Über das Kreutz Christi

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Johann Röling: Über das Kreutz Christi (1656)

1
O seligs Holz, o heilger Stamm,
2
Daran du, liebster Bräutigam,
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Für deine Braut wirst angeschlagen!
4
Kommt her, ihr Töchter auß Zion,
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Und sehet, was des Höchsten Sohn
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Für unsre Liebe muß ertragen.

7
Ach, unser traurigs Erb-Beschwer
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Rührt von dem Baum des Todes her,
9
Den unser Vater hat geschmecket;
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Schaut hie den Baum des Lebens an,
11
Was unter jenem mißgethan,
12
Wird unter diesem gantz verdecket.

13
Laufft zu, die ihr das Leben sucht,
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Und schmeckt, wie süß doch dessen Frucht,
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Das Sternen-Brodt, des Himmels-Quelle,
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Der ewge Schatz, das höchste Gut,
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Selbst Gottes wahrer Leib und Blut,
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Dein Schöpffer vor, itzt dein Geselle.

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Ach, kostet diese Wunder-Frücht',
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Kein Cherub treibt davon mehr nicht,
21
Der Garten ist nicht mehr umgraben,
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Er stehet frey im freyen Feld',
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Auff daß dazu die gantze Welt
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Mag ihren freyen Zugang haben.

25
O werthes Kreutz, o unsre Freud'
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In allem unserm Kreutz und Leid'!
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Ist wer, den seine Sünden plagen?
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Hieher und hol dein' Artzeney,
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Die Handschrifft, sieh, ist hie entzwey
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Und durchgestrichen angeschlagen.

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Wird wer noch durch den Tod bewegt?
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Dies ist das Speer, das ihn erlegt,
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Die Baar, darauff er außgetragen.
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Schreckt wen der Höllen Ungemach?
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Dies ist die Keul, die sie zerbrach
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Und die ihr gantzes Heer geschlagen.

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Daß nicht der Himmel auff uns fällt,
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Ist dies die Stütze, die ihn hält,
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Und daß kein Fluch die Erde drücke,
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Wird dieser benedeyte Stamm,
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Von dem sie ihren Ursprung nam,
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Ihr eingepflantzt, der sie erquicke.

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Sprecht nicht, daß er verdorret sey;
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Was uns den Wachsthum bringet bey,
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Kan man kein dürres Holtz nicht nennen,
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Ach nein, daß unsre Wolfahrt blüht
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Und in uns gute Frücht' erzieht,
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Muß hieher seinen Safft erkennen.

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Bringt Palmen, bringet Oelzweig her,
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Zu dieses lieben Kreutzes Ehr,
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Die Oelzweig' als der Gnaden Pflantze,
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Die Palmen des erhaltnen Streits
53
Die schicken recht sich beyderseits
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Zu dessen außerwehltem Krantze.

55
Ach, meine Lieb- und Lust-Begier
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Ist gantz gekreutziget in mir,
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Da, Jesu, du gekreutzigt worden,
58
Ich such' auch nichts mehr bey der Welt;
59
Der Orden, welcher mir gefällt,
60
Ist nur allein des Kreutzes Orden.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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