13.

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Martin Opitz: 13. (1618)

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Derselbe, welcher diese Nacht
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Erst hat sein Leben hingebracht,
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Ist eben auch wie die gestorben,
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Die längst zuvor verbliechen seyn,
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Und derer Leichnam und Gebein
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Vor tausend Jahren sind verdorben.

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Der Mensch stirbt zeitlich oder spat,
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So bald er nur gesegnet hat,
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So wird er in den Sand versencket
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Und legt sich zu der langen Rhu.
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Wann Ohr und Auge schon ist zu,
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Wer ist, der an die Welt gedencket?

13
Die Seele doch allein und bloß
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Fleugt, wann sie wird deß Cörpers loß,
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Zum Himmel, da sie her geführet.
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Was diesen schnöden Leib betrifft,
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Wird nichts an ihm als Stanck und Gifft,
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Wie schön er vormals war, gespühret.

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Es ist in ihm kein Geist mehr nicht,
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Das Fleisch fellt weg, die Haut verbricht,
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Ein jeglig Haar das muß verstieben;
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Und, was ich achte mehr zu seyn,
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Diejenige kömpt keinem ein,
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Die er für allem pflag zu lieben.

25
Der Tod begehrt nichts umb und an;
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Drumb, weil ich jetzt noch wüntschen kan,
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So wil ich mir nur einig wehlen
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Gesunden Leib und rechten Sinn;
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Hernachmals, wann ich kalt schon bin,
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Da will ich Gott den Rest befehlen.

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Homerus, Sappho, Pindarus, Anacreon, Hesiodus
32
Und andere sind ohne Sorgen,
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Man red' jetzt auff sie, was man wil;
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So, sagt man nun gleich von mir viel,
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Wer weiß, geschieht es übermorgen.

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Wo dient das Wüntschen aber zu,
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Als das ein Mensch ohn alle Rhu
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Sich Tag und Nacht nur selbst verzehret?
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Wer wündschet, kränckt sich jederzeit;
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Wer todt ist, ist ohn alles Leid.
41
O, wohl dem, der nichts mehr begehret!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Martin Opitz
(15971639)

* 23.12.1597 in Bolesławiec, † 20.08.1639 in Danzig

männlich, geb. Opitz

natürliche Todesursache | Pest

deutscher Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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