Ein Zweig von schöner Tugend

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Martin Opitz: Ein Zweig von schöner Tugend Titel entspricht 1. Vers(1618)

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Ein Zweig von schöner Tugend,
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Von einer edlen Art,
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Die Cron und Lust der Jugend,
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Sehr lieblich rein und zart,
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Stund prächtig und erhaben,
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So daß ihm nichts an Gaben
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Fast gleich gefunden ward.

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Was ist doch hier vollkommen?
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Wo herrscht das Glücke nicht?
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Der Blume ward genommen
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Deß Pflegers Hut und Pflicht.
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Er muste von der Erden,
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Und sie verweyset werden,
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Deß Landes Ziehr und Liecht.

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Sie steht doch und vertrauet
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Deß Himmels Gunst allein,
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Der freundlich auff sie schauet
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Und selbst ihr Trost wil seyn,
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Wil den Verlust ergäntzen,
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Und frölich sie begläntzen
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Durch eines Sternes Schein.

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Er blinckt mit güldnen Stralen,
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Der Stern von Mitternacht,
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Wie Phebus pflegt zu mahlen
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Der Wolcken blaue Tracht,
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Wie Luna, wann die Flammen
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In ihr sind rund beysammen,
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Das Firmament belacht.

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Der kalte Nortstern pfleget
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Der Schiffer Trost zu seyn,
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Wann Wind und Sturm sich reget,
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Reißt Mast und Segel ein;
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Den Stern, den wir hier meynen,
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Der sol und wil bescheinen
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Die liebste Blum allein.

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Wer lobt dich nach Genügen,
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O du gewündschte Nacht,
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Die du den Stern solst fügen
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Zu seiner Blumen Pracht?
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Hoch bist du, Stern, zu schätzen,
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Du, Zweig, kanst dich ergetzen,
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Dein Treuer Leitstern wacht.

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Es ist jetzt nicht von Nöhten,
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Daß bald der Tag anbricht,
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Vor tausent Morgenröhten
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Gläntzt dieses Sternes Liecht.
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Du, Blume, wirst nun grünen,
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Wann dich dein Stern beschienen;
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Die Wirckung fehlet nicht.

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Die milte Schoß der Erden
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Mag reichlich weit und breit
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Vom Monden trächtig werden
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Bey dieser Friedens-Zeit.
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Der Stern ist nur erschienen,
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Diß Blümlein zu bedienen
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Mit Krafft der Fruchtbarkeit.

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Stern, du wirst wachsen machen
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Die Blume recht und wol,
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Dein Stern muß dich bewachen,
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O Blume, wie er sol,
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Wann dieser Stern so stehet,
62
Und Thau das Feld durchgehet,
63
So wird die Rose voll.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Martin Opitz
(15971639)

* 23.12.1597 in Bolesławiec, † 20.08.1639 in Danzig

männlich, geb. Opitz

natürliche Todesursache | Pest

deutscher Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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