2. Auf Herrn Martin Schörkels und Jungfrau Margarethen Putschers Hochzeit

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Paul Fleming: 2. Auf Herrn Martin Schörkels und Jungfrau Margarethen Putschers Hochzeit (1624)

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Schöne Nacht, gewündschte Schatten,
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kommt doch, kommet doch von Statten,
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eilt doch, eilet doch anher!
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Ja, ihr eilet, ja, ihr kommet!
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Nun ist hier, was beiden frommet,
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nun ist hin, was war Beschwer.

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Gebt uns, was kömmt aus Idumen,
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gebt uns junge Safranblumen,
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Himmelsschlüsseln, Roßmarin,
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daß wir sie den lieben Zweien,
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den geliebten zweien Treuen
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streuen auf ihr Lager hin!

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Dieses, dieses sind die Stunden,
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da ihr Alles habt empfunden,
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trautes Paar, was ihr begehrt.
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Was in sechsmal vierzehn Tagen
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euch gewesen süße Plagen,
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hat euch eine Nacht gewährt.

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Nemlich itzund war zu freien,
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da man Alles sich verneuen
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und wie Hochzeit machen sicht,
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da nun in erwärmter Erden
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alle Sachen rege werden,
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wie bei Bulern auch geschicht.

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Die verlebte Welt wird jünger
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und streicht mit verliebtem Finger
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ihre Runzeln von der Haut.
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Seht, seht, wie sie aus den Feldern,
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aus den Auen, aus den Wäldern
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mit verbulten Augen schaut!

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Sie schaut nach dem lieben Freier,
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der uns bringt ein neues Heuer,
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der sich ihr schon anvertraut
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und in ihre Glieder dringet.
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Unser Bräutgam wird verjünget
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in der Schoß der schönen Braut.

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Gleiches Paar, doch nicht an Jahren!
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Ihr laßt uns an euch erfahren,
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daß auch Ungleich gleiche sei.
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Doch wer fraget nach den Jahren?
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Was sich soll, das muß sich paaren.
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Lieb' ist hier, wie allzeit, frei.

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Wenn sich ein Paar Liebe küssen,
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und mit halbgemachten Bissen
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Mund mit Munde lieblich ringt,
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daß die küssenden Korallen
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etwas lassen widerschallen,
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das den Sternen gleiche klingt:

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da verlaufen sich die Seelen
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in die unerforschten Hölen
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und verwirren sich in sich.
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In den zimmetsüßen Kehlen,
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da geschiehet das Vermählen,
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das uns wundert ewiglich.

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Zwei vermengte Lüfte machen
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einen Geist, der große Sachen,
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doch in kleinem Halle sagt,
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Sachen, die nur ihr besinnet
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und doch Keinem sagen könnet,
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der euch um dieselben fragt.

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In demselben lieben Leben
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werdet ihr nicht wissen eben,
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bei euch stets, stets von euch weit,
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ob ihr schlafend oder wachend,
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ob ihr weinend oder lachend
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oder aus euch selbsten seid.

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Die gestirnten Himmelsscheiben
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wollen gleich als stehen bleiben
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über euch und eurer Zier.
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Tausent', tausent' kleiner Wächter
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treiben ein sehr laut Gelächter
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euch zu Ehren für und für.

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Geht, Verliebte, teilt die Flammen!
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Der euch itzund giebt zusammen,
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fürder' eurer Liebe Lauf!
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Des ersuchten Himmels Segen
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wird sich mit euch niederlegen,
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schlafen, wachen und stehn auf.

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Wenn der weitgepreiste Garten
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keiner Blumen mehr wird warten,
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wenn das Pomeranzenhaus
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grau von Frost und Schnee wird stehen,
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denn soll eine Blum' aufgehen
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und mit Freuden blühen aus.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Fleming
(16091640)

* 05.10.1609 in Hartenstein, † 02.04.1640 in Hamburg

männlich, geb. Fleming

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller und Arzt

(Aus: Wikidata.org)

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