11. Auf Herren D. Polykarpus Leysers, Superintendentens in Leipzig, seliges Ableben

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Paul Fleming: 11. Auf Herren D. Polykarpus Leysers, Superintendentens in Leipzig, seliges Ableben (1624)

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Zwar, wie hoch wir auch betauren
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unsers großen
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doch so wäre diesem Trauren
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noch so bald zu helfen ab,
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wenn der Tod so hoher Leute
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nicht ein derbers Unheil dräute.

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Gott, der geht mit sich zu Rate
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über eine Stadt und Land,
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dem er alles Gutes tate,
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das doch nicht war angewandt,
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daß man aus den strengen Plagen
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muß von erster Güte sagen.

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Er fängt an an seinem Hause,
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seiner Kirchen schont er nicht,
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und alsdenn ist keine Pause,
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bis er Alles fast zerbricht,
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bis er seinen Grimm vollzogen
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über dem, was ihn bewogen.

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Er versorget die Gerechten
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und die er vor Andern kennt,
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daß sie uns zu Rechte brächten,
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wenn er sie nicht von uns trennt',
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auf daß er verbürter Maßen
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unverhindert uns kan fassen.

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Gleich als wenn ein treuer Hirte
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in der wilden Wüstenei
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von der Heerde sich verirrte,
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das verlaßne Vieh wird scheu,
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die bestürzten Lämmer laufen
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ohne Weiser, ohne Haufen.

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Wenn die teuren Männer fallen,
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die uns das gesunde Wort
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nach dem Himmel ließen schallen,
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da will es mit uns nicht fort;
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wir entbrechen aus den Schranken
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und sind steif in stetem Wanken.

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Was für widriges Beginnen
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folget' auf des Moses Tod?
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Samuel war kaum von hinnen,
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Israel verließe Gott.
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Und man war dem Herrn ergeben,
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weil Jojada war im Leben.

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Und was ist für Unrat kommen,
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seit der hohe
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unsrer Canzeln lichter Schein?
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Fünf Jahr ists, daß er in Frieden
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lebenssatt von uns geschieden.

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Von der Zeit, fast selbtem Tage
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hebt sich unser Jammer an.
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Mangelts auch an einer Plage,
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die uns nicht ist angetan?
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Innerhalb so kurzen Jahren
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haben wir genung erfahren.

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Gottes Hand, die böse Seuche
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hat uns dünne satt gemacht,
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die Zergliederung im Reiche
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nahe nur nicht umbgebracht,
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welche noch mit jungem Morgen
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uns gebären neue Sorgen.

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Den verödeten Gefildern
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mangelt itzt ihr Pflug und Man;
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Gärt' und Matten, die verwildern,
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aller Vorrat ist vertan.
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Was wird uns inkünftig nähren?
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Hat man doch kaum itzt zu zehren.

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Der mit feurigen Gebeten
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und mit glüender Begier
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vor den bösen Gott getreten
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und uns stets gesprochen für,
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den hat er drumb sterben heißen,
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daß er uns kan schärfer schmeißen.

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So der Heilige so stirbet,
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was hofft ihm ein Eitler wol,
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der in dem stets mehr verdirbet,
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daß er nicht verderben soll?
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Soll der Sünder straflos wallen
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und ein frommer Priester fallen?

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Vater, euer frühes Ende
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macht, daß wir uns fürchten mehr.
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Wir verkehren Haupt und Hände
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und tun kläglich mehr als sehr,
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sehr, daß ihr uns seid entnommen,
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mehr umb das, was drauf mag kommen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Fleming
(16091640)

* 05.10.1609 in Hartenstein, † 02.04.1640 in Hamburg

männlich, geb. Fleming

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller und Arzt

(Aus: Wikidata.org)

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