[18.]

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Martin Opitz: [18.] (1618)

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O du Gott der süßen Schmerzen,
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Warum, daß man dich so blind
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Ueberall gemalet findt?
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Ich befind' es nicht im Herzen.
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Nun, du habest kein Gesicht?
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Ich und niemand glaubt es nicht.

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Siehstu nicht, wie kanstu wissen,
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Wo dein Pfeil hinfliegen sol?
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Blinde sehen sonst nicht wol;
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Du kanst ziemlich grade schießen.
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Nun, du habest kein Gesicht?
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Ich und niemand glaubt es nicht.

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Die in dicke Püsche ziehen
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Und in wüsten Wäldern sein,
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Können doch der Liebes Pein
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Und dem Bogen nicht entfliehen.
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Nun, du habest kein Gesicht?
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Ich und niemand glaubt es nicht.

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Die das weite Meer durchjagen,
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Müssen fühlen deine Stärk';
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Ist das solcher Leute Werk?
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Heißt das blind sein? recht zu sagen:
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Nun, du habest kein Gesicht?
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Ich und niemand glaubt es nicht.

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Giengst du nicht die enge Straßen
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In das himmlische Gebäu,
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Unbegleitet ohne Scheu,
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Dorftest Jupiter anfassen?
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Nun, du habest kein Gesicht?
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Ich und niemand glaubt es nicht.

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Kontest du den Pluto finden,
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Stiegest in der Hellen Schlund,
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Dorftest dich auf seinem Grund
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Ihn zu schießen unterwinden?
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Nun, du habest kein Gesicht?
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Ich und niemand glaubt es nicht.

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Du wilst keine Klage kennen,
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Keine Bitte nimstu an,
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Alles ist umsonst gethan;
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Blinde sind, die dich blind nennen;
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Dieses geht mir besser ein,
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Daß du trefflich taub must sein.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Martin Opitz
(15971639)

* 23.12.1597 in Bolesławiec, † 20.08.1639 in Danzig

männlich, geb. Opitz

natürliche Todesursache | Pest

deutscher Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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