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Leosthenes sah, daß die Burg mit Sturm
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Schwer zu erobern war; Er gab demnach
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Befehl, sie in den Brand zu stecken. Schnell
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Warf der Ballist, statt Steinen, eine Saat
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Von Klumpen griechschen Feurs
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Sein brennend Eingeweid hoch durch die Luft
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Umher speyt, mit erschrecklichem Geräusch
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Der Feuerregen in ein Feuermeer
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Im Thal zusammenfließt, und weit das Feld
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Mit laufenden und rothen Wellen deckt,
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Daß sich das Wasser in den Seeen scheut
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Und vor dem Lande flieht, daß Felß und Meer,
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Erschrickt und jammert: So floß in der Burg
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Der Feuerregen in ein Feuermeer
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Zusammen; Todt und Schrecken schwamm darauf.
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Bald donnert' in des Schlosses Innerem
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Die Flamme wie im Bauch der Höll', und fuhr
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Zu allen Fenstern und zum Dach heraus
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In Strudeln. Und der ganze Bau ward Gluth,
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Fiel in einander, wie ein Fels, von Blitz
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Gespalten, fällt. Die Erde zitterte;
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Des Himmels weiter Raum erscholl umher. –
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Zu löschen war umsonst. Auch drang der Feind
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Stets wüthender heran, und dacht einmal
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Den macedonschen Muth zu schwächen. – Doch
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Er schwächt' ihn nicht, und Cißides blieb stets
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Derselbe; Paches auch. Sie breiteten
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Nacht übers Volk Athens, mit Pfeilen, aus,
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Ermunterten ihr Heer, und wo Gefahr
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Groß war, da waren sie. Begegneten
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Sie sich, so sahen sie vergnügt sich an.
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Schwieg gleich der Mund, so sprach ihr Auge viel,
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Und sagt: Unsterblichkeit ist unser Theil! –
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Doch auch die Freundschaft sah zum Blick heraus,
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Und es blieb ungewiß, ob Heldenmuth
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Die Freunde mehr beherrscht', als Zärtlichkeit.
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Sie drückten sich die Händ', und eilten dann
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Wohin sie Ehre trieb, und wo der Tod
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In Feur und Stein, und Pfeilen sausete. –
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Gleich unerschrocken blieb ihr kleines Heer.
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Sah jemand seinen Freund getödtet: floß,
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Vom trüben Aug ihm eine Thränenfluth;
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Doch schickt er Pfeil auf Pfeil dem Feinde zu. –
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Zuletzt befiel den von dem Streit, vom Brand
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Und Noth an Ruh, erhitzten Cißides
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Ein heftger Durst. Er kämpfte lange schon
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Mit Angst und Ohnmacht, weil Getränk gebrach.
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(des Schlosses Brunnen war verschüttet von
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Ruinen. –) Ach ich sterbe! sagt' er schwach
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Zum Paches; schon seh ich den Himmel schwarz;
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Durst ist mein Tod und nicht Leosthenes. –
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Sein Freund erblaßte mehr für Angst als er,
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Und eilte fort, und schöpft in seinen Helm
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Von eben nur Erschlagnen, Blut, und brachts
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Dem Cißides, und sagte: Trink! Er trank
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Und seufzte schaudernd: Ach! ihr Götter! ach!
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Wozu bringt ihr die schwachen Sterblichen! –
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Allein er ward erquickt, und Heiterkeit
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Kam ihm ins Antlitz. Nach dem Thau der Nacht
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Erheben Blumen so (die schon die Au
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Besäen wollten mit der Blätter Schmuck,
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Gedruckt vom Sonnenstrahl des vorgen Tags)
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Voll Pracht ihr hangend Haupt, und glänzen, wie
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Der helle Morgenstern, der auf sie sieht. –
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Er ward erquickt der tapfre Cißides,
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Und eilte zu der Maur, wo alles noch
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Mit Löwenmuthe stritt', ob gleich die Zahl
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Der Todten seines Volks schon größer war,
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Als der noch Lebenden. Er kam nicht hin!
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Ein Pfeil flog über die zerfallne Burg,
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Und fuhr dem Helden – Ach erschreckliche
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Erinnrung! Müssen auch des Todes Raub
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Diejengen seyn, die zu der Erde Glück,
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Zu leben ewiglich verdieneten! –
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Fuhr in den Rücken ihm und durch die Brust.
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Er fiel aufs Angesicht. Gefühllos lag
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Er lange so. – Erhohlte sich dennoch,
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Und wollte sich erheben, aber Kraft
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Gebrach ihm. – Paches kam, und fand den Freund
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Im Blute schwimmend. Ach, wer kann den Schmerz
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Des Redlichen beschreiben! Ohne sich
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Zu regen stand er. – So erstarrt die Fluth
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Im Winter, wenn der rauhe Nordwind stürmt;
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Sein Athem rührt sie an, und sie ist Stein.
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Ach, sagte Cißides, zieh doch den Pfeil
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Mir aus dem Rücken, Freund, und kehr mich um!
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Der Tod fürs Vaterland wird mir nicht schwer;
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Die Art des Todes nur wird mirs. Wer so
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Mich findet, kann vermuthen, als hätt ich
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Die Brust dem Feinde nicht gezeigt. Laß nicht
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Mit Schande mich mein Leben endigen,
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Da stets mein Wunsch nur Ehr und Tugend war!
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Und Paches zog den Pfeil
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(blut stürzt dem Eisen nach, wie Wasser aus
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Der Quell') umarmet' und erhub den Freund
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Mit Thränen in dem Aug, und kehrt ihn um.
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Hab Dank! – – Leb ewig wohl! – – sprach Cißides,
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Freund! – – und verschied. Von tausend Sterbenden
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Die Quaal zusammen, ist kein Theil der Quaal,
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Die Paches fühlt'. Er glaubt nur halb zu seyn,
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Wehklagte laut und irrte wild umher,
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Wie eine Löwin in der Wüste, wenn
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Man ihr die Jungen raubt. Das Heer erschrack,
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Und klagte mit. Der Feind erfuhr den Schmerz
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Desselben, durch Ballist und Katapult.
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Von Neuerschlagnen raucht umher das Feld,
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Blut und Gehirn und Leichen deckten es.