1
Empfangt mich heilige Schatten! ihr Wohnungen süsser Entzückung
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Ihr hohen Gewölbe voll Laub und dunkler schlafender Lüfte!
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Die ihr oft einsahmen Dichtern der Zukunft Fürhang zerrissen
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Oft ihnen des heitern Olymps azurne Thoren eröfnet
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Und Helden und Götter gezeigt; Empfangt mich füllet die Seele
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Mit holder Wehmuth und Ruh! O daß mein Lebensbach endlich
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Von Klippen da er entsprang in euren Gründen verflösse!
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Führt mich in Gängen voll Nacht zum glänzenden Throne der Tugend
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Der um sich die Schatten erhellt. Lehrt mich den Wiederhall reitzen
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Zum Ruhm der verjüngten Natur. Und ihr, ihr lachenden Wiesen!
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Ihr Labyrinthe der Bäche, bethaute Thäler voll Rosen!
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Ich will die Wollust in mich mit eurem Balsamhauch ziehen
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Und wenn Aurora euch weckt mit ihren Stralen sie trinken.
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Gestreckt im Schatten will ich in güldne Sayten die Freude
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Die in euch wohnet besingen. Reitzt und begeistert die Sinnen
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Daß meine Thöne die Gegend wie Zefirs Lispeln erfüllen
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Der jetzt durchs Veilchen-Thal fleucht, und wie die rieselnden Bäche.
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Auf rosenfarbnem Gewölk bekränzt mit Tulpen und Lilien
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Sank jüngst der Frühling vom Himmel. Aus seinen Busen ergoß sich
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Die Milch der Erden in Ströhmen. Schnell glitt von murmelnden Klippen
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Der Schnee in Bergen herab; Des Winters Gräber die Flüsse,
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Worin Felshügel von Eis mit hohlem Getöse sich stiessen,
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Empfingen ihn, blähten sich auf voll ungeduldiger Hoffnung
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Durchrissen nagend die Dämme, verschlangen frässig das Ufer
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Wald, Feld und Wiese ward Meer. Kaum sahn die Wipfel der Weiden
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Im Thal draus wankend herfür. Gefleckte Täucher und Enten
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Verschwanden, schossen herauf, und irrten zwischen den Zweigen
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Wo sonst für Schmerzen der Liebe im Laub die Nachtigall seufzte.
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Der Hirsch von Wellen verfolgt streift auf unwirthbare Felsen
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Die traurig die Fluth übersahn. Ergriffene Bären durchstürzten
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Das anfangs seichte Gewässer voll Wuth, sie schüttelten brummend
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Die um sich giessenden Zoten. Bald sank der treulose Boden
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Sie schnoben, schwammen zum Wald, umschlangen Tannen und Eichen
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Und huben sich träufelnd empor. Hier hingen sie ängstlich im Wipfel
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Von reissenden Winden, vom Heulen der Flüsse-speyenden Klippen
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Und untern Tiefe gescheucht. Der Büsche versamlete Sänger
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Betrachteten traurig und stumm von dürren Armen der Linden
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Das vormals glückliche Thal, wo sie den flehenden Jungen
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Im Dornstrauch Speise vertheilt. Die angekommene Lerche
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Sich aufwerts schwingend, beschaute die Wasserwüste von oben
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Und suchte verlassne Gefilde. Es flossen Schäuren und Wände
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Und Dächer und Hütten herum. Aus Giebeln und gleitenden Kähnen
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Versah der trostlose Hirt sich einer Sündfluth, die vormals
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Die Welt umrollte, daß Gemsen in schlagenden Wogen versanken.
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Der Boden trank endlich die Fluth. Von eilenden Dünsten und Wolken
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Flohn junge Schatten umher. Den blauen Umfang des Himmels
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Durchbrach ein blitzendes Gold. Zwar streute der weichende Winter
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Noch oft bey nächtlicher Umkehr von den geschüttelten Schwingen
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Reif, Eis und Schaure von Schnee; Noch liessen wütrische Stürme
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Die rauhe dumpfigte Stimm aus Islands Gegend erthönen
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Durchstreiften klagende Klüfte, verheerten taumelnde Wälder
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Und bliesen Schrecken herum, und Überschwemmung von Kälte;
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Bald aber siegte der vor noch ungesicherte Frühling.
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Die Luft ward sänfter; Ein Teppich geschmückt mit Ranken und Laubwerk,
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Von Büschen, Blumen und Klee, wallt auf Gefilden und Auen,
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Die Schatten wurden belaubt, ein sanft Gethöne erwachte,
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Und floh und wirbelt umher im Hayn voll grünlicher Dämmrung
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Die Bäche färbten sich silbern, im Luftraum flossen Gerüche
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Und Echo höret' im Grunde die frühe Flöte des Hirten.
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Ihr! deren zweifelhaft Leben gleich trüben Tagen des Winters
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Ohn Licht und Freude verfliesst, die ihr in Höhlen des Elends
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Die finstere Stunden verseufzt, betrachtet die Jugend des Jahres!
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Dreht jetzt die Augen umher, lasst tausend farbigte Scenen
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Die schwarzen Bilder verfärben! Es mag die niedrige Ruhmsucht
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Die schwache Rachgier, der Geiz und seufzender Blutdurst sich härmen
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Ihr seyd zur Freude geschaffen, der Schmerz schimpft Tugend und Unschuld.
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Saugt Lust und Anmuth in euch! schaut her! sie gleitet im Luft-Kreis
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Und grünt und rieselt im Thal. Und ihr, ihr Bilder des Frühlings
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Ihr blühenden Schönen! flieht jetzt den athemraubenden Aushauch
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Von güldnen Kerkern der Städte. Komt! komt! in winkende Felder
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Komt! überlasset dem Zefir zum Spiel die Wellen der Locken,
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Seht euch in Seen und Bächen gleich jungen Blumen des Ufers
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Pflückt Morgentulpen voll Thau, und ziert den wallenden Busen.
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Hier wo zur Linken der Fels mit Strauch und Tannen bewachsen
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Zur helfte den bläulichen Strohm, sich drüber neigend, beschattet,
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Will ich ins grüne mich setzen an weinende steinichte Höhen
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Und Thal und Ebne beschauen. O welch ein frohes Gewühle
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Belebt das streifichte Land! wie lieblich lächelt die Anmuth
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Aus Wald und Büschen herfür! Ein Zaun von blühenden Dornen
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Umschliesst und röthet ringsum die sich verlierende Weite
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Vom niedrigen Himmel gedrückt. Von bunten Moonblumen laufen
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Mit grünen Weitzen versetzt, sich schmälernde Beeten ins ferne
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Durchkreutzt von blühenden Flachs. Feldrosen-Hecken und Schleestrauch
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In Blüthen gleichsam gehüllt, umkränzen die Spiegel der Teiche
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Und sehn sich drinnen. Zur Seiten blitzt aus dem grünlichen Meere
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Ein Meer voll güldener Strahlen, durch Phöbus glänzenden Anblick,
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Es schimmert sein gelbes Gestade von Muscheln und farbigten Steinen
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Und Lieb und Freude durchtaumelt in kleiner Fische Geschwadern
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Und in den Riesen des Wassers die unabsehbare Fläche.
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Auf fernen Wiesen am See stehn majestätische Rösse,
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Sie werfen den Nacken empor und fliehn und wiehern für Wollust
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Daß Hayn und Felsen erschallt. Gefleckte Kühe durchwaten,
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Geführt vom ernsthaften Stier, des Meyerhofs büschichte Sümpfe
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Der finstre Linden durchsieht. Ein Gang von Espen und Ulmen
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Führt zu ihm, durch welchen ein Bach sich zeigt, in Binsen sich windend,
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Von hellen Schwänen bewohnt. Gebürge die Brüste der Reben
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Stehn frölich um ihn herum; Sie ragen über den Buchwald
98
Des Hügels Krone, davon ein Theil im Sonnenschein lächelt
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Und glänzt, der andere traurt im Flor vom Schatten der Wolken.
100
Die Lerche steigt in die Luft, sieht unter sich Klippen und Thäler;
101
Entzückung thönet aus ihr. Der Klang des wirbelnden Liedes
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Ergötzt den ackernden Landmann. Er horcht eine Weile; Denn lehnt er
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Sich auf den gleitenden Pflug, zieht braune Wellen im Erdreich
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Verfolgt von Krähen und Elstern. Der Säemann schreitet gemessen,
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Giesst güldne Tropfen ihm nach; Die zackichte Egde bewälzt sie
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Mit einer ebenen Decke. O daß der mühsame Landwirth
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Für sich den Seegen nur streute! daß ihn die Weinstöcke tränkten
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Und in den Wiesen für ihn nur bunte Wogen sich wälzten!
109
Allein der frässige Krieg von zähnebleckenden Hunger
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Und wilden Schaaren begleitet, verheeret oft Arbeit und Hoffnung;
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Gleich Hagelgüssen und Sturm zerbricht er nährende Halmen
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Reisst Stab und Reben zu Boden, entzündet Dörfer und Wälder
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Für sich zum flammenden Lustspiel. Denn fliegt ein mördrisch Gethöne
114
Und Tod und Jammer herum. Die Thäler blitzen von Waffen,
115
Es wälzen sich Wolken voll Feur aus tiefen Schlünden der Stücke
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Und füllen die Gegend mit Donner, mit Gluth und Saaten von Leichen.
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Das Feld voll blutiger Furchen gleicht einen wallenden Blutmeer;
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Ein Heer der furchtbarsten Thiere durch laufende Flammen geängstigt
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Stürzt sich mit hohlen Gebrüll in Uferfliehende Ströhme.
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Der Wiederhall selber erschrickt und klagt; Es zittern für Grauen
121
Die wilden Felsen und heulen. Des Himmels leuchtendes Auge
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Schliesst sich die Grausamkeit scheuend; Mit blauer Finsterniß füllen
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Sich aufwerts drehende Dämpfe gleich dickem Nebel den Luftkreis
124
Der oft vom Wiederschein blitzt. Wie, wann der Rachen des Etna
125
Mit ängstlich wildem Geschrey, daß Meer und Klippen es hören,
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Umlegne Dörfer und Städte, vom untern Donner zerrüttet,
127
Mit Schrecken und Tod überspeyt und einer flammenden Sündfluth.
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Den schwimmenden Schießhund. Denn spielen die haarigten Kinder, sie tauchen
150
Den Kopf ins Wasser und schnattern, sie hängen im Gleichgewicht abwerts
151
Und zeigen die rudernden Füsse. Hier lockt das Mägdchen die Hüner
152
Zum Hüner-Korbe, sie eilen, durchschlupfen die Sprossen des Tischsaals
153
Und fordern Nahrung. Die Wirthin sich drüber neigend, begiesst sie
154
Mit einem Regen von Korn, und sieht sie picken und zanken.
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Dort lauscht das weisse Kaninchen in dunkler Höhle; Es drehet
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Die rothen Augen herum, springt endlich furchtsahm zum Zaune
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Und reisst an staudichten Pappeln. Aus seines Wohnhauses Fenster
158
Sieht sich das Lachtäubchen um, kratzt den roth-silbernen Nacken
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Und fliegt zum Liebling aufs Dach. Er zürnt ob dessen Verweilen
160
Und dreht sich um sich und schilt; Bald rührt ihn das Schmeicheln der Schönen
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Viel Küsse werden verschwendet, bis sie mit schnellen Gefieder
162
Die Luft durchlispeln, und aufwerts sich zu Gespielen gesellen
163
Die blitzend im Sonnenglanz schwärmen. Von blühenden Fruchtbäumen schimmert
164
Der Garten, die kreutzende Gänge mit rother Dunkelheit füllen
165
Und Zefir gaukelt umher, treibt Wolken von Blüthen zur Höhe
166
Die sich ergiessen und regnen. Zwar hat hier Wollust und Hochmuth
167
Nicht Nahrung von Mohren entlehnt und sie gepflanzet; Nicht Myrthen
168
Nicht Aloen blicken durch Fenster. Das nutzbare Schöne vergnüget
169
Den Landmann, und etwan ein Kranz. Durch lange Gewölbe von Nuß-Strauch
170
Zeigt sich voll laufender Wolken der Himmel und ferne Gefilde
171
Voll Seen und büschichter Thäler umringt mit blauen Gebürgen.
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Das Auge durchirret den Auftrit bis ihn ein näherer schliesset.
173
Die Fürstin der Blumen die Lilie erhebt die Krone zur Seiten
174
Hoch über streifichte Tulpen. Seht! wie die Kinder des Frühlings
175
Liebkosend winken; Wie glänzt der Grund von lebenden Stoffen!
176
Die holde Mayblume drengt die Silberglöckchen durch Blätter
177
Und manche Rose durchbricht schon ungeduldig die Knospe.
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Es steigt unsehbarer Regen von lieblichen Düften zur Höhe
179
Und füllt die Lüfte mit Balsam. Die Nacht-Viole lässt immer
180
Die stölzere Blumen den Duft verhauchen; Voll Edelmuth schliesst sie
181
Ihn ein, im Vorsatz den Abend noch über den Tag zu verschönern.
182
Ein Bildniß grosser Gemüther, die nicht gleich prahlrischen Kämpfern
183
Der Kreis von Zuschauern reitzt, die tugendhaft wegen der Tugend
184
In der Verborgenheit Schatten Gerüche der Wohlthaten streuen.
185
Seht hin! wie brüstet der Pfau sich dort am farbigten Beete
186
Voll Eifersucht über die Kleidung der frölichen Blumen stolzirt er,
187
Kreist rauschend den grünlichen Schweif voll Regenbögen, und wendet
188
Den farbenwechselnden Hals. Die Schmetterlinge sich jagend
189
Umwälzen sich über den Bäumen mit bunten Flügeln; voll Liebe
190
Und unentschlossen im wählen beschauen sie Knospen und Blüte.
191
Indessen impfet der Herr des Gartens Zweige von Kirschen
192
Durchsägten Schleestämmen ein, die künftig über die Kinder
193
Die sie gesäuget erstaunen. Das Bild der Anmuth die Hausfrau
194
Sitzt in der Laube von Reben, pflanzt Stauden und Blumen auf Leinwand,
195
Die Freude lächelt aus ihr. Ein Kind der Gratien Liebling
196
Stört sie durch Plappern, am Hals mit zarten Armen ihr hangend,
197
Ein andres tändelt in Klee, sinnt nach, und stammlet Gedanken.
198
O dreymal seliges Volk das ohne Stürme des Unglücks
199
Das Meer des Lebens durchschifft, dem einsahm in Gründen die Tage
200
Wie sanfte Weste verpfliegen! Laß andre, dem wimmelnden Pöbel
201
Der Bäum und Dächer ersteigt zur Schau, in Siegswägen gleissen
202
Von Elephanten gezogen; Laß sie der Wellen Gebürge
203
Mit Wolken von Seegeln bedecken, und Japan in Westen versetzen,
204
Der ist ein Günstling des Himmels, den, fern von Foltern der Laster
205
Die Ruh an Quellen umschlingt. Auf ihn blickt immer die Sonne
206
Von oben lieblich herab, ihm braust kein Unglück in Wogen
207
Er seufzt nicht thörichte Wünsche, ihn macht die Höhe nicht schwindelnd,
208
Die Arbeit würzt ihm die Kost, sein Blut ist leicht wie der Ether
209
Sein Schlaf verfliegt mit der Dämmrung, ein Morgenlüftchen verweht ihn.
210
Ach! wär auch mir es vergönnt in euch, ihr holden Gefilde
211
Bestürmter Tugenden Häfen! ihr stillen Häuser des Friedens!
212
Gestreckt in wankende Schatten am Ufer schwatzhafter Bäche
213
Hinfort mir selber zu leben, und Leid und niedrige Sorgen
214
Vorüberrauschender Luft einst zuzustreuen! Ach möchte
215
Doch Doris die Thränen in euch von diesen Wangen verwischen
216
Und bald Gespräche mit Freunden in euch mein Leiden versüssen,
217
Bald redende Todte mich lehren, bald tiefe Bäche der Weisheit
218
Des Geistes Wissensdurst stillen! Denn gönnt ich Berge von Demant
219
Und goldne Klüfte dem Mogol, denn möchten kriegrische Zwerge
220
Fels-hohe Bilder sich hauen, die steinerne Ströhme vergössen,
221
Ich würde sie nimmer beneiden. Du Meer der Liebe, o Himmel!
222
Du ewger Brunnen des Heils! soll nie dein Ausfluß mich tränken?
223
Soll meine Blume des Lebens erstickt von Unkraut verblühen?
224
Nein, du beseligst dein Werk. Es lispelt ruhige Hoffnung
225
Mir Trost und Labsal zum Herzen; Die Dämmrung flieht vor Auroren,
226
Die finstre Decke der Zukunft wird aufgezogen, ich sehe
227
Ganz andre Scenen der Dinge und unbekannte Gefilde.
228
Ich sehe dich himmlische Doris! du komst aus Rosengebüschen
229
In meine Schatten, voll Glanz und majestätischem Liebreitz;
230
So trit die Tugend einher, so ist die Anmuth gestaltet.
231
Du singst zur Cyther und Phöbus bricht schnell durch dicke Gewölke
232
Die Stürme schweigen; Olymp merkt auf; Das Bildniß der Lieder
233
Thönt sanft in fernen Gebürgen, und Zefir weht mirs herüber.
234
Und du mein redlicher Gleim du steigst vom Gipfel des Hömus
235
Und rührst die Tejischen Sayten voll Lust. Die Thore des Himmels
236
Gehn auf, es lassen sich Cypris und Huldgöttinnen und Amor
237
Voll Glanz auf funkelnden Wolken in blauen Lüften hernieder,
238
Und singen lieblich darein. Der Sternen weites Gewölbe
239
Erschallt vom frohen Concert. Kom bald in meine Reviere
240
Kom! bring die Freude zu mir, beblüme Triften und Anger
241
O Paar! Zweck meiner Begierden, du milde Gabe der Gottheit.
242
Doch wie, erwach ich vom Schlaf? wo sind die himmlischen Bilder?
243
Welch ein anmuthiger Traum betrog die wachenden Sinnen?
244
Er flieht von dannen, ich seufze. Zuviel, zuviel vom Verhängniß
245
Im Durchgang des Lebens gefodert! Solch Heil gewährt nur die Hoffnung
246
Sein Schatten macht schon beglückt, selbst wird michs nimmer erfreuen.
247
Allein was quält mich die Zukunft; Weg ihr vergeblichen Sorgen,
248
Laß mich der Wollust geniessen die jetzt der Himmel mir gönnet,
249
Laß mich das fröliche Landvolk in dicke Haynen verfolgen
250
Und mit der Nachtigall singen, und mich beym seufzenden Giesbach
251
An Zefirs Thönen ergötzen. Ihr dichten Lauben, von Händen
252
Der Mutter der Dinge geflochten! ihr dunkeln einsahmen Gänge
253
Die ihr das Denken erhellt, Irrgärten voller Entzückung
254
Und Freude, seyd mir gegrüsst! Was für ein angenehm Leiden
255
Und Ruh und sanftes Gefühl durchdringet in euch die Seele!
256
Durchs hohe Laubdach der Schatten das streichende Lüfte bewegen,
257
Worunter ein sichtbares Kühl in grünen Wogen sich wälzet,
258
Blickt hin und wieder die Sonne, und übergüldet die Blätter,
259
Die holde Dämmrung durchgleiten Gerüche von Blüthen der Hecken
260
Die Flügel der Westwinde duften. In überirrdischer Höhle
261
Von krausen Sträuchen gezeugt, sitzt zwischen Blumen der Geißhirt
262
Bläst auf der hellen Schalmey, hält ein, und höret die Lieder
263
Hier laut in Buchen erthönen, dort schwach, und endlich verlohren,
264
Bläst, und hält wiederum ein. Tief unter ihn klettern die Ziegen
265
Am jähen Absturz der Kluft, sie reissen an bittern Gestäude,
266
Theils irren sie oben im Klee des Thals; Ihr bärtiger Ehmann
267
Ersteigt die über den Teich sich neigende Weide, beraubt sie
268
Der bläulichen Blätter und schaut von oben ernsthaft herunter.
269
Mit leichten Läuften streicht jetzt ein Heer gefleckter Hindinnen
270
Und Hirsche mit Ästen gekrönt durch grüne rauschende Büsche
271
Setzt über Klüfte, Gewässer und Rohr. Moräste vermissen
272
Die Spur der fliegenden Last. Gereitzt vom Frühling zur Liebe
273
Durchstreichen muthige Rösse den Wald mit flatternden Mähnen,
274
Der Boden zittert und thönt, es strotzen die Zweige der Adern,
275
Ihr Schweif empört sich verwildert, sie schnauben Wollust und Hitze
276
Und brechen, vom Ufer sich stürzend, die Fluth der Ströme zur Kühlung.
277
Dann setzen sie über das Thal auf hohe Felsen und schauen
278
Fern über den niedrigen Hayn aufs Feld durch seegelnde Dünste
279
Und wiehern aus Wolken herab. Jetzt eilen Stiere vorüber,
280
Aus ihrer Nasen raucht Brunst, sie spalten mit Hörnern das Erdreich
281
Und toben im Nebel von Staub. Verschiedne taumeln in Höhlen
282
Und brüllen dumpficht heraus, verschiedne stürzen von Klippen.
283
Aus ausgehöltem Gebürge fällt dort mit wilden Getümmel
284
Ein Fluß ins büschichte Thal reisst mit sich Stücke von Felsen
285
Durchrauscht entblössete Wurzeln der untergrabenen Bäume
286
Die über fliessende Hügel von Schaum sich bücken und wanken;
287
Des Waldes Laubgrotten thönen umher, und klagen darüber.
288
Es stutzt ob solchem Getöse das Wild und eilet von dannen,
289
Sich nahende Vögel verlassen, im Singen gehindert, die Gegend
290
Und suchen ruhige Stellen, wo sie den Gatten die Fühlung
291
Verliebter Schmerzen entdecken in pyramidnem Gesträuche
292
Und streiten gegen einander mit Liedern von Zweigen der Buchen.
293
Dort will ich lauschen und sie sich freun und liebkosen hören.
294
Fließ sanft o gläsernes Flüßchen! still! ächzende Zefirs im Laube
295
Schwächt nicht ihr buhlrisches Flistern. Schlagt laut Bewohner der Wipfel
296
Schlagt, lehrt mich euren Gesang! Sie schlagen; Symphonische Thöne
297
Durchfliehn von Eichen und Dorn des weiten Schattensaals Kammern
298
Die ganze Gegend wird Schall. Der Fink, der röthliche Hänfling
299
Pfeift hell aus Buchen. Ein Heer von tulpenfarbgen Stieglitzen
300
Hüpft hin und wieder auf Strauch, beschaut die blühende Distel,
301
Ihr Lied hüpft frölich wie sie. Der Zeisig klaget der Schönen
302
Sein Leiden aus Zellen vom Laub. Vom Ulmbaum flötet die Amsel
303
In hohlen Thönen den Baß. Nur die geflügelte Stimme
304
Die kleine Nachtigall weicht aus Ruhmsucht in einsahme Gründe
305
Durch dicke Wipfel umwölbt, der Traurigkeit ewige Wohnung,
306
(worinn aus Lüften und Feld der Nacht verbreitete Schatten
307
Sich scheinen verenget zu haben, als sie Auroren entwichen)
308
Und macht die schreckbare Wüste zum Luftgefilde des Waldes.
309
Dort tränkt ein finsterer Teich ringsum sich Weidengebüsche
310
Auf Ästen wiegt sie sich da, lockt laut und schmettert und wirbelt
311
Daß Grund und Einöde klingt. So rasen Chöre von Sayten.
312
Jetzt girrt sie sänfter, und läuft durch tausend zärtliche Thöne
313
Jetzt schlägt sie wieder mit Macht. Oft wenn ihr Liebling durch Vorwitz
314
Sich in belaubten Gebaur des grausamen Voglers gefangen
315
Der fern im Lindenbusch laurt; Denn ruhn der Lustlieder Fugen
316
Denn fliegt sie ängstlich umher, ruft ihrer Wonne des Lebens
317
Durch Klüfte, Felsen und Wald, seufzt unaufhörlich und jammert
318
Bis sie für Wehmuth zuletzt halbtodt zum Hecken herabfällt
319
Worauf sie gleitet und wankt mit niedersinkenden Haupte.
320
Da klaget um sie der Schatten des todten Lieblings, da dünkt ihr
321
Ihn wund und blutig zu sehn. Bald thönt ihr Jammerlied wieder
322
Sie setzt es Nächte lang fort und scheint bey jeglichen Seufzer
323
Aus sich ihr Leben zu seufzen. Die nahen sträuchichten Hügel
324
Hierdurch zum Mitleid bewogen, erheben ein zärtlich Gewinsel.
325
Allein was kollert und girrt mir hier zur Seiten vom Eichstamm
326
Der halb vermodert und zweiglos von keinem Geflügel bewohnt wird?
327
Teuscht mich der Einbildung Spiel? Sieh! plötzlich flattert ein Täubchen
328
Aus einen Astloch empor mit wandelbaren Gefieder,
329
Dieß zeugte den dumpfichten Schall im Bauch der Eichen. Es gleitet
330
Mit ausgespreiteten Flügeln ins Thal, sucht nickend im Schatten
331
Und schaut sich vorsichtig um mit dürren Reisern im Munde.
332
Wer lehrt die Bürger der Zweige voll Kunst sich Nester zu wölben
333
Und sie für Vorwitz und Raub, voll süssen Kummers, zu sichern?
334
Welch ein verborgener Hauch füllt ihre Herzen mit Liebe?
335
Durch dich ist alles was gut ist, unendlich wunderbar Wesen
336
Beherscher und Vater der Welt! Du bist so herrlich im Vogel
337
Der niedrig in Dornstauden hüpft, als in der Veste des Himmels,
338
In einer kriechenden Raupe, wie in dem flammenden Cherub.
339
See sonder Ufer und Grund! aus dir quillt alles, du selber
340
Hast keinen Zufluß in dich. Die Feuermeere der Sternen
341
Sind Wiederscheine von Tropfen des Lichts in welchem du leuchtest.
342
Dein Wagen sind gleitende Wolken, dein Herold geflügelte Winde
343
Sie eilen und melden dich an in Thönen voll heiligen Grauens.
344
Aurora dient dir zum Stuhl. Die Himmel unzehlbarer Sphären
345
Mit güldnem Schimmer durchbrochen, sind deiner Sääle Tapeten.
346
Du drohst den Stürmen, sie schweigen, berührst die Berge, sie rauchen,
347
Das Heulen aufrührischer Meere die zwischen wässernen Felsen
348
Den Sand des Grundes entblössen, ist deiner Herrlichkeit Loblied.
349
Der Donner mit Flammen beflügelt verkündigt mit brüllender Stimme
350
Die hohen Thaten von dir. Für Ehrfurcht zittern die Hayne
351
Und wiederhallen dein Lob. Heerscharen funkelnder Wächter
352
Der blauen Lüfte, verbreiten in tausend harmonischen Thönen
353
Die Grösse deiner Gewalt und Huld von Pole zu Pole.
354
Doch wer berechnet die Menge von deinen Wundern! wer schwingt sich
355
Durch deine Tiefe o Schöpfer! Vertraut euch Flügeln der Winde
356
Ruht auf den Pfeilen des Blitzes, durchstreicht den Glanzvollen Abgrund
357
Der Gottheit, ihr endlichen Geister! durch tausend Alter des Weltbaus,
358
Ihr werdet dennoch zuletzt kein Pünktchen näher dem Grunde
359
Als bey dem Ausfluge seyn. Verstummt denn bebende Sayten!
360
So preist ihr würdger den HERRN.
361
Ein Fluß von lieblichem Duft den Zefir mit säuselnden Schwingen
362
Von nahgelegener Wiese herbeyweht, nöthigt mich zu ihr.
363
Da will ich an schwirrendem Rohr in ihrer Blumenschooß ruhend
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Mit starken Zügen ihn einziehn. Kom zu mir Liebling Minervens
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Mein treuster – – – – durch den jüngsthin der Winter mir grünte
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Von dessen Lippen die Freude zu meinem Busen herabströhmt,
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Kom! leg dich zu mir und mach die Gegend zur himmlischen Wohnung.
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Laß uns der Kinder der Flora Gestalt und Liebe bewundern
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Und spotten mit ihnen geschmückt des hohen Pöbels im Purpur.
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Besing die Schönheit der Tugend; Laß deines Mundes Gespräche
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Mir süsser als Rosenduft seyn. Hier ist der Gratien Lustplatz
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Kunstlose Gärte durchirrt hier die Ruh, hier rieselt Entzückung
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Mit hellen Bächen heran. Den grünen Kleeboden schmücken
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Zerstreute Wälder von Blumen. Ein Meer von holden Gerüchen
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Wallt unsichtbar über der Flur in grossen taumelnden Wogen
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Von lauen Winden durch wühlt. Es ist durch tausend Bewohner
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Die bunte Gegend belebt. Hochbeinigt watet im Wasser
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Dort zwischen Kräutern der Storch, und blickt begierig nach Nahrung,
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Dort gaukelt der Kiwitz und schreyt ums Haupt des müssigen Knaben
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Der seinem Neste sich naht. Jetzt trabt er vor ihm zum Ufer
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Als hätt er das Fliegen vergessen, reitzt ihn durch Hinken zur Folge
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Und lockt ihn endlich ins Feld. Unzehlbare schimmernde Würmchen
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Umflattern freudig den Schilf, theils laufen sie unten im Grase
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Durch Labyrinthe von Blumen in rothen und güldenen Schatten
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Und glauben im Haynen zu irren. Zerstreute Heere von Bienen
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Durchsäuseln die Lüfte, sie fallen auf Klee und blühende Stauden
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Und hängen glänzend daran wie Thau vom Mondschein vergüldet;
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Denn eilen sie wieder zur Stadt die ihnen im Winkel des Angers
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Der Landmann aus Körben erbaut. Rechtschaffner Weltweisen Bildniss
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Die sich der Heymath entziehn, der Menschheit Gefilde durchsuchen,
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Und denn heimkehren zur Zelle mit süsser Beute beladen
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Und liefern uns Honig der Weisheit. Ein See voll fliehender Wellen
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Rauscht in der Mitte der Au, draus steigt ein Eiland zur Höhe
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Mit Bäumen und Hecken gekrönt, das wie vom Boden entrissen
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Scheint gegen die Fluthen zu schwimmen. In einer holden Verwirrung
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Prangt drauf der Hanbuttenstrauch voll feuriger Sternchen, der Quitzbaum,
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Holunder, raucher Wacholder, und sich umarmende Palmen.
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Das Geißblat schmiegt sich an Zweige der wilden Rosengebüsche,
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Aus Wollust küssen einander die jungen Blüthen, und hauchen
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Mit süssen Athem sich an. Um bunte Kränze des Erdreichs
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Schleicht Brombeer langsahm im Klee, zieht grüne Netze dazwischen
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Mit sich durchkreutzenden Ranken. Der blühnde Hagdorn am Ufer
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Bückt sich hinüber aus Stolz und sieht verwundernd im Wasser
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Den weissen und röthlichen Schmuck. O Schauplatz der du die Freude
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Ins Herzens innerstes mahlst, ach! daß die Wärme die annoch
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Seitdem der Winter von uns entflohn, kein Regen gemildert
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Dich samt Gefilden und Gärten die nach Erfrischung sich sehnen
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Doch nicht der Zierde beraubte und seiner Hoffnung den Landmann!
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Erquick sie gnädiger Himmel und überschütte von oben
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Mit deiner Güte die Erde. – – – Er komt! er komt! in den Wolken
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Der Seegen, dort taumelt er her, und wird sich in Ströhmen ergiessen.
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Schon streicht der Westwind voran, schwärmt in den Blättern der Bäume
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Und wirbelt die Saaten wie Strudel. Die Sonn eilt hinter den Fürhang
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Von Baumwoll ähnlichem Dunst; Es stirbt der Schimmer des Himmels
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Und eine Decke von Schatten läuft über Thäler und Hügel.
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Gekraust durch silberne Zirkel die sich vergrössernd verschwinden
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Verräth die Fläche des Wassers den noch nicht sichtbaren Regen. – – –
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Jetzt fällt er häuffiger nieder sich wie Gewebe durchkreutzend,
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Kaum schützt des Erlenbaums Zelt mich für den rauschenden Güssen.
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Der Wind umwälzt sich in ihm und treibt ihn vor sich wie Seegel
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Er macht die Lüfte voll Tropfen zur See voll wallender Fluthen.
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Das Volk das kürzlich aus Wolken die Gegend mit Liedern erfüllte
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Schweigt und verbirgt sich in Büsche. Im Lindenthal drengt sich in Kreisen
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Vom Dach der Zweige bedeckt die Wollenheerde um Stämme,
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Feld, Luft und Höhen sind öde nur Schwalben schiessen in Schaaren
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Im Regen, die Teiche beschauend. – – – Die Augenlieder die jetzo
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Das Auge des Weltkreises deckten, die Dünst' erheben sich plötzlich
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Nun funkelt die Bühne des Himmels, nun sieht man hangende Meere
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In hellen Tropfen zerrinnen und aus den Lüften verschwinden,
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Es lachen die Gründe voll Blumen, und alles freut sich ob flösse
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Der Himmel selber zur Erden. Jedoch schon schiffen von neuem
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Beladne Wolken vom Abend und hemmen wieder das Licht
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Sie schütten Seen herab, und säugen die Felder wie Brüste. – – –
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Auch die vergiessen sich endlich. Ein güldner Regen von Strahlen
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Füllt jetzo wieder die Luft; Der grüne Hauptschmuck der Felsen,
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Voll von den Saaten der Wolken, spielt blendend gegen der Sonne;
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Verjüngt, voll Schimmer und lächelnd, voll Lichter Streifen und Kränze
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Sehn die Gefilde mich an. Tauch in die Farben Aurorens
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Mahl mir die Landschaft, o du! aus dessen ewigen Liedern
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Der Aare Ufer mir duften und vor den Angesicht prangen,
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Der sich die Pfeiler des Himmels die Alpen die er besungen
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Zu Ehrensäulen gemacht. Wie blitzt die streifichte Wiese
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Von Demant ähnlichen Tropfen! wie lieblich regnen sie seitwerts
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Von farbigten Blumengebüschen und blühenden Kronen der Sträuche.
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Die Kräuter sind wieder erfrischt und hauchen stärkre Gerüche,
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Der ganze Himmel ist Duft. Getränkte Halmen erheben
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Froh ihre Häupter, und scheinen die Huld des Himmels zu preisen.