Christliches Sterblied

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Johann Röling: Christliches Sterblied (1656)

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Mein End' ist, liebster Jesu, hier,
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Ich sehe deinen Knecht vor mir,
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Den Tod, mich zu dir abzuholen;
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Ich bin vergnügt mit diesem Schluß,
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Da ich, auch wolt ich ungern, muß,
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Wenn du, mein Herr, es ihm befohlen;
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Nun kannst du mich so gern nicht sehn,
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Als mich verlangt, zu dir zu gehn.

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Mein Geist ist her aus deiner Hand
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Und deinem ew'gen Licht verwandt;
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Der Leib, womit du ihn umgeben,
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Ist mehr sein Kerker als sein Haus;
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Wie wollt' ich nicht hier gern heraus
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Und bei dir, meinem Schöpfer, leben,
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Wo meine liebe Vaterstadt
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Und meine Seel' ihr Sitzthum hat?

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Du bist mein Haupt und ich dein Glied,
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Wo du hingehst, da folg' ich mit,
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Du hast zur Erden dich begeben,
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Daß mein der Himmel möchte sein,
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Du gingst ins Grab und Höllen ein,
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Auf daß ich ewig möchte leben;
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Sollt' ich nicht gerne sein um dich,
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Da du so viel gethan für mich?

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Dein heil'ges Mahl, dein Leib und Blut,
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Das du mir angericht zu gut,
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Hab' ich zum öftern hier genossen;
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So hast du dich vereint mit mir
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Und ist dein Leben ganz von dir,
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Herr, meinem Leben eingeflossen,
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Daß du, mein Heiland, mein, ich dein,
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Und wir dies ewig sollen sein.

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Drauf geh' ich fröhlich in das Grab
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Und lege hier mein Sterbkleid ab,
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Um seelig mit dir aufzustehen.
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Es fall' und faule mein Gebein,
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So muß ich erst geläutert sein,
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Soll ich mit dir zum Himmel gehen
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Und ziehen deinen Heilsrock an,
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Den mir dein Leiden angethan.

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Ach süsse Hoffnung, schöne Lust,
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Womit du, Jesu, meine Brust
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Und ganzes Herze hast erfüllet!
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Komm', lieber Tod, o meine Ruh',
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Und drücke mir die Augen zu,
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Die nur ihr Heil zu sehn gewillet;
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Ich bin ja nunmehr nicht mehr mein,
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Um meines Heilands ganz zu sein.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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