1
Empfang mich, schattigter Hayn, voll hoher grüner Gewölbe!
2
Empfang mich! fülle mit Ruh und holder Wehmuth die Seele!
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Führ mich in Gängen voll Nacht zum glänzenden Throne der Tugend,
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Der um sich die Schatten erhellt. Lehr mich den Wiederhall reizen
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Zum Ruhm verjüngter Natur. Und ihr, ihr lachenden Wiesen!
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Ihr holde Thäler voll Rosen, von lauten Bächen durchirret!
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Mit euren Düften will ich in mich Zufriedenheit ziehen,
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Und wenn Aurora euch weckt, mit ihren Stralen sie trincken.
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Gestreckt im Schatten will ich in güldne Sayten die Freude,
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Die in euch wohnet, besingen. Reitzt und begeistert die Sinnen,
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Daß meine Töne die Gegend, wie Zephyrs Lispeln, erfüllen,
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Und wie die rieselnden Bäche.
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Auf rosenfarbnen Gewölcke, bekräntzt mit Tulpen und Veilchen,
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Sank jüngst der Frühling vom Himmel. Aus seinem Busen ergoß sich
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Die Milch der Erden in Strömen. Schnell rollte von Hügeln und Bergen,
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Der Schnee in Haufen herab, und Felder wurden zu Seen, – – – – – – – –
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Allmählich verseigte die Fluth. Von eilenden Dünsten und Wolcken
18
Flohn junge Schatten umher. Es schien der Himmel erweitert,
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Und war voll Schimmer und Strahlen. Zwar streute der weichende Winter
20
Noch oft bey nächtlicher Umkehr von den geschüttelten Flügeln
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Reif, Eis und Schauer von Schnee; noch liessen wüthrische Stürme
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Die rauhe dumpfigte Stimm aus Islands Gegend ertönen,
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Durchstreiften klagende Klüfte, verheerten taumelnde Wälder,
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Und bliesen Schrecken und Furcht herum, Verderben und Kälte.
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Doch endlich siegte der vor noch ungesicherte Frühling.
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Die Luft ward sanfter; es deckt' ein bunter Teppich die Felder,
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Die Schatten wurden belaubt, ein sanft Getöne erwachte,
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Und floh und wirbelt umher im Hain voll grünlicher Dämmrung,
29
Die Bäche färbten sich silbern, im Luftraum flossen Gerüche,
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Und Echo höret' im Grunde die frühe Flöte des Hirten.
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Ihr, deren zweifelhaft Leben gleich trüben Tagen des Winters,
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Ohn Licht und Freude verfließt, die ihr in Höhlen des Elends
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Die finstern Stunden verseufzt, betrachtet die Jugend des Jahres!
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Dreht ietzt die Augen umher, laßt tausend farbigte Scenen
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Die schwarzen Bilder verfärben! Es mag die niedrige Ruhmsucht,
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Die schwache Rachgier, der Geitz und seufzender Blutdurst sich härmen;
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Ihr seyd zur Freude geschaffen, der Schmerz schimpft Tugend und Unschuld.
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Saugt Lust und Anmuth in euch! schaut her, sie gleitet im Luftkreis
39
Und grünt und rieselt im Thal. Und ihr, ihr Bilder des Frühlings,
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Ihr blühenden Schönen! flieht ietzt den athemraubenden Aushauch
41
Von güldnen Kerkern der Städte. Kommt, Kommt in winkende Felder!
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Kommt! überlasset dem Zephyr die kleinen Wellen der Locken,
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Seht euch in Seen und Bächen, gleich jungen Blumen des Ufers.
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Pflückt Morgentulpen voll Thau, und ziert den wallenden Busen.
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Hier wo der spitzige Fels, bekleidet mit Sträuchen und Tannen
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Zur Hälfte den bläulichen Strom, sich drüber neigend beschattet,
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Will ich ins Grüne mich setzen auf seinen Gipfel, und um mich
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Thal und Gefilde beschauen. O welch ein frohes Gewühle
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Belebt das streifichte Land! Wie lieblich lächelt die Anmuth
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Aus Wald und Büschen hervor! Ein Zaun von blühenden Dornen
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Umschließt und röthet ringsum die sich verlierende Weite
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Vom niedrigen Himmel gedrückt. Von bunten Moonblumen laufen,
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Mit grünem Weitzen versetzt, sich schmälernde Beete ins Ferne,
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Durchkreutzt von blühendem Flachs. Feld-Rosenhecken und Schleestrauch
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In Blüthen gleichsam gehüllt, umkränzen die Spiegel der Teiche
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Und sehn sich drinnen. Zur Seite blitzt aus dem grünlichen Meere
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Ein Meer voll güldener Stralen, durch Phöbus glänzenden Anblick.
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Es schimmert sein gelbes Gestade von Muscheln und farbichten Steinen,
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Und Lieb und Freude durchtaumelt in kleiner Fische Geschwadern,
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Und in den Riesen des Wassers die unabsehbare Fläche.
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Auf fernen Wiesen am See stehn majestätische Rosse,
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Sie werfen den Nacken empor und fliehn und wiehern, für Wollust,
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Daß Hayn und Felsen erschallt. Gefleckte Kühe durchwaten,
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Geführt vom ernsthaften Stier, des Meierhofs büschichte Sümpfe,
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Der finstre Linden durchsieht. Ein Gang von Espen und Ulmen
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Führt zu ihm, welchen ein Bach durchblinkt, in Binsen sich windend,
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Von Reihern und Schwänen bewohnt. Gebirge, die Brüste der Reben
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Stehn frölich um ihn herum; sie ragen über den Buchwald,
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Des Hügels Krone, davon ein Theil im Sonnenschein lächelt
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Und glänzt, der andere traurt im Flor vom Schatten der Wolken.
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Die Lerche steigt in die Luft, sieht unter sich Klippen und Thäler;
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Entzückung tönet aus ihr. Der Klang des wirbelnden Liedes
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Ergetzt den ackernden Landmann. Er horcht eine Weile: dann lehnt er
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Sich auf den gleitenden Pflug, zieht braune Wellen ins Erdreich,
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Verfolgt von Krähen und Elstern. Der Saemann schreitet gemessen,
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Und wirft den Saamen ihm nach. O daß der mühsame Landwirth
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Für sich den Segen nur streute! Daß ihn die Weinstöcke tränkten
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Und in den Wiesen für ihn nur bunte Wogen sich wälzten!
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Allein, der frässige Krieg vom Zähne bleckenden Hunger
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Und wilden Schaaren begleitet, verheert oft Arbeit und Hofnung.
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Er stürmet rasend einher, zertritt die nährenden Halmen,
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Reißt Stab und Reben zu Boden, entzündet Dörfer und Wälder
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Für sich zum flammenden Lustspiel. Wie wenn der Rachen des Ätna
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Mit ängstlich-wildem Geschrey, daß Meer und Klippen es hören,
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Die Gegend um sich herum, vom untern Donner zerrüttet,
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Mit Schrecken und Tod überspeyt, und einer flammenden Sündfluth.
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Wohin verführt mich der Schmerz! Weicht, weicht ihr traurigen Bilder,
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Komm Muse! laß uns die Wohnung und häusliche Wirthschaft des Landmanns
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Und Viehzucht und Gärte betrachten. Hier steigt kein Marmor aus Bergen,
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Und zeuget Kämpfer, kein Taxus spitzt sich vor Schlössern, kein Wasser
99
Folgt hier dem Zuruf der Kunst. Verschränckte wölkichte Wipfel
100
Von hohen Linden, beschatten ein Haus von Reben umkrochen,
101
Durch Dorn und Hecken befestigt. Ein Teich glänzt mitten im Hofe
102
Mit grünem Floßkraut bestreut, wodurch aus scheinbarer Tiefe
103
Des Himmels Ebenbild blinkt. Er wimmelt von zahmen Bewohnern.
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Die Henne jammert ums Ufer, und ruft die gleitenden Entchen,
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Die sie gebrütet; sie fliehn der Stiefmutter Stimme, durchplätschern
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Die Fluth, und nagen am Schilf. Voll majestätischen Ernstes
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Schwimmt hier der Schwan, und treibet fern von der Lustbahn der Jungen
108
Mit starken Flügeln den Schießhund. Nun spielen die haarigten Kinder
109
Sie tauchen den Kopf ins Wasser, sie hängen im Gleichgewicht abwerts
110
Und zeigen die rudernde Füsse. Dort läuft ein munteres Mädchen
111
Sein buntes Körbchen am Arm, verfolgt von weitschreitenden Hünern.
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Nun steht es, und täuscht sie leichtfertig mit eitelem Wurfe; begießt sie
113
Nun plötzlich mit Körnern und sieht sie vom Rücken sich essen und zanken.
114
Dort lauscht in dunkeler Höhle das weisse Kaninchen, und drehet
115
Die rothen Augen umher. Aus seines Wohnhauses Fenster
116
Sieht das Lachtäubchen sich um, es kratzt den röthlichen Nacken,
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Und fliegt zum Liebling aufs Dach. Er zürnt ob dessen Verweilen
118
Und dreht sich um sich und schilt. Bald rührt ihn das Schmeicheln der Schönen,
119
Viel Küsse werden verschwendet, bis sie mit schnellem Gefieder
120
Die Luft durchlispeln, und aufwärts sich zu Gespielen gesellen,
121
Die blitzend im Sonnenglanz schwärmen. Von blühenden Fruchtbäumen schimmert
122
Der Garten, die kreutzende Gänge mit rother Dunkelheit füllen,
123
Und Zephyr gaukelt umher, treibt Wolken von Blüthen zur Höhe,
124
Die sich ergiessen und regnen. Zwar hat hier Wollust und Hochmuth
125
Nicht Nahrung von Mohren entlehnt und sie gepflanzet; nicht Myrthen,
126
Nicht Aloen blicken durch Fenster. Das nutzbare Schöne vergnüget
127
Den Landmann, und etwan ein Kranz. Durch lange Gewölbe von Nußstrauch
128
Zeigt sich voll laufender Wolken der Himmel, und ferne Gefilde
129
Voll Seen und büschichter Thäler, umringt mit blauen Gebirgen.
130
Das Auge durchirret den Auftritt, bis ihn ein näherer schliesset.
131
Die Fürstinn der Blumen, die Tulp' erhebt die Krone zur Seiten
132
Hoch über Aurikeln, dran Flora all' ihre Farben verschwendet.
133
Die holde Mayblume drengt die Silberglöckchen durch Blätter,
134
Und manche Rose durchbricht schon ungeduldig die Knospe.
135
Es steigen holde Gerüche, vermischt vom Garten zur Höhe,
136
Und füllen mit Balsam die Luft. Die Nachtviole läßt immer
137
Die stolzeren Blumen den Duft verhauchen; voll Edelmuth schließt sie
138
Ihn ein, im Vorsatz den Abend noch über den Tag zu verschönern.
139
Ein Bildniß grosser Gemüther, die nicht gleich pralrischen Kämpfern
140
Der Kreis von Zuschauern reitzt, die tugendhaft wegen der Tugend
141
In der Verborgenheit Schatten Gerüche der Wohlthaten streuen.
142
Seht hin, wie brüstet der Pfau sich dort am farbichten Beete!
143
Voll Eifersucht über die Kleidung der frölichen Blumen stolzirt er,
144
Kreist rauschend den grünlichen Schweif voll Regenbögen, und wendet
145
Den farbenwechselnden Hals. Die Schmetterlinge sich jagend,
146
Umwälzen sich über den Bäumen mit bunten Flügeln, voll Liebe,
147
Und unentschlossen im Wählen beschauen sie Knospen und Blüthe.
148
Indessen impfet der Herr des Gartens Zweige von Kirschen
149
Durchsägten Schleestämmen ein, die künftig über die Kinder
150
Die sie gesäuget, erstaunen. Das Bild der Anmuth, die Hausfrau
151
Sitzt in der Laube von Reben, pflanzt Stauden und Blumen auf Leinwand,
152
Die Freude lächelt aus ihr; ein Kind, der Gratien Liebling
153
Hängt ihr mit zarten Armen am Hals, und hindert sie schmeichelnd,
154
Ein anders tändelt im Klee, sinnt nach, und stammelt Gedanken.
155
O dreymahl seliges Volk, dem einsam in Gründen die Tage
156
Wie sanfte Weste verfliegen! Laß andre dem Pöbel, der Dächer
157
Und Bäum' ersteiget, zur Schau in Siegeswägen sich brüsten,
158
Von Elephanten gezogen; laß sie mit Heeren von Schiffen
159
Untreue Wellen bedecken, und Japan in Westen versetzen.
160
Der ist ein Liebling des Himmels, den fern von Lastern und Thorheit,
161
Die Ruh an Quellen umschlingt. Auf ihn blickt immer die Sonne
162
Von oben lieblich herab, ihm braust kein Unglück in Wogen,
163
Er seufzt nicht eitele Wünsche, ihn macht die Höhe nicht schwindelnd,
164
Die Arbeit würzt ihm die Kost, sein Blut ist leicht wie der Äther,
165
Sein Schlaf verfliegt mit der Dämmerung, ein Morgenlüftchen verweht ihn.
166
Ach wär auch mir es vergönnt, in euch, ihr holden Gefilde,
167
Gestreckt in wankende Schatten, am Ufer schwatzhafter Bäche
168
Hinfort mir selber zu leben, und Leid und niedrige Sorgen
169
Vorüberrauschender Luft einst zuzustreuen! Ach möchte
170
Doch Doris die Thränen in euch von diesen Wangen verwischen,
171
Und bald Gespräche mit Freunden in euch mein Leiden versüssen,
172
Bald redende Todte mich lehren, bald tiefe Bäche der Weisheit
173
Des Geistes Wissendurst stillen! Dann gönnt ich Berge von Demant
174
Und goldne Klüfte dem Mogul, dann möchten kriegrische Zwerge
175
Felshohe Bilder sich hauen, die steinerne Ströme vergössen,
176
Ich würde sie nimmer beneiden. Du Quelle des Glückes o Himmel
177
Du Meer der Liebe! o tränkte mich doch dein Ausfluß! soll gänzlich
178
Wie eine Blume mein Leben, erstickt von Unkraut, verblühen?
179
Nein, du beseligst dein Werk. Es lispelt ruhige Hofnung
180
Mir Trost und Labsal zum Herzen; die Dämmrung flieht vor Auroren,
181
Die finstre Decke der Zukunft wird aufgezogen, ich sehe
182
Ganz andre Scenen der Dinge, und unbekannte Gefilde.
183
Ich seh dich, himmlische Doris! du kommst aus Rosengebüschen
184
In meine Schatten, voll Glanz und majestätischem Liebreitz;
185
So tritt die Tugend einher, so ist die Anmuth gestaltet.
186
Du singst zur Cither, und Phöbus tritt schnell durch dicke Gewölke,
187
Die Stürme schweigen, Olymp merkt auf; das Bildniß der Lieder
188
Tönt sanft in fernen Gebirgen, und Zephyr weht mirs herüber.
189
Und du mein redlicher Gleim, du steigst vom Gipfel des Hömus
190
Und rührst die Tejischen Seyten voll Lust. Die Thore des Himmels
191
Gehn auf, es lassen sich Cypris und Huldgöttinnen und Amor
192
Voll Glanz auf funkelnden Wolken in blauen Lüften hernieder,
193
Und singen lieblich darein. Der Sternen weites Gewölbe
194
Erschallt vom frohen Concert. Komm bald in meine Reviere,
195
Komm, bring die Freude zu mir, beblüme Triften und Anger,
196
O Paar! du Trost meines Lebens, du milde Gabe der Gottheit!
197
Doch wie, erwach ich vom Schlaf? Wo sind die himmlischen Bilder?
198
Welch ein anmuthiger Traum betrog die wachenden Sinnen?
199
Er flieht von dannen, ich seufze. Zu viel, zu viel vom Verhängniß
200
Im Durchgang des Lebens gefodert! Hier ist statt Wirklichkeit Hofnung
201
Des würklichen Schatten beglückt, selbst wird michs nimmer erfreuen.
202
Allein, was quält mich die Zukunft; weg ihr vergeblichen Sorgen,
203
Laß mich der Wollust geniessen, die ietzt der Himmel mir gönnet,
204
Laß mich das fröliche Landvolk in dicke Haine verfolgen
205
Und mit der Nachtigall singen, und mich beym seufzenden Gießbach
206
An Zephyrs Tönen ergötzen. Ihr dichten Lauben, von Händen
207
Der Mutter der Dinge, geflochten! ihr dunkeln einsamen Gänge,
208
Die ihr das Denken erhellt, Irrgärte voller Entzückung
209
Und Freude, seyd mir gegrüßt! Was für ein angenehm Leiden
210
Und Ruh und sanftes Gefühl durchdringet in euch die Seele!
211
Durchs hohe Laubdach der Schatten, das streichende Lüfte bewegen,
212
Worunter ein sichtbares Kühl in grünen Wogen sich wälzet,
213
Blickt hin und wieder die Sonne, und übergüldet die Blätter.
214
Die holde Dämmrung durchgleiten Gerüche von Blüthen der Hecken,
215
Die Flügel der Westwinde duften. In überirdischer Höhle
216
Von krausen Büschen gezeugt, sitzt zwischen Blumen der Geishirt,
217
Bläst auf der hellen Schallmey, hält ein, und höret die Lieder
218
Hier laut in Buchen ertönen, dort schwach, und endlich verloren,
219
Bläst, und hält wiederum ein. Tief unter ihm klettern die Ziegen
220
An jähen Wänden von Stein, und reissen an bittern Gesträuche.
221
Mit leichten Läuften streift ietzt ein Heer gefleckter Hindinnen,
222
Und Hirsche mit Ästen gekrönt durch grüne rauschende Stauden,
223
Setzt über Klüfte, Gewässer und Rohr. Moräste vermissen
224
Die Spur der fliegenden Last. Gereizt vom Frühling zur Liebe
225
Durchstreichen muthige Rosse den Wald mit flatternden Mähnen,
226
Der Boden zittert und tönt, es strotzen die Zweige der Adern,
227
Ihr Schweif empört sich verwildert, sie schnauben Wollust und Hitze
228
Und brechen, vom Ufer sich stürzend, die Fluth der Ströme zur Kühlung;
229
Dann fliehen sie über das Thal auf hohe Felsen, und schauen
230
Fern über den niedrigen Hain aufs Feld durch segelnde Dünste
231
Und wiehern aus Wolken herab. Ietzt eilen Stiere vorüber,
232
Aus ihrer Nasen raucht Brunst, sie spalten mit Hörnern das Erdreich
233
Und toben im Nebel von Staub – – – –
234
Aus ausgehöhltem Gebirge fällt dort mit wildem Getümmel
235
Ein Fluß ins büschigte Thal, reißt mit sich Stücke von Felsen,
236
Durchrauscht entblössete Wurzeln der untergrabenen Bäume,
237
Die über fliessende Hügel von Schaum sich bücken und wanken;
238
Die grünen Grotten des Waldes ertönen und klagen darüber.
239
Es stuzt ob solchem Getöse das Wild, und eilet von dannen.
240
Sich nahende Vögel verlassen, im Singen gehindert, die Gegend
241
Und suchen ruhige Stellen, wo sie den Gatten die Fühlung
242
Verliebter Schmerzen entdecken in pyramidnem Gesträuche,
243
Und streiten gegen einander mit Liedern von Zweigen der Buchen.
244
Dort will ich lauschen und sie sich freun und liebkosen hören.
245
Fließ sanft unruhiges Flüßchen! still! ächzende Zephyrs im Laube,
246
Schwächt nicht ihr buhlrisches Flüstern. Schlagt laut, Bewohner der Wipfel,
247
Schlagt, lehrt mich euren Gesang! Sie schlagen; Symphonische Töne
248
Durchfliehn von Eichen und Dorn des weiten Schattensaals Kammern,
249
Die ganze Gegend wird Schall. Der Fink, der röthliche Hänfling
250
Pfeift hell aus Wipfeln der Erlen. Ein Heer von bunten Stieglitzen
251
Hüpft hin und wieder auf Strauch, beschaut die blühende Distel,
252
Ihr Lied hüpft frölich wie sie. Der Zeisig klaget der Schönen
253
Sein Leiden aus Zellen von Laub. Vom Ulmbaum flötet die Amsel
254
In hohlen Tönen den Baß. Nur die geflügelte Stimme,
255
Die kleine Nachtigall weicht aus Ruhmsucht in einsame Gründe
256
Durch dicke Wipfel umwölbt, der Traurigkeit ewige Wohnung,
257
(worinn aus Lüften und Feld der Nacht verbreitete Schatten
258
Sich scheinen verenget zu haben, als sie Auroren entwichen,)
259
Und macht die schreckbare Wüste zum Lustgefilde des Waldes.
260
Dort tränkt ein finsterer Teich rings um sich Weidengebüsche,
261
Auf Ästen wiegt sie sich da, lockt laut, und schmettert und wirbelt,
262
Daß Grund und Einöde klingt. So rasen Chöre von Sayten.
263
Ietzt girrt sie sänfter, und läuft durch tausend zärtliche Töne,
264
Ietzt schlägt sie wieder mit Macht. Oft wenn die Gattin durch Vorwitz
265
Sich im belaubten Gebauer des grausamen Voglers gefangen,
266
Der fern im Lindenbusch laurt, dann ruhn die Lieder voll Freude,
267
Dann fliegt sie ängstlich umher, ruft ihrer Wonne des Lebens
268
Durch Klüfte, Felsen und Wald, seufzt unaufhörlich und jammert,
269
Bis sie vor Wehmuth zuletzt halbtodt zur Hecken herabfällt,
270
Worauf sie gleitet und wankt mit niedersinkendem Haupte.
271
Da klaget um sie der Schatten der todten Gattin, da dünkt ihr
272
Sie wund und blutig zu sehn. Bald tönt ihr Jammerlied wieder,
273
Sie setzt es Nächte lang fort, und scheint bey jeglichem Seufzer
274
Aus sich ihr Leben zu seufzen. Die nahen strauchichten Hügel,
275
Hiedurch zum Mitleid bewogen, erheben ein zärtlich Gewinsel.
276
Allein, was kollert und girrt mir hier zur Seiten vom Eichstamm,
277
Der halb vermodert und zweiglos von keinem Geflügel bewohnt wird?
278
Täuscht mich der Einbildung Spiel? Sieh! plötzlich flattert ein Täubchen
279
Aus einem Astloch empor, mit wandelbarem Gefieder,
280
Dieß zeugte den dumpfigten Schall im Bauch der Eichen. Es gleitet
281
Mit ausgespreiteten Flügeln ins Thal, sucht nickend im Schatten
282
Und schaut sich vorsichtig um mit dürren Reisern im Munde.
283
Wer lehrt die Bürger der Zweige voll Kunst sich Nester zu wölben,
284
Und sie für Vorwitz und Raub, voll süssen Kummers, zu sichern?
285
Welch ein verborgener Hauch füllt ihre Herzen mit Liebe?
286
Durch dich ist alles, was gut ist, unendlich wunderbar Wesen,
287
Beherrscher und Vater der Welt! Du bist so herrlich im Vogel,
288
Der niedrig in Dornstauden hüpft, als in der Veste des Himmels,
289
In einer kriechenden Raupe, wie in dem flammenden Cherub.
290
See sonder Ufer und Grund! Aus dir quillt alles, du selber
291
Hast keinen Zufluß in dich. Die Feuermeere der Sterne
292
Sind Wiederscheine von Pünktchen des Lichts, in welchem du leuchtest.
293
Du drohst den Stürmen, sie schweigen, berührst die Berge, sie rauchen;
294
Das Heulen aufrührischer Meere, die zwischen wässernen Felsen
295
Den Sand des Grundes entblössen, ist deiner Herrlichkeit Loblied.
296
Der Donner, mit Flammen beflügelt verkündigt mit brüllender Stimme
297
Die hohen Thaten von dir. Vor Ehrfurcht zittern die Haine
298
Und wiederhallen dein Lob. In tausend harmonischen Tönen
299
Von dem Verstande gehört, verbreiten Heere Gestirne
300
Die Grösse deiner Gewalt und Huld von Pole zu Pole.
301
Doch wer berechnet die Menge von deinen Wundern? Wer schwingt sich
302
Durch deine Tiefe, o Schöpfer? Vertraut euch Flügeln der Winde,
303
Ruht auf den Pfeilen des Blitzes, durchstreicht den glänzenden Abgrund
304
Der Gottheit, ihr endlichen Geister, durch tausend Alter des Weltbaus,
305
Ihr werdet dennoch zuletzt kein Pünktchen näher dem Grunde
306
Als bey dem Ausfluge seyn. Verstummt denn, bebende Sayten!
307
So preist ihr würdger den HERRN.
308
Ein Fluß von lieblichem Duft, den Zephyr mit säuselnden Schwingen
309
Von nahgelegener Wiese herbeyweht, nöthigt mich zu ihr.
310
Da will ich an schwirrendem Rohr in ihrer Blumenschooß ruhend,
311
Mit starken Zügen ihn einziehn. Kommt zu mir Freunde der Weißheit,
312
Mein Spalding und Hirzel, durch die jüngsthin der Winter mir grünte,
313
Von deren Lippen die Freude zu meinem Busen herabströmt,
314
Komt! legt euch zu mir, und macht die Gegend zur himmlischen Wohnung,
315
Laßt uns der Kinder der Flora Gestalt und Liebe bewundern,
316
Und spotten mit ihnen geschmückt des trägen Pöbels im Purpur,
317
Besingt die Schönheit der Tugend; laßt eures Mundes Gespräche
318
Mir seyn wie Düfte von Rosen. Hier ist der Gratien Lustplatz,
319
Kunstlose Gärte durchirrt hier die Ruh, hier rieselt Entzückung
320
Mit hellen Bächen heran. Den grünen Kleeboden schmücken
321
Zerstreute Wälder von Blumen. Ein Meer von holden Gerüchen
322
Wallt unsichtbar über der Flur in grossen taumelnden Wogen
323
Von lauen Winden durchwühlt. Es ist durch tausend Bewohner
324
Die bunte Gegend belebt. Hochbeinigt watet im Wasser
325
Dort zwischen Kräutern der Storch, und blickt begierig nach Nahrung,
326
Dort gaukelt der Kybitz und schreyt ums Haupt des müssigen Knaben,
327
Der seinem Neste sich naht. Ietzt trabt er vor ihm zum Ufer,
328
Als hätt' er das Fliegen vergessen, reitzt ihn durch Hinken zur Folge
329
Und lockt ihn endlich ins Feld. Zerstreute Heere von Bienen
330
Durchsäuseln die Lüfte, sie fallen auf Klee und blühende Stauden,
331
Und hängen glänzend daran wie Thau vom Mondschein vergüldet;
332
Dann eilen sie wieder zur Stadt, die ihnen im Winkel des Angers
333
Der Landmann aus Körben erbaut. Rechtschafner Weltweisen Bildniß,
334
Die sich der Heimath entziehn, der Menschheit Gefilde durchsuchen,
335
Und dann heimkehren zur Zelle mit süsser Beute beladen
336
Und liefern uns Honig der Weisheit. Ein See voll fliehender Wellen
337
Rauscht in der Mitte der Au, draus steigt ein Eyland zur Höhe
338
Mit Bäumen und Hecken gekrönt, das wie vom Boden entrissen,
339
Scheint gegen die Fluthen zu schwimmen. In einer holden Verwirrung
340
Prangt drauf Hanbuttengesträuch voll feuriger Sternchen, der Quitzbaum,
341
Hollunder, raucher Wachholder, und sich umarmende Palmen.
342
Das Geisblatt schmiegt sich am Zweige der wilden Rosengebüsche.
343
Aus Wollust küssen einander die jungen Blüthen und hauchen
344
Mit süssem Athem sich an. Der blühende Hagdorn am Ufer
345
Bückt sich hinüber aus Stolz, und sieht verwundernd im Wasser
346
Den weissen und röthlichen Schmuck. O Schauplatz, der du die Freude
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Ins Herzens Innerstes mahlst, ach! daß die Wärme, die annoch,
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Seitdem der Winter von uns entflohn, kein Regen gemildert,
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Dich sammt Gefilden und Gärten, die nach Erfrischung sich sehnen,
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Doch nicht der Zierde beraubte und seiner Hofnung den Landmann!
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Erquick sie gnädiger Himmel, und überschütte von Oben
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Mit deiner Güte die Erde. – – – Er kommt! er kommt! in den Wolken
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Der Segen, dort taumelt er her, und wird sich in Strömen ergiessen.
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Schon streicht der Westwind voran, schwärmt in den Blättern der Bäume
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Und wirbelt die Saaten, wie Strudel. Die Sonn eilt hinter den Vorhang
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Von Baumwollähnlichem Dunst; es stirbt der Schimmer des Himmels
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Gemach, und Schatten und Nacht läuft über Thäler und Hügel.
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Gekraust durch silberne Zirkel die sich vergrössernd verschwinden,
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Verräth die Fläche des Wassers den noch nicht sichtbaren Regen. – – – –
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Ietzt fällt er häufiger nieder sich wie Gewebe durchkreuzend,
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Kaum schützt des Erlenbaums Zelt mich vor den rauschenden Güssen.
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Das Volk, das kürzlich aus Wolken die Gegend mit Liedern erfüllte,
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Schweigt und verbirgt sich in Büsche. Im Lindenthal drängt sich in Kreisen
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Vom Dach der Zweige bedeckt die Wollenheerde um Stämme,
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Feld, Luft und Höhen sind öde; nur Schwalben schiessen in Schaaren
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Im Regen, die Teiche beschauend. – – – – Die Augenlieder die jetzo
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Das Auge des Weltkreises decken, die Dünst' erheben sich plötzlich,
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Nun funkelt die Bühne des Himmels, nun sieht man hangende Meere
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In hellen Tropfen zerrinnen und aus den Lüften verschwinden,
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Es lachen die Gründe voll Blumen, und alles freut sich, ob flösse
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Der Himmel selber zur Erden. Jedoch schon schiffen von neuem
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Beladne Wolken vom Abend und hemmen wieder das Licht,
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Sie schütten Seen herab, und säugen die Felder wie Brüste. – – – –
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Auch die vergiessen sich endlich. Ein güldner Regen von Stralen
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Füllt jetzo wieder die Luft; der grüne Hauptschmuck der Felsen,
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Voll von den Saaten der Wolken, spielt blendend gegen der Sonne,
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Ein Regenbogen umgürtet den Himmel, und sieht sich im Meere;
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Verjüngt, voll Schimmer und lächelnd, voll lichter Streifen und Kränze
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Sehn die Gefilde mich an. Tauch in die Farben Aurorens,
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Mal mir die Landschaft, o du! aus dessen ewigen Liedern
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Der Aare Ufer mir duften und vor dem Angesicht prangen,
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Der sich die Pfeiler des Himmels, die Alpen, die er besungen,
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Zu Ehrensäulen gemacht. Wie blitzt die streifichte Wiese
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Von demantähnlichen Tropfen! Wie lieblich regnen sie seitwärts
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Von farbigten Blumengebüschen und blühenden Kronen der Sträuche!
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Die Kräuter sind wieder erfrischt, und hauchen stärkre Gerüche,
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Der ganze Himmel ist Duft. Getränkte Halmen erheben
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Froh ihre Häupter, und scheinen die Huld des Himmels zu preisen.