25. An die baltischen Sirenen

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Paul Fleming: 25. An die baltischen Sirenen (1624)

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Auf alle meine Lust und Freud',
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auf alle meine Wonne
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empfind' ich nun die trübe Zeit,
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daß mir scheint keine Sonne.
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Blitz, Regen, Nebel, Sturm und Wind
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sind mich zu töten ganz gesinnt,
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das Wetter schlägt zusammen
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mit Güssen und mit Flammen.

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Seit daß ich euer bin beraubt,
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ihr Schönsten auf der Erden,
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ist mir ganz keine Lust erlaubt,
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ich kan nicht frölich werden.
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Ich weiß es, wie und was es sei
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um ewige Melancholei,
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weil nichts in meinem Herzen
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regiert als bittre Schmerzen.

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Leg' ich mich oder steh' ich auf,
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wach' oder schlaf ich wieder,
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so schläget Pein und Angst vollauf
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mein mattes Herze nieder.
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Ich schaffe, was ich immer kan.
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Bald greif' ich das, bald jenes an,
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doch kan ich meiner Plagen
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mich nimmermehr entschlagen.

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Habt ihr mich auch recht froh gesehn,
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ihr baltischen Sirenen?
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Ist mir von Herzen wol geschehn
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bei eurer Lust, ihr Schönen?
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Zwar eure Gottheit nahm mich ein,
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daß ich euch mußte günstig sein,
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doch war ich nie ohn' Schmerzen
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um meines Herzens Herzen.

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Apollo, der du alles weißt,
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Apollo, sei mein Zeuge,
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daß mir mein hochbetrübter Geist
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nicht zuläßt, daß ich schweige.
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Ich singe meiner Angst Begier
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den Wäldern und den Vögeln für.
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Die Vögel und die Wälder,
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die schreiens durch die Felder.

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Zythere, Mutter meiner Pein,
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ach sei doch einmal milde!
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Soll allzeit ich entnommen sein
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so manchem schönen Bilde?
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Ich flehe deinen Wagen an.
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Will Jupiter, ich werd' ein Schwan,
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ich werd' ein güldner Regen
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von meiner Liebsten wegen.

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Und du, o Stifter dieser Not,
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Kupido, dem ich flehe,
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bist du des Himmels stärkster Gott,
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so wehre diesem Wehe!
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O Kind, o Knabe, groß von Macht,
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nim deinen Diener doch in Acht,
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der sich erbeut, sein Leben
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in deinen Tod zu geben.

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Reißt aus, ihr Ströme meiner Qual,
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reißt aus, ihr Tränenbäche,
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befeuchtet meiner Wangen Tal,
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weil ich fast mehr nicht spreche.
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Brecht, meine Seufzer, durch die Luft,
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weil ich mich ganz hab' abgeruft,
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sagts, daß ich bin verloren,
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in ihre leise Ohren.

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Leander war ein Glückeskind
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für mir und meinesgleichen.
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Ihn hat verschlungen See und Wind
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vor seiner Liebe Zeichen.
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Ich walle durch das wilde Meer
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itzt hier, itzt da, bald hin, bald her.
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Mein Leitstern, eure Liebe
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verlöscht mir durch das Trübe.

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Laß aber diese Klagen sein,
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o mein Geist, o mein Wille.
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Auf Regen folget Sonnenschein,
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auf Sturmwind sanfte Stille.
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Tritt unter dich, hüll' dich in dich,
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bis daß das Wetter lege sich.
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Was man nicht kan vermeiden,
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das muß man tapfer leiden.

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Ach, Schönste, die der Himmel liebt
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und was den Himmel kennet
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erfreut mich, wie ihr mich betrübt,
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löscht, wie ihr mich verbrennet.
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Ein einiges Gedenken macht,
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daß dieser Mund auch weinend lacht.
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Wollt ihr dem Schaden schaden,
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so laßt mich sein in Gnaden.

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Merkt, was euch dieser Mund verspricht,
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das schwört sein Herze drinne.
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Aus meinem Sinne kommt ihr nicht,
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weil ich mich selbst besinne.
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Ihr Püsch', ihr Bäche, höret zu,
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du ungeneigter Himmel du,
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sag' ich es nicht von Herzen,
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so dupple mir die Schmerzen.

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Klagt mit mir mein Verhängnüß an,
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ihr adelichen Damen,
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und weil ich selbst nicht kommen kan,
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so nehmet meinen Namen.
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Vergießt ihr denn ein Tränlein nur
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um mich verlaßne Kreatur,
103
ach wol mir, wol mir Schwachen,
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diß wird mich stärker machen!

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Säumt nicht, ihr trüben Zeiten ihr,
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säumt nicht, verlauft geschwinde,
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daß ich der Erden schönste Zier
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in ihrer Schönheit finde.
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O Menschentrost, o Götterzier,
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ach Föbus, scheine balde mir,
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laß mir nach diesen Plagen
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es frölich wieder tagen.

113
Seid tausent tausentmal gegrüßt,
114
ihr Sonnen meiner Freuden!
115
Seid durch die hole Luft geküßt,
116
ich muß und soll mich scheiden.
117
Ade, zu guter Nacht, Ade,
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mein Herze bricht mir vor dem Weh',
119
Ade, ihr Mensch-Götinnen,
120
darmit bin ich von hinnen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Fleming
(16091640)

* 05.10.1609 in Hartenstein, † 02.04.1640 in Hamburg

männlich, geb. Fleming

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller und Arzt

(Aus: Wikidata.org)

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