Bußlied

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Johann Röling: Bußlied (1656)

1
Ich kehr', o Gott der Gnaden,
2
Mich wiederum zu dir,
3
Der Schuld mich zu entladen,
4
Die dich getrennt von mir;
5
Ach, Vater, hör mich doch,
6
Wenn du mich würdst verschmähen,
7
So müst' ich untergehen
8
In diesem schweren Joch.

9
Zwar hab' ichs nicht verdienet,
10
Daß du mehr gnädig seyst,
11
Weil ich, wenn du versühnet,
12
Dich niemals recht gepreyst;
13
Viel wenger mich ergetzt,
14
Da ich mich beßern möchte,
15
Noch daß ich deine Rechte
16
Mir hertzlich vorgesetzt.

17
Was aber willstu machen
18
Mit einem armen Knecht?
19
Sprächst du in meiner Sachen,
20
So führ' ich mehr als schlecht.
21
Ach Gott, erbarm dich mein,
22
Ich hab' es ja geerbet,
23
Daß ich gantz bin verderbet,
24
Wie kan ich beßer seyn?

25
Will gleich der Geist das Gute,
26
So folgt das Fleisch doch nicht,
27
Ich bin in meinem Muthe
28
Offt gantz zu dir gericht.
29
Ach aber, ach, wie leicht
30
Werd', Herr, ich von der Erden
31
Mit Lüsten und Beschwerden
32
Von deinem Dienst gescheucht.

33
Erleb' ich gute Tage,
34
So reitzet mich mein Blut,
35
Quält mich des Kreutzes Plage,
36
So fällt mir fort der Muth.
37
Sieh, Gott, was mir gebricht,
38
Es falle, wie es wolle,
39
So thu ich, was ich solle,
40
Doch das Geringste nicht.

41
Dies geht mir so zu Hertzen,
42
Daß ich für Reu und Leid,
43
Für Angst und Seelen-Schmertzen
44
Nicht von der Höllen weit;
45
Ja, wäre nicht dein Wort,
46
So müst' ich ganz verzagen
47
Und gleich dem Kain klagen,
48
Du treibst ohn Trost mich fort.

49
Nun hastu ja geschworen
50
Auß großer Lieb' und Huld,
51
Daß Keiner sey verloren
52
Von wegen seiner Schuld,
53
Der sich bekehrt zu dir;
54
Auff diese deine Treue
55
Bitt' ich in wahrer Reue,
56
Verzeih, mein Schöpffer, mir.

57
Schon' Herr, ach schone meiner,
58
Ja, schon', o Menschen-Freund,
59
Nicht minder selber deiner:
60
Denn wie kanst du mein Feind
61
Ohn deinen Schaden seyn,
62
Da du auß deinem Leben
63
Mir hast den Geist gegeben,
64
Ist auch mein Fall ja dein?

65
Bestehstu denn, daß Sünde
66
Nicht gut ohn Straffe thu,
67
So siehe deinem Kinde
68
In seiner Marter zu:
69
Das fromme Schäffelein
70
Hat so viel Pein und Plagen
71
Biß auff den Tod ertragen,
72
Daß ich frey möchte seyn.

73
In dem kan ich dir zahlen,
74
All was ich mißgethan,
75
In dem nimm mich nochmalen
76
Zu Gnaden wieder an
77
Und sey mir stets zur Seit;
78
Denn ohn dich ist vergebens
79
Die Besserung des Lebens
80
Bey so verboster Zeit.

81
Wenn denn auch meine Tage
82
Geendet ihren Schein,
83
So laß die Niederlage
84
Doch sanfft und seelig seyn;
85
Es mag mir hie ergehen,
86
So hart es immer wolle,
87
Wenn ich, mein Gott, dich solle
88
In deiner Freude sehn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent
Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.