21. An die Holsteinischen Herren Abgesandten

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Paul Fleming: 21. An die Holsteinischen Herren Abgesandten (1624)

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Nunmehr bricht die Zeit heran,
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daß du, Christ, dich einst solst rächen
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und dem seine Kräfte brechen,
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der dir alles Leid tut an,
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der so oft dein Blut gelecket
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und mit bloßem Namen schrecket.

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Der versöhnte Himmel weist,
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wie er wieder wolle segnen,
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läßt uns seine Gunst begegnen,
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wo uns noch sein Eifer schmeißt.
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Was uns itzt noch denkt zu dämpfen,
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soll vor unser Leben kämpfen.

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Diese Zwei, diß treue Paar,
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das die höchsten Häupter lieben
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und an ein solch Werk verschrieben,
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dem gleich keines wird noch war,
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dieses Paar hat Gott versehn
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zu dem, was soll bald geschehn.

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Das Verhängnüß ist bedacht
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dieses lange Kriegeswetter,
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das der frommen Rauten Blätter
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kaum nicht ganz hat umgebracht,
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über ein solch Kraut zu treiben,
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das ihm ewig denkt zu bleiben.

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Gnug, ihr Brüder, werdet Freund'!
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Dortnaus, dort, wo Phöbus zäumet,
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wenn uns hier noch süße träumet,
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dortnaus, dort ist unser Feind.
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Künftig laßt uns wieder holen,
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was der Dieb uns abgestolen!

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Was ernährn wir unsern Tod?
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Laßt uns ihm den Vorteil nehmen
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und die starken Nerven lähmen!
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Her die Rüstung, Kraut und Lot!
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Wachet, wie Soldaten ziemet!
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Zeit und Ort wird itzt beniemet.

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Deucht michs oder seh' ichs schon,
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wie die lauten Feld-Posaunen
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und die donnernden Kartaunen
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untermengen ihren Ton,
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daß des
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furchtbar sich als Steine stellen?

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Der entfärbte
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schlingt in sich die blassen Heiden.
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Fahnen, Spieße, Schwert und Scheiden
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führt der bebende
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werden zitternd für uns schwitzen.

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Unsre
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leitet mit erfreuten Wellen
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unsre dapfern Bundsgesellen
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bis fast vor des
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eh' daß du dich denkst zu schmeißen!

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Landsman,
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was du bist an dir gewohnet!
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Es gilt hier nicht, daß man schonet.
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Itzund hast du deinen Man!
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Vor und itzt noch schlägst du, Blinder,
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auf dich selbst und deine Kinder.

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Diß Schwert, das du itzuod schon
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hast auf deinen Freund gezücket,
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soll dem, der sich kaum drauf schicket,
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geben seinen wahren Lohn.
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Das auf dich gegoßne Stücke
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soll ihm brechen sein Genicke.

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Tut indessen, was ihr tut,
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o ihr zwei getreuen Wächter,
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bähnt den Weg vor unsre Fechter!
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Diß fängt an kein feiges Blut.
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Was ihr großen Leute dichtet,
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ist, als wär' es schon verrichtet.

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Was ist eurem Ruhme gleich?
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Ihr seid unbesorgt, das Leben
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in fast nahen Tod zu geben
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für das heilge Christenreich.
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Dieses Lob kan nicht verderben
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und läßt ewig euch nicht sterben.

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Äol und Neptun stehn hier,
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schwören mit gebotnen Händen,
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daß sie Alles wollen wenden,
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was sich euch will schützen für.
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euch zu liefern alle Stunden.

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Das bewohnt' und öde Land
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will euch allen Vorschub schaffen.
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Ganz kein
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nehmen wider euch zur Hand.
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Euch hat Gott, der vor euch wachet,
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auch das Wilde zahm gemachet.

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Die gemeine Christenheit
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läßt nicht ab für euch zu bitten.
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Euch folgt nach auf allen Schritten,
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was ihr wollt und sie erfreut.
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Es wird euch auf allen Seiten
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manch beseufzter Wundsch begleiten.

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Zieht, zieht hin, ihr Frommen, ihr!
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Gott und Fürsten, die euch schicken,
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lassen Alles wol gelücken!
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Und stellt euch diß stetig für:
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Was der Himmel heißt vollbringen,
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wird und soll und muß gelingen!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Fleming
(16091640)

* 05.10.1609 in Hartenstein, † 02.04.1640 in Hamburg

männlich, geb. Fleming

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller und Arzt

(Aus: Wikidata.org)

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