Von der siegreichen Aufferstehung Jesu Christi

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Johann Röling: Von der siegreichen Aufferstehung Jesu Christi (1656)

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So lebstu, Jesu, gleichwol noch
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Und hast das kurtze Todes-Joch
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Mit Ehren unter dich getreten?
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Es legte dich das fromme Paar
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Mit vielen Thränen auff die Baar,
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Von deinen Feinden loßgebeten,
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Und senkte dich ins harte Grab
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Fast ohne Trost und Hoffnung ab.

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Wie jauchtzte doch die Hölle da,
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Als sie dich so gefangen sah,
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Wie dreute Satan deinen Schafen,
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Da er den Hirten hatt' erlegt!
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Der Himmel selbst stand unbewegt,
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Da du, sein Führer, eingeschlafen,
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Und dieses große Gantz' erbebt,
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Als sein Erhalter überlebt.

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Sieh aber, wie das Blatt sich wendt;
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Kaum ist der andre Tag geendt,
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So brichstu dich auß deinen Banden,
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Eröffnest dein verschloßnes Grab,
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Fuhrst wie ein Sieger Höllen-ab
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Und machst ihr gantzes Heer zu Schanden.
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Ach Jesu, ein Triumph und Streit,
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Dem keiner gleichet bey der Zeit.

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Es kamen deine Freund' herbey
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Und brachten mit sich Specerey
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Zu salben ihren lieben Todten;
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In dem bricht Blitz und Bebung ein
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Und weltzt vom Grabe weg den Stein,
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Zugleich sind da die Sternen-Boten,
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Die zeigen Stell' und Leinen für
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Und sagen, daß du nicht mehr hier.

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Des Himmels Licht war nicht empor,
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So kömmstu, ew'ge Sonn', hervor
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Und führest hinter dir gefangen
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Die überstrebte Sünden-Nacht
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Und aller deiner Feinde Macht;
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Mit was für hertzlichem Verlangen,
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Mit was für Freuden, theurer Held,
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Wirst du uns also vorgestellt!

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Der Kampff, die Angst, der Hohn war dein,
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Der Sieg, der Nutz, die Ehr' ist mein;
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Nicht hastu dir nicht überwunden,
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Ich und wir All, die du befreyt,
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Wir theilen uns die schöne Beut'
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Und freuen uns der harten Stunden,
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Da du die auffgebürdte Last
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Biß auff das Blut getragen hast.

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Der Himmel war vorher schon dein,
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Nur daß er unser möchte seyn,
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Weil wir in Eden ihn verloren,
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So warbstu ihn mit dem Beschwer.
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Der Tod, die Höll' und all' ihr Heer
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Hat dir ohn das die Pflicht geschworen,
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Nur weil sie uns stets obgesiegt
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Hierum hast du sie, Herr, bekriegt.

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Du bist nun wiederum erhöht
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In deiner ewgen Majestät;
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Wer kan die Länge deines Lebens
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Und alle deine Herrlichkeit
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Von uns ermeßen bey der Zeit?
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Ach Jesu, dies ist nicht vergebens,
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Wir haben auch, erwünschtes Heyl,
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An solchen Ehren unser Theil.

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Du bist das Haupt, die Glieder wir,
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Wohin du, Herr, uns gehest für,
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Da müßen wir uns hinbegeben;
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Wir trincken auch den sauren Bach,
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Daher nach allem Ungemach
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Wir unser Haupt nach dir erheben
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Und dein hochheiligs Sieges-Kleid
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Anziehen bey der Ewigkeit.

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Ach, gib uns hie nur deinen Geist,
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Der uns zur rechten Bahn anweist,
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Auff welcher wir dir folgen mögen;
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Wir sind gantz todt in unsrer Schuld,
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Erheb' uns du durch deine Huld,
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Auff daß wir uns nicht widerlegen,
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Ohn deiner Beyhülff stehn wir All
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Nicht anders, als auff steten Fall.

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Thut sich die Welt denn wo herfür
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Und sucht den Adam noch in mir,
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So laß mein Hertz die Antwort geben,
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Er sey erstanden und nicht hier,
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Gleich, liebster ander Adam, dir,
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Ich sey nicht todt, ich sey im Leben,
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Im Leben, welches ich zur Gnüg
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Auß deinem süßen Tode krieg.

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Den traurigen Unglaubens-Stein
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Weltz du von meines Hertzens Schrein,
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Die Tücher aller Zeitlichkeiten
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Leg, wenn ich auffersteh, bey Seit
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Und laß das weiße Himmels-Kleid,
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Drinn deine Diener dich begleiten,
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Das mir dein Blut hat angethan,
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Mich stets allein behalten an.

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Schreckt dennoch hie der Satan mich,
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So zeig mir, mein Erlöser, dich
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Und heiß mich gutes Muthes leben;
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Stellt sich mir meine Sünde für,
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So sprich, Herr: Friede sey mit dir,
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Ich habe sie dir schon vergeben.
103
Und bleibt dennoch die Furcht bey mir,
104
So zeig mir deine Wunden für.

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Wie aber ehr', o Jesu, ich,
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Für diese große Gnade dich?
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Du darffst hie keiner Specereyen,
108
Du lebst, du darffst der Salbung nicht;
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Ach Herr, ich will mein Lob-Gedicht
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Dir biß ans Grab dafür verleihen,
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Verschmähe doch nicht solche Gab',
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Indem ich nichtes Beßers hab.

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Es klingt annoch zwar mehr als schlecht;
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Was kan ich armer Sünden-Knecht
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Doch bey der Erden Gutes geben?
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Zieh die mir, Jesu, durch dein Grab,
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Zieh die nach meinem Wunsch mir ab
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Und bringe mich zu deinem Leben
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Und höre denn geneiget an
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Mas ein dankbarer Tichter kan.

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Am dritten Tag erstundest du,
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Der Tag des Leidens und der Ruh,
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Die beiden müßen vorher gehen.
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Mein Leidens-Tag quält wohl mich ab,
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Den Ruhe-Tag giebt mir das Grab,
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Den ich ohn Fäule nicht kan sehen;
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Ach, gib, daß eins mein Oster-Tag
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Mich desto mehr erfreuen mag.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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