14. An Herrn M. Christof Buhlen, von seiner Charitillen

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Paul Fleming: 14. An Herrn M. Christof Buhlen, von seiner Charitillen (1624)

1
Zwar ich hatte längst in Willen,
2
dir und deiner
3
einen Ton zu stimmen an,
4
daß man könt' auch künftig sagen,
5
daß ich Lust zu euch getragen.

6
Seit mir aber meine Freuden
7
mein Verhängnüß mißgegünt,
8
und die von mir müssen scheiden,
9
die mein Sin noch stets besint,
10
ist mir etwas anzufangen
11
alle Lieb' und Lust vergangen.

12
Und wo ist denn
13
deine Hülle, deine Fülle
14
und dein ganzes Du nach dir,
15
ich ein Lied soll lassen hören?

16
Deine Lust, sie ist entwichen,
17
deine Zier ist weit von dir.
18
Du auch bist ihr nach geschlichen,
19
nur dein Schatten ist noch hier,
20
nun uns Gottes Eifer rühret
21
und in ein solch Elend führet.

22
Schöne Stadt, ich trag' Erbarmen
23
über deinen schweren Fall,
24
daß dich Furcht und Tod umarmen
25
hier und da und überall.
26
Wenn, ach! wenn wol wirds geschehen,
27
daß wir dich in Frieden sehen?

28
Ich, wie sehr ich sonst verletzet
29
über der
30
werde doch itzt mehr verhetzet
31
zu betrüben meinen Sin,
32
weil ich dich, du werter
33
nicht seh' in der Liebes-Schule.

34
Weiln auch deine
35
nicht bei uns zugegen ist,
36
so ist Alles öd' und stille,
37
Alles hat sein Leid erkiest.
38
Nichts will Fröligkeit beginnen,
39
weil die Freud' ist selbst von hinnen.

40
Phöbus scheint mir selbst zu trauren,
41
er verkürzt den müden Tag,
42
weil er um bewußte Mauren
43
seine Zier nicht sehen mag.
44
Lune will mich blässer deuchten
45
und die Sternen minder leuchten.

46
Da man sonsten hin und wieder
47
um den
48
hörte manche schöne Lieder,
49
da ist itzt ein Stillestand.
50
Alle Hirten, alle Heerden
51
sieht man stündlich dünner werden.

52
Aller Trost ist hin verschwunden
53
mit dem Sommer und mit ihr.
54
Du hast keine Lust empfunden,
55
seit sie, Freund, nicht ist bei dir.
56
Doch so mach dir nicht zu bange!
57
Sie wird sein von dir nicht lange.

58
Zweierlei hat man vom Lieben,
59
so man standhaft ausverharrt:
60
in dem Absein das Betrüben,
61
Freuen in der Gegenwart.
62
Lust und Leid ist der ergeben,
63
wer in treuer Brunst will leben.

64
Kommt doch bald, ihr edlen Tage,
65
komm doch bald, du güldne Zeit,
66
daß mein
67
Weg, verhaßte Traurigkeit!
68
Ich bin aller Not entnommen;

69
Denn will ich auch lustig singen
70
und mit euch mich freuen sehr,
71
obgleich ich von gleichen Dingen
72
nichts zu hoffen nimmermehr.
73
Muß schon ich mich stets betrüben,
74
doch seh' ich gern' Andre lieben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Paul Fleming
(16091640)

* 05.10.1609 in Hartenstein, † 02.04.1640 in Hamburg

männlich, geb. Fleming

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller und Arzt

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.