschen Wahn so viel schon eingenommen,
355
Zu Schmach der Nation; erlöse deinen Rhein,
356
Der jetzund Waffen trägt vor seinen guten Wein.
357
Gott, die Religion, die Freiheit, Kind und Weiber,
358
Sol dieses minder seyn, als unsre schnöde Leiber,
359
Die gleich so wol vergehn? Was Notturfft bey uns thut,
360
Es gehe, wie es wil, das bleibet recht und gut.
361
Der Nutz ist offenbar; die Freyheit zu erwerben,
362
Für Gottes Wort zu stehn, und ob man müste sterben,
363
Zu kriegen solches Lob, das nimmer untergeht,
364
Das hier mit dieser Welt wie in die Wette steht,
365
Diß, diß ist der Gewinn und süsse Lohn der Zeiten,
366
So allen Helden bleibt, die rittermässig streiten.
367
Sie werden widerumb von fornen an geborn
368
Und wären sie zuvor auch hundert mal verlorn.
369
So ward der Hercules vor einen Gott erwehlet,
370
Und sein Gestirne wird auch noch von uns gezehlet,
371
Umb daß er unverzagt viel Thaten auff sich nam
372
Und dem beträngten Volck in Noth zuhülffe kam.
373
Deß Menschen Leben ist umbzäunt mit engen Blancken,
374
Hat wenig Platz und Raum, sein Lob fleugt sonder Schrancken,
375
Wird nirgend eingesperrt und bricht sich an den Tag,
376
So weit der Sonnenglantz die Welt bestrahlen mag.
377
Umb dieses pflegte ja Themistocles zu wachen,
378
Sich, wie Miltiades, durch Ruhm bekant zu machen
379
Mit grosser Tapfferkeit; diß ist das Seytenspiel,
380
Der schöne Klang, so ihm für allen wolgefiel.
381
Es ists, nach welchem noch viel hohe Seelen streben
382
Und sterben auch mit Lust, auff daß sie immer leben.
383
Ein auffgewachtes Hertz' und prächtiger Verstand
384
Begehrt gerühmt zu seyn durch die gelehrte Hand,
385
Die nicht verschwinden kan. Die Stätte zwar veralten,
386
Die Mauren fallen umb; kein Stein kan immer halten:
387
Was ein sinnreicher Geist mit seiner Feder pflantzt,
388
Ist vor der Zeit Gewalt versichert und beschantzt.
389
Wem aber für den Tod durch ihn nicht wird gerathen,
390
Der bleibet jederzeit sampt allen seinen Thaten
391
Verdeckt mit hoher Nacht. Die Art hat Lethes Fluß,
392
Daß, welcher auß ihm trinckt, vergessen werden muß.
393
Es haben ihrer viel in nunmehr alten Zeiten
394
Wol grossen Ruhm verdient umb ihren Muth und Streiten,
395
Sie ligen aber jetzt versteckt und ungeehrt,
396
So daß man gantz und gar von ihnen nicht mehr hört.
397
Was hilfft es, daß ein Mann durch Tugend, Witz und Kriegen
398
Weit über alle steigt und bleibt hernach verschwiegen?
399
Was Gutes man von ihm bey seinem Leben spricht,
400
Geniessen seiner doch, die nach ihm kommen, nicht.
401
Was der Poeten Volck und sonst gelehrten Sinnen
402
In ihre Fäuste kömpt, da wircken keine Spinnen
403
Ein Webe drüber her; ihr grünes Lorbeerlaub
404
Kehrt alles sauber ab und leydet keinen Staub.
405
Durch sie bleibt nichts hindan, durch sie wird angezündet
406
Das Liecht, mit welchem man sich auß dem Dunckeln findet,
407
Durch sie wird sonderlich das Kleinod auffgelegt
408
Das manchen Rittersman zu Wettelauff' erregt.
409
Der Alexander selbst pflag neben seinem Degen
410
Homerus weises Buch ihm zu der Hand zu legen,
411
Auch wann er lag und schleiff; diß war sein schönes Bild
412
Das ihm der Tugend Ruhm stäts unter Augen hielt.
413
Es ward ihm auch zur Zeit Achillens Grab gewiesen,
414
Den der Poete hat mit solcher Art gepriesen;
415
O Jüngling, hub er an, wie wol stehts doch mit dir,
416
Umb daß Homerus dich erhalten für und für!
417
Und recht, dann wäre nicht die hohe Kunst gewesen,
418
Durch welche wir noch jetzt deß Helden Mannheit lesen,
419
So wäre mit dem Grab', in das er ward gestreckt,
420
Auff eine Zeit sein Leib und Name zugedeckt.
421
Der Bücher Gutthat ists, daß viel noch wird gefunden
422
Was längst hat fort gemust. Ist nicht Athen verschwunden,
423
Der freyen Künste Marckt? Wo ist jetzt Griechenland?
424
Wo ist der Musen Quell, durch alle Welt bekant?
425
Wo sind die Musen selbst? Sie haben müssen stertzen,
426
Ihr Sitz ist umbgekehrt: In der Gelehrten Hertzen,
427
In ihren Hertzen steht, was allzeit übrig bleibt,
428
Was keine Feindes Macht und Raub er Zeit vertreibt.
429
In Büchern wird jetzund noch Socrates gehöret,
430
Und die Akademie, wo Plato saß, geehret;
431
In Büchern bleibt noch jetzt deß Phebus Tempel stehn,
432
Da Aristoteles pflag auff und abzugehn.
433
In Büchern streitet auch Lysander noch zu Lande,
434
Themistocles zur See, ligt Cimon in dem Bande;
435
Die Stelle selber ist vom Türcken abgestrickt,
436
Parnassus der ist gantz in Barbarey erstickt.
437
Durch dieses wilde Volck, durch diese Pest der Erden
438
Hat Kunst und Wissenschafft gedämpffet müssen werden,
439
Hat eine grosse Schar der armen Christenheit
440
Nun müssen dienstbar seyn so trefflich lange Zeit.
441
Deß wüsten Heeres Haupt, der blutige Tyranne,
442
Denckt täglich, wie er doch sein Thun noch höher spanne,
443
Sieht uns mit Freuden zu, sitzt an der Port' und lacht,
444
Daß Teutschland durch sich selbst wird feindlich hingebracht.
445
Sein Wundsch gelinget ihm. Da uns doch wil gebühren
446
Mit höchster Einigkeit die Macht auff ihn zu führen,
447
Mit welcher, leyder, wir uns selber schädlich seyn,
448
Umb dieses seufftzen jetzt die Christen groß und klein,
449
Die unter seiner Last gar kaum sich können wenden;
450
Sie schreyen auff uns zu mit auffgereckten Händen:
451
Zerreiß, o werthes Volck, doch nit dein eygnes Land,
452
Greiff dieses lieber an, beut lieber uns die Hand:
453
Nimb dieses schöne Reich doch auß deß Feindes Rachen,
454
Daß einig durch Gewalt und ungerechte Sachen
455
Ist worden hingeraubt, nimb wider deine Statt,
456
Die vor der Zeit mit Rom so weit regieret hat.
457
Judea bittet auch mit unerschöfftem Flehen,
458
Reicht seine Palmen her, die häuffig da zu sehen,
459
Das Zeichen deß Triumphs, zeigt auff den edlen Ort,
460
Da Gottes Sohn für uns geschlachtet und durchbohrt
461
So schwär gelitten hat, und wo er ist gelegen;
462
Es seufftzet und begehrt, wir wollen doch erwegen
463
Daß dieser Christenfeind und Bluthund sonder Ruh
464
Gedencke, wie er auch mit uns dergleichen thu
465
Und unter glattem Schein' hieher sich könne tringen,
466
Das ihm dann leichter sey anjetzund zu vollbringen,
467
In dem ihm Thür und Thor von uns steht auffgethan,
468
So daß er, wann er wil, kan geben dritte Mann.
469
Nun wider auff den Zweck und rechtes Ziel zu kommen,
470
Darvon mich Griechenland mit sich hinweg genommen,
471
Die Ehre, die ein Mann durch Krieg zu hoffen hat,
472
Bewegt ihn billich auch zu ritterlicher That.
473
Was kan doch schöner seyn, als unter vielen Helden,
474
Von derer Tapfferkeit die Bücher ewig melden,
475
Auch auffgeschrieben stehn mit Schrifft, die nicht verlischt,
476
Die gar kein Regen nicht, noch schwartzer Staub verwischt?
477
Es wird zwar offtermals, was würdig ist zu schauen,
478
Auff Holtz, Stein, Ertz und Gold, geschnitzt, gemahlt, gehauen
479
Durch guter Künstler Fleiß; gehn hundert Jahr' herbey,
480
So sieht man kaum, worauff das Werck gestanden sey.
481
Was die Geschicklichkeit auff ihrem Amboß schläget,
482
Mit ihrem Eisen gräbt, von ihrem Golde präget,
483
Das gläntzt je mehr und mehr; der todenbleiche Neid
484
Kömpt nur biß an das Grab, thut keinem weiter Leid.
485
So viel von Lügen auch durch falsche Lästerzungen
486
Der Sachen Billigkeit kan werden auffgetrungen,
487
Hat mißlichen Bestand, bleibt in die Länge nicht;
488
Die blosse Warheit tringt doch endlich an das Liecht,
489
Reißt durch der Boßheit Dampff, gleich wie der Sonnen Wagen
490
Durch aller Wolcken Dunst pflegt unverletzt zu jagen,
491
Und treibt den Nebel fort; wie sehr man sie versteckt,
492
So bleibt sie von der Zeit doch nicht ohnauffgedeckt,
493
Die nach uns kommen wird, die nichts weiß von Schmarotzen,
494
Die nicht bestochen wird, die weder Gunst noch Trotzen
495
Noch sonst Practicken hört, dardurch wol mancher Mann
496
Betreugt und widerumb betrogen werden kan.
497
Da wird der gantzen Welt ohn alle Scheu verkündet,
498
Was sonst vertuschet wird, die Fackel angezündet,
499
Die klärlich offenbart, was beydes schlimm und gut
500
Gehandelt worden sey, die keinem Unrecht thut.
501
Dann wird die Tyranney durch stäte Schmach bezahlet,
502
Mit ihrer rechten Farb' auffs Leben abgemahlet;
503
So wird Caligula nach solcher langen Zeit,
504
So wird noch Nero jetzt sampt andern angespeyt.
505
Dann werden außgestellt zu aller Menschen Hassen,
506
Die die Religion im Stiche sitzen lassen,
507
Der Freyheit abgesagt, und wo der Wind geweht,
508
Umb zeitlichen Gewinn den Mantel hingedreht.
509
Auch dieser Schande kan nicht unvergessen bleiben,
510
Die ihnen nicht begehrt den Unfall abzutreiben,
511
Die, wann sie schon gekunt, der Armen Creutz und Pein
512
Mit treuem Rath und That nicht beygesprungen seyn.
513
Wir Menschen sind geborn einander zu entsetzen,
514
Und keinen durch Gewalt gestatten zu verletzten.
515
Wer dem, der unrecht stirbt, nicht beyspringt in der Noth
516
Und seinem Feinde wehrt, der schlägt ihn selber tod.
517
Der aber ist fürwar den Göttern zu vergleichen
518
Und weit mehr, als ein Mensch, der seine Hand wil reichen
519
Der unterdrückten Schar, die Rettung bey ihm sucht
520
In Widerwertigkeit, und nimpt zu ihm die Flucht,
521
Der aller Leute Zorn wil lieber auff sich laden,
522
Der seiner Nutzbarkeit wil selber lieber schaden,
523
Als seines Gottes Ruhm unnd was deß Nächsten Nutz,
524
In eusserster Gefahr verlassen ohne Schutz.
525
Was dann ihm immermehr für Trübsal widerfähret,
526
So hat er seinen Trost, zu welchem er sich kehret,
527
An dem er sich erhelt, spricht sein Gewissen an,
528
Den Zeugen, der nicht fehlt und nicht betriegen kan;
529
So richtet er sich auff, so bleibt er sicher stehen,
530
Ja, solte schon die Welt zu tausend Trümmern gehen,
531
So wird er doch nicht bleich, erligt nicht durch den Fall,
532
Laufft seiner Unschuld zu, der vesten Wand von Stahl.
533
O werthes Volck, wolan, das du durch dieser Zeiten
534
Gewitter, Wind unnd Sturm, durch so viel Müh und Streiten
535
Der rechten Sachen hilffst, gib ja den Muth nicht auff,
536
Halt veste, wancke nicht, vollende deinen Lauff.
537
Hilfft ja nichts anders zu und muß es seyn gestorben,
538
So weichet der Verlust doch dem, was wird erworben.
539
Das Lob, dem Neid und Zeit gar keinen Schaden thut,
540
Wird wolfail eingekaufft umb eine Handvoll Blut.
541
Laßt doch den frembden Stoltz uns nicht mit Füssen tretten,
542
Der auch der Sonnenbahn gedenckt mit einer Ketten
543
Zu schliessen in sein Reich; befreyet unser Recht
544
Von solcher Hoffart doch, der eine Welt zu schlecht.
545
Laßt uns doch hertzhafft seyn, den Namen unsrer Alten,
546
Der unvergänglich ist, auch jetzund zu behalten,
547
Die ewigen Triumph mit ihrer Macht ereilt
548
Und unter sich den Raub der Völcker außgetheilt,
549
Von denen man hernach viel Lieder hat erdichtet
550
Auff unser Mutterteutsch, wie Tacitus berichtet,
551
Und wie man auch jetzund in Cimbrien hier find,
552
Da sehr viel Reimen noch von alters übrig sind.
553
Ey folgt, ey folget nach, begebt euch bey die Helden
554
Von derer kecken Sinn' auch noch die Schrifften melden;
555
Bewahrt der Eltern Ruhm und werthen Namen rein,
556
Daß wir von teutscher Art und Alle-Männer seyn.
557
Daß eure Tapfferkeit die jetzt und künfftig leben
558
Biß an den Himmel sich bemühen zu erheben,
559
Und das Gerüchte sey weit über Meer und Land:
560
Noch hat die gute Sach' am letzten Oberhand.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Martin Opitz
(15971639)

* 23.12.1597 in Bolesławiec, † 20.08.1639 in Danzig

männlich, geb. Opitz

natürliche Todesursache | Pest

deutscher Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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