Wie wenn der lezte Wintersturm

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Karl Friedrich Kretschmann: Wie wenn der lezte Wintersturm Titel entspricht 1. Vers(1773)

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Wie wenn der lezte Wintersturm
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Noch eine Nacht mit Sausen,
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Mit Schnee und Hagel, fürchterlich
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Durchwütete; dann schnell entwich,
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Auf fernem Gebürge zu brausen:
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Der erste göldne Frühlingstag,
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Der lauschend hinter Wolken lag,
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Steigt freundlich nun hernieder;
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Sein Athem, balsamirt und lau,
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Sein Morgenglanz, sein Abendthau,
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Belebt die Fluren wieder:
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So weicht von uns des Krieges Wuth;
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Verronnen ist das Römerblut,
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Und froher als der Lenz,
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Mit seinem Reiz und seiner Sonne,
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Erquicket uns des Sieges ganze Wonne!

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Nun kehrt die Freude wieder;
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Nun steigt der Ruhm hernieder
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Und jauchzt durch alle Welt:
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Nun eilt, gesandt von Teuts und Manas Thronen,
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Die Freiheit, um zu wohnen
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Wo man sie heilig hält!
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Ruhe folgt dem Streite:
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Nehmt die Schwerter der Beute,
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Heftet die Klingen den Pflügen an,
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Und spannt die gefangenen Roße daran;
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Bis satter Überfluß
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Von allen Feldern winkt;
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Indeß aus reingebleichten Schädeln
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Ihr diesen feuervollen edeln
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Erbeuteten Falerner trinkt.

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So müßen sie alle verderben,
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Die unsrer Freiheit drohn!
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So müßen sie fallen, so sterben,
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So schlage Tod und Hohn
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Ihre stolzen Schädel zu Scherben!
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Triumph, die Schmach ist gerochen,
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Errungen ist der Sieg;
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Die Kette, Triumph! zerbrochen:
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Das war ein göttlicher Krieg!
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Triumph, Triumph! so donnre
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Der Ruf, ihr kaum Entronn'nen,
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Auf eurer Flucht euch nach.
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Triumph, Triumph! verkündet's;
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Wir kommen bald mit Herman,
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Dem Schrecklichen, euch nach!
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Und theilen, endlich am Ziel,
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Dort im Orangeschatten,
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Durchs Loos eure Kinder und Gatten,
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Und eure Städt' im Spiel.
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Itzt aber, matt vom Streite,
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Gesättiget von Beute,
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Läßt euch der Sieger ziehn.
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Der Falk im ersten Hunger
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Zerriß vom Rabenneste
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Nur drey, und ließ die andern fliehn.
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So fliehet nur, doch saget's an;
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Dieß, Römer, haben wir gethan!
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Wir sahen euer Kriegesglück.
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Es kam: da riefen wir, zurück! –
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O welche Schmach von Ketten schwer!
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Ha, welche Knechtschaft rings umher!
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Noch dampft Karthagos letzte Glut;
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Schon lernt Iberiens Heldenmuth
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Sich zahm an euer Joch gewöhnen;
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Selbst der in kluger Flucht
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Furchtbare Parther sucht
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Euch wieder zu versöhnen.
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Auch läßt der falsche Gallier
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(: Zwar Nachbar, aber Freund nicht mehr:)
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Die euch bekannte Keule fallen:
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Wir aber, von ihm verrathen, von allen
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Verlaßen, wir zerbrachen doch
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Dieß uns schon angelegte Joch:
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Wir streuten Römerblut aufs Feld,
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Und Römerschande durch die Welt.

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Triumph! Noch eins, ihr Brüder,
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Triumph sey unser Ruf.
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Schlagt Hand in Hand ihr Brüder,
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Denn, Heil uns! wir sind wieder
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Frey, wie uns Thuisko schuf.
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Singt Lobgesänge den Göttern,
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Bringt Opfer und Dank den Rettern,
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Betet die Geber des Sieges an:
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Dieß Heil ist ihre Sache;
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Held Herman hat die Rache
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Aus ihrer Hand empfahn.
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Kommt, ihr frommen Druiden,
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Theilt mit uns den Gewinn!
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Kommt doch, heilge Mädgen,
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Nehmt die Gefangenen hin,
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Ihr Runen, des Sieges Bürgen;
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Vergiest ihr Herzensblut,
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Eh die Opfer sich würgen
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Mit ihren Ketten, in ihrer Schande Wuth!

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In des Eichwalds Mitte
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Prange dieses Adlerpaar.
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Ha, daß uns der göldne dritte
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So verschwunden war!
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Schwingt er sich nicht bald
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Aus dem Sumpf hervor;
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O so fliegt er warlich
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Jenen Schatten vor,
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Die vor unserm Grimm dahin
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Im Gedränge zur Hölle fliehn.

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Ha, nun tanze Veleda, tanze
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Göttliche Siegesbürgin
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In meinen Jubelgesang.
109
Horch, wie feyert die Harfe?
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Wie tönt in ihre Saiten
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Dir alles Volkes Dank?
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O sing' uns deiner Weisheit Lieder
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Noch oft so glückverkündend wieder;
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Bis Rom der Wahrheit Werth ermißt,
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Daß dein Geschlecht den Göttern heilig ist.

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Aber nächst den Göttern haben
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Helden ihren Rang.
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Nächst den guten Göttern sagen
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Wir dem Helden Herman Dank.
120
Heil des fürstlichen Mannes Tagen,
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Und stäter Ruhm, und ewiger Bardengesang!
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Ein Gott ists, der dem Sieger
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Das Leben gab:
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Drum stürmt sein Ruhm in die Himmel,
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Und überhüpft das Grab.
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Mit allgewaltgem Flügel
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Bahnt seinen Weg Unsterblichkeit;
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Sie trägt vor seinem Fluge
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Den Schild der Ehre, hoch und breit.
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Wie schimmern da die Namen
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Der Brudervölker, die so schön
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Mit dunkelrothem Römerblute
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In diesen Schild gezeichnet stehn!

134
Heil euch, Cherusker! Hehr und theuer
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Ist euer Nam' ein Lobgedicht.
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Herman, Herman ist euer:
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Mehr Ruhms bedarf es nicht!
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Der goldgefärbte Mistel
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War nie Gewächs der niedern Distel:
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Die Eiche, die den Göttern heilig ist,
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Zeugt ihn aus Thaue, der vom Himmel fließt.

142
Heil dir, du starker Schild-Zerbrecher,
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An Menge nicht, an Muth furchtbarer Langobarth,
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Der, seiner eignen Freiheit Rächer,
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Auch unsrer Freiheit Retter ward!
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Dich möge Thuiskon ehren;
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Dich Heldenstamm vermehren,
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Daß er, wie sich ein Strom ergeußt,
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Dereinst das Römerland durchfleußt!

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Wie jauchzt nun voller Freuden
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Der Katte mit dem kühnen Herz!
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Des Vaterlandes Leiden,
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(: Segnet ihn, ihr Götter!:)
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War sein größter Schmerz;
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Trug einen Ring von Eisen
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Zum Zeichen bittrer Schaam;
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Ließ traurig sich das Haupthaar,
158
Den Bart sich traurig wachsen,
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Bis daß er Rache nahm.
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Triumph, er ist gerochen!
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Er hat den Ring zerbrochen,
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Er schneidet ab das wilde Haar,
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Worin sein Antliz schrecklich war.

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Berüchtigt ist der Tenkter,
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Berühmt das Roß auf dem er ficht;
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Denn kriegrischer und schneller
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Sind diese Fremdlingsroße nicht.
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Vergebens, daß ihr Römer
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Geschwind wie Schwalben floht:
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Er rannte mit den Schnellsten
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Blutwettend um den Tod;
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Warf ab die Sklavenkette,
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Gelangt' ans Ziel, voll Muth:
174
Und da gewann er die Wette
175
Bezahlt mit euerm Blut.

176
Auch kam gereizt und racheschnaubend
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Der edle Kauz herzu.
178
Zwar, wie der satte Bär im Winter,
179
Lag er schon längst in süßer Ruh:
180
Doch ist dem Schlummer nicht zu trauen;
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Weh dem, der ihn unehrerbietig weckt!
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Bald fühlt er seine Klauen,
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Hin in den blutgen Schnee gestreckt.
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Dann kehrt der Überwinder wieder,
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Und sinkt zu süßerm Schlummer nieder,
186
Und wirft des siegenden Zorns Gewinn
187
Den heißen Rachen der Wölfe,
188
Den hungerbellenden Füchsen hin.

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Doch wie mit buntem Fell gezieret
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Der schöne Luchs einherstolzieret,
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Troz seiner Sanftheit eitel List
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Und grausam und unbändig ist;
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So zog der tapfre Schweve fürder,
194
Geputzt zu Treffen und Gefahr,
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Mit seinen buntgemalten Waffen
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Und künstlich aufgeknüpftem Haar;
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Und ward vom Feinde fast verachtet
198
Weil er kein Schrecken droht:
199
Doch in der Asche lag Feuer,
200
Und unter Blumen war Tod. –

201
Unsterblichkeit! Wie strahlt dein Schild
202
Mit all den großen teutschen Namen
203
Ganz überfüllt!
204
Wie hold schmückt unser Eichenkranz
205
Der falben wehenden Locken Glanz!
206
So fleug dann glorreich auf,
207
Und wende dein Gesicht
208
Auf niedrige Segeste nicht! –

209
Sprach ich Segest? – Wie ist mir dann?
210
War nicht Segest einmal ein Mann? –
211
Segest! – ach daß ich dich muß nennen!
212
Ach daß dich wird die Nachwelt kennen!
213
»thusneldens Vater war Segest;
214
Sein Eidam, Herman der Sieger;
215
Er selber aber fröhnte Rom,
216
Und ward ein Knecht und ein Betrüger.« –
217
Unseliger! Von Sohn zu Sohn
218
Ruft dieß Gerücht, und spricht dir Hohn.
219
Du aber trotz' auf Sklavensinn,
220
Stirb einst in Königsstolz dahin;
221
Sey du nicht deines Sohnes Trauer,
222
Dein Grab sey wüst, und dein Gedächtniß Schauer!

223
So fleug Unsterblichkeit gen Himmel:
224
Dein breiter strahlender Schild
225
Ist ja mit beßern Namen
226
Ganz überfüllt.
227
Ihr nach, ihr nach! Ihr Sieger, hebt
228
Hebt euern Barden auf einen Hügel
229
Von Römerleichen! Es bebt
230
Mein Herz von neuen Dingen!
231
Der Begeistrung Schauer schwebt
232
Mit mir auf mächtigen Schwingen!
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Schon murrt der Sturm tief unter mir:
234
Wohin, wohin? In welch Refier?
235
Ha! welch ein Blick in Weiten
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Noch ungeborner Zeiten!
237
Ich höre fremde Waffen streiten,
238
Und, Götter, habe Rom erblickt,
239
Von eigner Last zu Boden gedrückt! – –
240
So sinke! stürze! liege da!
241
Welch Getümmel! Teutsche Keulen
242
Zerschmettern dir den Schädel. Ha!
243
Wie umher die Schwerter eilen;
244
Unsrer Enkel Schwerter. Ha! – –
245
Nun seh ich auf der großen Trümmer
246
Stolze Priester sitzen:
247
Schrecklich ist des Opfermeßers Schimmer,
248
Furchtbar nicken ihre Mützen,
249
Grausam wütet ihr Wahrsagerstab:
250
Denn ganz Rom ist seiner Größe Grab,
251
Ist ein Nest der Ottern und der Eulen,
252
Zerstört von teutschen Keulen,
253
Verheert von teutschen Schwertern. Ha!

254
Denn du verlachst, o Rath der Götter,
255
Den sterblichen Stolz aus deinen Höhn.
256
Er saust dahin, wie Wirbelwinde
257
Den Staub aufblasen, und vergehn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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