16. Beschluß-Elegie

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Martin Opitz: 16. Beschluß-Elegie (1618)

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Das blinde Liebeswerck, die süsse Gisst der Sinnen
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Und rechte Zauberey hat letzlich hier ein End';
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Es wird das lose Kind, so mich verführen können,
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Gott Lob, jetzt gantz und gar von mir hinweg gewendt.
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Nun suche, wo du wilt, dir anderwerts Poeten;
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Hier, Venus, hab' ich mir gesteckt mein eignes Ziel;
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Es ist mir deine Gunst jetzt weiter nicht von Nöthen;
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Ich haß' all' Eitelkeit, es liebe, wer da wil.
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Was meine schwache Hand vor dieser Zeit geschrieben,
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Durch deinen Geist geführt, das ist der Jugend Schuld.
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Ich werde weiter nicht von solcher Lust getrieben;
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Was dir gehässig ist, zu diesem trag' ich Huld.
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Wann Urtheil und Verstand bey mir zu Rathe sitzen,
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So hattest du mir zwar bethört den jungen Sinn,
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Jetzt seh' ich, daß dein Sohn sey ohne Wahn und Witzen,
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Du aber, Venus, selbst ein' edle Kuplerinn.
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Dein Wesen ist ein Marckt, da Leid wird feil getragen,
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Ein Winckel, da Verdruß und Wehmuth innen steht,
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Ein' Herberg' aller Noth, ein Siechhauß vieler Plagen,
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Ein Schiff der Pein, ein Meer, da Tugend untergeht.
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Wo soll die Schönheit seyn, wann alles wird vergehen,
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Die Lippen von Corall, diß Alabaster-Bild,
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Die Augen, so ihr seht gleich als zwo Sonnen stehen,
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Der rothe Rosenmund, der weissen Brüste Schild?
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Sie sollen, und wir auch, als Asch' und Staub entfliehen
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Und allzugleiche gehn den Weg der Eitelkeit:
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Pracht, Hoffart, Gut und Geld, umb das wir uns so mühen,
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Wird Wind und Flügel noch bekommen mit der Zeit.
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Ich laß' es alles stehn; das Ende meiner Jugend
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Und Frucht der Liebeslust beschließ' ich gantz hierein:
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Ein Werck, das höher ist, der Anfang meiner Tugend,
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Ob dieses gleich verdirbt, soll nimmer sterblich seyn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Martin Opitz
(15971639)

* 23.12.1597 in Bolesławiec, † 20.08.1639 in Danzig

männlich, geb. Opitz

natürliche Todesursache | Pest

deutscher Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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