4. Auf eine Hochzeit zu Dresden

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Paul Fleming: 4. Auf eine Hochzeit zu Dresden (1624)

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Kleiner Gott der großen Glut,
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die uns Herz und Seelen zwinget,
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die durch Mark und Seele dringet
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und versenget Sin und Mut,
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sieh die zwei Verliebten an,
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schau an diese Frau und Man!

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Sieh sie an, das heiße Paar,
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das vor diesem deine Stärke
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auch befunden in dem Werke!
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Das sonst auch verfreiet war,
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spricht dich, wie es vor getan,
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wiederum zu dienen an.

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Sag mir, was dein Dienst doch sei!
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Es ist ein verkehrt Verlangen,
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da, ie mehr wir sind gefangen,
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ie mehr achten wir uns frei,
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und, ie mehr wir frei ausgehn,
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wollen wir in Diensten stehn.

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Wie ein süßes Regiment
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muß es doch sein um das deine!
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Das beweist mit klarem Scheine
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diß, so abermalig brennt,
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dieses herzverliebte Paar
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und macht's durch sich selbsten klar.

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Was uns sonsten nur erfreut,
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es sei was es sei auf Erden,
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das mag nicht verglichen werden
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mit der güldnen Ledigkeit.
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Es sei was es auch nur sei,
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das ist froh, wenn es ist frei.

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Wenn die schöne Nachtigal
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einmal aus der Wacht entsprungen,
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hat man ihr auch vorgesungen
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einen solchen süßen Schall,
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daß sie wieder flög' herein
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und sich ließe sperren ein?

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Was uns einmal hat ergetzt,
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das verlockt uns das Gemüte
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immerdar durch seine Güte.
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Was uns einmal hat verletzt,
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das fliehn und verhüten wir,
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wie wir können, für und für.

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Wäre das Verehlichtsein
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nichts als immer neue Plagen
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und, wie schlechte Leute sagen,
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eine liebe lange Pein,
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was hätt' euch denn angebracht,
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daß ihr wieder dran gedacht?

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Ihr versichert uns durch euch,
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daß wir dem nun Glauben geben,
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Liebe müsse sein ein Leben,
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dem auch keins auf Erden gleich,
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daß der, so sich ihr ergiebt,
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Freiheit mehr als Dienste liebt.

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Wol euch, die ihr dienstbar seid,
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die ihr euch so wol verbunden!
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Ihr habt euer Glücke funden
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in der freien Dienstbarkeit.
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Ihr seid, Liebe, ihr seid blos,
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mitten in dem Dienen los.

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Wir, die wir noch müßig stehn,
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die wir dem gelobten Knaben
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uns noch nicht vermietet haben
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und in wüster Irre gehn,
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wündschen euch Heil und Gewinst,
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uns auch balde solchen Dienst.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Fleming
(16091640)

* 05.10.1609 in Hartenstein, † 02.04.1640 in Hamburg

männlich, geb. Fleming

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller und Arzt

(Aus: Wikidata.org)

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