11. Auff I. Fürstl. Gnaden, Frauen Annen Magdalenen, Hertzogin zu Münsterberg in Schlesien, zu Oelß, Leichbegängniß

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Martin Opitz: 11. Auff I. Fürstl. Gnaden, Frauen Annen Magdalenen, Hertzogin zu Münsterberg in Schlesien, zu Oelß, Leichbegängniß (1618)

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Wie wol doch wiederfähret
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Dem, dem zu solcher Zeit
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Sein Stündlein ist bescheret,
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Wann er der Völcker Streit,
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Den Lauff der Welt betrachtet,
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Und härtet seinen Sinn,
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Daß er den Tod nicht achtet,
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Läufft ihm entgegen hin.

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Der zu dem Städte-Brande
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Ein Christenhertze bringt
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Und nach dem Vatterlande,
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Da kein Feind einkömpt, ringt;
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Der deß Gebetes Stücke
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Pflantzt für die Himmelsstatt
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Und weichet nicht zurücke
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Biß er das Jawort hat.

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Er ist schon hier im Hertzen
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Der Lust und Freuden voll,
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Darzu kein Leyd noch Schmertzen
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Sich jemals dringen soll;
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Und wann es so weit kommen,
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Daß nun die Uhr ist auß,
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So wird er auffgenommen
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In seines Gottes Hauß.

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Da weydet sein Gemüte
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Sich mit der Göttligkeit,
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An derer Huld und Güte
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Es schon hieng für der Zeit;
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Da sieht er, wie die Kronen
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Und Scepter mißlich sind,
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Wie dieses, wo wir wohnen,
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Nichts sey als Rauch und Wind

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Du auch, du Liecht der Frauen,
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O Heldinn, Bild der Zucht,
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Wann du hast müssen schauen
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Der Freyheit schnöde Flucht,
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Die Zeit, in der wir leben,
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Der Dinge blinden Schein,
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So hast du dich ergeben
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Deß Lebens satt zu seyn.

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Du auch bist hin versetzet
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In ein solche Schar,
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Die sich mit dem ergetzet,
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Der bleibt und ist und war,
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Der dir hat angeleget
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Den Rock der Ewigkeit
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Der keine Hitze träget
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Und den kein Frost beschneyt,

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Du darffst nun nicht mehr fragen
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Was umb den schönen Rhein
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Sich etwann zugetragen,
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Der jetzt muß dienstbar seyn,
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Ob deinem Vatterlande
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Was Neues ist bestimpt,
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Ob an der Mosel Strande
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Ein frembdes Feuer glimmt.

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Du darffst nicht weiter sehen,
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Wie auff diß arme Land
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So wilde Stürme wehen
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Und dräuen Mord und Brand,
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Wie so viel werthe Fürsten
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Im Streiten untergehn,
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Wie wir nach Blute dürsten
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Nach Feind' und Freunde stehn.

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Wo durch deß Himmels Schwellen
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Ein Kummer jemals dringt,
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So jammert dich der Wellen,
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Der Flut, die uns umbringt,
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Deß Reiches, das verdirbet
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Durch Mißtreu, Haß und Wahn,
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Der Welt, die allzeit stirbet
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Und nie ersterben kan.

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Daß du bist weggenommen
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In jene grosse Statt,
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Ist von der Unschuld kommen,
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Die dich begleitet hat,
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Von Frömmigkeit, von Gaben
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Der Demut und Gedult,
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Die dir verliehen haben
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Der Leut' und Götter Huld.

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Du unerschöpfftes Wesen,
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Du Anfang sonder Zeit,
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Du hast dir außerlesen
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Der Fürstin Frömmigkeit,
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Sie in der Jugend Jahren
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Geführet zu dir ein,
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Das Leyd nicht zu erfahren,
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Das wir verdient allein.

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O Vatter, laß doch schwinden
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Der Waffen Ungemach;
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Du zürnest mit den Sünden
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Und gibst doch gütig nach;
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Nim an der Frommen Flehen,
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Setz' außer der Gefahr
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Und laß in Frieden sehen
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Statt, Feld, Herd und Altar.

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Gieb, daß der Trost deß Landes,
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Der Held, den du gesetzt
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In Leyd deß Witwerstandes,
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Doch werde sonst ergetzt,
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Laß gnädig umb ihn schweben
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Der Wolfarth süsse Ruh
103
Und setze seinem Leben
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Der Fürstinn Jahre zu.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Martin Opitz
(15971639)

* 23.12.1597 in Bolesławiec, † 20.08.1639 in Danzig

männlich, geb. Opitz

natürliche Todesursache | Pest

deutscher Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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