Wilstu, daß dein Thun und Sinnen

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Johann Röling: Wilstu, daß dein Thun und Sinnen Titel entspricht 1. Vers(1656)

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Wilstu, daß dein Thun und Sinnen
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Soll erwünschten Gang gewinnen,
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Stell es erst mit Gott in Rath;
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Heist es der, so wird es gehen,
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Spricht er Nein, so muß es stehen,
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Sein ist Beydes, Will und That.

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Was ein Vogel sonder Flügel,
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Sonder Licht und Glanz ein Spiegel,
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Was ein Schiff ohn Ruder ist,
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Was der Tag ohn Sonnen-Strahlen
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Und was sonder Kern die Schalen,
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Ist ein Werk, das ihn vermist.

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Und was magstu dir vertrauen?
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Kanstu, was dir dient, erschauen?
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Ist nicht böser Will dein Rath?
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Ist nicht Unverstand dein Führer,
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Noth und Ohnmacht dein Regierer,
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Sünd' und Eitelkeit die That?

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Bistu nicht ein Kind der Erden?
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Mustu das nicht wieder werden?
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Bistu nicht des Glückes Ball,
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Ein Gehege vieler Sorgen?
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Lebest immerfort auch morgen
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Und vergehst letzt wie ein Schall.

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Gott nur weiß, was dir erträglich
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Und so nützlich, als behäglich,
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So erwünscht, als selig fällt;
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Er ist, der dich hat gemachet,
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Der dich kleidet und bewachet,
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Dich beschirmet und erhält.

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Sonder seiner Güt und Gnade
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Ist all, was du thust, dein Schade
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Und nichts, als nur Midas Gut:
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Geld must du zum Hunger wehlen,
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Ehre zum Beschwer der Seelen,
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Klugheit zum verkehrten Muth.

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Baue Schlösser, setze Schrifften,
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Laß dir grosse Denkmahl stifften,
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Ohn ihn geht es Alles ein;
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Hie wird dich die Krafft der Höllen,
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Dort die Zeit- und Welt-Macht fällen,
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Hie dein Fleisch dein Tod selbst sein.

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Herr, ich bin weit zu geringe,
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Daß ich dich nach Würden singe,
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Laß es, Liebster, dennoch seyn.
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Gehstu vor, so wird es gehen,
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Stehstu ab, so soll es stehen,
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All dein Nein und Ja ist mein.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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