1
Ich bin, o Jesu, zwar bereitet, deine Krippen
2
Und dich, du süsses Kind, mit diesen meinen Lippen
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Zu preysen inniglich, gleich wie ich vormals pflag
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Mit Freud und Lust zu thun, wann dieser hohe Tag
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Gewünschet kommen war; dann kan auch auff der Erden
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Wol etwas bessers noch von uns erfunden werden,
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Mein Heyland, alls dein Lob, wofern in vollem Chor
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Ein jeder sich erhebt, schwingt seine Stimm' empor,
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Und wil nicht letzter seyn, wie man im Wettelauffen
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Sich einer gantz bemüht, vor dem gemeinen Hauffen
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Zu treffen auff den Zweck, sticht seinen Klepper an,
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Der Sieges Hoffnung voll, nicht minder als der Mann
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Den Wind schier überholt, und wann er unterweilen
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Ihm auf der Fersen nach ein ander Pferd hört eylen,
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Da gischt er, schaumt und schnaubt, gibt auff den Staub nicht viel
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Reist seinen Reuter fort und bringt ihn an das Ziel,
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So solte mir auch sein. Ach, aber ich bin kommen,
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Wo fast mir alle Fug zu singen ist benommen,
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In diesen wilden Ort, da niemals keine Gunst
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Gewesen noch sein wird zu einer freyen Kunst:
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Da alle Liebe ligt die Stimme zu erheben,
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Auff Art der schönen Schar, die um die Wiege schweben,
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Darein man dich, o Kind, o grosses Kind, gelegt,
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Das zwar gewieget wird, und doch die Welt bewegt.
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Kein Tempel ist hier nicht, in dem ich köndte hören,
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In meiner Sprachen zwar, diß dein Geburtsfest ehren,
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An dem du worden bist was Menschen müssen seyn,
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Und bleibst doch wahrer Gott, bist Gott und Mensch allein.
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So hab ich auch bißher nicht wenig abgenommen,
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Bin einen grossen Theil von meinen Kräfften kommen
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Durch Kranckheit, welche mich noch jetzt nit gäntzlich lest;
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Was sonsten mehr hier ist, ist grimmer Frost und Pest.
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Doch richtet mich noch auff, daß dennoch ein Gedancken
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Dich ohne Red' erweicht, daß weder Ziel noch Schrancken
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Für deine Gottheit ist; du birgst dich nirgend ein
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Und lessest deine Kirch' ein reines Hertze seyn.
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Drum nim, o Jesu, an, nim an mit dein Gesichte
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Das Erd und Meer erquickt, mein niedriges Gedichte,
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So dich, o Höchster, lobt und einig auff dich siht;
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Du hast auch nicht verschmäht der armen Hirten Liedt,
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Im Fall es schon nicht war mit Worten außerlesen,
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Und wolte, wolte Gott, ich were da gewesen,
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Ihr Hirten, unter euch, und hette diese Nacht
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Daselbsten auch mit ihr, mit Wachen zugebracht.
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Ich hette wol, wann ich das Kind het sehen liegen,
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Ein grünes Lorberlaub geflochten um die Wiegen,
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Weil sonst die rauhe Lufft des Winters alle Feldt
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Und aller Blumen Zier mit Eiß umschlossen helt.
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Ich hett' ein schlechtes Lied mit euch auch wollen singen
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Ein schlechtes Lied, das Gott ihm doch gar wol lest klingen;
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Alexis würde gantz vergessen worden seyn
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Und auch der Galatee mit ihrer Liebespein.
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O welch ein lieber Tag, an dem wir Menschen finden
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Vor Armuth Ueberfluß, Genade für die Sünden
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Und für Verachtung Ruhm, an dem die Sterbligkeit
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Verkehrt wird in den Fluß der unerschöfften Zeit.
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O welch ein lieber Tag, ein Tag, den Menschen Sinnen,
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Wie hoch sie immer gehn, mit nichten fassen können!
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Gott wird ein wahrer Mensch, des Vaters Wort und Rath
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Nimt Fleisch und Blut an sich. O grosse Wunderthat,
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Zwar über die Vernunfft, nicht über unsern Glauben
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Der Gottheit, die er hat, lest er sich nicht berauben,
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Und lest nichts mangeln auch der Menschheit, die er nimt,
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Bleibt, was er war vorhin, und wird, was er bestimt:
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Kein Mensch auff dieser Welt vermochte Gott zu werden;
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Jetzund wird Gott ein Mensch, kommt zu uns her auff Erden.
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Der, so war ohne Zeit, hebt jetzund an zu seyn,
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Ist auch deß Menschen Sohn, nicht Gottes Sohn allein.
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Ein Kind ist uns geborn, ein Sohn ist uns gegeben,
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Meßias unser Heyl, durch den wir alle leben.
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Der Herr, der höher ist, alß alle Himmel sind,
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Und tieffer alß die Erd', ist jetzt ein schwaches Kind.
73
Der Auffgang auß der Höh', und der den Cherubinen
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Gegeben ihren Schein, dem so viel Engel dienen,
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Der um den Himmel her die schönen Wolcken streckt,
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Der Vieh und Felder ziert, auf den wird Schilff gedeckt.
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Der Glantz der Herrligkeit, für dem die Erde zittert,
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Für dem der tieffe Grund der Berge wird gesplittert,
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Komt, zu erhalten das durch seine Gütigkeit,
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Was er durch seine Krafft erschaffen vor der Zeit.
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Der Vater ewiglich wird jetzt ein Kind auff Erden,
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Auff daß wir nun hinfort auch Gottes Kinder werden.
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Er wird dahin gelegt in einen schlechten Stall,
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Damit uns werden kan des Himmels schöner Saal;
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Er lest die wilden Thier jetzt stehn zu seinen Füssen,
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Den Engeln uns hierdurch in künfftig einzuschließen;
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Der Quell des Lebens selbst ligt an der Mutter Brust,
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Daß unsre Seele nur krieg' ihre wahre Kost.
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Jetzt wird Emanuel verneuern alle Sachen,
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Verendern das Gesetz, uns frey und ledig machen,
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Jetzt wird der Menschen Witz und Weißheit gantz gefellt,
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Denn Gottes Weißheit wird geboren auff der Welt.
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Jetzt wird die wilde See sich sicher treten lassen,
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Der Taube wird gar wol die Rede können fassen,
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Der Stumme wird gehört, die Lahmen werden gehn,
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Die Krüppel grade sein, die Todten aufferstehn,
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Der rauhe Boreas wird jetzt sich nicht bewegen,
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Der strenge Sturm der See wird seine Wellen legen
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Und unterthänig sein. Der Brunnen Sand und Koth
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Wird Kraut und Pflaster seyn für blinder Leute Noth.
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O hochgezierter Tag, ein Tag des Heils und Ehren,
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Ein Tag, an welchem uns die Engel selber lehren,
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Ein rechter Freudentag voll Herrligkeit und Pracht,
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Ein Tag, den uns der Herr der Herren selbst gemacht!
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O welch ein schöner Tag, an dem uns ist geboren
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Der vor dem Tage war und der den Tag erkoren,
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Das Liecht erschaffen hat. Ein Tag, den Abraham,
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Den Jacob lange Zeit vorhin zu Hertzen nahm,
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Ein Tag, den Isac sah', alß er nichts kondte sehen,
110
Ein Tag, an welchem das noch endlich ist geschehen,
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Darauff die Väter schon vor vieler Zeit gehofft
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Und der Propheten Schar so sehnlich hat gerufft,
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Ein Tag, da alle Welt daran bestürtzt muß werden.
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Augustus der verschreibt den gantzen Creiß der Erden,
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Schleust Janus Tempel zu; Herodes bebt und zagt,
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Die Weisen sehn den Stern, der ihnen Gott ansagt.
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Der Schrifftgelehrten Witz verstumt ob diesen Dingen,
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Die Brunnen geben Oel, die Engel selber singen,
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Der armen Hirten Volck thut, was es sol und kan,
120
Der Ochs und Esel stehn und beten das Kind an.
121
Ey komt, komt, last uns doch die Zelle recht beschauen,
122
In der der Heyland liegt, komt zu der grossen Frauen,
123
Die doch noch Jungfrau ist und ihres Sohnes Kind;
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Komt last uns recht besehn den Schönsten, so man find.
125
Wer hette doch vermeynt, o Samson, hoch von Thaten,
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Daß deine starcke Macht da solte hingerathen
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Wo bloß ein schwaches Weib, ein Weib dich grossen Mann
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Nach ihres Hertzens Lust gefangen nehmen kan?
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Die arme Delila, die Menschen voller Sünden,
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Die sollen dir, o Held, die Hände können binden,
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Die sollen gleichsam dir verzaubern Hertz und Sinn,
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Daß du auß Liebe dich in ihre Schoß legst hin?
133
Ich dörffte fast von dir mit jenem Alten sagen,
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Daß Lieb' und Weiseseyn gar selten sich vertragen;
135
Alleine du erwehlst das, was die kluge Welt
136
Nach sterblicher Vernunfft für lauter Thorheit helt.
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Hat dieser Hände Krafft die Himmel können bauen?
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Sind das die Augen hier, so auff die Völcker schauen?
139
Hat dieser zarte Mund, der noch nicht reden kan,
140
Vorzeiten das Gesetz uns Menschen kund gethan?
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Ach seht, wie klein und schwach ist doch um unsertwillen,
142
Der Himmel, Erde, See und alles kan erfüllen.
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Er komt in trüber Nacht, im Winter, arm und bloß,
144
Hat um und über sich Schnee, Reiff und strengen Schloß.
145
Er muß auff Heu und Stroh an Stat der Bette liegen,
146
Der Stall ist sein Pallast, die Krippe seine Wiegen,
147
Die für Tapecerey mit Spinnen ist umwebt,
148
So elend ist der Ort, wo unser Heyland lebt.
149
Nun, liegt er schon so arm, jedoch hat ihn umgeben
150
Der gantze Himmel selbst, die reinen Geister schweben
151
Um ihren Fürsten her und singen ihm allhier,
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Gleich wie sie auch zuvor gesungen für und für.
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Man siht sein Armut wol der Gotheit Macht verschweigen,
154
Doch stehn die Sternen da, so klärlich auff sie zeigen.
155
Zwar dieses werthe Kind ligt auff dem Häu und klagt,
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Doch hat es schon zuvor den Auffgang angesagt.
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Der schöne Lucifer, der Tröster dieser Erden,
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Kan mit des Sternes Zier gar nicht verglichen werden,
159
Der jetzt sich sehen lest. Die grosse Schlange weicht,
160
Die Jungfrau schämet sich, des Löwens Glantz verbleicht.
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Junonen Fisch, der Krebs, zeucht zu sich seine Scheren,
162
Der starcke Hercules begehrt sich nicht zu wehren
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Und kniet nach seiner Art. So groß alß pflegt zu seyn
164
Der Wolckenliechter Schar, verendert ihren Schein,
165
Wird sämtlich blaß und bleich. Das helle Rad der Sonnen,
166
Wie klar es immer ist, gibt williglich gewonnen.
167
Die weisen Könige sind sehr darob erfreut
168
Und machen sich das Kind zu grüssen bald bereit.
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Sie ziehen eyffrig hin und opffern ihre Gaben,
170
Das Hertze zuvorauß, dem angenehmen Knaben,
171
Der aller König ist, wiewol er sitzt und klagt
172
In seiner Mutter Schoß, der außerwelten Magd,
173
Des Weibes ohne Mann, an Leib' und an Gemüthe
174
Von allen Lüsten frey, voll Gottes Gnad' und Güte,
175
Die was sie nicht begreifft doch saget mit der That,
176
Sie habe den geborn, der sie erschaffen hat.
177
Vor diesen hat sie sich im Hertzen unterwunden
178
Den Himmel auff zu gehn, mit dem sie nun verbunden
179
Und gleich vermählet ist, hat auff das Kind gedacht,
180
Auff daß die Völcker nun so lange Zeit gewacht,
181
Hat über alles Lob die Jungfrau hoch erhaben,
182
Die Gott mit diesem Glück und Ehren wird begaben,
183
Daß sie sol Mutter seyn des Kindes, das die Welt
184
Und alles, was hier ist, hat in den Grund gestellt.
185
Jetzt ist hier alles neu, jetzt ist sie in dem Orden,
186
In dem von Anbegin noch keine funden worden;
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Jetzt siht sie klaren Schein, doch keine Sonne nicht,
188
Sie sihet zwar die Nacht, doch heller alß das Liecht.
189
Bald wirfft sie auff das Kind die niemals falschen Augen,
190
Das ihr den Halß umfängt und jetzt begint zu saugen
191
Die wunderbare Milch, so nicht auß Menschen Brunst
192
Entsprungen, sondern nur auß blosser Himmelsgunst.
193
Geht weit von hinnen weg, geht weg, ihr schnöden Weiber,
194
Die, so ihr bloß auff Pracht, auff Zier der geilen Leiber
195
Die Sinnen habt gesetzt; hier ist die arme Magd,
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Die Gott, die Liebe selbst, und nicht der Welt behagt.
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Geht weit weg, die ihr nur, die Männer auffzuwecken,
198
Den Nacken, Brust und Halß gantz frech pflegt zu entdecken;
199
Maria, so hier sitzt, entblöst nur dem die Brust,
200
Der Menschen, Vieh und Wild erhelt mit seiner Kost.
201
Macht euch von hinnen auch, die so ihr nichts wolt wissen,
202
Alß nur von Ueppigkeit, von unverschämtem Küssen,
203
Und komt der Ehe vor mit Hoffnung voller List,
204
Hier ist nur die, so den, der Gott und ihr ist, küst,
205
Den, so sie eher schon im Hertzen hatt' empfangen,
206
Alß in der zarten Schoß, nach dem ihr Sinn gehangen
207
Von erster Wiegen an, dem schreibet sie sich zu,
208
Der ist ihr gantzes All, ihr Trost und ihre Ruh.
209
Das thut des Menschen Geist, wenn er das Fleisch verlassen
210
Und gantz sein selber ist, so hebt er an zu hassen
211
Was Fleisch und Blut angeht, lebt in dem Leibe zwar,
212
Und wird für Andacht doch sein gleichsam nicht gewahr.
213
Vor allem lest er nie die Augen der Gedancken,
214
Gleich wie die Leiber thun, von seinem Schöpffer wancken,
215
Schaut unverwand ihn an. Dann wann schon unser Sinn
216
Vom Geist entzündet wird, so siht er nirgend hin,
217
Biß bloß nur auff den Geist, wie Feuer alle Sachen,
218
Die es ergreiffen kan, zu Feuer pflegt zu machen.
219
So alß Maria wird in dessen Lieb' entzündt',
220
Der nichts alß lieben kan, so kömt er, wird ein Kind.
221
Komt, nahet euch herzu, kommt her, ihr keuschen Frauen,
222
Ihr reines Weibesvolck, die Mutter anzuschauen,
223
So doch noch unbefleckt; hier ist nichts um und an,
224
Das eine Jungfrau nicht betrachten sol und kan.
225
Komt tretet näher her, das schöne Kind zu grüssen,
226
Zu tragen auff der Hand, zu hälsen und zu küssen!
227
Lernt von Marien auch, wordurch man Gott behagt,
228
Die seine Mutter ist, und nennt sich doch nur Magd.
229
Sie ist voll Heiligkeit, voll Gottes, den sie träget,
230
Bringt Reden an den Tag, vom Himmel angereget,
231
Die zwar gantz göttlich sind; doch gleichwol, was man weit
232
Vor andern Worten hört, das ist von Niedrigkeit.
233
Auch Joseph sitzt alda, der sie pflag zu bewahren,
234
Und jetzund auch das Kind, verwundert ob den Scharen
235
Des Himmels voller Glantz und ob der zarten Braut,
236
Die Gott geboren hat und ist ihm auch vertraut.
237
O Bethlehem, sagt er, du hast zwar jetzt verloren
238
Den Pracht der Könige, von denen ich geboren.
239
Wol edel, aber arm; doch kömt hier in sein Reich
240
Ein ander König an, dem nichts auff Erden gleich.
241
Ey biß ja sehr gegrüßt! Der Auffgang wird dich ehren
242
Und auch der Niedergang wird deinen Namen hören.
243
Die Insel Creta selbst, des Jovis Vaterland,
244
Sol künfftig gegen dir seyn gäntzlich unbekandt.
245
Die ewige Stadt Rom wird neygen ihre Krone
246
Und ihres Adlers Macht vor deinem grossen Sohne,
247
Wird bey Apollo nicht mehr suchen Prophecey
248
Und sagen, daß in dir ihr Gott geboren sey.
249
Nicht minder lassen sich die armen Hirten finden;
250
Die Weisen dieser Welt und Herren sind dahinden
251
Und schlaffen sicherlich; kein grosser König wacht,
252
Indessen komt der Herr wie ein Dieb in der Nacht.
253
Das ungelehrte Volck, so nichts nicht weiß zu schreiben
254
Von Weißheit, Witz und Kunst, und gleichwol kan gläuben,
255
Wird einig außerwehlt, zu sehn den neuen Gast,
256
Den Gast in Israel, der Einfalt niemals haßt,
257
Die vor der Welt nicht taug. Sie werden jetzt gelehret,
258
Was nie kein Weiser noch zuvormals je gehöret,
259
Daß Christus sey geborn, der Hirte, der die Welt
260
Für seinen grossen Stall, uns für die Schafe helt.
261
Geht nun in Frieden hin, geht hin, ihr albern Leute,
262
Wie zwar die Meinung ist, sagt euer Mitpursch heute
263
Das, was ihr habt gesehn, singt von der neuen Zeit,
264
Darauff die alte Welt so lange sich gefreut.
265
Wir wollen auch mit euch von Hertzen uns erheben,
266
(die Hertzen aber wird uns Christus selber geben)
267
Und ernstlich danckbar seyn. Weg aller Stoltz und Pracht,
268
Weg alles Gut der Welt, das keinen selig macht,
269
Fort, fort das schnöde Thun! wir wollen bloß gedencken
270
Auff dich, Emanuel, uns künfftig zuzulencken,
271
Zu richten unsern Sinn auff deine Niedrigkeit,
272
Auff daß wir fähig seyn der Gottheit nach der Zeit.
273
Wir wollen Menschen-Witz uns hier nicht meistern lassen,
274
Der nichts bey dir verfängt und nur zu Zanck und Hassen
275
Bey Leuten Anlaß gibt. Schick, o du süsser Hort,
276
Uns deines Geistes Krafft, auff daß wir ja dein Wort,
277
Du Wort von Ewigkeit, recht lernen und betrachten.
278
Gib, daß wir alles Creutz und Noth getrost verachten,
279
Der du auch arm und bloß auff diese trübe Welt
280
Für uns geboren bist, du werthes Lösegeld.
281
Hilff, daß wir uns in dir, dem höchsten Gute, freuen
282
Und jetzt auff diesen Tag mit dir durch dich verneuen,
283
Ziehn an ein Ehrenkleid und halten steiff und fest,
284
Den Frieden, den du uns jetzt anverkünden lest.
285
Nim auch, du starcker Held, von unserm Vaterlande
286
Den Eyffer deiner Hand, bind mit dem starcken Bande
287
Der Göttlichen Gewalt des Teuffels Wüten an,
288
Auff daß er uns, dein Volck, nicht mehr verfolgen kan,
289
Das fast erschlagen ist von stetem Streit und Kriegen.
290
Zeuch du mit uns zum Feld', auff daß wir nicht erliegen,
291
Du grosser Capitäyn, beut du uns deine Hand
292
Und thu dem grimmen Heer' erwünschten Wiederstand.
293
Verleyh' uns Einigkeit, hilff, daß wir schwachen Glieder,
294
Du, deiner Christen Haupt, alß wahre treue Brüder,
295
Der Zwitracht abgethan, behertzt zusammen stehn
296
Und deiner Feinde Macht recht unter Augen gehn.
297
So wollen wir dir jetzt, und dann in jenem Leben,
298
Den Ruhm, der dir gehört, mit rechter Andacht geben,
299
Der du ein wahrer Mensch bist worden in der Zeit,
300
Und bist auch wahrer Gott mit Gott in Ewigkeit.