11. Auf Herrn Godfried Simmerlins seinen Geburtstag

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Paul Fleming: 11. Auf Herrn Godfried Simmerlins seinen Geburtstag (1624)

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Werd' ich euch auch wieder grüßen,
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ihr vor lieben Bücher ihr,
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und auf euch so sein beflissen,
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Aristotel und Porphyr,
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als ich wol bevor gewesen,
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da ich über eurem Lesen
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manchen Tag und manche Nacht
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lustig habe durchgebracht?

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Und du zweier Kunst' Erfinder,
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des Arznei und Saiten sind,
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wo doch lass' ich deine Kinder,
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meine Brüder, so geschwind'?
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der mich schöne Sachen lehrte,
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flieh' ich itzt als meinen Feind.

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Auch die deutschen Kastalinnen,
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meine Zier und ander Preis,
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sind ein Ekel meiner Sinnen.
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Pegasis wird mir zu Eis.
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Hippokrene ist versogen,
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hat mir allen Saft entzogen.
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Was mir sonsten Sehnen war,
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ist mir itzt ein Grauen gar.

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Nein! Ich kan nicht mehr so sitzen,
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mich tun in den eiteln Bann
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und mit dem den Leib abnützen,
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das ihm doch nichts frommen kan.
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Soll ich fort und fort studiren
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und ein blasses Leben führen,
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da ich sterbe wie der Man,
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der wie ich stirbt und nichts kan?

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Er indessen braucht der Freuden
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und giebt seinen Wundsch darein.
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Wir nur sind so unbescheiden,
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die wir weise wollen sein,
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daß wir da ein Ding erwählen,
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das doch nur beschwert die Seelen,
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das nur ist ein bloßer Wahn,
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der uns so verzäubern kan.

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Soll ich mir solch Elend machen,
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mich ins Finstre sperren ein,
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wenig schlafen, lange wachen,
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halbsatt essen, durstig sein?
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Hätt' ich Lust zu diesem Orden,
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so wär' ich ein Mönch längst worden,
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die, ob man sie gleich sperrt ein,
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doch in ihrer Freiheit sein.

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Weg, ihr Klugen! Ich bin klüger.
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Liberei, gehab dich wol!
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Plato, du bist ein Betrieger!
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Ich weiß, was ich wissen soll.
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Ich will in das Grüne gehen,
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wo die dicksten Blumen stehen,
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wo des Jahrs Apell, der Mai
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Alles malet mancherlei.

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Meine Lust ist bei den Bächen
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um manch stummes Wasserkind,
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wo die tollen Frösche zechen
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und in stetem Jauchzen sind,
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wo die freierischen Westen
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bulen mit den schwanken Ästen
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und weh'n einen Hall darein,
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als es solten Küsse sein.

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Hier sind Auen, hier sind Wälder,
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hier sind Ströme, hier Fontein,
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hier sind dickbewachsne Felder
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und was tausent Freuden sein.
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Hier sind Hirten, da sind Heerden,
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so auf weicher, feuchter Erden
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nach dem Tone der Schalmei
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springen in gewündschter Rei'.

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Und da werd' ich dich auch finden,
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Freund, und eine dicke Schaar,
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die dir bunte Kränze winden
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in dein schwarzes, krauses Haar,
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die mit Blumen auf dich streiten
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und mit Grünem ganz bespreiten,
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die in einem Schreien schrein:
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Freund, du solst gebunden sein!

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Ich, der Kleinest' unter Allen,
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an Person, an Freundschaft nicht,
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will dir auch tun zu Gefallen,
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was allda ein Ieder spricht.
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Sei gebunden! Ich muß sorgen,
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daß, ie besser du dich morgen
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lösen wirst, ie mehr wirstu
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diese Schlingen ziehen zu!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Fleming
(16091640)

* 05.10.1609 in Hartenstein, † 02.04.1640 in Hamburg

männlich, geb. Fleming

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller und Arzt

(Aus: Wikidata.org)

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