10. Auf Eines seiner besten Freunde Geburtstag

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Paul Fleming: 10. Auf Eines seiner besten Freunde Geburtstag (1624)

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Sind wir itzt nicht in dem Maien,
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in der besten Jahreszeit,
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da man Alles sich sieht freuen,
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was sich reget weit und breit,
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da die stolze Welt sich putzt
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und in jungem Schmucke stutzt?

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Du nur wilst dich nicht bequemen
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zu der süßen Liebligkeit
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und die Freude mitte nehmen,
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so sich giebet dieser Zeit?
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Du nur tust nicht, kleine Welt,
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was der großen so gefällt?

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Gib den müden Büchern Feier!
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Tu die matte Feder hin!
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Was du hast erlebet heuer,
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wird dirs übers Jahr nachziehn?
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Was ists, dem du dich verbannst
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und in ein solch Joch dich spannst?

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Was der von Stagyr geschrieben,
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Plato, was du hast erdacht,
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das ist Alles nach euch blieben;
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ihr nur gabet gute Nacht.
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Ist denn diß die große Frucht,
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die man in dem Schreiben sucht?

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Mein! Was hilft es doch dem Dichter,
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daß sein Fleiß ihn überlebt?
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Zwar ein Ieder ist hier Richter,
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daß er hat auf Ruhm gestrebt.
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Aber was geneußts der Man,
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der schon längst ist beigetan?

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Eh' man etwas Tüchtigs schreibet,
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lauft fürwar viel Zeit vorbei.
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Und was ists, das nach uns bleibet?
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Ein vergebliches Geschrei,
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das derselbe doch nicht höret,
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der darmitte wird geehret.

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Geben dir die Götter Gaben
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und verehren dich mit Kunst,
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daß du des kanst Ehre haben
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und verdienen Vieler Gunst,
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so gedenk doch auch darbei,
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wie ein eitel Ding das sei!

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Wo sind Perianders Schriften,
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Chilon, Thales, Pittakus?
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Weil ihr Fleiß flog nach den Lüften,
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sind die Namen auch Verdruß.
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Wie viel hundert Andre sein
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mit dem Namen gangen ein!

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Haben sie bei ihrer Mühe
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nicht Ergetzligkeit gehabt
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und sich, wenns die Zeit verliehe,
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nicht mit lieber Lust erlabt,
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was denn wird wol ihre sein,
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nun auch nicht mehr ist ihr Schein?

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Lebe, weil du bist im Leben,
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und gebrauche deiner Lust;
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doch sei nicht zu sehr ergeben
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dem, das du bald meiden mußt!
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Denke, daß du auch einmal
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wol berechnest deine Zahl!

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Gott verwehrt uns keine Freuden,
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wann sie Freuden bleiben nur,
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wenn wir hierbei nur vermeiden,
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was lockt auf der Wollust Spur.
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Und wie kan diß Freude sein,
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was sie nur ist auf den Schein?

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Was hilft das zu Tode-Saufen,
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das Verleihen seinen Leib,
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das um Wollust Reue-Kaufen,
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Borgen eines Andern Weib?
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Ist das Freude, heißt das Lust,
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daß du Schande haben mußt?

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Was für Freuden mir behagen,
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sind von schnöden Lüsten weit.
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Worzu mich die Sinnen tragen,
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ist vergönnte Fröligkeit.
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Was ist ehrbar, was gerühmt,
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was bedachte Weisen ziemt,

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was die müde Seele speiset
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und den lassen Leib ergetzt,
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was zum höchsten Gut uns weiset
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und in sanften Wolstand setzt:
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ich, du, der und alle wir
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sind von dessen wegen hier.

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Itzund laß dich von mir führen
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in der feuchten
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daß wir sehn die Flora zieren
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ihrer langen Wiesen Saal,
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wie sie um die Bäume tanzt
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und manch schönes Blümlein pflanzt!

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Ist schon hier nichts aus Idumen
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und was her kömmt über See,
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ei, so sind doch Maienblumen,
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feister Schmergel, dicker Klee.
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Haben wir schon Fremdes nicht,
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doch an Lust drum nichts gebricht.

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Der gesunde Tau sinkt nieder,
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das gezogne Kind der Nacht,
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der der matten Kräuter Glieder
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wieder steif und saftig macht,
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der die welken Blumen tränkt
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und in ihre Schoß sich senkt.

103
Zynthius streckt her von oben
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seines Goldes reinen Schein,
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wenn er itzt sein Häupt erhoben
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und fängt munter an zu sein,
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wenn er seine Glut aufsteckt
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und die faule Welt erweckt.

109
Vor ihm her kömt hergegangen
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die Zertreiberin der Nacht
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in den purpurbraunen Wangen,
112
in der Anemonen Tracht,
113
die denn balde, wenn er kömmt,
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schamrot ihren Abschied nimmt.

115
Und itzt ist vor zweien Stunden,
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als es noch war tiefe Nacht,
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eh' es Iemand hat empfunden,
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schon die Nachtigal erwacht,
119
welche denn verführet schon
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manchen lieben süßen Ton.

121
Nun begrüßen auch die Andern,
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die kein Nest mehr halten mag
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und durch freie Lüfte wandern,
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durch ihr Lied den jungen Tag.
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Keines will vom Andern ein
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in der Kunst getrieben sein.

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Siehst du, wie sich lieblich gatten
128
hier ein Pärlein, dort ein Paar
129
in der jungen Blätter Schatten?
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Wie die stumme Wasserschaar
131
an den sanften Ufern ringet
132
und sich um die Bulschaft dringet?

133
Und die ausverschämten Frösche
134
haben Hochzeit schon gemacht,
135
treiben ihr Koaxgewäsche
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von früh' an bis in die Nacht;
137
von der Nacht bis wieder früh'
138
höret man sie schweigen nie.

139
Hier laß uns ein wenig schauen,
140
wie der Fischer Reusen legt,
141
wie der Feldman baut die Auen,
142
wie der Gärtner Bäume hegt,
143
oder wie die dicke Saat
144
halb schon gleich vorschosset hat!

145
Dorte stehen feiste Rinder
146
in der Weide bis an Bauch.
147
Hier sind Ziegen, so nichts minder
148
blaten um den fetten Strauch.
149
Hier gehn Lämmer, so für Lust
150
scherzen bei gesunder Kost.

151
Hast du der Lust satt gepflogen,
152
wol! so lege dich mit mir
153
unter den gewölbten Bogen
154
dieser hohen Linden hier,
155
da denn solche sanfte Rast
156
uns benimmt der Glieder Last!

157
Was die Vögel tiriliren,
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das hallt wider durch die Kluft;
159
was wir hier für Reden führen,
160
das verschweigt die stille Luft.
161
Und da werd' ich melden viel,
162
das ich itzt nur denken will.

163
und was er mir macht für Plagen,
164
seit er mir entrissen sich.
165
Seit er sich von mir gewandt,
166
bin ich selbst mir unbekant.

167
Achtmal hat nun, als ich zähle,
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Phöbe volle Hörner kriegt,
169
daß zoh' hin die fromme Seele,
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daß der liebe Leib erliegt,
171
und so lange sterb' ich hin,
172
weil ich ohn' mein Leben bin.

173
Wer sich einmal in den Orden
174
treuer Freundschaft hat gesetzt,
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und ist ihm das Herz entworden,
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das er über alles schätzt,
177
der giebt sich zufrieden nicht,
178
bis auch er aus sich entbricht.

179
Was ich sinne, was ich denke,
180
das ist
181
Wo ich mein Gesicht' hin lenke,
182
schwebt sein Geist noch stets vor mir.
183
Wach' ich, schlaf' ich, was ich tu',
184
so dünkt mich, er sieht mir zu.

185
Will mir Gott denn Keinen geben,
186
der sich, Liebster, gleiche dir,
187
nun so muß ich einsam leben
188
und mich immer halten mir,
189
[maß auch große Klagewort'
190
traurig führen fort und fort.]

191
Dieses Alles wirstu hören
192
und mich ansehn unverwandt,
193
drauf dich sehnlich zu mir kehren,
194
dar mir bieten deine Hand
195
und mit feuriger Begier
196
diese Worte sagen mir:

197
»hastu etwas vor verloren,
198
suche selbigs nur in mir!«
199
Ich, als wär' ich neugeboren,
200
werde wenden mich zu dir,
201
sprechend: »Lieber, geh' es ein!
202
Du, da solst mein

203
Linde, du und ihr, ihr Wiesen,
204
ihr, ihr sollet Zeugen sein,
205
daß ich diesen Meinen, diesen
206
gleich als meinen
207
Ich bin deine, meine du!
208
Ganze Gegend, höre zu!

209
Denn so laß uns beide schreien:
210
»glück zur neuen Brüderschaft,
211
Glück uns beiden, Glück uns zweien!
212
Dieses Bündnüß habe Kraft!«
213
Echo hallt: es habe Kraft!
214
Glück zur neuen Brüderschaft!

215
Was befreundet doch das Saufen?
216
Es ist nur des Pöfels Brauch,
217
da man Brüderschaft muß kaufen
218
um das, was nur füllt den Bauch,
219
die denn kaum so lange steht,
220
bis der Soff vom Leibe geht

221
Nüchtern soll man sein und seine,
222
wenn man seinesgleichen sucht,
223
weil noch sind die Sinnen reine,
224
weil man Scham noch hat und Zucht.
225
Was beständig bleiben soll,
226
muß man vor bedenken wol.

227
Nachmals werden wir uns sehnen
228
um einander stets zu sein,
229
uns allmählich angewöhnen,
230
daß wir
231
Unser Sin wird höher stehn
232
als wo nur die Feigen gehn.

233
Dein Verbündnüß, deine Treue
234
macht, daß ich mein Vaterland
235
zu verlassen ganz nicht scheue.
236
Das verknüpfte Liebesband
237
wird uns führen hin und her,
238
über Trucken, über Meer.

239
Weg mit dem, der stets nur lieget
240
bei der faulen Ofenbank!
241
Wer sich in die Fremde füget,
242
wird bekant, verdienet Dank.
243
Diß ist meines Lebens Ziel,
244
daß ich stets mehr lernen will.

245
Drauf so gehn wir neuen Brüder
246
auf das nahe
247
da denn auch nichts mangelt wieder,
248
was ergetzet unsern Sin.
249
Heint ist gleich die andre Nacht,
250
daß man Hochzeit da gemacht.

251
an die heiße Brust gedruckt;
252
was ihr wol tut, wie sies juckt;
253
Andre, die zugegen sein,
254
führen einen Bauerrei'n.

255
um ihr braunes Haar und steht,
256
bis sie holet ab ihr Freier
257
und mit ihr zu Platze geht,
258
da sie denn um einen Tanz
259
ihm vertauschet ihren Kranz.

260
Sind wir denn des Zusehns müde,
261
gut! so machen wir uns fort,
262
lachen über manchem Liede,
263
bis wir kommen an den Ort,
264
in den Hof, der uns wol kennt
265
und oft seine Gäste nennt.

266
Zwar wir könten uns auch wenden
267
auf das schöne
268
und den Knaben vor uns senden,
269
der uns Alles wol bestellt,
270
doch wie

271
hier ist Lust in gutem Kauf,
272
hier kan man dem Trauren wehren,
273
hier trägt man vollauf uns auf.
274
Was man wündscht nur und begehrt,
275
dessen wird man hier gewährt.

276
Auf dem schattenreichen Rasen
277
dieses dicken Apfelbaums
278
oder dort, wo jene grasen,
279
ist der Platz sehr gutes Raums.
280
Oder liebt dieß Lusthaus baß,
281
da ich oft vor diesem saß?

282
Ich und jene lieben Dreie,
283
derer Einer nun ist hin, –
284
itzt die überbliebnen Zweie
285
ungesegnet von mir ziehn, –
286
ich alleine bin noch hier,
287
der ich weiß um die Revier.

288
Lüstet dich nach einem Fische,
289
den die
290
er soll bald stehn auf dem Tische.
291
Liebet dir ein feister Hahn,
292
der im Hof' ist worden jung,
293
hier giebts solches Viehs genung.

294
Haben wir denn Lust zu Weine,
295
die den besten Trunk vom Rheine,
296
die den süß'sten Alakant
297
und was lieber noch kan sein
298
auf der Post uns liefert ein.

299
Wündschest da nach einer Schüssel,
300
so mit süßer Milch gefüllt?
301
Schau, dort ist der Kellerschlüssel!
302
Nim dir, so am meisten gilt!
303
Hier sind Semmeln, Löffel hier.
304
Iß, so viel beliebet dir!

305
Wollen wir zu Wasser fahren?
306
Dorte steht ein neuer Kahn.
307
Heute wird man nichts nicht sparen.
308
Knecht, greif frisch die Ruder an!
309
mit der

310
Gleichsfals mangelts nicht an Spielen.
311
Vor uns steht das Interim,
312
da die Peilke, hier sind Mühlen,
313
und wornach du dich siehst um,
314
Wol! es gilt auf gleichen Sieg,
315
einen Treppel, einen Pick!

316
Wilst du lortschen, wilst du dammen,
317
wilst da ziehen in dem Schach'?
318
Her, wir wagen uns zusammen!
319
Laß uns sehn, wers beste mach'!
320
Oder solls im Brete sein?
321
Gut! es gilt ein Stiebchen Wein!

322
Dorte liegen auch die Kegel.
323
Liebt dirs, nim es an mit mir!
324
Indeß bringt der Knecht das Legel,
325
angefüllt mit kaltem Bier,
326
und das soll uns lieber sein
327
als Madrill, dein bester Wein.

328
Wenn die Sonn' am höchsten stehet,
329
doppelt ihre wilde Glut
330
und kein linder West nicht wehet,
331
da verraucht uns Kraft und Mut,
332
bis ein frischer Trunk ersetzt
333
das, was in uns war verletzt.

334
Über, unter, um und neben,
335
vor und hinter uns ist Lust.
336
Da ist lauter liebes Leben,
337
wo wir wenden hin die Brust.
338
Wo wir liegen, wo wir stehn,
339
sehn wir Freude mit uns gehn.

340
Doch was können wir alleine
341
mit einander lustig sein?
342
Laß hieher auch bitten Deine,
343
die nichts minder auch sind mein,
344
als die gleichsfals itzt, wie ich,
345
so bemühet sein auf dich!

346
Hola, Junger, hole Jene,
347
Jene, die du kennest wol!
348
Heiß sie kommen und erwähne,
349
daß wir schon sind zimlich voll!
350
Heiß sie da sein ohn' Verzug,
351
weil noch währt der dritte Krug!

352
Und so wollen wir uns freuen,
353
bis daß Phöbus Urlaub nimmt,
354
bis mit ihren lichten Reien
355
Luna an ihr Zimmer kömmt;
356
bis der Tag bricht wieder ein,
357
wollen wir so lustig sein!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Fleming
(16091640)

* 05.10.1609 in Hartenstein, † 02.04.1640 in Hamburg

männlich, geb. Fleming

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller und Arzt

(Aus: Wikidata.org)

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