Über den Himmel

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Johann Röling: Über den Himmel (1656)

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Süsser Himmel, heilger Heerd
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Gottes Pracht-Hauß, Engel-Wohnung,
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Aller Frommen End-Belohnung,
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Denk, wie mir zu Muthe werd,
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Wenn ich deine schöne Höh
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Aus der Erden Grufft anseh.

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Deine Stern und was sonst dein,
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Bleiben immer frisch und munter;
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Ihr geht auff und wieder unter,
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Ihr verwechselt Nacht und Schein,
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Und es fehlt je Keinem ichts,
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Auch an dem geringsten nichts.

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Ach, auch ich war gleich wie ihr
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Und wie eure reinen Geister,
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Unser hocherhabner Meister
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Ließ euch stehn und war bey mir,
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Euch hat er zum Sitz erwählt,
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Mich mit seinem Bild beseelt.

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So ging ich euch noch weit für;
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Aber, o den schnöden Bissen,
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Der uns diesen Schatz entrissen,
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Weg ist alle meine Zier,
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Für des Höchsten Conterfeyt
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Nahm ich an ein Feigen-Kleid.

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Was für Sorge, Müh' und Pein
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Hat mich gleich hiemit umgeben,
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Immer sterben ist mein Leben!
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Himmel, du bleibst dennoch mein,
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Wenn die Erde mich vertreibt,
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Werd' ich dir doch einverleibt.

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Dies hat mir durch theuren Kauff
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Er, dein Erb-Printz, neu erworben;
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Da er ist für mich gestorben
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Schloß er mir dich wieder auff,
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Und daß ich nicht irrte hier,
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Macht' er selber sich zur Thür.

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Wie lockt dies zu dir mich ein,
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Mehr noch, wenn du scheinst zu winken,
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Denn was kan der Sternen Blinken
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Anders doch, als dieses seyn?
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Und was thustu immermehr,
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Das mich nicht zu dir stets kehr?

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Donnerst du und schreckest mich,
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Was heist eh zu dir mich gehen?
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Bistu unbewolkt zu sehen,
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So verlieb' ich mich in dich,
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Regnest, thaust und schneiest du,
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Fällt dein Gut mir, sag' ich, zu.

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Also hab' ich allezeit
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Das mich auff zu dir muß heben,
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Doch noch mehr nach dem heist streben,
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Der mir dies durch dich bereit.
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Herrlich bistu, was du bist;
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Was ist der, durch den dies ist?

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Außerwehltes, seelges Zelt,
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Laß mich so mit dir stets sprechen
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Und auß mir zu dir mich brechen;
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Auch wie köstlich, daß die Welt,
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Gibt sie nichts, als Müh' und Pein,
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Soll sie uns nicht schädlich seyn.

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Knirsch mit steter Reu mich hier
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Und mach mich so weich und mürbe;
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Würd' ich nicht zu Asch' und stürbe,
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Käm' ich Träger nicht zu dir.
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Denn wie steigt sonst auf die Erd',
66
Als wenn sie in Staub verkehrt?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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