14. An H. David Müllern, über seiner Haußfrauen Marien Renischin Absterben

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Martin Opitz: 14. An H. David Müllern, über seiner Haußfrauen Marien Renischin Absterben (1618)

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Die Zeit, so wir verschliessen,
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Pflegt als ein Strom zu fliessen
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Der keinen Halt nicht weiß;
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Wann unser Maß ist kommen
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Das Gott uns hat genommen,
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So fehlt der Kräuter

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Kein Winden und kein Drehen,
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Kein Zehren, Angst und Flehen
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Befreyet mich und dich;
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Ist schon der Geist verflogen
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Und auß der Haut gezogen,
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Er kömpt nicht hinter sich.

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Diß hier das mein' und deine,
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Was Adern hat und Beine,
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Das muß verweset seyn;
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Der Tod streckt seine Hände
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An jedes Ort und Ende
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Und greifft uns allen ein.

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Der ersten Erden Scharen,
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So Gott am nechsten wahren,
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Die rasten längest schon,
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Ihr Samen, seine Kinder,
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Und Kindeskind nicht minder,
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Sind tausend mal darvon.

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Dein Tod ist schon erkohren
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Eh als du bist gebohren!
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Diß ist deß Lebens Pflicht.
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Wir können sonst in Sachen
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Uns kein Raitung machen,
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Das Sterben fehlet nicht.

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Kein Mensch kan ihm verheissen,
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Er wolle sich entreissen
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Auch nur auff einen Tag;
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Wann wir am besten blühen,
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Heißt er uns weiter ziehen,
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Dem nichts entkommen mag.

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Herr Müller, wer wil sagen,
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Ihr sollt nicht Kummer tragen,
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Der muß kein Mensch nicht seyn.
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Wer bey zertheiltem Hertzen
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Bleibt unberührt von Schmertzen
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Ist Stahl und Marmorstein.

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Die euer Liecht zu Morgen,
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Zu Abend eurer Sorgen
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Gewündschte Ruhstatt war,
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Die Lust, der Trost, das Leben,
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Die euch kundt' alles geben
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Ist hin zur meisten Schar.

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Ihr Lob, Zucht, Thun und Handel,
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Ihr unbefleckter Wandel
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Bleibt nur unabgemeyt;
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Diß ists, was sie von hinnen
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Mit sich hat nemen können,
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Die Ziehr der Erbarkeit.

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Euch hat sie hinterlassen
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Ein Leyd, ein Freudehassen
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Und eurer Heyrath Frucht,
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Das Bildnüß ihrer Tugend,
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Der Kinder zarte Jugend,
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So jetzt die Mutter sucht.

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Was wollt ihr euch beklagen
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Und von dem Tode sagen?
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Sie lebt in ihnen noch.
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Die Eh' ist zwar zertrieben,
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Jedennoch ist euch blieben
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Der Ehe süsses Joch.

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In diesem Bilde schauet
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Was Gott euch vor vertrauet
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Und jetzt genommen hat;
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Im Uebrigen bedencket,
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Daß er, der euch jetzt krencket
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Noch wisse Trost und Rath.

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Er hat ja Vatter-Sinnen,
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Die nichts als lieben können,
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Auch wann er zornig ist.
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Die Hoffnung denckt und schauet
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Auff den, der in sie bauet
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Und ihren Trost erkiest.

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Nach rauer Lufft und Regen,
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Nach Plitz und Donnerschlägen
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Kömpt heller Sonnenschein.
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Der Winter ist verjaget,
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Deß Mertzens Wärme saget,
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Jetzt werde Früling seyn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Martin Opitz
(15971639)

* 23.12.1597 in Bolesławiec, † 20.08.1639 in Danzig

männlich, geb. Opitz

natürliche Todesursache | Pest

deutscher Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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