7. Auf Herrn Adam Zeidlers und Jungfrau Esther Webers Hochzeit

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Paul Fleming: 7. Auf Herrn Adam Zeidlers und Jungfrau Esther Webers Hochzeit (1624)

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Sieh sie an, die
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fromme Zynthie, und höre!
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Du auch, züchtige Zythere,
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unsrer Nächte Heroldin,
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trit herfür und gieb dein Zeichen,
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daß die kühlen Schatten streichen!

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Ja, ihr tuts. Der schöne Tag
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ist der schönen Nacht gewichen.
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Was ists, das dort kommt geschlichen,
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was ists, daß ich fragen mag,
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das aus jenen Hörnern lachet
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und der Braut solch Sehnen machet?

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Lune ists, der Tag der Nacht,
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und die Herrscherin der Flammen,
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so die Lieben fügt zusammen,
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hat sich neben sie gemacht,
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neben sie, dieweil sie beide
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Gleiches tun bei solcher Freude.

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Sie stehn nun und sehn mit Lust
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ihre güldnen Ritter ringen,
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daß die süßen Bahnen klingen
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einen Ton uns unbewußt.
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Was sie mit dem Winken wollen,
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ist, daß wir nun schlafen sollen.

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Die verjüngte Frülingswelt
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eilet, was sie kan, zu Bette.
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Alles eilet um die Wette
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und verbirgt sich in sein Zelt.
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Alles hat sich schon geleget,
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was Wald, Luft und Wasser heget.

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Alles braucht sich seiner Ruh'.
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Sehet, wie die Saat sich bücket,
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die verwachte Rose nicket
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und tut wie ihr Auge zu,
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und die taumelnden Zypressen
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haben ihrer selbst vergessen!

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Die gekühlte Luft schleicht aus
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und haucht auf die trucknen Matten
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tauende gesunde Schatten,
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und das frohe Sternenhaus
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geußt den schlummernden Gewächsen
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neue Kraft in ihre Flechsen.

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Was ist mehr froh als die Braut,
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daß der Lauf der hohen Sonnen
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nun hat seinen Zweck gewonnen,
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daß nun Alles, was sie schaut,
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ist mit dicker Nacht begossen
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und die Augen zugeschlossen?

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Mahl und Tanz sind gleich nun aus.
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Die bezechten Gäste wandern
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immer einer nach dem andern;
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Iederman der sucht sein Haus.
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Nun vermeint sie sich zu laben,
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erst recht satten Fug zu haben.

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Sie umfängt des Liebsten Leib.
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Wahr ists, daß in süßem Zagen
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sie einandern selbst verklagen,
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sie ihn Man und er sie Weib,
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daß mit halbgeweintem Lachen
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sie so neue Namen machen.

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Lieben, redet nicht zu viel!
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Denn die abgeführten Sternen,
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die behorchen euch vom Fernen
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und verraten dieses Spiel.
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Alle Götter wissen morgen,
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was ihr meintet ganz verborgen.

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Was ihr sonsten tut, das tut!
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Nehmt und gebet, gebt und nehmet,
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dessen sich kein Herze schämet,
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dem es wird wie euch so gut!
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Schaffets, daß sich selbsten müssen
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die geküßten Küsse küssen!

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Dieser angenähme Streit,
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der aus Einigkeit entspringet,
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bringt euch, was er Allen bringet,
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die so sein, als wie ihr seid.
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Was durch Streiten wird verloren,
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wird durch Streiten auch geboren.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Fleming
(16091640)

* 05.10.1609 in Hartenstein, † 02.04.1640 in Hamburg

männlich, geb. Fleming

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller und Arzt

(Aus: Wikidata.org)

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