Nicht so eifrig, meine Seele

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Johann Röling: Nicht so eifrig, meine Seele Titel entspricht 1. Vers(1656)

1
Nicht so eifrig, meine Seele,
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Du und deine schwache Höhle
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Fället euch so vor der Zeit.
4
Wenn die Biene wen gestochen
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Und den Stachel hat gebrochen,
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Ist ihr Ende selbst nicht weit.

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Durch den Honig sanffter Güte
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Gleicht dem Himmel das Gemüthe,
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Der auch Bösen Gutes thut;
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Durch des Zorns gereitzte Flammen
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Ziehn wir über uns zusammen
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Gottes und der Höllen Glut.

13
Mein, spricht der, ist nur die Rache,
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Mir befehle deine Sache;
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Was denn greiffest du ihm ein?
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Er ist unser Aller Richter,
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Er muß unsers Streites Schlichter
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Auch bey unserm Rechte seyn.

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Denk, wie offt du dich verbrochen,
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Da er sich nicht hat gerochen,
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Und so thut er stündlich dir,
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Schenket dir zu tausend Pfunden,
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Und du hälst dich nicht verbunden,
24
Daß du Groschen gebst dafür.

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Fürchte, daß mit selber Maße
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Er dir wieder meßen laße,
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Die zur Außgab deine Lust,
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Denn du selbst willst dieses eben,
29
Wenn du bittst, dir zu vergeben,
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So, wie du dem Nechsten thust.

31
Rachgier treibt geringe Geister
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Und die selbst nicht ihrer Meister;
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Sanfftmuth wohnt in Helden-Muth,
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Der den Hohn weit übersteiget
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Und durch Lieb' und Gunst den beuget,
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Der ihm Schmach und Unrecht thut.

37
Geht dir dies noch nicht zu Hertzen
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Ach, so sieh in seinen Schmertzen
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Deinen frommen Heyland an;
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Nicht schalt er, wie er verachtet,
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Wie ein Schaaff ward er geschlachtet,
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Das den Mund nicht auffgethan.

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Schäfflein sind wir seiner Weide,
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Schäfflein nehmen seine Freude,
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Die er uns beschieden, ein,
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Wo sie nun das Lamm her prangen;
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Wilstu hieher auch gelangen,
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Mustu ihnen ähnlich seyn.

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Wölffe, welche die zerreißen,
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Hunde, die sich allzeit beißen,
51
Bären, die ergrimmt aussehn,
52
Böcke, die sich stoßen gerne,
53
Diese heißt er von sich ferne
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In den finstern Abgrund gehn.

55
Jesu, Vorbild aller Liebe,
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Wenn ich hie dein Abdruck bliebe!
57
Ach, auch ich entbrenne sehr,
58
Auch ein Wort, das ungleich fället,
59
Machet offt mich so entstellet,
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Als wenn ich ein Land verlör.

61
Füll mein Hertz mit deiner Güte,
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Kühl das siedende Geblüte,
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Leg des leichten Sinnes Loh,
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Laß mein Wort, Werk und Geberden
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Alle deiner Huld voll werden
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Und thu meinem Feind' auch so.

67
Wird mir wer zu nahe treten,
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Herr, so will ich zu dir beten,
69
Dieses laße Kohlen seyn
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Die sein Unrecht ihm vergelten;
71
Mich laß zürnen, mich laß schelten
72
Über meine Sünd' allein.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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