4. An Herrn David Müllern, über die Geburt seiner liebsten neuen Tochter

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Martin Opitz: 4. An Herrn David Müllern, über die Geburt seiner liebsten neuen Tochter (1618)

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Herr Müller gieng im Schertze
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Ein Wetten mit mir ein,
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Sein Trost und liebstes Hertze
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Brächt' ihm ein Töchterlein;
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Mein Urtheil war darwider
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Und rhiet' auff einen Sohn,
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Ich satzt' ihm meine Lieder,
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Er mir den Xenophon.
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Worauff er sey gegangen,
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Daß weiß ich warlich nicht,
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Ich sahe dieser Wangen
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Lebhasstes schönes Liecht
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Und glaubte, daß sie schreiben,
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Die Söhne machen roth;
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Nun muß es dabey bleiben,
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Ein Buch ist kein Gebot.
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Wiewol, was ist gefehlet,
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Weil doch ein Weibesbild
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Wird für ein Mensch gezehlet,
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Und auch nicht minder gilt?
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Wer anders schon wil sagen,
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Der kennt sich selber nicht;
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Dann Menschen Menschen tragen
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An dieses Tageliecht.
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Was rucken wir den Frauen
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Diß oder jenes für?
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Die Blumen auff den Auen
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Sind nicht von solcher Ziehr,
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Die Sonne, wann sie stralet
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Vom Mohrenlande her,
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Hat schöner nie gemahlet
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Das Land und breite Meer.
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Ein Mann der muß nur reysen,
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Ertragen Hitz und Frost,
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Muß ziehn durch Eyß und Eisen
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Bey schlechter Ruh und Kost,
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Muß bauen, Kriege führen,
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Steigt auff ein wildes Pferd,
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Wird mager beym studieren,
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Stirbt offtmals durch das Schwerd.
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Deß Frauenzimmers Jugend
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Wird sonder Sorgen groß,
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Erlernet Witz und Tugend
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In ihrer Mutter Schoß,
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Die sie mit Lust erziehen
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Biß zu derselben Zeit,
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Da sie auch lernen fliehen
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Die Last der Einsamkeit.
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Nun wachse, liebe Kleine,
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Sey deiner Eltern Ziehr,
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Brich künfftig mit dem Scheine
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Der edlen Zucht herfür;
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Gott lasse mich erfahren
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Den angenehmen Tag,
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Daß ich mit greisen Haaren
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Dein Brautlied schreiben mag.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Martin Opitz
(15971639)

* 23.12.1597 in Bolesławiec, † 20.08.1639 in Danzig

männlich, geb. Opitz

natürliche Todesursache | Pest

deutscher Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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