O Mars, ich singe dich, du starcker Gott der Kriege

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Martin Opitz: O Mars, ich singe dich, du starcker Gott der Kriege Titel entspricht 1. Vers(1628)

1
O Mars, ich singe dich, du starcker Gott der Kriege,
2
Du Schutz der Billigkeit, du Geber aller Siege,
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Bezwinger der Gewalt; komm her, ich singe dich,
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Du Feldherr dieser Welt; mein Geist der reget sich,
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Zu fliegen in dein Lob. Leg' jetzt ein wenig nieder,
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Thu' ab Helm, Spieß und Schild, und höre meine Lieder,
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So dir gedichtet sindt, daß Pallas nicht allein
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Sich rühme, nechst der Schlacht den Büchern huld zu sein.

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Was thu ich aber doch? Wer wil dich recht beschreiben
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Und deine kühne Krafft? Wo wird mein Schiff verbleiben
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In dieser hohen See? Ich nehme meinen Weg
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Auff Ort und Stelle zu, wo weder Bahn noch Steg
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Zuvor gebrochen sindt, und darff entgegen gehen
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Deß Wahnes grimmer Macht, der umb sich her hat stehen
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So vieler Seelen Schaar, die seufftzet, bebt und zagt,
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Sobald man etwan nur von deinem Namen sagt,
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Du edler Heldentrost. Der Wahn wil dich verwerffen,
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Nicht Urtheil und Verstandt, der mir die Zunge scherffen,
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Die Leyer stimmen sol, auff daß ich preisen kan,
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O Vatter, wer du bist und was du je gethan,
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Was deine Sachen sind, mit denen du uns allen
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Erweisest, wie für dir das Erdreich niederfallen,
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Das Meer erzittern muß. Nicht weiß ich, was ich soll
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Mit deinen Eltern thun. Die Mutter kenn' ich wol,
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Du bist der Juno Sohn. Viel wollen mir was sagen,
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Es sey kein Vatter hier, sie habe dich getragen,
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Nach dem sie an ein Kraut zu starck gegriffen hat.
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Und diß (verzeihe mir) ist keine neue That
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Bey dieser meiner Zeit. An Kindern, da nicht Väter
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Und dennoch Mütter sindt, wird offt ein Kraut der Thäter,
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Das heut' und morgen wächst. Doch schreiben mehr darvon
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Du seyest Jupiters, deß Donnergottes Sohn,
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Der habe dich erzeugt mit seinem letzten Weibe,
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Der Juno, welche dich von ihrem stoltzen Leibe
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In Thero Hände gab. Wo das, was Kinder nehrt,
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Ihr Wesen und Natur in seine Neigung kehrt,
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Und Gaben in uns pflantzt, so hast du hier gesogen,
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Und deinen wilden Muth auß einer Brust gezogen,
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Die dich mit Blute hat an Milches statt gestillt,
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Darumb dein Volck sich gern auch noch mit Blute füllt.

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Wo aber bist du her? Von Sparta, wil man sagen,
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Der werthen Kriegesstadt, die offtmals hat geschlagen
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Und allzeit obgesiegt, sich unverwahrt gewehrt
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Und ihrer Bürger Brust dem Feinde hingekehrt
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An stat der Mauren selbst. Von andern wird erwiesen,
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Du seyst ein Thracer-Kindt deß Volckes der Odrysen
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Am frischen Hebrusstrom', hier wo der Geten Schar,
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Die auch dich Landsmann nent, zuvor daheime war,
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Ehe als die Donau sich gelegt zu ihren Füssen,
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Und unter dieser Macht hat stiller mussen fliessen
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An beyden Ufern her. Das Thracer Landt hat viel,
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Dadurch es dich sein Kindt zu seyn erweisen wil.
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Diß Ort hat Asien und Hellas Krieg gelehret,
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Hier hast du sehr gewohnt, hier hat man dich geehret,
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Dir Opffer abgewürgt und Eyd' auff dich gethan,
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So daß daselbst gar wol dein Vaterlandt seyn kan.
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Daß jemandt weiter sagt, du seyst auch hier begraben,
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Ist etwas, so bey mir fast nicht kan Glauben haben;
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Gebohren seyn geht hin, du strenger Waffengott,
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Gestorben ist zu viel. Für Menschen ist der Todt,
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Die heute voller Lust in ihrem Hertzen stecken
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Und morgen alle vier' auff einmal von sich strecken,
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Sindt schöner Blumen Art, so pflegen auffzustehn,
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Wann Lucifer sich zeigt, und mit ihm untergehn.

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Die Götter sterben nicht; der Todt kan ihrem Samen
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Mit keiner Sichel zu. Was hast du dann für Namen?
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Gradivus bist du sehr, dieweil du allzeit gehst
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Von dem in jenes Landt, kein mal nicht stille stehst
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Mit deiner Waffen Macht und alle Welt durchstreichest.
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Man nennt dich Enyal, als der du keinem weichest,
71
Bist wilder Kriegesart. Es ruffet Griechenlandt,
72
Dich Ares und Rom Mars; weil du, dein Hertz und Handt
73
Ein Mann und männlich ist, und du mit Frauensinnen,
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Mit einem solchen nichts noch kanst noch wilt beginnen,
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Der einen faulen Spieß und schnelle Zunge trägt,
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Damit er keinen Feind zu Gottes Boden schlägt,
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Der heiß von Worten ist und frostig von Geblüte,
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Den Löwen aussen trägt, den Hasen im Gemüte.

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Jedoch wo kömpt es her, daß du den Namen hast
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Von Weibern auch erlangt und heissest Weibergast?
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Man schreibt, als Sparten Volck Arcadien zu zwingen
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Sich unterfangen hat und in sein Joch zu bringen,
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Daß beyden Theiles Heer sehr ritterlich und frey
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In einer strengen Schlacht einander kommen sey,
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Biß daß mit gantzer Krafft die Tegeater Frauen
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Sich haben unverzagt zu Felde lassen schauen
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Und die Laconier geschlagen und gejagt,
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Als wie man sonderlich dann von Marpeßen sagt.
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Dieweil du ihnen nun die Stärcke woltest geben,
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So schrieben sie dir zu ihr Thun, ihr Heil und Leben;
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Sie haben deinen Schutz auß ihrer Krafft erkandt
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Und also dich hernach den Weibergast genandt,
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O Mars, du Weibergast. Doch dieses auch gelassen,
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Wer hat dich je gesehn das Frauenzimmer hassen?
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Ein Mensch, der Unmensch ist, ein ungehertzter Leib
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Und ungehirnter Kopff beredt kein hübsches Weib.
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Ein Sinn, der Feuer hat, der über die Gedancken
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Gebückter Seelen geht unnd weiß nicht von den Schrancken,
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Der für das Volck gehört, derselbe steckt bald an
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Und wird bald angesteckt. Wer ist, der jetzt ein Schwan,
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Jetzt Stier, jetzt Goldtreiff ward? dein Vatter hat geliebet,
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Der grosse Jupiter, der Plitz und Donner giebet,
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Was sol der Sohn nicht thun, wann Venus selber kömpt,
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Die Hertzenwenderin, und dich in Freundtschafft nimpt,
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Deß krummen Mannes Saat? Ihr laget nun beysammen
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Im Hause Mulcibers, vermengt mit süssen Flammen,
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Und hiengt den Brünsten nach, als die, so alles sieht,
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Was durch den weiten Kreiß der gantzen Welt geschieht,
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Die Sonne, dem Vulcan euch zu Gesichte brachte,
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Worauff der arme Schmied ein dünner Netze machte
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Als eine Spinne selbst, die an dem Balcken hengt.
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Nach dem der gute Mann euch sonst Gefangne fengt,
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Und Bett' und euch bestrickt, so zeigt er seinen Schaden,
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Der besser Schweigens werth, macht alle Fensterladen
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Den andern Göttern auff und führet sie herbey.
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O daß auch ich also wie du gebunden sey,
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Mars, leihe mir dein Band, hat mancher Gott gesaget,
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Ob schon ein Lahmer hier den Schnellen überjaget,
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Das wol nicht solte seyn. Also ward eure That
120
Beschauet, biß Neptun euch loß gebürget hat.
121
Die Venus hat den Weg nach Paphos zu genommen,
122
Und du auff Thrace hin. Wie offt ist Neu ankommen
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Den lieben Feuergott, daß er geoffenbahrt,
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Gradiv, die eigne Schmach, als er gehahnet ward.
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Das Hahnen kömpt von dir; als Gallus solte wachen,
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Und du dem Mulciber zwey Hörner woltest machen,
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Die jetzt nicht seltzam sind, und die sein Feuer zeigt,
128
Im Fall die Glut empor mit ihren Spitzen steigt,
129
Entschlieff der junge Mensch, so daß du von der Sonnen
130
Ergriffen worden bist; hierauff hast du gewonnen
131
Gerechte Rach' und Zorn und einen Hahn gemacht
132
Auß deinem Wächter Gall, der noch biß heute wacht.
133
O Mars, wann keiner nicht ohn einen Hahn sich wolte
134
Zu buhlen unterstehn, der ihn verhüten solte,
135
Ich fürchte leyder nur, es würde gar kein Hahn
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Auff dieser gantzen Welt zum Essen abgethan!

137
Nun, Hahnen kömpt von dir, und aller Hörnerträger
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Ihr Vatter ist Vulcan, der grosse Harnischfeger,
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Der seine Hörner weiß. Die Venus, deine Ziehr,
140
Bleibt zwar des Alten Weib und helt sich doch bey dir;
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Gar billich und gar recht, dann weil in deinen Kriegen
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So mancher Mutter Kind pflegt täglich auffzufliegen,
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Soll je der Erdenkreiß nicht wüst und öde seyn,
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Als bringet Venus dann den Schaden wieder ein
145
Und giebet, wann du nimpst. Diß zeigen auch die Zeichen,
146
So an dem Himmel stehn, darmit wir euch vergleichen,
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Und ordnen sie euch zu, der Wider und der Stier;
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Den Stier hat Venus kriegt, den Wider giebt man dir.
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Der Stier ist voller Brunst, der Wider ist verschnitten;
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Der Stier ist Liebes-Art, und jener gleicht den Sitten
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Deß Krieges, der die Schaar der Menschen kleiner macht.
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Es hat die Himmelskunst diß ferner auch bedacht
153
Und bey die Wage hin den Scorpion gesetzet;
154
Der Scorpion gleicht dir, so auff den Todt verletzet
155
Und kehrt mit seinem Schwantz ein Theil deß Volckes auß,
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Als wie dein Schwerdt auch thut; der güldnen Venus Hauß,
157
Die Wagen nechst darbey, ist die, so Gleichheit findet,
158
Gewünschte Freundtschaft macht, die Welt mit Heyrath bindet
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Und hilfft zur Einigkeit. Ja, daß wir weiter gehn,
160
Im Fall wir deinen Stern sehn bey der Venus stehn,
161
Den grossen Feuerstern von rotem Angesichte,
162
Wie du auch selber bist, beym schönen Venusliechte,
163
So halten wir darfür, daß solcher eurer Schein
164
Nichts anders muß unnd kan als gutes Glücke seyn.

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Man hat euch beyden auch zusammen auffgeführet
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Ein heilges Ehrenhauß und solches außgeziehret
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Mit euren Bildern selbst. Auß Eisen warest du,
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Als der du eisern bist, und deine süsse Ruh',
169
Die Venus, auß Magnet, dieweil sie fort kan ziehen
170
Die, so ihr günstig sindt, und auch die für ihr fliehen,
171
Ein Volck das Hassens werth. Die liebt und wird geliebt,
172
Doch wer ihr Anlaß auch zu rechtem Zorne giebt,
173
Erfährt, was sie vermag. Die Sonn' hat euch verrathen,
174
Und muß alsbald hernach die Schuldt genung erstatten;
175
Ob deine Liebste schon ihr selbst nicht schaden kan,
176
So strafft und stecket sie doch ihre Töchter an
177
Mit einer grimmen Brunst: Medea, Phedra, Dirce,
178
Und die Pasiphae und auch die Hexe Circe
179
Thun für die Mutter Buß, empfinden Venus Krafft
180
Und werden jämmerlich durch Kranckheit hingerafft.

181
So müssen allesampt Verrähter innen werden
182
Deß Unrechts, das sie thun. Die Töchter dieser Erden
183
Sind mir ingleichen lieb. Deß Actors schönes Kind
184
Astyoche, o Mars, ward gegen dir entzündt.
185
Die hast du überschwätzt und bist mit ihr gegangen
186
Auff ihres Vatters Hauß, hier wo sie hat empfangen
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Zwey Brüder auff ein mal, den edlen Jalmen
188
Und den Ascalaphus, die auch für Troja gehn
189
Und an der grossen Statt ihr Heyl versuchen wolten,
190
Darmit die Helden dich in ihnen sehen solten,
191
Als deiner Mannheit Frucht. Dich liebte Sterope,
192
So jetzt am Himmel steht, die Meisterin der See,
193
Wie ihre Schwestern auch deß grossen Atlas Töchter,
194
Darauff bey stiller Nacht der bleiche Segelwächter
195
Die Augen schärffen muß. Aeropen hast du
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Zu deiner Lust gehabt, zum Zwecke deiner Ruh',
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Die in Geburtsnoth starb; der Sohn doch blieb im Leben;
198
Dem du den Namen hast der Mutter nach gegeben,
199
Zum Zeichen ihrer Gunst. Was sag' ich aber viel?
200
Man weiß es ohne diß, was ich erzehlen will,
201
Daß du, o Vatter Mars, viel Weiber und nicht minder,
202
Dem Krieges Brauche nach, gehabt hast auch viel Kinder,
203
Darauß Etolus war, ein Held von grosser Macht,
204
So Spieße neuer Art zum ersten auffgebracht,
205
Und welchen Hercules zu Rosse hat erleget,
206
Der Cygnus, darumb du durch grossen Zorn gereget
207
Ihn außgefodert hast, als Jupiter den Streit
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Noch unternommen hat zu rechter guter Zeit
209
Mit seines Donners Krafft. Dann Kinder gehn zu Hertzen;
210
Als wie du gleichfalls auch empfingst nicht kleinen Schmertzen
211
Nach dem der Halirrhoth, deß Wassergottes Sohn,
212
Alcippen dir befleckt, der billich seinen Lohn
213
Von dir hat mit der Haut und Halse weggetragen.
214
Der Götter grosser Raht ließ dich hierumb betagen
215
Und für Gerichte ziehn: Du, wie es sich gebührt,
216
Hast solchen Mord und dich zum besten außgeführt.
217
Es ist genung, o Mars, daß Leuten von der Erden
218
Ihr liebes Weib und Kind hierzu gebrauchet werden,
219
Bey Göttern geht es nicht. Wer solches leyden kan
220
Und drückt ein Auge zu, der ist ein schlechter Mann,
221
Geschweige dann ein Gott, der Schande rechen lehret,
222
Den Auff- und Niedergang und aller Weltkreyß ehret.

223
Dir hat der Gallier sein Halsband auffgehenckt,
224
Dein Landsmann der Scordisck auch Menschenblut geschenckt;
225
Rom zeigte deinen Schild, der Scythe deinen Degen.
226
Auff grünem Grase hat man dir zu opffern pflegen,
227
Weil du das Feld einnimpst und jagst den Bauersmann,
228
Darmit das Kraut und Graß, du Feldgott, wachsen kan,
229
Das Graß, so schneller kömpt und öffter sich verjünget,
230
Wann deine Schlacht das Landt mit Menschenblute dünget
231
Und seinen Boden färbt. Wie dann daß deine Statt,
232
Die andre Welt, den Specht dir zugeordnet hat?

233
Man sagt, als Romulus und Remus, deine Söhne,
234
So du erzeugest hast durch Sylvien die Schöne,
235
Hin an den Tiberstrom geworffen worden sind,
236
Daß von der grossen Treu des Spechtes beydes Kind
237
Hernach gespeiset sey. Dir wird auch zugegeben
238
Die Wölffinn, welche hier das junge Par bey Leben
239
Nechst dir erhalten hat, gewärmet und beleckt
240
Und, nicht mit wilder Brust, getrenckt und zugedeckt,
241
Die starcke Säugerinn. Du bist der Statt Verwalter,
242
Du bist ihr Gott, Quirin, ihr Stiffter und Erhalter,
243
Der Göttin aller Welt. Es wird diß kleine Par,
244
So dessen Volckes Stamm und erster Anfang war,
245
Das Stätt unnd Länder hat mit Waffen umbgekehret,
246
Von einer Hur' erzeugt, und einer Lup' ernehret;
247
Wo jemand billich auch sie Hure schelten kan,
248
Da so ein hohes Haupt, wie du, es hat gethan.

249
Sie sagt, der Stätte Statt, sie sey vor dir geboren,
250
Hat dich mit steter Acht zu Ehren außerkohren,
251
Dir Priester eingesetzt, dir Freyer angestellt,
252
Dir heilig heissen seyn das schöne Wunderfeld,
253
So deinen Namen führt, das edle Meisterstücke
254
Und Hauptwerck der Natur, der Künste bestes Glücke,
255
Die Hügel und das Thal, gekrönt mit aller Ziehr
256
Biß an den gelben Strandt. Hier hat die Jugendt dir,
257
O Vatter, sich geübt, hier Sonn' und Staub erlitten,
258
Geschwummen und gekämpfft, getummelt und geritten,
259
Geschleudert, Ball gespielt, gesprungen hoch unnd weit,
260
Kein Oehle nicht gespart und durch den Kinderstreit
261
Den Männerkrieg erlernt. Hier wolte man verbrennen
262
Berühmbter Helden Leib, hier Obrigkeit ernennen,
263
Hier sitzen und hier gehn; hier stundt der schöne Gang
264
Vollführt durch Gordian von tausend Schuhen lang,
265
Mit frischem Lorbeerbaum' und Myrten außgeziehret,
266
Hier deines Tempels Bau von Alters auffgeführet;
267
Der Spitzstein, den August vom Nilus hergebracht
268
Und seiner Weißheit nach zur Sonnenuhr gemacht,
269
Das Spielhauß runder Art, so Claudius gebauet,
270
Und was noch sonst mit Lust ein geitzigs Auge schauet
271
Das mein Gedächtnüß fleucht. Du hast gantz Rom erfüllt,
272
Dir stund im Capitol ein Tempel, wo dein Bild
273
Dich widersetzet hat, dem Jupiter zu weichen;
274
Dir am Augustusmarckt', im Vatican ingleichen
275
Und auff der Rennebahn und wo auch sonsten nicht?

276
Rom hat von dir genennt, o Mars, deß Mertzens Liecht,
277
Von dir das neue Jahr vor Zeiten angefangen,
278
Der du ihr Anfang bist. Mit dir, Herr, kömpt gegangen
279
Die Hoffnung schöner Zeit, das Erdreich macht sich auff,
280
Der Vogel sucht sein Nest, die Segel ihren Lauff,
281
Der Bauer seinen Pflug, der Landsknecht Fug zu Kriegen,
282
So nunmehr hurtig wird, und kan zu Felde liegen,
283
Wo Ruhm zu holen ist. Nun sage ferner an,
284
Wie daß man dir den Hundt zum Opffer abgethan?
285
Weil einer, der dir folgt, gleich als ein Hund sol wachen,
286
Soll frisch und munter seyn. Was hat mit dir zu machen
287
Der Ochse? Weil dein Krieg die gantze Welt verkehrt,
288
Und grimmig umb sich stöst. Man schenckt dir auch das Pferdt,
289
Dieweil das edle Thier zum Kriegen ist gebohren
290
Und alles kriegisch ist, Maul, Augen, Stirn unnd Ohren.
291
Es springt und bäumbt sich auff, schäumbt, wigert, schnäubt und keicht,
292
Ist feurig und erhitzt und thut, was dir sich gleicht.
293
Das Pferdt hat seinen Weg; wie aber ist es kommen,
294
Daß du den Esel hast in deinen Schirm genommen,
295
Daß er dir heilig ist? Dir steht der Name zu:
296
Ein allgemeiner Gott; der Esel ist wie du
297
Ein allgemeines Thier. Die Ochsen sendet Pohlen,
298
Westfahlen feiste Säu, und Frießlandt starcke Fohlen,
299
In Preussen wird der Beer, der Hase hier gefellt,
300
Deß Esels Vatterlandt ist diese gantze Welt,
301
Ist Ost, West, Süd und Nord. Der Esel haßt die Flüsse,
302
Dadurch er gehen soll, und scheut die zarten Füsse
303
Zu netzen in der Flut; so auch dein Kriegesheer
304
Helt von dem Lande viel und fleucht das feuchte Meer
305
Dieweil es windig ist. Ich kan von ihm auch melden,
306
Daß, wann er sterben soll, er wie die andern Helden
307
Auß diesem Leben geht; dann zahlt er einmal schon
308
Die Schulden der Natur und leßt den Geist darvon,
309
So lebt er weiter nicht. Es mag auch dannher rühren,
310
Daß mancher Esel noch zur Festung Thor und Thüren
311
Viel eher als ein Pferdt eröffnet und bezwingt,
312
Woferren er ein Heer in gantzen Waffen bringt
313
Gepreget auff das Gold. Diß sind die starcken Sachen,
314
Damit dein Esel siegt und Esel auch kan machen:
315
Dann, Mars, ein Volck, dem offt durch Krieg Gewalt geschieht,
316
Was mangelt, daß es nicht dem Esel ähnlich sieht?
317
Ein Esel der weiß nie sein Bestes zu erwegen;
318
Diß Volck denckt auch nicht nach. Ein Esel bleibt von Schlägen
319
Und Worten wie er ist, man schlägt, man sagt und wehrt,
320
So leßt ein solches Volck die Freyheit unbegehrt.
321
Ein Esel siehet nichts bey auffgereckten Ohren;
322
Diß Volck ist unbesorgt, wann schon an allen Thoren
323
Der Feind sich blicken leßt. Ein Esel weiß von List
324
Und klugen Grieffen nicht; wann du bemühet bist,
325
Zu treffen auff dein Ziehl mit Kunst und weisen Rencken,
326
So schläfft biß arme Volck und weiß nicht nachzudencken,
327
Man reit' es, wie man wil. Des guten Esels Schwantz,
328
Sein nicht geringes Theil, leßt nicht auff einmal gantz
329
Die starcken Haare gehn, man muß jetzt eines nemen,
330
Dann wider, und so fort; so pflegst du auch zu zähmen,
331
Zu beugen Fuß für Fuß der starcken Völcker Last,
332
Biß daß du Haut und Haar in deinen Händen hast.
333
Dann ist es gar zu spat den Esel außzuschlagen,
334
Nach dem die meisten schon das Joch am Halse tragen,
335
Und du das Regiment führst allbereit allein,
336
Drumb wer kein Esel ist, der lernt ein Esel seyn,
337
Thut gerne, was er muß. Wil Löwenkrafft erliegen,
338
So soll man Fuchsnatur an ihre Stelle kriegen;
339
Ich aber lobe doch noch mehr des Esels Art,
340
Der seinen Herren Müh' und ihm Gefahr erspart,
341
Geht fort, ißt, trinckt und schläfft. Sie hoffen, was sie wollen
342
Die Schüler ihrer Zeit, und tragen, was sie sollen,
343
Betrachten, daß es euch, wie hoch ihr Götter steht,
344
Jedoch nicht allezeit nach eurem Willen geht.

345
Als Troja war belegt, o Mars, von allen Seiten,
346
Der Phryger feste Statt, bist du, für sie zu streiten,
347
Persönlich angelangt, wie auch deß Himmels Ziehr,
348
Der Erden Mehrerin, die Venus, neben dir.
349
Daselbst hat Diomed der Göttin auffgeschlitzet
350
Die weise zarte Hand und dir den Bauch geritzet;
351
Worauff du einen Schrey von solcher Krafft gethan,
352
Als sonst kein Heer nit thut von zehen tausend Mann,
353
Im Fall ein Treffen ist. Dein Peon hat der Wunden
354
Ein Pflaster auffgelegt und fleissig sie verbunden;
355
Die Hebe wusch dich ab, gab dir ein neues Kleid
356
Für diß, das blutig war. Dich warff zur andern Zeit
357
Minerva für den Halß mit einem Gräntzesteine
358
Der auff dem Felde lag, daß dir die starcken Beine
359
(den Muth behelt ein Gott) und alle Krafft entsanck,
360
Und du für Ohnmacht bist durch sieben Huben lang
361
Gefallen in den Sand. Auch dieses übergangen,
362
Hielt Ephialtus nicht und Otus dich gefangen,
363
Fast dreyzehn Monden durch, biß daß Mercur noch kam,
364
Und kaum verstolen dich auß ihrer Ketten nam,
365
Die deinen Leib umbfieng? Doch wird nicht ungenossen
366
Der Spot dir angethan. Es hat sein Blut vergossen
367
Das Himmelstürmer-Par, und ward genung gelehrt,
368
Wie keiner ungestrafft die Götter je versehrt.

369
Und diß hat Pelion und Oßa wol erfahren,
370
Olympus hat bezeugt, wie du die grimmen Scharen
371
Der Riesen abgestrafft im Lentzen deiner Zeit.
372
Du warest fast ein Kind und führtest deinen Streit
373
Nur einig gegen Wild; hier sahe man dich jagen
374
Am kühlen Rhodope, hier wilde Beeren schlagen
375
Und auff die Löwen gehn, als dieser Feind gleich kam,
376
Warumb dein Vater dich in seine Wohnung nam
377
Und gab dir Schwerd und Helm. Der Himmel ward erfreuet,
378
Typheus, welcher doch den Donner nicht gescheuet,
379
Erschrack für deiner Macht, und Rhetus flohe dich,
380
Dem Bacchus obgesiegt, Porphyr sprang hinter sich
381
Zehn Morgen Ackers weit, Pelorus mußte büßen,
382
Dem hastu seinen Leib am Dünnen auffgerissen
383
Nicht ferren von der Schoß; sein Bruder Mimas auch
384
Der ihm zu Hülffe kam, kriegt' eines durch den Bauch,
385
Das ander' in den Kopff, fiel todt hin in den Wasen.
386
Der Obergott war fro, befahl nun ab zu blasen
387
Und bey der Lust zu seyn, dieweil die Schlacht ihr Loch
388
Und gutes End' erlangt: du aber bleibest noch
389
Erhitzt und gantz bedacht, was Mehrers zu erlangen,
390
Im Fall dich Venus nicht gedruckt an ihre Wangen,
391
Dir selbst den güldnen Helm und Pantzer abgelegt
392
Und dich vielmehr bey ihr zu bleiben angeregt.

393
Du hast, o Enyal, Gesetz' und Recht erfunden,
394
Hast diß an jenes Land mit Hülff und Treu verbunden;
395
Du hast die Welt ergäntzt, die erstlich als das Wild
396
Hat in den Tag gelebt, mit Eicheln sich gefüllt,
397
Getruncken auß der Bach, das Feld nicht können bauen,
398
Den Weinstock nicht gekennt, kein Gold gewußt zu hauen,
399
Kein Schiff zur See gebracht, gehabt kein Mir und Dir;
400
Ihr Waffen war ein Stock, ihr Feind ein kühnes Thier.
401
Für diesem mußten sich die ersten Menschen wehren;
402
Die andern fiengen schon sein Fleisch an zu begehren,
403
Zu rühmen seine Haut; diß war die erste Schlacht,
404
Auß den ein warmer Beltz und Essen ward gebracht,
405
Des Sieges gantzer Lohn. Du, Vatter, hast den Thieren
406
In ihren Sinn gejagt die Waffen so sie führen:
407
Dir trägt ein Beer die Klan, ein Hund den scharpffen Zahn,
408
Ein Löwe seinen Schwantz, und jedes, was es kan.

409
Nicht eines liebt den Todt; sie lernen alle kriegen,
410
Empfinden ihr Gewehr, ersehn das Ziehl zu siegen
411
Und fellen ihren Feind mit Waffen oder List.
412
Daß Streit bey Vögeln ist, ein Fisch den andern frißt,
413
Macht deiner Regung Krafft. Der Mensch nur kömpt vom Weibe
414
Gantz bloß, als wie er ist, mit Mutternacktem Leibe,
415
Ohn Schupp', ohn Borst', ohn Horn, bringt nichts nicht an den Tag,
416
Darmit er seiner Haut sich künfftig wehren mag;
417
Dieweil sein kluger Sinn die Waffen weiß zu finden,
418
So ihm gemeße sind, sucht auß der Erden Gründen
419
Den scharpffen Stahl herfür; ihm zwingt der Feuerherdt
420
Das wolgebutzte Helm, die Lantze, Schild unnd Schwerd,
421
Und was er haben wil. Was soll ich aber sagen
422
Von dir, du Deutsches Landt, was du vor Frucht getragen,
423
Du Mutter der Gewalt, der Stärck' und Kriegesmacht?
424
Mars ist dein eigner Gott; dein Volck hat Tag und Nacht
425
In Waffen als gewohnt, es hat von allen Zeiten
426
Begier und Lust gehabt zu grimmer Schlacht unnd Streiten,
427
Das Gegentheil gereitzt, Gemüte, Hertz' und Muth
428
Behalten, wie es war, wann Land, Leib, Gut unnd Blut
429
Schon drauff gegangen sind. Des stoltzen Feindes Hauffen
430
Hat müßen seine Ruh und Frieden von ihm kauffen,
431
Der fast nit feyl mehr ist. Wir haben in die Schlacht
432
Den Donner selbst geholt und etwas auffgebracht,
433
Das Glut und Eisen speyt, für dem die Mauren fallen,
434
Die Thürne Sprünge thun, Gebirg' unnd Thal erschallen,
435
Die wilde See erschrickt. Der reichen Erden Schlundt
436
Schickt dieses an den Tag, für dem sein tieffer Grund
437
Hernach erzittern muß. Wir mischen uns zusammen
438
Die Elemente selbst, und fodern mit den Flammen
439
Das blaue Himmeldach, so gantz bestürtzet steht,
440
Wann unsers Pulvers Macht dem Feind' entgegen geht
441
Und führt ihn in die Lufft. Der Götter König höret
442
Was stärckers als die Macht, darmit er sonst versehret
443
Das blinde Menschenvolck und strafft die raue Welt,
444
So rasend unnd verstockt in Sünd und Schanden fellt.
445
Er sieht und wundert sich, daß wir mit Plitze streiten
446
Ein gantzes langes Jahr, da er bey Sommerszeiten
447
Sich fast nur schauen lest; sein Adler zweiffelt schier,
448
Wo recht sein Donner sey, im Himmel oder hier.

449
Was kaum natürlich ist, muß die Natur uns geben,
450
Die weise Künstlerinn, so alles, was ein Leben
451
Und nicht ein Leben hat, mit solcher Art verehrt
452
Die kriegisch scheint zu seyn und etwas sonst versehrt
453
Das ihr zuwider ist. Der Bau, so uns umbringet
454
Und Welt genennet wird, wenn Mond' und Sonne dringet
455
Hin auff die lincke Hand, geht auff die rechte zu;
456
Und weil die Sonne wacht, so hat der Monde Ruh.
457
Hier diß Gestirne dörrt und jenes pflegt zu netzen,
458
Die Winde müssen sich einander widersetzen,
459
Die Elemente selbst vollführen ihren Streit,
460
Heiß ist dem Kalten gram und Weich der Härtigkeit,
461
Naß steht bey Trucken nicht, nicht Leichtes bey dem Schweren.
462
Sie fühlen dich, o Mars; was eines pflegt zu nehren,
463
Das ist deß andern Todt. Diß unser Erdenfaß,
464
Das Theil, so sterblich ist, wird in sich bald zu naß
465
Und bald zu trucken seyn. Die Hitze rufft zusammen
466
Die Kräffte, so sie hat, und stärckt die schweren Flammen
467
Mit Speisen ihrer Art; die Kälte gleichsfalls geht
468
Auff sonst was, das erfrischt und ihren Feindt besteht
469
In einer solchen Schlacht, darbey der Leib muß büssen,
470
Gibt Lung und Leber hin, wird kranck an Händ und Füßen,
471
Stirbt täglich, weil er lebt, im Fall der Artzt nit wacht
472
Und einen Friedenschluß bey diesen Feinden macht.

473
Ein Kind kriegt, wenn es läufft, nimpt Stecken her zum Streiten,
474
Und Stecken zu der Schlacht. Ein Greiß, der nicht kan streiten,
475
Streicht seine Thaten auß, faßt einen Becher Wein
476
Und wil zum minsten hier noch jung im Kämpffen seyn.
477
Wer sagt, daß Männer nit zum Kriegen sind erkohren,
478
Die Frauen zur Geburt? Wir werden nicht gebohren
479
Mit Dutten als ein Weib, darmit die Brust uns frey
480
Zum Schild', und beyde Hand im Fechten leichter sey.
481
Deß Weibes Untertheil ist schwer und groß zum Tragen;
482
Deß Mannes leicht' und schmal zum Reiten, Sprung' und Jagen,
483
Zur Flucht, wo Noth es heißt; dann der ist auch ein Mann,
484
Der seinem Lande sich zu gut erhalten kan,
485
Darmit er offtermals zur Schlacht mag widerkommen.

486
Daß aber etwan ich den sichern Weg genommen
487
Und auß dem Letzten, Mars, der Erste worden bin,
488
Mein Roß darzu gezehlt, so wisse, daß mein Sinn
489
Gar nie gewesen sey, dem Feinde Stand zu halten.
490
Wer jung erschossen wird, der pfleget nicht zu alten
491
Und stirbt zu Tode hin. Es wird mir auch gesagt,
492
Der Fürwitz sey ein Ding, das einem, der sich wagt,
493
Nicht allzeit wol bekömpt und wird ihm gar zu theuer.
494
Poetenvolck ist heiß, ist leichte wie ein Feuer,
495
Geht durch, reißt auß ihm selbst, ist wie ein edles Pferdt,
496
Das nie kan stille stehn und allzeit fort begehrt.

497
Solt' ich, o Marspiter, in Graß gebissen haben,
498
Wer würde doch ein Lied von dir und deinen Gaben
499
Erdencken als wie ich? Es ist ja recht und war,
500
Daß ohne diß sich jetzt der Teutschen Tichter Schar
501
Sehr starck zu Felde schreibt; doch Reime von der Erden
502
Die taugen nicht für dich. Du wilt gepriesen werden
503
Von Geistern, derer Krafft sich in die Wolcken schwingt,
504
Wie manche Nachtigall am Elbestrome singt,
505
Dringt Thal und Werder durch, ernehrt gelehrte Hertzen
506
Mit ihrer Stimme Frucht unnd nutzt der Sorgen Schmertzen
507
Durch einen süssen Thon. Wie du auch, Vatter Rhein,
508
Gemüter umb dich hast, die Liedern ihren Schein,
509
Der einen Kopff erheischt, und Glantz zu geben wissen.
510
So lange Zeit die Elb' in Sachsen durch wird fließen,
511
Der Rhein auff Holland zu, wirst du, o kluge Schar,
512
Der Musen Trost und Ziehr, entgehen der Gefahr
513
Deß Grabes, das dich fleucht, wirst nicht auß Lethe trincken,
514
So für den Pöfel ist. Wir können nie versincken
515
Und werden durch den Todt viel minder weggerafft
516
Als der, so mit der Faust ihm steten Namen schafft.

517
Dem einen ist zu thun, zu schreiben mir gegeben,
518
Und möcht' ich, wie geschieht, nicht in den Büchern leben,
519
Ich lebte gar nicht mehr. Was soll dann Kriegesfall
520
Mein Sterbekittel seyn? Kein Mensch der stirbt zwey mal.
521
Ein Fechter bin ich nicht; ich kan wol wettelauffen
522
Wann Feind fürhanden ist. Mit Balgen und mit Rauffen
523
Wird keinem was gedient; der ist gar wol daran,
524
So and're ruhen leßt und selber ruhen kan.
525
Doch Zanck muß gleichwol seyn; diß, wo wir gehn und reiten,
526
Bemüht und müßig sind, hat allzeit Krieg und Streiten
527
Daheim und anderwerts, zu Land' und See gehegt
528
Und, Mavors, dich gefühlt. Ein jeder wird geregt
529
Auff Eyfer, Neid und Zorn. Du machst, o Menschenwürger,
530
Daß jener diesen hier, der Juncker einen Bürger,
531
Und er den Bauersmann, der reich' ein armes haßt,
532
Ein Weltkind geistlichs Volck. Der Unger redet fast
533
Dem Deutschen übel nach, und Holland zürnt mit Flandern,
534
Mit Böhaimb Dennemarck. Ein Artzt verfolgt den andern,
535
Ein Kauffmann, ein Jurist, ein Singer, ein Poet,
536
Als ich dann sonderlich den, welcher nichts versteht
537
Und gleichwol lügen wil. Dieweil nun alle kriegen,
538
Soll König, Fürst und Herr nicht auch zu Felde liegen,
539
Nicht auch geharnischt seyn? Ein unverzagter Held
540
Von grossen Eltern her, der seine Sinnen stellt
541
Auff Ruhm, so ihm gebührt, wil billich mit der Spitze
542
Deß Unrechts Rächer seyn. Natura hat die Hitze,
543
Die Liebe der Gefahr und grosse Waffenlust
544
Nicht ohngefehr gepflanzt in eine solche Brust.

545
Du schaffest, und sie auch, daß Teucer siegt mit Pfeilen,
546
Mit Kühnheit Diomed, Achilles mit Ereilen,
547
Ulyßes durch Verstand; du giebest Krafft und Muth,
548
Du freyer Landsknechtgott, und rührst ein herrlichs Blut
549
In allen Adern auff. Der kan nicht edel bleiben
550
Und wird auch edel nicht, der müßig wil vertreiben
551
Ohn Tugend und ohn dich die Freyheit seiner Zeit,
552
So edler ist als er. Der Schlaff, der Bettestreit,
553
Schach, Würffel, Kartenspiel, Banckete, Gläserschantzen
554
Sind keiner Ahnen werth. Wo scharpffe Kugeln tantzen,
555
Wo Fahnen in der Lufft, wo Stürm' und Schlachten sindt,
556
Dergleichen ist für dich. Die Ueppigkeit zerrinnt,
557
Das faule Spiel verspielt, die Wollust wird geschlagen,
558
Leßt ihre Flügel gehn, wann du auff deinem Wagen
559
Daher gedonnert kömpst, den dir bey dicker Nacht
560
Pyracmon, Steropes und Brontes hat gemacht,
561
Das schwartze Schmiedevolck. Voran kömpt eingedrungen
562
Die Göttin Fama selbst, so hundert schnelle Zungen
563
Und hundert Augen hat. Zwey Pferde ziehen dich,
564
Das Schrecken und die Angst; zu nechste findet sich
565
Bellona, deine Frau, mit blutgefärbten Haaren
566
Und Feuer in der Handt; ihr folgen deine Scharen,
567
Raub, Armut, Hunger, Durst, der Haß, der bleiche Neid,
568
Brandt, Wüten, Kranckheit, Pest, die Flucht und Einsamkeit;
569
Victoria fleugt nach mit Palmen in den Händen,
570
Geflügelt weiß wie Schnee, gantz bloß an allen Enden,
571
Die Krone trägt sie auch, die sie demjenen giebt,
572
Der ihren Ruhm erhöht und deine Tugendt liebt.

573
Du weckst die Sinnen auff, machst, daß sie lieber streben
574
Nach Arbeit als nach Ruh, und nehmen für ihr Leben
575
Das Lob, so nimmer stirbt. Was zeiht Achilles sich,
576
Sich Nestor seinen Halß zu setzen in den Stich,
577
Ulyßes gleichfalls auch? Achilles mag regiren
578
Sein Land Thessalien, kan seine Zeit vollführen
579
Am Berge Pelion, hier, wo das gantze Jahr
580
Mit zarten Blumen prangt unnd wo sein Chiron war;
581
Der graue Nestor kan noch ferner friedlich alten,
582
Und Pylos, seine Statt, in stiller Ruh verwalten,
583
Ulyßes auch den Ort, der gute Jugendt tregt,
584
Hier wo der Neritus stets grüne Bletter hegt
585
Im kleinen Ithaca. Nein, nein, ein Held von Ehren
586
Begehrt die Eitelkeit und Wollust nicht zu hören,
587
Er reitzet seinen Feind und dringet sich hinein,
588
Wo Kampff und strenge Schlacht am dicksten' pflegt zu seyn.

589
Also ward Jupiter, dein Vatter, auffgenommen
590
Zum Himmel, da er herrscht; so ist Alcides kommen
591
In euers Mittels Schar; so lebt der Theseus hier,
592
So lebt Anchisen Sohn, so Ajax, deine Ziehr,
593
Und wer sie alle sind. Dein Volck auch, die Soldaten,
594
Vertreget mit Gedult auß Lust zu guten Thaten
595
Des Sommers heissen Schein, des kalten Winters Noth,
596
Schöpfft Wasser mit der Hand, ißt liebes schwartzes Brodt,
597
Drückt in der Nacht das Land, geht nackendt und zerrissen,
598
Tregt Eisen in der Faust und Bastschuh an den Füßen,
599
Ist Bauch und Seckel leer, ja hat für seinen Leib,
600
Was zu erbarmen ist, auch nicht ein eignes Weib,
601
Borgt alles, was es hat. Daß aber in Quartiren
602
Die ritterliche Pursch sich pfleget außzuziehren,
603
Den Wein fürs Vatterland vergeußt, wol schläfft und frißt,
604
Machst du, der du ein Herr auch frembder Sachen bist
605
Und findest ohne Kauff den Unterhalt zum Leben,
606
Kömpst deinem Feinde mehr zu nehmen als zu geben,
607
(dann Bauersvolck ist Feind.) Den Flegeln thut es wol
608
Ein grobes Haberbrodt, was für den Landsknecht soll,
609
Muß weiß und Weitze seyn. Mein Teutschland, deine Vätter
610
Die waren recht für uns, so allzeit volle Bräter
611
Beym Feuer hatten stehn und bald das Faß darbey;
612
Hatt' einer wol gekämpfft, der fraß auch nachmals frey
613
Und satzte wacker ein das Zähn' unnd Schwarte knackte;
614
Darauff, wann jederman den Wanst recht vollgesackte,
615
Ward gantze Nächte durch auff Deutsch herumb geschwecht,
616
Biß an den liechten Tag, und redlich außgezecht.

617
O Mars, der Wasserkrug ist nicht für deinen Magen,
618
Stärckt solche Hände nicht, die lange Spieße tragen
619
Und Thaten sollen thun. Das liebe Zehrlin Wein
620
Sieht anders mir nicht auß als unser Wetzestein,
621
Der Muth und Hertze schärfft. Laß immer nüchtern bleiben
622
Der Frembden klugen Sinn, die nichts vom Trincken schreiben
623
Und Narren sind als wir. Ein hiesiger Soldat,
624
Der einen Becher Wein in seinem Busen hat,
625
Schafft mehr als mancher sonst, der unten von den Füßen
626
Biß auff die Scheitel an sich ein hat lassen schliessen
627
In Eisen und in Stahl. Nur fort, mein Vatterland,
628
Du säuffest in den Halß unnd kämpffest mit der Hand.
629
Die aber, welche sich zu geben sehr beschweren,
630
Die zehnmal mehr uns todt als so zu sehn begehren
631
Und hassen dich, o Mars, was wenden sie doch ein?
632
War ist es, Feuer brennt; doch gibt es Liecht und Schein,
633
Wärmbt, kocht und schmeltzt Metall. Ein Volck ohn Krieg zu zwingen,
634
Ist möglich, als ein Roß zu rechte wollen bringen
635
Ohn Zügel und ohn Zaum. Du nimbst zwar Gut und Geldt,
636
Kennst aber keinen Geitz und bringst es in die Welt,
637
So weiß, worzu es dient. Was mag das Gold doch nützen
638
Demjenen, welcher stets darüber pflegt zu sitzen
639
Und suchet was er hat? Dein Volck durchkreucht das Hauß,
640
Schlegt Thür und Kisten auff und reißt es denen auß,
641
Die sein nicht würdig sind. Ein Schatz, der tieff vergraben
642
Im finstern Keller liegt, muß letzlich einen haben,
643
Der ihm das rohte Liecht der Sonnen zeigen kan.

644
Wo Kriegesgurgeln sind, da wächst der Handwercksmann;
645
Der Gastwirt freuet sich, der Weinschenck' ist bemühet,
646
Der Goldschmied steht früh auff, der reiche Schneider siehet,
647
Wo neue Häuser sind, weil jetzund auff ein Kleyd
648
So viel gewaget wird. Es trug für dieser Zeit
649
Den großen Himmelsbau der Atlas, wie sie sagen,
650
Jetzt wird auff einer Hos' ein gantzes Dorff getragen,
651
Die Bauern und der Schultz, vorauß weil sie zur Pracht
652
Und dann zum Vortheil auch was lenger wird gemacht
653
Und Raum zur Beute hat. Zwar eine stoltze Feder,
654
Ein Ring, ein güldnes Schwerd und auch ein güldnes Leder
655
Schmeißt keine Feinde nicht. Doch der, so Kriege führt
656
Und für die andern fleucht, wird recht unnd wolgeziehrt
657
Mit etwas, das der Welt, so eußerlichen Sachen
658
Nicht selten Glauben gibt, die Augen auff kan machen,
659
Darmit sie sagen mag: Schaut, schaut, da geht der Mann,
660
Der auff dem weißen Berg hat Wunderding gethan.

661
Geld muß beym Krieger seyn; man nennet ihn von Kriegen,
662
Dieweil er offtmals kriegt auch außer Schlacht und Siegen
663
Was andern zugehört. Dann wächset ihm der Muth,
664
Dann fordert er den Feind. Der Menschen Seel und Blut
665
Ist Geld und rotes Gold. Wem diß nicht ist gegeben,
666
Der wandelt todt herumb bey denen, die da leben,
667
Und fleucht den hellen Tag. Diß weiset mancher auß,
668
Der Lauffgeld von dir nimpt, im Fall er' Hoff unnd Hauß
669
Im Weine hat ersäufft, wann Silber auff zuweisen
670
Ihm nicht mehr möglich ist, so suchet er das Eisen,
671
Leßt Armut und sein Weib zurück an seiner Stat,
672
Daran der Bürge sich hernach zu halten hat.

673
Du giebest und du nimpst, hilffst dem Mercur verwalten
674
Sein Wegampt, o Silvan, hilffst Strassen reine halten,
675
Und wird durch deine Leut' ein Ding nicht auffgeklaubt,
676
So ist doch Volck genung, das für unnd auff sie raubt.
677
Du bringest gute Zucht; wie würden Dorff unnd Stätte
678
Voll loser Zauchen seyn, wann nicht dein Läger thete,
679
Da viel gelegen wird? Du fellst und zeuchst hervor,
680
Hebst einen armen Knecht zum hohen Stab' empor
681
Und wirffst den stoltzen ab. Dich muß der Bauer ehren,
682
Weil du ihn reicher machst, und Höffligkeit wilt lehren;
683
In dem er, wann du kömpst, den Haber bald verkaufft,
684
Und als er nichts mehr hat, hin auff die Statt zu laufft,
685
Darinnen Mietung sucht, er lernet kluge Sachen,
686
Zeucht Bürgerkleider an, kan sich behäglich machen
687
Und wird ein neuer Mensch. Gesetzet nun, daß du
688
Ihn und den Edelmann, den Bürger auch darzu,
689
Bringst an den Bettelstab, wie frey ist doch ein Leben,
690
Wann einer auff das Geld nicht mehr darff Achtung geben
691
Und wird der Bürde loß? Ein gar zu langes Kleyd
692
Beschweret nur den Leib, Gut ohne Mäßigkeit
693
Gemüte, Seel und Sinn. Der weise Crates merckte,
694
Daß Reichseyn nur die Lust zur faulen Unlust sterckte,
695
Warff alles in die See und sagte: Schwimme hin,
696
Damit du sehen magst, daß ich dein König bin
697
Und du der meine nicht. Diogenes im Faße
698
War reicher tausendtmal mit seinem Reichtumbhaße
699
Als Alexander selbst, die Weißheit war sein Geld,
700
Sein Krieg der Lasterstreit, sein Hauß die gantze Welt.

701
Nicht den, der viel besitzt, den soll man seelig nennen,
702
Der das, was Gott ihm schenckt, recht mit Vernunfft erkennen
703
Und Armut tragen kan und fürchtet Schand' und Spott,
704
Die er ihm selber macht, noch ärger als den Todt.
705
Ein guter armer Mann kan viel gesünder bleiben,
706
Als einer, dem sein Geld den Hunger muß vertreiben,
707
Der saufft, darmit er speyt, und speyt darmit er saufft.
708
Er ißet Saltz und Brodt, sein Tranck wird nicht gekaufft,
709
Sein Artzt ist die Natur. Verderbst du ihn durch Feuer,
710
Verbrennst ihm, was er hat, so ist er frey der Steuer,
711
Erlegt kein Schatzegeld, gibt keinen Brückenzoll,
712
Geht sicher auß und ein, wohin er wil und soll,
713
Scheut keinen Räuber nicht, kan auff der Strassen singen;
714
Im Fall er endlich auch der Erden eyteln Dingen
715
Soll wüntschen gute Nacht, so hat er freyen Sinn
716
Und gibet unbesorgt des Lebens Fackel hin,
717
Macht gar kein Testament, ist sicher, daß die Erben
718
Auß Zwietracht umb sein Gut einander nicht verderben,
719
Und speißt der Würmer Schar so herrlich und so satt
720
Als einer, der anjetzt viel Tonnen Goldes hat.

721
Diß Armseyn lehrest du; du weisest uns zur Tugend,
722
Du leytest auff Verstand das Alter und die Jugend
723
Und auff die Wachsamkeit, deß guten Nahtes Kind,
724
Die jetzt und immerfort in deinen Augen sind.
725
Wann deine Macht uns drückt, so lernen wir erkennen
726
Wer Freund ist, oder nur sich also pflegt zunennen
727
Und tregt geschminckte Gunst; dann mancher ist der Zeit
728
Und nit deß Freundes Freund, wie die Gelegenheit
729
Es etwan mit sich bringt. Du hast ein Land geziehret
730
Durch eines andern Geld, hast hier hinweg geführet
731
Und dorthin eingebracht. O Mars, o Mars August,
732
Vergönne doch ein mal uns Teutschen diese Lust,
733
Weil gleichwol diß und das in Brieffen ist verflogen
734
Und sonsten über Berg und Meer hinaus gezogen,
735
Vergönn' uns doch ein mal den lieben schönen Tag,
736
Das unser einer auch hergegen holen mag!
737
Ein Tausch der schadet nicht. Du machst die Welt zur Beute,
738
Durchwanderst Statt und Land, verwechselst ihre Leute
739
Und jagest auß und ein, wie wann die See ergrimmt
740
Und die betrübte Flut biß an die Wolcken klimmt
741
Die Wellen fort für fort einander weiter schlagen,
742
Und auff das Ufer zu mit schneller Hitze jagen
743
In ungezehlter Zahl. So mußte der Breton
744
Durch unsrer Anglen Zwang auß seinem Albion,
745
So hat der Langobard Italien verheeret,
746
Der Francke Gallien in Franckreich umbgekehret;
747
Der Hunn Pannonien zu Hungern ihm gemacht,
748
Der Gohte Spanien in seine Hand gebracht.

749
Du hast den Fichtenbaum zum ersten lassen hauen,
750
Hast unsern Muth gereitzt ein Holtzpferdt auff zu bauen,
751
Das Segel hoch zu ziehn, zu reisen durch den Wind,
752
Wo Meer und Todt von uns in gleicher Weite sind.
753
Wir steigen in das Schiff, in einen holen Balcken,
754
Der fleucht mit uns darvon, wie wann wir sehn den Falcken
755
So flüchtig als der Wind auß eines Berges Klufft
756
Auff eine Taube zu sich schwingen durch die Lufft.

757
Wo leytest du uns hin? Wir haben erst umbfahren
758
Der guten Hoffnung Haupt, beraubet ihrer Wahren
759
Die reiche Cefala, der Mondeninsel Frucht,
760
Ihr edles Sandalholtz, ihr Helffenbein gesucht,
761
Uns Goa recht gemacht, Malacca eingenommen,
762
Nicht weit von Sumatra, sind weiter nachmals kommen
763
An Sina reichen Strand, das Porcellanen schickt
764
Und auch Geschütze hat unnd auch die Bücher drückt.

765
Mehr, Diu haben wir (wo fast Cambaja lieget,
766
Das Kornhaus Indiens) und Ceylon obgesieget,
767
Es findet Bengal uns den hellen Diamant
768
Und Pegu den Rubin, hier wo umb Geld unnd Pfand
769
Ein Weib entlehnet wird. Darmit wir besser leben,
770
Muß Java Specerey, Muscat und Pfeffer geben
771
Unnd was für Sachen sonst die werthe Handelsstatt
772
Sein Bantam, umb den Strom der Sundenenge hatt.

773
Molucco und Tydor, Geloula und Tornate
774
(die Fünffte weiß ich nicht) erzeugen ihre Saate
775
Von Nägelinn für unß; von dannen kömpt uns zu
776
Der Sonnenvögel Schar, die niemals ihre Ruh
777
Vom Fliegen nehmen kan. Du hast uns eingegeben
778
West-Indien, o Mars, wo andre Leute leben
779
Und andre Laster sind, gewonnen eine Welt,
780
Die unsre Sitten nimpt und gibet uns ihr Geld.
781
Wir fuhren plötzlich an, dein schweres Ungeheuer
782
Die Stücke, gaben Plitz, die Schiffe speyten Feuer,
783
Das blaue Saltz erschrack, das arme Volck lieff fort
784
Und glaubte, daß die Schaar der Götter umb den Port
785
Sich sämptlich liße sehn. Columb hat ihm verbunden
786
Mit seiner neuen Welt die alte; hat gefunden
787
Jamaica, Borick und Cuba; hat bekandt
788
Cubagua gemacht, der Perlen edlen Strandt.
789
Ihm ist Americus, sein Schüler, nachgegangen,
790
Hat diß, was von ihm heißt, zu zwingen angefangen,
791
Dem Geitze Paß gemacht. Der kühne Magellan
792
Lieff weiter in die See, entdeckte seine Bahn
793
Die Nord und Süd vermengt. Nun kennen wir viel besser
794
Das Land Brasilien und seine Menschenfresser,
795
Als sie sich eben selbst. Wir wohnen in Peru,
796
Beherrschen Mexico, wir ziehn nach Chica zu,
797
Durch Chili schönes Feld wird unser Fuß gespüret;
798
Der Fluß Orenoque hat unsern Muth geführet
799
Biß in Guiana hin, hier wo die große Statt
800
Manoa liegen soll, die nicht ihrs gleichen hat.

801
Wir haben Thulen nicht die Lenge bleiben laßen
802
Das letzte Land der Welt, gefunden eine Gaßen
803
Durch Frost und dicke Nacht, sind kommen unverzagt
804
Wo Mon und Sonne sich noch nimmer hingewagt,
805
Und haben auffgedeckt Lycaons weißen Beeren
806
So niemals Wasser trinckt, der Thier uns müssen wehren,
807
Den Winter selbst bekriegt, wo Eyß an Meeres Stat,
808
Und Nebel für den Tag die kalte Herrschafft hat.

809
Gold, Silber, Würtze, Holtz unnd alles kanst du geben,
810
Und wenn du viel uns nimbst, so nimbst du uns das Leben,
811
Das keiner nicht behelt. Dann Pluto höret nicht,
812
Und würgten wir ihm gleich auff jedes Tagesliecht
813
Dreyhundert Ochsen ab. Ein König und ein Bauer
814
Hat gleiche Gunst bey ihm, wie freundlich oder sauer
815
Wir immer mögen sehn. Das Hauß, das Spiel, der Wein,
816
Die Freunde, Weib und Kind muß nur verlassen seyn,
817
Wann Zeit zu wandern ist. Es wird ein andrer erben,
818
Der dieses, was wir jetzt durch Müh und Noth erwerben,
819
Mit Lust verschwenden soll. Doch welcher sterben kan
820
In deiner Schlacht, o Mars, der stirbet als ein Mann.

821
Den Starcken bleibt der Ruhm; der soll warhafftig wissen,
822
So durch den Kampff sein Blut wil für sein Land vergießen,
823
Und schlegt behertzt den Feind, wie daß er Lob erwirbt
824
Der gantzen Bürgerschafft, er lebet oder stirbt.
825
Es muß gewaget seyn; ein Weibersinn fühlt Schmertzen,
826
Wann seine Stunde kömpt; für deinem grossen Hertzen
827
Weicht alle Furcht und Angst; dann wer zum Fechten geht,
828
Der weiß, daß solches Kraut in solchen Gärten steht.
829
Das Scheuen ist umbsonst; und woltest du gleich kriechen
830
In deiner Mutter Leib, das Pulver nicht zu riechen,
831
So tregt es doch nicht für. Diß ist des Lebens Zoll;
832
Wir haben einen Weg, den Jeder tretten soll,
833
Der zeitlich, jener spat; ist's weit vom Vatterlande,
834
Wer fraget was darnach? In einem frembden Sande
835
Ist auch gut Todt zu seyn. Der Himmel lieget mir
836
So lang, so breit und hoch von dortan als von hier.

837
O Vatter Enyal, o Rächer, zwey mal Rächer,
838
O Camul, o Gradiv, o Mars, du Mauerbrecher,
839
Du Blutgott, sey gegrüßt, und wo diß unser Land
840
Dir noch zu Hertzen geht, so wende deine Hand
841
Auff frembde Völcker hin. Ach gehe doch was leyser
842
Mit deinen Teutschen umb; verschaffe, daß der Keyser
843
Des Türcken Sieger sey, des Türcken, so der Macht,
844
Die jetzt sich selbst verzehrt, mit sicherm Hertzen lacht
845
Und ihre Wunden zehlt. Begleit' uns unser Eisen
846
Auff sein Bizantz hinzu, dem Hunde recht zu weisen,
847
Daß Teutschland doch nicht sey de langen Spieles satt
848
Und seine Krafft für ihn noch gantz beysammen hatt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Martin Opitz
(15971639)

* 23.12.1597 in Bolesławiec, † 20.08.1639 in Danzig

männlich, geb. Opitz

natürliche Todesursache | Pest

deutscher Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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