22. An eben Selbige

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Paul Fleming: 22. An eben Selbige (1624)

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Dieses, was ich euch itzt singe,
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denkt nicht, daß es meine sei!
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Dessen ists, der solche Dinge
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durch euch, ihr gelobten Zwei,
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ihm gedenket zu verbringen,
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die man weit und breit soll singen.

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Das erlöste Volk der Erden,
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so nach Gottes Sohne heißt
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und durch euch soll freier werden,
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das erhebet Stimm' und Geist
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und ruft wie aus einem Munde:
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Zieht zu einer guten Stunde!

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Zieht zu einer guten Stunde!
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rufen wir und wer euch liebt.
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Wem es geht von Herzengrunde,
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der ist mehr froh als betrübt;
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diß, weil ihr ihm seid benommen;
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jenes, was darauf soll kommen,

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was ihr halb froh itzund schauen,
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ja kaum noch besprechen könnt.
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Eure selbst Ihr, eure Frauen,
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wündschen euch, was ihr euch gönnt,
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hoffend, dieses saure Scheiden
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bring' einst desto süßre Freuden.

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Das Geschrei so großer Sachen
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dringet durch die breite Welt.
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Die erfreuten
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bis ihr euch vor ihnen stellt.
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wie es euch bald soll empfangen.

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Euch soll treffen ganz kein Schade!
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Wie
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soll das
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euch sehn steigen auf sein Land!
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Ihr sollt, wie ihr werdet spüren,
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auch den Schwächsten nicht verlieren!

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Gott, der Leitstern, ist nicht trübe,
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zeigt den Weg auf fremder See.
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Eurer hohen Fürsten Liebe
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sein die Brüder Helene.
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Wind und Flut fugt nach Begehren
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durch so manche Wündsch' und Zähren.

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Nord und Osten, Süd und Westen,
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die verschwören sich zu euch.
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Euch ist gönstig nach dem Besten
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das gemeine Sternen-Reich.
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Wer mit Gott und Menschen reiset,
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der ist billich hochgepreiset.

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Ich bin froh, daß mir der Himmel
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solche Gunst hat angetan,
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daß ich unser Kriegsgetümmel
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kan von fernen sehen an
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und den Weg so hoher Sachen
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mit euch großen Leuten machen.

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Was wol soll mich das bewegen,
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was hiervon der Pövel spricht,
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der sich Allem setzt entgegen,
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was er selbst kan haben nicht?
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Künftig will ich Einen fragen,
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was er denn darzu wird sagen.

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Mutter
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deine langen Kriege hin,
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weil du nun kanst satt ermessen,
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was bei Zank ist für Gewin!
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So du bist des Schlagens müde,
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so ergreife doch den Friede!

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Des Verhängnüß Schreiberinnen,
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die drei Parzen, gehn herein:
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was sie künftig werden spinnen,
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soll von Nichts als Gutem sein.
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Die verlebte Zeit der Erden
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soll der jungen ähnlich werden.

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Hier hat Gottes Grimm ein Ende:
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förderhin gilt Nichts als Gunst.
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Samlet euch, ihr hohen Stände,
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heget eine neue Brunst,
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eine Brunst, so die noch Schwachen
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froh und warm und stark kan machen!

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Diß Land, das von neuem Zagen
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itzt erzittert weit und breit,
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wird alsdenn erfreuet sagen:
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Es ist überhin mein Leid.
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Ach, daß dieser Trost der Frommen
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doch noch heute solle kommen!

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Gute Nacht, ihr
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du berühmtes ebnes Land!
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Wasser, Berge, Wildniß, Wälder
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stoßen uns forthin zu Hand.
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Denkt, daß eurer Ruhe wegen
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wir der Mühe ziehn entgegen!

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Gott der geb' euch besser Glücke
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und gewündschtern Sonnenschein!
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Kommen wir, will er, zurücke,
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so soll alles Friede sein
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oder, will es nicht gelingen,
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so wolln wir euch einen bringen!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Fleming
(16091640)

* 05.10.1609 in Hartenstein, † 02.04.1640 in Hamburg

männlich, geb. Fleming

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller und Arzt

(Aus: Wikidata.org)

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