33. Auf Herrn Timothei Poli Namenstag

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Paul Fleming: 33. Auf Herrn Timothei Poli Namenstag (1624)

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Ja, er hat es weit gebracht,
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unsrer Sprache werter Meister!
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Durch den Witz der klugen Geister
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hat er uns den Weg gemacht,
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daß wir nun die höchsten Sinnen
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vieler Völker trutzen können.

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Unser wird, was Andern war.
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Unsern Deutschen mag nicht gleichen
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Wenn
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so will ganz nichts Fremdes klingen.

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Auch das Alte wird verjüngt.
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Der Pelasger schönes Wesen
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und was Rom zuvor gelesen
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hört man, wie mans bei uns singt.
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Venus und ihr ganzer Orden
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ist nun kurz auch hochdeutsch worden.

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Du durchrennst des Lobes Bahn,
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Freund, mit abgeschoßnem Zügel!
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Ich auch setz' in vollem Bügel
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auf das schöne Wesen an,
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von dem Dafnes edle Sprossen
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um mein braunes Haar geschossen.

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Kastalis, dein teurer Fluß
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soll durch mich auch sich ergießen
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und mit völlern Ufern fließen
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um Cytherons grünen Fuß!
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Cyrrha soll mir Anlaß geben,
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was mein

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Heute laß uns unser sein!
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Der Tag, dein Tag, der so schöne,
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ruft uns treue Musensöhne
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von uns aus und zu dir ein.
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Der Tag, dein Tag, den wir ehren,
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soll uns neue Freude lehren.

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Dann so laß uns alles Leid,
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allen Kummer in die Gaben
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des gesunden Evans graben!
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Dann gedenk an keinen Neid,
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der, indem er uns verletzet,
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auf sich selbst sein Messer wetzet!

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Was bekümmert dich ein Maul,
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das nichts anders kan als klaffen
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und aus Gutem Böses schaffen,
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schnell' auf Schmach, auf Loben faul?
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Laß sie sagen, was sie wollen,
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wenn nur wir tun, was wir sollen!

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Wenn der Reben güldner Saft
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in den lichten Römern springet,
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und uns in die Stirne dringet
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seiner Stärke heiße Kraft,
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da vergessen wir der Sachen,
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die die Herzen irdisch machen.

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Das ist unser Pegasus,
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der uns von dem schweren Volke
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hoch setzt über eine Wolke,
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da uns Niemand schaden muß.
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Ehren uns Thymbräus Schwestern,
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so laß jene sicher lästern!

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Recht so,
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Her die Hand, dieweil ich trinke!
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Doch von Herzen geht die Linke,
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wie man itzt will sein getraut.
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Wer uns heute wird betrüben,
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den soll Phöbus nimmer lieben!

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der ihm um das Schorsteinfeuer
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wol läßt schmecken deinen Wein.
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Was du schenkest deinen Gästen,
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das kömmt dennoch dir zum Besten!

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Sind der Freunde mehr noch hier,
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wol! so laß sie alle kommen!
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Keiner muß sein ausgenommen,
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der dich ehrt und liebt wie wir.
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Du und er und ich und Alle
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wollen frölich sein mit Schalle.

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Sa, ihr Freunde, machts wie ich!
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Leeret die gefüllten Schaalen!
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Sa, ihr Brüder, seht auf mich!
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Tut mirs nach, wie ichs euch weise:
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auf die Wolfart unsrer Reise!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Fleming
(16091640)

* 05.10.1609 in Hartenstein, † 02.04.1640 in Hamburg

männlich, geb. Fleming

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller und Arzt

(Aus: Wikidata.org)

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