17. Hirtenlied auf eines Freundes in der Moskow gehaltener Hochzeit

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Paul Fleming: 17. Hirtenlied auf eines Freundes in der Moskow gehaltener Hochzeit (1624)

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ging um Rußlands größte Stadt,
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als von Kälte wurde steifer
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Alles, was den Namen hat,
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und so lang' er fingern kunte,
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sang er, wie er stets begunte:

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»her,
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her,
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Singt mir Eins auf
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der ist heute Bräutgam worden!

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Osten, Westen, Süd und Norden,
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blaset unsern Nachbarn an,
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unser Nachbar, der sich heute
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dir, Kupido, giebt zur Beute!

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Mein! wer ist denn seine Liebe?
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Sie ists, unsre
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die sein lieb Gedächtnüß schriebe
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oft zu Winters in den Schnee,
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die oft schnitt' an manchen Eichen
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ihres Liebsten Namenszeichen.

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Er, der König unsrer Flüsse,
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hebt sein schilficht Haupt empor,
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tut für Freuden stärkre Güsse,
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als er nie getan zuvor,
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und, als man uns glauben machet,
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hat er dreimal laut gelachet.

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Die erfreuten Heerden springen,
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das verlebte Jahr wird jung,
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die gelehrten Vögel singen,
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Wald und Feld ist auf dem Sprung',
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und die Schoß der alten Erden
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will aufs Neue schwanger werden.

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Sie streicht mit verliebtem Finger
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ihre Runzeln von der Haut.
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Au' und Gärten werden junger
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zu Gefallen unsrer Braut.
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Zu Gefallen beiden Lieben
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liebt was Liebe nur kan üben.

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Ein Zweig bulet mit dem andern.
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Die erhitzte Wasserschaar
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sieht man an den Ufern wandern,
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hier ein Pärlein, dort ein Paar.
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Was tun anders Flüss' in Flüssen,
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als daß sie uns lehren küssen?

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Hier scheußt Münze, da Lavendel,
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dort berühmter Dorant auf;
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bunter Klee, gesunder Quendel
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kömmt gesprossen Hauf' auf Hauf'.
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Auf den Feldern, auf den Auen
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ist nichts als der Mai zu schauen.

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Freiet wol, ihr neuen Freier!
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Laßt nichts nach als uneins sein!
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Gott, der halte diß sein Feuer,
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eure Liebe, stets im Schein'!
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Unser Vorrat, Vieh und Weide
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soll auch stets sein vor euch beide.

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Laßt den bleichen Neid nur treiben,
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wo sein leichter Wind hin will!
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Bauren können vor ihm bleiben,
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er hat viel ein hoher Ziel.
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Einfalt ists, die Hirten nützet
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und sie vor der Mißgunst schützet.

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Daß ihr unser mögt gedenken,
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so soll unser Ieder euch
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einen feisten Hammel schenken.
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Pan der mach' euch zeitlich reich!
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Ewig wird euch der versorgen,
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der uns stets bringt neue Morgen.«

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Und mit dem war ihm erstarret
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Hand und Wind und Wort darzu.
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»ei«, sprach
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nehmt euch doch bei uns die Ruh'!
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Ich will meinen lieben Gästen
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heinte geben was zum Besten.«

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Wol! Sie waren des zufrieden,
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kunten sie was machen draus.
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und zoh' in sein neues Haus
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zu Erwärmung ihrer Glieder
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alle die gesammten Brüder.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Fleming
(16091640)

* 05.10.1609 in Hartenstein, † 02.04.1640 in Hamburg

männlich, geb. Fleming

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller und Arzt

(Aus: Wikidata.org)

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