38. An Anna, die spröde

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Paul Fleming: 38. An Anna, die spröde (1624)

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Als Echo ward zu einem Schalle,
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zu einer unbeleibten Luft,
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die durch das Tal mit halbem Halle,
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die, so sie rufen, wieder ruft,
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da ward der hole Wald voll Klage,
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das feige Wild stund als betört,
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die Nymfen ruften Nacht und Tage,
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wo bist du, Lust, die man nur hört?

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Narzissus, dir ist recht geschehen,
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vor sahst du sie und woltst sie nicht.
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Itzt wilt du, die du nicht kanst sehen,
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und hörst nur, was sie dir nachspricht.
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Der Brunnen, der dich dich ließ schauen,
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der strafte deinen stolzen Muth,
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daß nun nicht eine von den Frauen
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dir bis auf diesen Tag ist gut.

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Nicht, nicht so ist mein Sinn gesinnet,
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bei mir ist alles umgewant.
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Ich liebe, die mir Böses gönnet,
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ich folge der, die nicht hält Stand.
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Ich lauf', ich ruf', ich bitt', ich weine;
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sie weicht und schweigt und stellt sich taub.
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Sie läugnets und ists doch alleine,
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die mir mein Herze nimmt in Raub.

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Ach, Freundin, scheu der Götter Rache,
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daß da dir nicht zu sehr gefällst,
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daß Amor nicht einst deiner lache,
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den du itzt höhnst und spöttlich hältst.
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Daß, weil du nichts von mir wilst wissen,
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ich nicht mit Echo lasse mich,
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und du denn müssest mit Narzissen
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selbst lieben und doch hassen dich.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Fleming
(16091640)

* 05.10.1609 in Hartenstein, † 02.04.1640 in Hamburg

männlich, geb. Fleming

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller und Arzt

(Aus: Wikidata.org)

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