Sterblied

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Johann Röling: Sterblied (1656)

1
Wol dem, der sich der Welt entschlägt,
2
Stets seinen Gott im Herzen trägt
3
Und immer auf den Himmel siehet,
4
Nichts denket, als die Ewigkeit,
5
Nichts sorget, als wie er bereit
6
Mag sein, wenn er von hinnen ziehet,
7
Und so ohn' Schein und in der That
8
Den Namen des Gerechten hat.

9
Der lebt erst dann recht, wenn er stirbt,
10
Und grünt hervor, wenn er verdirbt.
11
Hat er viel Müh' und Noth erlitten,
12
Mit Angst und Pein die Zeit verbracht
13
Und mit der Höll' und Sündenmacht
14
Bis an die Seele stets gestritten,
15
So ist der Höchste dort und hier
16
Ihm ein sehr großer Lohn dafür.

17
Der sorget für ihn früh und spat,
18
Erhält ihn auf der Unschuld Pfad
19
Und führt ihn fröhlich von der Erden
20
Hinauf, vor sich und seinen Thron,
21
Da, wo ihm eine schöne Kron'
22
Und überherrlichs Reich muß werden,
23
Drin er mit unbeschriebnen Schein
24
Wird ewig Herr und König sein.

25
Ist sonst was groß, dies übersehr,
26
Ist sonst was reich, dies weit viel mehr,
27
Ist sonst was süß, dies ist das Süßte,
28
Ist prächtig was, dem gleicht es nicht,
29
Ist schön was, hier ist göttlichs Licht,
30
Ist stark was, dies ist das Gewißte,
31
Ja aller Welt Gut, Ehr' und Glück
32
Gleicht nichtes dem geringsten Stück.

33
O Wonne, die kein Ohr gehört,
34
O Freude, die kein Mund gelehrt,
35
O Wollust, die kein Herz vernommen,
36
Wie seelig ist, der sie erwägt
37
Und immer in den Augen trägt,
38
Noch seel'ger, der sie soll bekommen;
39
Der seeligst' ist, der sie schon itzt
40
Ohn' ferner Sorg' und Kreuz besitzt.

41
Gieb, liebster Schöpfer, o mein Licht,
42
Mein ein'ger Trost und Zuversicht,
43
Gieb, daß auch ich hier mag so leben,
44
Daß mir mein Tod nicht schaden mag
45
Und daß ich wachsam Nacht und Tag
46
Durch dich nach dir stets möge streben.
47
Dein Lohn wird zwar in's Künft'ge mein,
48
Doch das Verdienst bleibt dein allein.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent
Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.