Mein Nüßler, und ist diß dein Rath

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Martin Opitz: Mein Nüßler, und ist diß dein Rath Titel entspricht 1. Vers(1618)

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Mein Nüßler, und ist diß dein Rath,
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Ich sol die schnöde Wollust hassen
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Und die, so mich bethöret hat,
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Die schöne Flavia, verlassen?

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Sprich, sagst du, deine Musen an,
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Setz' an die Feder, das zu schreiben,
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Durch welches dein Gerüchte kan
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In Ewigkeit hernach bekleiben.

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Laß fahren, die zu wenig ist,
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Daß sie die viel gewünschten Sachen,
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Die du zu tichten auserkiest,
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Sol ganz und gar zu Wasser machen.

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Denk' an den Ruhm, den du nunmehr
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Bei großen Leuten hast erworben;
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Seit daß du liebst, ist schier die Ehr'
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In ihrer ersten Blüt' erstorben.

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War ist es, ich bin jetzund fast
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Der Bücher ärgster Todfeind worden,
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Nun Venus, die gewünschte Last,
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Mich wieder hat in ihrem Orden.

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Doch bin ich sehr in Zweifel noch,
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Ob auch des bloßen Lobes wegen
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Das Joch, das angenehme Joch,
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Sei ganz und gar hinweg zu legen.

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Dieweil ich kürzlich sol hernach
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Die lange Nacht vergraben liegen,
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Was hilft michs, durch viel Ungemach
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Und Müh ein' Hand voll Ehre kriegen?

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Kein Vers, wie künstlich er mag sein,
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Der kan mir jetzund Bürge werden,
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Man werde dieses mein Gebein
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Bedecken mit fein leichter Erden.

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Doch wol, laß meine Poesie
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Und was ich sonsten möchte schreiben,
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Als zu Ergetzung meiner Müh,
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Ein hundert Jahr' und lenger bleiben:

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Bin ich mehr als Anacreon,
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Als Stesichor, und Simonides,
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Als Antimachus, und Bion,
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Als Philet, oder Bacchylides?

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Ist aber dir dann nicht bekant
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Der Griechen schöne Zier im Tichten?
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Was sol nun diese meine Hand
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In deutscher Sprache können richten?

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Nein, nein, ich lobe meinen Sinn
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Und hoff', es sol mir auch gelingen,
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Daß das, worauf ich kommen bin,
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Noch möglich sei mir, zu vollbringen.

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Das dünkt mich gar viel besser sein,
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Als derer Fleiß, die nichts erwerben
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Durch ihre Reim' als leichten Schein,
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Und doch für Hunger kaum nicht sterben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Martin Opitz
(15971639)

* 23.12.1597 in Bolesławiec, † 20.08.1639 in Danzig

männlich, geb. Opitz

natürliche Todesursache | Pest

deutscher Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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