Laß, edler Bräutgam, deiner Jugend

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Paul Fleming: Laß, edler Bräutgam, deiner Jugend Titel entspricht 1. Vers(1624)

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Laß, edler Bräutgam, deiner Jugend,
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laß ihr doch ietzo ihren Zaum,
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und gieb der reifen Freude Raum,
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der Freude, die dir deine Tugend
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gebieret in gewündschter Ruh'!
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Durch Rechte Demut Steigest Du.

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Die Demut, so mit Kunst vermählet,
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bricht durch des Glückes Mißgunst vor,
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erschwingt sich über Neid empor,
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vor dem sie bleibet ungeschmälet.
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Wer diese Tugend an sich hat,
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der achtet keines Pöfels Gnad'.

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Er stellt sich vor dem Vaterlande
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und richtet das ihm liebe Volk;
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so hoch und weit schwebt eine Wolk',
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ist dieser frei von aller Schande,
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von Schande, so der leichte Hauf'
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in Ungebür ihm heftet auf.

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Wie reich du sonsten bist an Gaben,
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so kaum bei Andern einzeln sein,
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iedoch muß Demut hier den Schein
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vor allen andern rühmlich haben.
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Gelehrte Demut ist die Pracht,
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die aus uns Menschen Götter macht.

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Sie rühmte dich bei unserm Kaiser
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und trug dich vielen Völkern für.
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Sie machte dich, du Landes Zier,
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zur Säulen deiner Fürstenhäuser,
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daß Iederman nun sieht auf dich
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und trauet deiner Sorgen sich.

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Der Himmel schenkt dir seine Schätze
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und rüstet dich mit Weisheit aus.
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Asträa, die bewohnt dein Haus,
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durch dich versteht sie ihre Sätze.
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Was göttlich und nur hoch kan sein,
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das ist bei dir, du Held, gemein.

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Ietzt trauen dir zu treuen Händen
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Cytheris und ihr junger Sohn
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der süßen Liebe milden Lohn,
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indem sie dir diß Mensch verpfänden,
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diß Mensch, das auch Steigt und nimmt zu
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Durch Rechte Demut, gleich wie Du.

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Kein stärker Bündnüß ist auf Erden,
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als wenn sich Gleich und Gleich gesellt.
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Diß Ganze, was wir nennen Welt,
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muß gleichsfals so beweget werden.
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Was außer solcher Brüderschaft,
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hat langen Taurens keine Kraft.

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Du hast dir ein Gemahl erkoren,
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so dir gemäß in Allem ist,
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in der du dir recht ähnlich bist,
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in der du selbsten dich verloren.
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Ietzt wirst du, Werter, doppelt reich:
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du findest dich und was dir gleich.

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Ihr wolgepaarten, trauten Flammen,
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du, großen Vatern großer Sohn,
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sie, ihres Namens Schmuck und Kron',
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ietzt tretet ihr getrost zusammen,
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ietzt folget ihr. Ihr endet itzt,
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worauf sich Amor längst gespitzt.

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Viel tausent tausent feuchte Küsse
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betauen die vermählte Hand,
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damit der Liebe trächtigs Land
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zukünftig nicht vertrucknen müsse.
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Die Munde tun ihr Amen drein,
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was beide Händ' eins worden sein.

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Was, Liebsten, mangelt euch vor Glücke?
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Ihr sitzt der Ehren in dem Schoß'
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und seid der Furcht und Hoffnung los,
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ihr habt die eitle Zeit zurücke,
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die Zeit, so manchen Buler kränkt,
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der viel bedenkt und doch nur denkt.

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Geht, Liebe, geht, zerteilt die Kerzen,
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ergetzet durch euch selbsten euch
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und denket auch an das zugleich
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in jenem lieben, süßen Scherzen,
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was ihr dem Land, euch und der Zeit
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für hohe Schuldner worden seid!

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Daß nemlich ihr aus euch uns gebet,
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was uns durch euch gegeben ist,
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daß ihr einst sagen könnt und müßt,
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ihr habet euch durch euch belebet.
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Und so wird eurer Tugend Schein
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im höchsten Grad gestiegen sein.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Fleming
(16091640)

* 05.10.1609 in Hartenstein, † 02.04.1640 in Hamburg

männlich, geb. Fleming

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller und Arzt

(Aus: Wikidata.org)

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