8. Nachtklage

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Martin Opitz: 8. Nachtklage (1618)

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Jetzt blicken durch deß Himmels Saal
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Die güldnen Sternen allzumal,
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Ich bin ohn' Hoffnung gantz allein,
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Ich wach', und Andre schlaffen ein.

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Du, Jungfrau, liegest in der Rhu
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Und hast die stoltzen Augen zu;
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Du bläsest durch den rothen Mundt
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Das süsse Gifft, so mich verwundt.

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Du denckest nicht an meine Noth,
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Noch an den süssen Liebesgott,
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Der mein Gemüt' und Sinn hat bracht
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In deine Hand und grosse Macht.

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Ich lieg' an deiner tauben Thür,
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Ob ich doch möge kommen für
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Und diesen unbewegten Sinn
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Durch meine Bitte zu mir ziehn.

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Was sonst bey Tag' irrt hin und her,
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Die schnellen Fisch' und auch ihr Meer,
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Sind sicher, geben sich zu Rhu,
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Ich bringe nur kein Auge zu.

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Die Threnen ruff' ich Zeugen an
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Damit ich dich nicht zwingen kan,
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Die Threnen, so ich dir zur Schand'
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Hier laß' als meiner Liebe Pfand.

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Ein jeglichs Ding hat seine Zeit;
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Wann es gefroren und geschneyt,
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Macht sich der Westwind auff die Bahn,
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Legt allem neue Kleider an.

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Das eine fellt, das andre steht;
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Wann Phebus auff die Wache geht
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Weicht Luna weg; will sie entstehn,
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Muß Phebus dann zu Bette gehn.

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Es geht doch alles nach Gebühr;
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Zwey Dinge bleiben für und für;
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Dein harter Sinn und meine Pein
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Die musten gantz unendlich seyn.

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Die Ursach ist mein treuer Sinn,
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Weil ich beständig bey dir bin
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Und liebe dich noch diesen Tag
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So sehr als ich vor lengst schon pflag.

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Ich bin kein Schiff nicht in der See,
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Das nach deß Windes Wellen geh;
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Ich halt' allein bey dir fest' an
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Mit Glauben, der nicht wancken kan.

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Und diß ist, Jungfrau, meine Schuld.
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Wolan, ich gehe mit Gedult
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Und such' ein Ende meiner Pein;
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Ich will dir nicht beschwerlich seyn.

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Gehab dich wol, ich scheid' jetzt ab,
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Gehab dich wol, ich eil' ins Grab.
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Nimb meine Seel' allein und bloß
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Zu dir in deine zarte Schoß.

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Sonst wird sie Venus auff dem Wagn
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So hoch als Sonn' und Monde tragn;
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Sonst wird mein' arme Seele stehn,
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Wo jetzund die Gestirn' auffgehn.

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Die Sternen umb deß Himmels Feldt,
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So nächtlich leuchten aller Welt,
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Die waren Buhler vor der Zeit,
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Jetzt stehen sie von Noth befreyt.

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Sie stehn und haben fleissig Acht,
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Was Pein mir wird von dir gemacht;
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Durch sie erfehrts der Venus Sohn,
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Der wird dir geben rechten Lohn.

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Die Namen werden auffgesetzt;
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Wer denn mit Zehren sich genetzt
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Am meisten auff der Welt allhier,
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Den zeucht man Andern dorte für.

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Die beste Stell' ist wol für mich,
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Drumb sterb' ich jetzund williglich;
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Da wil ich seyn dein höchster Spott,
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Die du mich bringest in den Todt.

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Ich gehe nun und laß' allhier
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Die heissen Threnen vor der Thür;
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Doch soll ich fort, denck' auch vorhin,
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Ob ich des Todtes schuldig bin.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Martin Opitz
(15971639)

* 23.12.1597 in Bolesławiec, † 20.08.1639 in Danzig

männlich, geb. Opitz

natürliche Todesursache | Pest

deutscher Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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