Das erste Buch

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Martin Opitz: Das erste Buch (1618)

1
Deß schweren Krieges Last, den Teutschland jetzt empfindet,
2
Und daß Gott nicht umbsonst so hefftig angezündet
3
Den Eyffer seiner Macht, auch wo in solcher Pein
4
Trost herzuholen ist, sol mein Gedichte seyn.
5
Diß hab ich mir anjetzt zuschreiben vorgenommen:
6
Ich bitte, wollest mir geneigt zu Hülffe kommen,
7
Du höchster Trost der Welt, du Zuversicht in Noth,
8
Du Geist von Gott gesand, ja selber wahrer Gott.
9
Gib meiner Zungen doch mit deiner Glut zu brennen,
10
Regiere meine Faust, laß meine Jugend rennen
11
Durch diese wüste Bahn, durch dieses neue Feld,
12
Darauff noch keiner hat für mir den Fuß gestellt.
13
Das ander' ist bekant; wer hat doch nicht geschrieben
14
Von Venus Eytelkeit und von dem schnöden Lieben,
15
Der blinden Jugend Lust? Wer hat noch nie gehört,
16
Wie das Poeten-Volck die grossen Herren ehrt,
17
Erhebt sich an die Lufft und weiß herauß zu streichen,
18
Was besser Schweigens werth, läßt seine Feder reichen,
19
Wo Menschen-Tapfferkeit noch niemals hingelangt;
20
Macht also, daß die Welt mit blossen Lügen prangt?
21
Wer hat zuvor auch nicht von Riesen hören sagen,
22
Die Wald und Berg zugleich auff einen Ort getragen,
23
Zu stürtzen Jupitern mit aller seiner Macht,
24
Und was deß Wesens mehr? Nun bin ich auch bedacht,
25
Zu sehen, ob ich mich kan auß dem Staube schwingen,
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Und von der grossen Zahl deß armen Volckes tringen,
27
So an der Erden klebt; ich bin Begierde voll
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Zu schreiben, wie man sich im Creutz' auch freuen sol,
29
Sein Meister seiner selbst. Ich wil die Pierinnen,
30
Die nie nach teutscher Art noch haben reden können,
31
Sampt ihrem Helicon mit dieser meiner Hand
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Versetzen biß hieher in unser Vatterland.
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Es wird inkünfftig noch die Bahn, so ich gebrochen,
34
Der, so geschickter ist, nach mir zu bessern suchen,
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Wann dieser harte Krieg wird werden hingelegt
36
Und die gewündschte Ruh zu Land' und See gehegt.
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Da aber ich vielleicht mich höher möchte wenden,
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Als daß mir müglich sey, recht wider anzulenden,
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So sey es doch genug, was ich zu thun begehrt:
40
In grossen Sachen ist auch Wollen Lobens werth.
41
Doch nein; der, den ich mir erkoren anzuflehen,
42
Wird seiner Gnaden Wind in meine Sägel wehen,
43
So daß mein kühnes Schiff, dis jetzund fertig steht,
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Und auff die Höhe wil, nicht an den Boden geht.
45
Wann dieser Steuermann das Ruder uns regieret,
46
Wann dieser sanffte West wird auff der See gespüret,
47
Da kömpt man wol zu Port, es ist kein Stürmen nicht,
48
Kein Kieß, kein harter Grund, an dem das Schiff zerbricht.
49
Die grosse Sonne hat mit ihren schönen Pferden
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Gemessen drey mal nun den weiten Kreiß der Erden,
51
Seyt daß der strenge Mars in unser Teutschland kam,
52
Und dieser schwere Krig den ersten Anfang nam.
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Ich wil den harten Fall, den wir seyther empfunden
54
Und männiglich gefühlt (wiewol man frische Wunden
55
Nicht viel betasten sol) durch keinen blauen Dunst
56
Und Nebel überziehn, wie der Beredten Kunst
57
Zwar sonsten mit sich bringt. Wir haben viel erlitten,
58
Mit andern und mit uns selbst unter uns gestritten.
59
Mein Haar das steigt empor, mein Hertze zittert mir,
60
Nem ich mir diese Zeit in meinen Sinnen für.
61
Das edle teutsche Land, mit unerschöpfften Gaben
62
Von Gott und der Natur auff Erden hoch erhaben,
63
Dem niemand vor der Zeit an Krieges-Thaten gleich',
64
Und das viel Jahre her an Friedens-Künsten reich
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In voller Blüte stund, ward und ist auch noch heute
66
Sein Widerbart selbselbst und frembder Völcker Beute.
67
Ist noch ein Ort, dahin der Krieg nicht kommen sey,
68
So ist er dennoch nicht gewesen Furchte frey.
69
Das Land hat grausamlich von Reuterey erklungen,
70
Der übergrossen Last zuweichen fast getrungen.
71
Kein Vorgebürge hat sich weit genug erstreckt,
72
Kein weiter Wald die Zahl deß Heeres gantz bedeckt.
73
Waß hilfft es, daß jetzund die Wiesen grüne werden
74
Und daß der weisse Stier entdeckt die Schoß der Erden
75
Mit seiner Hörner Krafft, daß aller Platz der Welt
76
Wie neugeboren wird? Das Feld steht ohne Feld,
77
Der Acker fraget nun nach keinem grossen Bauen,
78
Mit Leichen zugesät; er fragt nach keinem Tauen,
79
Nach keinem Düngen nicht. Was sonst der Regen thut,
80
Wird jetzt genug gethan durch faistes Menschenblut.
81
Wo Tityrus vorhin im Schatten pflag zu singen,
82
Und ließ von Galathee Wald, Thal und Berg erklingen,
83
Wo vor das süsse Lied der schönen Nachtigall,
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Wo aller Vögel Thon biß in die Lufft erschall,
85
Ach, ach, da hört man jetzt die grausamen Posaunen,
86
Den Donner und den Plitz der feurigen Carthaunen,
87
Das wilde Feldgeschrey; wo vormals Laub unnd Graß
88
Das Land umberönet hat, da ligt ein faules Aaß.
89
Der arme Bauersmann hat alles lassen ligen,
90
Wie, wann die Taube sieht den Habicht auff sich fliegen,
91
Und gibet Fersengelt; er selbst ist in das Land,
92
Sein Gut ist fort geraubt, sein Hof hinweg gebrandt,
93
Sein Vieh hindurch gebracht, die Scheuren umbgeschmissen,
94
Der edle Rebenstock tyrannisch außgerissen,
95
Die Bäume stehn nicht mehr, die Gärten sind verheert;
96
Die Sichel und der Pflug sind jetzt ein scharffes Schwert.
97
Und dieses ist das Dorff. Wer aber wil doch sagen
98
Der Stätte schwere Noth, den Jammer, Weh und Klagen,
99
So männiglich geführt, das unerhörte Leid,
100
Deß Feindes Uebermuth und harte Grausamkeit?
101
Das alte Mauerwerck ist worden auffgesetzet,
102
Die Thore starck verwahrt, die Degen scharff gewetzet,
103
Die Waffen außgebutzt, die Wälle gantz gemacht,
104
Die Pässe weit umbher verhauen und bewacht.
105
Ein jeder ist verzagt. Eh', als der Feind noch kommen,
106
Da hat die Furchte schon viel Oerter eingenommen
107
Und Oberhand gehabt. Mir schüttert Haar und Haut,
108
Wann daß ich dencken wil, was ich nur angeschaut.
109
Das Volck ist hin und her geflohn mit hellem Hauffen,
110
Die Töchter sind bey Nacht auff Berge zugelauffen,
111
Schon halb für Schrecken tod, die Mutter hat die Zeit,
112
In der sie einen Mann erkant, vermaledeyt.
113
Die Männer haben selbst erbärmlich müssen flehen,
114
Wann sie ihr liebes Weib und Kinder angesehen.
115
Die kleinen Kinderlein, gelegen an der Brust,
116
So noch von keinem Krieg' und Kriegesmacht gewust,
117
Sind durch der Mutter Leyd auch worden angereget
118
Und haben allesampt durch ihr Geschrey beweget;
119
Der Mann hat seine Frau beweynt, die Frau den Mann,
120
Und was ich weiter nicht auß Wehmuth sagen kan.
121
Viel minder werd' ich nun deß Feindes harte Sinnen
122
Und grosse Tyranney genug beschreiben können,
123
Dergleichen nie gehört. Wie manche schöne Statt,
124
Die sonst das gantze Land durch Pracht gezieret hat,
125
Ist jetzund Asch unnd Staub? Die Mauren sind verheeret,
126
Die Kirchen hingelegt, die Häuser umbgekehret.
127
Wie wann ein starcker Fluß, der unvorsehens kömpt,
128
Die frische Saate stürtzt, die Aecker mit sich nimpt,
129
Die Wälder niderreißt, läufft ausser seinen Wegen,
130
So hat man auch den Plitz und schwefelichte Regen
131
Durch der Geschütze Schlund mit grimmiger Gewalt,
132
Daß alles Land umbher erzittert und erschallt,
133
Gesehen mit der Lufft hin in die Stätte fliegen;
134
Deß Rauches Wolcken sind den Wolcken gleich gestiegen,
135
Der Feuerflocken See hat alles überdeckt
136
Und auch den wilden Feind im Lager selbst erschreckt.
137
Das harte Pflaster hat geglüet und gehitzet,
138
Die Thürne selbst gewanckt, das Ertz darauff geschwitzet;
139
Viel Menschen, die der Schaar der Kugeln sind entrannt,
140
Sind mitten in die Glut gerathen und verbrannt,
141
Sind durch den Dampff erstickt, verfallen durch die Wände;
142
Was übrig blieben ist, ist kommen in die Hände
143
Der ärgsten Wüterey, so, seyt die Welt erbaut
144
Von Gott gestanden ist, die Sonne hat geschaut.
145
Der Alten graues Haar, der jungen Leute Weynen,
146
Das Klagen, Ach und Weh der Grossen und der Kleinen,
147
Das Schreyen in gemein von Reich und Arm geführt
148
Hat diese Bestien im minsten nicht gerührt.
149
Hier halff kein Adel nicht, hier ward kein Stand geachtet,
150
Sie musten alle fort, sie wurden hingeschlachtet,
151
Wie wann ein grimmer Wolff, der in den Schaffstall reißt,
152
Ohn allen Unterscheyd die Lämmer nider beißt.
153
Der Mann hat müssen sehn sein Ehebette schwächen,
154
Der Töchter Ehrenblüth' in seinen Augen brechen,
155
Und sie, wann die Begier nicht weiter ist entbrandt,
156
Unmenschlich untergehn durch ihres Schänders Hand.
157
Die Schwester ward entleibt in ihres Bruders Armen,
158
Herr, Diener, Frau und Magd erwürget ohn Erbarmen,
159
Ja, die auch nicht geborn, die wurden umbgebracht,
160
Die Kinder, so umbringt gelegen mit der Nacht
161
In ihrer Mutter Schoß; ehe sie zum Leben kommen,
162
Da hat man ihnen schon das Leben hingenommen:
163
Viel sind, auch Weib und Kind, von Felsen abgestürtzt
164
Und haben ihnen selbst die schwere Zeit verkürtzt,
165
Dem Feinde zu entgehn. Was darff ich aber sagen,
166
Was die für Hertzenleyd, so noch gelebt, ertragen?
167
Ihr Heyden reicht nicht zu mit eurer Grausamkeit,
168
Was ihr noch nicht gethan, das thut die Christenheit,
169
Wo solcher Mensch auch kan den Christen-Namen haben,
170
Die Leichen haben sie, die Leichen auffgegraben,
171
Die Glieder, so die Erd' und die Natur versteckt,
172
Sind worden unverschämt von ihnen auffgedeckt.
173
Mehr hat mich Grau unnd Scheu nicht schreiben lassen wollen,
174
Und derer wegen auch die nach uns kommen sollen
175
(wo daß die schlimme Welt noch länger kan besteht)
176
Wil ich und muß auch viel mit Schweigen übergehn.
177
Ey, ey, du werthes Land, was kanstu doch erfahren,
178
Das nicht genugsam schon in diesen kurtzen Jahren
179
An dir verübet sey? Wie hat dein alter Stand
180
In solcher kurtzen Zeit so sehr sich umbgewand?
181
Du warest sonst der Marckt und Schauplatz aller Sachen,
182
Dardurch ein schöner Ort sich kan beruffen machen,
183
Du giengest überhoch den andern Ländern für,
184
Was allenthalben ist, das sahe man bey dir.
185
Diß Lob ist jetzt dahin; die kirchen sind beraubet,
186
Die Cammern sind erschöpfft, das Gold ist auffgeklaubet,
187
Viel Weiber ihrer Ehr' und Männer quit gemacht,
188
Sehr vielen Kindern sind die Vätter umbgebracht;
189
Und nicht nur durch das Schwert; die Lufft ist schädlich worden,
190
Hat auch das Feld geräumt, und jämmerliches Morden
191
Durch strenge Pestilentz und Kranckheit angestelt.
192
Wie mancher kühner Mann, wie mancher freyer Held,
193
Der hohes Lob gehofft mit Streiten zu erwerben,
194
Hat müssen ohne Blut deß faulen Todes sterben,
195
Hat seinem Mörder nicht entgegen können gehn
196
Und, wie ein Krieger sol, zu seinem Ende stehn.
197
So ist die Gottesfurcht auch mehrentheils verschwunden,
198
Und die Religion gefangen und gebunden,
199
Das Recht ligt unterdrückt, die Tugend ist gehemmt,
200
Die Künste sind durch Koth und Unstat überschwemmt.
201
Die alte teutsche Treu hat sich hinweg verloren,
202
Der Frembden Uebermuth der ist zu allen Thoren
203
Mit ihnen eingerannt, die Sitten sind verheert,
204
Was Gott und uns gebührt ist alles umbgekehrt.
205
Wer hier nicht wird bewegt, wer sonder Weh und Schmertzen
206
Diß ungerechte Recht deß Krieges kan behertzen,
207
Der ist auß hartem Stahl und Kieselstein erzeugt,
208
Es hat ein Tyger ihn an seiner Brust gesäugt.
209
Daß aber jemand nun vermessen wolte meynen,
210
Wir wären ausser Schuld, und unbedacht verneinen,
211
Gott habe seinem Volck' und Kirchen dieses Leid
212
Vergeblich zugeschickt, der irret trefflich weit.
213
Der Herr von Anbeginn, ein Richter aller Sachen,
214
Der alles sieht und hört, der Augen hat zu wachen,
215
Dem niemand kan entgehn, der kräfftig umb und an
216
In allem ist, was ist, was war und werden kan,
217
Der schickt uns aber zu, der ordnet alle Dinge
218
Im Himmel und bey uns, wie groß und wie geringe
219
Sie immer mögen seyn; Glück, Unglück, Leben, Tod,
220
Krieg, Fried' und Einigkeit kömpt alles her von Gott.
221
Was suchen wir viel nach, was darff man Zweiffel tragen?
222
Wie lange sol er auch durch Wunderzeichen sagen,
223
Diß komme nicht ohn ihn? Hat nicht die hohe Lust,
224
Hat nicht der Himmel selbst uns deutlich zugerufft?
225
Hat der Comete nicht sich grausam außgestrecket?
226
Hat nicht der Feuerschwantz die Sternen selbst erschrecket,
227
Daß sie verblasset sind? Der Monde stund verzagt,
228
Und meynt', er würde nun auß seiner Bahn verjagt;
229
Der weisse Beer hat fast die Flucht von dar genommen,
230
Auß Furchte, Phaeton der wäre wider kommen
231
Und hätte wie zuvor durch seinen Unverstand
232
Den Himmel und sein Dach gesteckt in neuen Brand.
233
Den scharffen Prediger, den schrecklichen Propheten,
234
Der niemals sonder Blut, der niemals sonder Tödten,
235
Der niemals sonder Krieg und Enderung entsteht,
236
Den Botten hat uns Gott ja hoch genug erhöht.
237
So seyn auch, wie man sagt, die abgeleibten Seelen
238
In ihrer Menschen-Art auß den betrübten Hölen
239
Getrungen an das Liecht. Was niemand hören mag
240
Ohn Abscheu, Furcht und Grauß, ist kommen an den Tag,
241
Hat sichtbarlich bey uns und unter uns geirret,
242
Die Ordnung der Natur ist worden gantz verwirret;
243
Die Waffen haben selbst auß heimlicher Gewalt
244
Von niemand angerührt, geklungen und erschallt.
245
Das Wasser ward verkehrt, die unbefleckten Brunnen,
246
Ihr reines Silberquell ist blutig fürgeronnen:
247
Der Flüsse Vatter auch, der sonsten schöne Rhein,
248
Hat seine Last gefühlt, daß nun für klaren Wein
249
Das grosse Kriegesheer der prächtigen Maranen
250
An seinem Ufer sey, daß ihre stoltze Fahnen
251
Nun stünden auffgesteckt, wo vor Thriambus war,
252
Und wo man jetzund noch kan sehen sein Altar,
253
Er hat, der schöne Rhein, auß Scham sich fast verloren,
254
Ist weit und breit umbher durch kaltes Eiß verfroren;
255
Wo vor das Sägel pflag auff Niderland zu gehn,
256
Da kunte man jetzund mit Roß und Wagen stehn.
257
Nun laufft, ihr, welche man nur also muß erweichen,
258
Laufft hin und saget jetzt, es mangelt euch an Zeichen.
259
Gott, Gott treibt dieses Werck, deß grossen Zornes Brunst
260
Und Rache greifft uns an, und solches nicht umbsunst.
261
Wir alle sind befleckt mit Schanden und mit Sünden
262
Von Adams Zeiten her, nicht einer ist zu finden
263
Der sonder Boßheit sey. Wir sind auß Gottes Huld
264
Entfallen durch uns selbst umb unsrer Laster Schuld.
265
Die Welt lebt in den Tag, begehret nicht zu wissen.
266
Von Zucht und Frömmigkeit, ist trotzig außgerissen
267
Wie eine wilde Bach, thut was ihr selbst behagt,
268
Lacht, wann man ihr von Gott unnd Gottes Eyffer sagt.
269
Und darumb läßt er sich an seiner Kirchen sehen,
270
Schützt loß deß Zornes Strom, verstopfft für ihrem Flehen
271
Die Ohren seiner Gunst; doch nur auff kleine Zeit:
272
Sein Grimm ist nicht so groß, als seine Gütigkeit.
273
Wir können nicht vorbey und müssen alle sagen,
274
Er gebe billich uns das schwere Joch zu tragen;
275
Er straffe billich uns durch Feuer, Krieg und Schwert,
276
Weil wir auch uns von ihm zum Bösen abgekehrt.
277
Wie lange hat er doch die Heucheley geduldet?
278
Was mag er uns doch thun, das wir nicht wol verschuldet?
279
Ob auch der Sünden Zahl noch grösser wachsen kan?
280
Klagt das Gewissen sich und uns nicht selber an?
281
Das Gute fliehen wir, das wir doch solten fassen,
282
Das Böse lieben wir, das wir doch solten hassen.
283
Dann kömpt es, daß der Herr diß Schrecken in uns jagt,
284
Dann kömpt es, daß er uns mit solchem Jammer plagt.
285
Drumb sind die Felder jetzt gantz weiß von Toden-Beinen,
286
Drumb hört man überall Brand, Mordgeschrey unnd Weynen,
287
Drumb sind zugleiche wir und unser schönes Land
288
Deß Feindes Tyranney gegeben in die Hand.
289
Doch wird der grosse Zorn nicht nun und ewig wären;
290
Er wird sich widerumb gar gnädig zu uns kehren,
291
Der Vatter seine Schar. Nicht einen, den er liebt,
292
Den läßt er ungestrafft und allzeit unbetrübt.
293
So lange dir es hat nach deinem Wundsch ergangen,
294
So lange hastu auch noch niemals angefangen
295
Ein rechtes Gottes-Kind, ein rechter Christ zu seyn;
296
Creutz, Unglück, Angst und Qual ist unser Prüfestein.
297
So ist der Frommen Feind, der Teuffel, auch nicht stille,
298
Sucht allzeit, wie er sich und seinen Haß erfülle,
299
Macht Gruben in den Weg, hebt Groll unnd Streiten an,
300
Stößt Ruh und Frieden umb, thut alles, was er kan,
301
Sieht, wie er wider uns den gantzen Rüstzeug bringet,
302
Als wie ein Rosenknopff von Dörnern ist umbringet,
303
Gepresset und gedrückt, so muß die Kirche stehn,
304
So pflegt sie zwischen Noth und Trübsal auffzugehn.
305
Gott wil uns also auch die rechte Strasse lehren,
306
Die Sünden abzuthun, den Glauben zu vermehren,
307
Zu werden neu und rein. Bey Freuden, Lust unnd Ruh
308
Verdirbt der Ehren Lob, die Laster nehmen zu.
309
Wann alles umb uns scheint, geht, wie wir uns gedencken,
310
So schlägt man auß der Art, so pflegt man sich zu lencken,
311
Kömpt auff die breite Bahn, die zu der Wollust trägt,
312
Und Ueppigkeit für Zucht, für Tugend Laster hegt.
313
Ein Pferd, das immerzu bey vollem Futter stehet,
314
Das nie geritten wird, nie an dem Wagen gehet,
315
Wird wilde, beißt und schlägt, trägt keinen Reuter nicht;
316
So reißt der Mensch auch auß, wann ihn der Haber sticht.
317
Das Gute wächst durch Noth; ein Quell, das stille stehet,
318
Das nie geräumet wird, verstopfft sich und zergehet,
319
Wird Schlamm und fauler Koth; je mehr er wird gerührt,
320
Je grösser wird sein Fluß, je klärer auch gespührt.
321
Es ist der Kirchen Art, ja auch die Art der Heyden,
322
Durch Arbeit, Zwang und Trang, durch Leyden und durch Meyden
323
Steigt jederman empor; durch immer glücklich seyn
324
Schleicht unser Untergang mit bösen Sitten eyn.
325
So kunte Cyrus nicht die Sarder besser straffen
326
Als nur durch diß Gebott, sie solten bloß mit Schlaffen,
327
Mit freyer Gasterey, mit Spiel und Frölichkeit,
328
Mit Tantzen und mit Lust bestatten ihre Zeit.
329
Der Römer grosses Lob hat schöner nie geglissen,
330
Als wie sie Krieg geführt, sich ritterlich geschmissen,
331
Wie alles alber war, wie ihre Weißheit noch
332
Nach alter Mässigkeit nach Bley und Knobloch roch,
333
Alsdann stund alles wol. Die unverzagte Jugend,
334
Die Blum unnd Zier der Statt gieng aller Krieges-Tugend,
335
Gieng Rhum und Ehren nach; ein wolgebutztes Pferd,
336
Ein Küriß und ein Helm, ein Schild unnd scharffes Schwerd
337
War ihnen weit mehr lieb, war mehr in ihren Augen,
338
Als Huren, die das Gelt und Kräfften auß uns saugen,
339
Als Schwelgerey und Wein, als Worte voller Pracht,
340
Als Fluchen und Geschrey, das keinen Krieger macht.
341
Da ward Sicilien in ihre Macht verbunden,
342
Carthago außgebrandt, Corinthus überwunden,
343
Numantia zerstört; kein Feind, kein Schrecken kam,
344
Da ihnen ihren Muth und hohe Sinnen nam.
345
Da ließ sich Mutius, da ließ sich Cocles blicken,
346
Da hielt Fabritius der gantzen Statt den Rücken;
347
Da tratt Camillus auff, schlug die Frantzosen auß,
348
Da stäckte Mucius die Hand nicht ohne Grauß
349
Deß Feindes in die Glut. Kein Ort war ihnen gleiche,
350
Es hieß nur alles Rom, es gieng in ihrem Reiche
351
Zu Abend in die See der gülden Sonnen Lauff,
352
Und stund zu Morgen auch in ihrer Herrschafft auff.
353
Was nun die grosse Statt durch Schweiß und Blut erworben,
354
Das ist hernach durch Glück und Wollust gantz verdorben;
355
Dann wie kein Hannibal nicht mehr verhanden war,
356
Wie alles stille lag und sicher für Gefahr,
357
Da musten endlich sie mit ihren Lastern kriegen;
358
Die keinem zuvorhin nicht konnten unterligen,
359
Verhingen über sich den Sünden ihren Zaum
360
Und gaben falscher Lust und Ueppigkeiten Raum.
361
Da durffte Marius und Cinna sich erregen,
362
Da durffte Cesar Rom zu seinen Füssen legen;
363
Die Statt, so alles zwang, so allzeit unverzagt,
364
Ward durch den Ehrgeitz zahm, ward ihres Bürgers Magd.
365
Die Statt, die aller Welt für diesem vorgeschrieben,
366
Vollbrachte, was hernach ihm einer ließ belieben.
367
Es halff kein Cicero, noch tausend Zungen Schar,
368
Es halff kein Cato zu, wie sauer er auch war.
369
Die Freyheit gieng nur fort. Nun, dieser wird erstochen,
370
Bezahlet mit der Haut, nicht aber ungerochen;
371
Octavius wacht auff und nimpt sich seiner an,
372
Macht was noch ledig ist ihm vollend unterthan.
373
Da war kein Scipio, kein Fabius gehöret,
374
Kein Bürgermeister mehr, noch Rathesherr geehret;
375
Da war kein Cassius, kein Brutus in der Statt,
376
Der feindlicher Gewalt frey unter Augen tratt.
377
An Tugend statt kam Mord, Neid, List unnd Hofepossen:
378
Wie sich Tiberius im Hurenhaus' entschlossen,
379
Was Claudius befahl, was Nero, was das Schwein
380
Domitianus hieß, das ließ man Amen seyn.
381
So hat die schöne Statt zusehend abgenommen
382
Und ist je mehr und mehr biß auff die Neige kommen;
383
Die sonst in Leydenszeit den Wolcken gleiche stund,
384
Sanck in der Wolfahrt hin in aller Schanden Grund.
385
Es ward nach Gottesdienst jetzt weiter nicht gefraget,
386
Der Raub der gantzen Welt ward übel durchgejaget.
387
Es muste die Natur gantz werden umbgewand,
388
Auß Thälern Berg gemacht, auß Bergen glattes Land.
389
Was wir zu dieser Zeit gar übel glauben können,
390
Das durfft' ein schlechter Mann durch Uebermuth beginnen;
391
Kein Laster war zu groß; zwey Tonnen Goldeswerth
392
Und mehr ward durch ein Weib auff einen Trunck verzehrt.
393
Diß thut der Ueberfluß. Was wil man aber sagen
394
Von Sachen, welche sich mit Heyden zugetragen?
395
Ob billich wol ein Christ ihm diese gantze Welt
396
Und aller Völcker Heer für seinen Spiegel helt.
397
Der edle grosse Mann von Isai geboren,
398
Zum König' Israel vom Himmel selbst erkoren,
399
Wie wird er zum Gebett' und Andacht angeregt,
400
Als Gott ihn wegen Mord unnd schnöder Unzucht schlägt?
401
Herr, spricht er, wasche mich von meinen Missethaten;
402
Ich muß es nur gestehn, ich bin zu sehr gerathen
403
In schwärer Sünden Wust; es ist von mir gethan,
404
Was dir zugegen läufft und ich nicht läugnen kan.
405
Ich bin in Uebelthat empfangen und erzeuget,
406
Es hat die Mutter mich mit Sündenmilch gesäuget.
407
Du hast die Warheit lieb und bist den Lügen feind,
408
Du weissest alles wol, wie sehr man es verneint.
409
So scheine mir nun zu mit deiner Gnadensonne,
410
Laß den zerknirschten Geist empfinden Freud und Wonne.
411
Nimb mich doch wieder an, erquicke mein Gebein,
412
Heb meine Glieder auff, die gantz zerschlagen seyn.
413
Laß nicht dein Angesicht auff meine Sünden schauen;
414
Gib mir ein neues Hertz, ein neues Zuvertrauen.
415
Verwirff nicht deinen Knecht, verstoß mich nicht von dir,
416
Laß deinen guten Geist mich trösten für und für,
417
Und wie die Worte sind. So heisset Notturfft betten,
418
So heisset Unglück uns für Gottes Augen tretten,
419
Den Himmel anzusehn, auff den man wenig sieht,
420
An den man wenig denckt, wann alles grünt und blüht.
421
Diß, was versehrt, das lehrt. Je mehr man Saffran reibet,
422
Je stärcker schmäckt er auch, je mehr man Tugend treibet,
423
Je höher schlägt sie auß. Die Widerwertigkeit
424
Sol, wie ein Fechtplan seyn und wie ein stäter Streit,
425
In welchem Gott uns zeigt, wie und mit was für Wegen
426
Uns müglich sey die Macht der Sünden zu erlegen,
427
Wie wir der Seelen Feind bestehen nach Gebühr
428
Und kommen dann mit Ruhm, Ehr und Triumph herfür.
429
Es müssen über diß der Kirchen Qual und Plagen
430
Ein klares Zeugnüß seyn, es sey nach diesen Tagen
431
Ein Tag, der grösser ist, da diese gantze Welt
432
Dem Richter über uns wird werden fürgestelt.
433
O wol dann dem, so hier auff Christus Wort ist kommen,
434
Gedültig seine Last, die sanffte Last, genommen!
435
Wer dieses Joch erträgt, der sieget und besteht;
436
Wer jetzt nicht höret: Kompt, wird endlich hören: Geht.
437
O wol dem, welchen Gott hier, als ein Vatter quelet,
438
Der wird hernach gantz frey, gantz quit und loß gezehlet.
439
Den Gott mit Treuen meynt, den er von Hertzen liebt,
440
Wird von den Bösen hier gepresset und betrübt.
441
Die jetzt mit Sicherheit im Rosengarten sitzen,
442
Die werden anderswo mit Schrecken müssen schwitzen.
443
Wer hier der Christen Schar durch Schwerd unnd Feuer jagt,
444
Wird künfftig durch den Wurm, der nimmer stirbt, genagt.
445
So sol die Welt auch seyn, daß keine Noth und Leyden,
446
Daß keine Tyranney Gott und sein Volck kan scheyden,
447
Und daß ein solcher Mensch, der die Gewissen zwingt,
448
Vergeblich und umbsonst die Müh und Zeit verbringt;
449
Daß wir für unser Maul kein Blat nicht dürffen nehmen,
450
Daß wir für keinem uns nicht scheuen oder schämen,
451
Er sey auch, wer er wil; daß unsers Hertzen Grund
452
Nicht falsch, nicht anders sey, als etwan Red' unnd Mund.
453
Kein Würgen, keine Schlacht, kein Martern unnd kein Pressen
454
Zwingt uns der Frömmigkeit und Gottes zu vergessen.
455
Der Zweck der Christenheit muß Gottes Name seyn,
456
Nicht Eytelkeit der Welt, nicht eusserlicher Schein
457
Und gleissend Heucheley; wir müssen kundbar machen,
458
Daß Christen Noth und Tod verhönen und verlachen;
459
Wir müssen lassen sehn gantz richtig, klar und frey,
460
Daß die Religion kein Räubermantel sey,
461
Kein falscher Umbhang nicht. Was macht doch ihr Tyrannen?
462
Was hilfft, was nutzet euch das Martern, das Verbannen,
463
Schwerd, Feuer, Galgen, Radt? Gezwungen Werck zerbricht,
464
Gewalt macht keinen fromm, macht keinen Christen nicht.
465
Es ist ja nichts so frey, nichts also ungetrungen,
466
Als wol der Gottesdienst; so bald er wird erzwungen,
467
So ist er nur ein Schein, ein holer falscher Thon.
468
Gut von sich selber thun, das heist Religion,
469
Das ist Gott angenehm. Laßt Ketzer Ketzer bleiben
470
Und glaubet ihr für euch; begehrt sie nicht zu treiben.
471
Geheissen willig seyn ist plötzlich umbgewandt,
472
Treu, die auß Furchte kömpt, hat mißlichen Bestand.
473
Ein Mensch kan seinen Sinn wol für den andern schliessen,
474
Der Glauben liget tieff. Gott kennet die Gewissen,
475
Sucht alle Nieren durch, sieht aller Hertzen Rath,
476
Und weiß, was ich und du und der verschuldet hat.
477
Mehr, sollen Christen nicht, wo daß sie Christen heissen,
478
Und in der Warheit sind, von Hertzen sich befleissen,
479
Zu tragen ihre Noth, wie ihr Herr Christus trug,
480
Da ihn deß Vatters Grimm von unsertwegen schlug?
481
Das Lamb, das reine Lamb, von Anbegin geschlachtet,
482
Der Fürst der Seligkeit hat seiner nicht geachtet,
483
Hat willig über sich genommen frembde Schuld
484
Mit Liebe, Nidrigkeit, Gehorsam und Gedult.
485
Deß wahren Gottes Sohn, der Gott von allen Zeiten,
486
Der auff der hohen Lufft und Wolcken pflegt zu reiten,
487
Der Wasser, See unnd Meer umbgreifft mit seiner Hand,
488
Die grossen Hügel wiegt, den Himmel überspannt,
489
Der kam zu uns herab, ward Mensch der Menschen willen,
490
Deß Vatters grossen Zorn, der uns betraff, zu stillen,
491
Nam auff sich Hunger, Durst, Frost, Hitze, Schmach und Spott,
492
Stund alle Marter auß, gieng endlich in den Todt.
493
Der König aller Welt ließ sich mit Dörnern crönen,
494
Für dem die Erde bebt, ließ schimpfflich sich verhöhnen,
495
Durch den die Sonne sieht, der ward als blind verdeckt,
496
Der unbegreifflich ist, ward an das Holtz gestreckt.
497
Den aller Engel Schar mit ihren Stimmen ehren,
498
Der muste Schimpff und Hohn der Lästermäuler hören,
499
Der Plitz und Donner schickt, der ward nur außgelacht,
500
Der Tod und Leben gibt, ward schändlich umbgebracht.
501
Sein Haar war voller Blut, der Rücken voller Striemen,
502
Die Hände blau unnd schwartz durch Zwang der harten Riemen;
503
Kein Glied ist nicht an ihm, das nicht gelitten hat,
504
Die Zunge schließ ich auß, mit der er für uns bat.
505
Hier unser Creutz ist schlecht, und wegen Sünd' und Schanden;
506
Der nichts verschuldet hat, hat mehr noch außgestanden,
507
Mehr Qual und Pein gehabt, als jemand leyden kan,
508
Und seinen Mund doch nicht dargegen auffgethan.
509
Er muß der Spiegel seyn, in den wir schauen sollen,
510
Wo daß wir nach der Zeit auch mit ihm herrschen wollen.
511
Wer Christus Ebenbild zu werden nicht begehrt,
512
Wer ihm nicht folgen wil, ist seiner auch nicht werth.
513
Der Kirchen Eygenschafft ist Dulden hier auff Erden;
514
Ihr Acker muß durch Blut der Frommen faiste werden;
515
Ihr allererster Grund ist Morden, Blut und Pein,
516
Ihr Fortgang der ist Blut, Blut wird ihr Ende seyn.
517
Und letzlich müssen wir durch dieses Mittel schauen
518
Daß Gott sey unser Schild, daß unser Zuvertrauen,
519
Allein auff ihm beruht, daß er die Seinen liebt,
520
Daß er bey ihnen ist, und treue Hülffe giebt.
521
Ach, lasse niemand doch so schändlich sich betriegen,
522
Er wolle für gewiß durch Menschen-Beystand siegen.
523
Wann alles lustig steht, sind Freunde mannigfalt;
524
Kömpt nur ein kleiner Wind, so wird die Liebe kalt.
525
Da fällt viel Kummer für, da hat man sehr zu fragen,
526
Wie dieses und wie das sich habe zugetragen;
527
Da geht es langsam her, eh' als man retten wil.
528
Wie jener arme Tropff, der in den Brunnen fiel,
529
Solt' erst, wie sich es doch verlauffen, Antwort geben,
530
Und stund bis an den Halß, trug Sorge für sein Leben.
531
Ach, mein Freund, rieff er, schaut und springt mir jetzund bey,
532
Hernach fragt, wie der Fall doch zugegangen sey.
533
Hilfft aber jemand ja, so ist doch sein Vermögen
534
Viel minder noch als nichts, wann Gott nicht ist zugegen
535
Und ihm den Rücken helt. Der Mensch ist nur ein Raub
536
Der nimmer stillen Zeit, ist Asche, Koth und Staub;
537
Sein Wehren baut doch nichts; die Krafft der Menschen-Hände
538
Und auch der Mensch mit ihr läufft stündlich zu dem Ende,
539
Das allen ist bestimmt. Drumb setzt uns Gott so zu,
540
Auff daß man sehen sol, daß er uns Vorschub thu,
541
Wo Menschen Rettung fehlt und alle von uns lauffen;
542
Daß er allein uns schützt, steht für den kleinen Hauffen,
543
Fengt Spieß und Degen auf; daß kein Feind weiter kömpt,
544
Als wo er ihm sein Maß und letztes Ziel bestimmt.
545
Wir dichten Tag und Nacht, wir jagen, lauffen, traben,
546
Wir brauchen grossen Fleiß mit Schantzen, Bauen, Graben,
547
Wir nehmen hier und da die besten Vortheil ein,
548
Jetzt dünckt uns dieser Ort, jetzt jener besser seyn.
549
Da ligt das Dorff nicht gut, da steht der Wald im Wege,
550
Auß Sorge, daß der Feind sich nicht darhinter lege;
551
Man krieget diß und das wol durch Verrätherey;
552
Wer fragt, ob Kriegeskunst List, oder Tugend sey?
553
O arme Creatur mit deinem viel Erfahren,
554
Mit deiner Embsigkeit! Der Fürst er Himmelsscharen,
555
Der Wagen Israels, sitzt über uns und lacht,
556
Sieht auff den Erdenkreiß; ihn jammert deiner Macht
557
Und viel zu schwachen Krafft. Nach allem Thun unnd Rennen
558
Auff so viel Schweiß und Blut, da muß man doch erkennen,
559
Daß aller Menschen Witz, daß alle Macht der Welt
560
Nichts sey, als Kinderwerck, daß er den Platz behelt.
561
Laß kommen Pharaon mit seinen Reutereyen,
562
Laß alle Teuffel auß, laß Pfeil und Kugeln schneyen
563
Wann Rath und That erligt, wann alles ist gethan,
564
Kömpt Gott doch in das Spiel und nimbt sich unsrer an.
565
Er nimbt sich unsrer an, er wird sein Volck erhören,
566
Wird schlagen die, so uns und ihn in uns, versehren,
567
Wird darthun, daß doch der, so uns jetzt thut Verdruß,
568
Hier zeitlich und hernach dort ewig büssen muß.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Martin Opitz
(15971639)

* 23.12.1597 in Bolesławiec, † 20.08.1639 in Danzig

männlich, geb. Opitz

natürliche Todesursache | Pest

deutscher Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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