Grab-Lied

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Ewald Christian von Kleist: Grab-Lied (1757)

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Weh dir! daß du gestorben bist.
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Du wirst nicht mehr Auroren sehn
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Wenn sie vom Morgen Himmel blickt
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In rother Tracht, mit güldnem Haar;
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Und die bethauten Wiesen nicht,
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Auch nicht im melancholschen Hayn
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Die Sonn im Spiegel grüner Fluth.
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Der Veilchen Duft wird dich nicht mehr
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Erfreun, und das Gemurmel nicht
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Des Bachs, der Rosen-Büsche tränckt,
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Auf dem vor Zephirs sanftem Hauch
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Die kleinen krausen Wellen fliehn.
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Auch wird dich Philomele nicht
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Mehr rühren, durch der Töne Macht,
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Auch meines Krausens
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Die Philomelen ähnlich seufzt.

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Allein, du wirst auch nicht mehr sehn,
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Daß sich der Tugendhaffte qvält,
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Sich seiner Blöse schämt und darbt
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Und seine Lebenszeit verweint;
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Indeßen daß in Seid und Gold
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Der Bösewicht stolzirt und lacht.
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Du wirst nicht sehn, daß ein Tyrann
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Die Ferse, freygebohrnem Volck
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In den gebognen Nacken setzt,
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Das ihm Tribut und Steur bezahlt,
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Nicht für den Schutz, nein, für die Luft.
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Kein Narr, kein Höfling wird dich mehr
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Mit dummer Falschheit peinigen,
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Und keine Rachsucht sieht auf dich
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Mit scheelen Blicken eines Wolfs.
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Nicht Ungewitter, Pestilenz
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Und Erderschütterung und Krieg
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Erschreckt dich mehr. Der Erde Punckt
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(samt Pestilenz und Krieg und Noth)
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Flieht unter deinen Füßen fort,
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In Dunst und Blitz gewickelt. Sturm
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Und Donner ruft weit unter dir,
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Und Ruh und Freude labt dein Herz
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In Gegenden voll Heiterkeit.
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Wohl dir, daß du gestorben bist!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ewald Christian von Kleist
(17151759)

* 07.03.1715 in Cybulino (Bobolice), † 24.08.1759 in Frankfurt (Oder)

männlich, geb. von Kleist

| im Einsatz getötet

deutscher Dichter und preußischer Offizier

(Aus: Wikidata.org)

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